Hauptsache dafür

Nico —  2.06.2010 — 45 Comments

Nein, ich halte Ursula von der Leyen nicht für geeignet, als Bundespräsidentin unser Land zu repräsentieren. Und ich finde es gut, wenn diese Ablehnung auch artikuliert wird. Dafür haben wir Blogs, Twitter, Facebook und Co. – auch wenn natürlich netzbasierte Kommunikation nicht alles ist.

Allerdings vermisse ich, mal wieder, eine konstruktive Auseinandersetzung im Netz zu politischen Themen. Wenn wir es schaffen, daß über 100.000 Leute eine Petition unterschreiben, warum bekommen wir es dann nicht hin, daß 100.000 Leute mittels netzbasierter Tools innerhalb von einigen Tagen auf Basis von Crowdsourcing eine tolle Auswahl möglicher Kandidaten zusammenstellen?

Es muss doch machbar sein, dieses Netz konstruktiv zu nutzen. Die Weisheit der Vielen würde ich gerne mal in Aktion sehen, um etwas Neues zu entwickeln und ein Ziel zu formulieren. Wo ist das Wiki, auf dem die möglichen Kandidaten gesammelt und diskutiert werden? Wo werden Möglichkeiten diskutiert, wie trotz Bundesversammlung mehr Menschen ihren Input geben können? Wo sind all diejenigen, die sonst immer so viel erzählen über Crowdsourcing, über kollaboratives Arbeiten?

Warum können wir nur negativ?

Und “mach doch!” ist jetzt nicht die Antwort, die ich erwarte. Wenn wir Automatismen gegen etwas haben, dann können wir auch Automatismen für etwas entwickeln.

Das Signal an Frau Merkel sollte nicht sein “wir finden Ursula von der Leyen ungeeignet”, sondern “100.000 Menschen haben sich nach intensiven Beratungen für Person XY ausgesprochen, aus folgenden Gründen…” – damit entwickelt man ein öffentliches Durckpotential. Und das gilt übrigens für alle Debatten, die wir online führen.

Dafür ist das neue dagegen.

45 responses to Hauptsache dafür

  1. Na, Nico, ist das jetzt nicht ein bisschen viel verlangt?

    Ganz abgesehen davon, dass neben der Ablehnung von vdL ja durchaus auch Kandidaten positiv bewertet werden (wenn auch ohne intensive Beratungen auf eigens adhoc gelaunchten Plattformen …).

    Hans-Jürgen Papier und Joschka Fischer scheinen konsensfähig, Margot Käßmann wird auch immer wieder erwähnt (allerdings mit dem Zusatz “chancenlos” zu sein).

    Nichts gegen die Utopie, mal spontan einen Staat zu organisieren. Wie komplex ein solches Ansinnen ist, haben aber bereits Leggewie und Co ja schon 2003 (PDF) durchgetanzt. So wirklich viel ist seitdem nicht passiert.

    • Klar, dagegen ist einfacher.

      • Natürlich ist dagegen einfacher. Genauso einfach, wie nicht erfüllbare Forderungen zu stellen und dann rumzumaulen, dass die Internetwelt schlecht sei ,)*

        Nur, so schlecht ist das Internet nun einmal nicht und erst recht nicht pauschal dagegen. Es ist nur deutlicher langsamer, als wir es gerne hätten (und für die Politik vielleicht immer noch zu schnell).

        PS: Ok, das war unfair. Dein http://www.seheichmichgezwungen.de/ war schließlich ein wertvoller Beitrag zur Datenschutzdebatte ,)

  2. Vielleicht bedarf es einiger Leitfiguren, die das großes Heer der “ich möchte was ändern” Menschen anspricht und mobilisiert. Der Wille ist schon da, verteilt auf viele kleine Grüppchen, die aber nichts verbindet.

  3. Ich hätte dann hier mal einen Vorschlag, wie man das machen könnte. Vielleicht gibt’s ja andere, die den aufnehmen und noch verbessern.

    http://oetting.posterous.com/vorschlag-fur-einen-vorschlag-fur-einen-neuen

  4. Hey Nico, das ist nun wirklich blanker Unsinn. Neben – polemischer wie gut argumentierter – Ablehnung von vdL werden in Blogs etc. interessante Namen genannt und mancher springt dabei über seinen langen Schatten (Papier ist immerhin in der CSU).
    Auch die Medien leisten einiges, etwa mit ihren Umfrage-Dingens.
    Angesichts des Verfahrens zur Wahl des BuPrä ist das aber eigentlich alles vergebliche Mühe. Die Angie wird einen Namen nennen und der/die wird gewählt. Kaum irgendwo sonst sind wir derart machtlos.
    Angesichts dessen kann ich übrigens verzweifelte “Nein, die nicht-Beiträge” schon verstehen. Man will es wenigsten vorher zum Ausdruck gebracht haben.

    • Vielleicht noch als Ergänzung: Für blanken Unsinn halte ich Deine Kritik am dagegen. Einen Versuch a la Oetting könnte ein interessanter Diskussionsbeitrag sein.

      • Djure, Du bist echt ein Scherzkeks. Ich liefere eine Anregung, Martin entwickelt diese weiter und Du sagst, meine Argumentation ist blanker Unsinn? Das verstehe ich nicht.

        und, es bringt nix, wenn überall Namen rumschwirren, das muss zusammengetragen werden.

        • Tschuldigung. Aber ich finde Deinen Ausgangspunkt – das Netz sei mal wieder nur dagegen – einfach doof. Für Teil II habe ich ja eine Korrektur nachgeschoben.

  5. Nico, was für ein Quark. Mit Käse. Hoch zehn! Man kämpft genau dann für etwas, wenn es Erfolg verspricht. Außerdem kann man Crowdsourcingprozesse nicht “fordern”. Herrje.

    Das erinnert mich wieder an das unsägliche Gejammer von den Blogs, die keine gesellschaftliche Relevanz hätten. Der Denkfehler ist der Gleiche: Man nehme herkömmliche Gesellschaftliche Relevanz (Beispiel Bundespräsident) und halte die Internetszene dagegen. Ergebnis: doesn’t match. Oh Wunder! Dabei wird vergessen, dass das Netz nicht dazu angetreten ist, in den vorhandenen Strukturen neuen Input zu liefern, sondern vielmehr um Nebenstrukturen zu bilden, die die alten auf Dauer Überflüssig machen. Neinnein, Bundespräsidenten stürzen und bestenfalls noch von der Leyen verhindern ist ganz genau die richtige Aufgabe zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Alles andere ist staatstragende Romantik.

  6. Hallo,

    ich glaube sehr wohl, dass es sich lohnt, *für* etwas zu kämpfen, als gegen etwas. Politik ist auch immer auf Kompromiss angewiesen, da hilft es wenig, UvdL zu verhindern, wenn dann aber Schäuble anrollt. Der hat sich zu Internetthemen zwar bisher wenig (und damit eben nicht negativ) geäußert, seine Auffassung von “Innerer Sicherheit” ist im sog. Web 2.0 aber sicherlich auch kaum mehrheitsfähig.

    Will heißen: Viele sind gegen von der Leyern, weil sie #Zensursula kennen. Aber wie viele wären auch gegen Schäuble und andere, wenn die sich mal zu internetspezifischen Themen äußern würden?

    @mspro Wenn man nur kämpft, wenn etwas Erfolg verspricht, hat man schon verloren.

  7. Hallo Nico,

    bin gerade auf Deinen Post aufmerksam geworden.

    Wirklich gut. Ich habe schnell mal gedacht und kam auf die Twittermap (gab es schon mal im vorfeld der re:publica).

    Man könnte doch einen Hashtag einführen für Bundespräsidentenkandidaten und dann abbilden bzw. visualisieren, wo wer und wieso für den oder die Kandidaten/in ist, auf 140 Zeichen.

    Dann müßte man noch ein kleines Regularium finden, um die Begründung pro oder Contra nicht zu einfach sein zu lassen.

    Denn: es geht um unser Staatsoberhaupt und nicht um etwas einfaches. Es geht um den oder die, der oder die uns eine Stimme verleiht.

    Was meinst Du?

    Liebe Grüße

    Johannes

  8. Kassandra 3.06.2010 at 0:41

    Alles sehr nett, aber wo ist der Vorschlag und die Initiative?
    Ist sonst ja auch nur negativ ohne konstruktiv zu sein!

  9. BP:? Unser aller Freund Hans-Olaf Henkel oder die andere Couleur:
    Joschka. Und wenn es nach m ir ginge…: kein Staatsoberhaupt, welches sich per Job Description nur auf der abstrakten Meta-Ebene politisch Erziehungsberechtigter ausbreiten darf ohnre konkret zu werden.

  10. erstmal zum eigentlichen thema: die idee einer netzpolitisch/internet-basierten “dafür”-aktion halte ich prinzipiell zwar für gut, im konkreten fall aber nicht für realisierbar. schließich gibt es ein paar gründe dafür, dass die bundesversammlung und nicht etwa die bevölkerung über die besetzung des bundespräsidentenamtes entscheidet. da die konstellation hier eben von den parteien (und ihrer föderalen verflechtung) dominiert ist, würde möglicherweise selbst eine “dafür-aktion” im sinne einer entscheidungsvorbereitung eher als ein “dagegen-signal” wirken – und weniger als ein bürgerbasierter außendruck auf die parteiapparate.

    aber noch etwas anderes: wäre die berufung von UvdL denn nicht gerade das, was sich die so genannte “netzgemeinde” wünschen sollte? faktische entscheidungen in der sache wären ihr dann ja qua amt verboten – keine offene einmischung in die tagespolitik (das sollte doch zumindest eine lehre aus der super-horst-präsidentschaft sein)! eine ihrer hauptaufgabe wäre das anstoßen und begleiten großer gesellschaftspolitischer debatten – klar, da gehört die netzpolitik dazu und dank ihrer vorgeschichte als #zensursula darf man davon ausgehen, dass sie das auch tatsächlich versuchen wird. aber wäre nicht genau das die situation, in der “das netz” dann reagieren könnte – eine gesellschaftliche debatte wird offline angestoßen und durch die online-diskussion weiter geführt. im grunde ist diese verzahnung von online und offline das (erfolgreiche) muster der #zensursula-debatten im vergangenen jahr gewesen.

    warum also nicht UvdL ins amt kommen lassen und dann systematische (und gerne auch konstruktive!) diskurs-angriffe auf #bellevue fahren?

  11. @Roland BP als Abkürzung zu verwenden ist im Antlitz der aktuellen Entwicklung ziemlich, sagen wir: auf der Meta-Ebene. :)

  12. Maschinist 3.06.2010 at 1:43

    Papier wurde des Öfteren vorgeschlagen, oder Genscher.
    Mal abgesehen davon ob sie wollen oder gesundheitlich können: Bundespräsidenten sind oft zuvor weitgehend unbekannt (Roman Herzog) oder “vom Schirm” (Weizsäcker). In keinem Fall stellen sie sich zur Wahl – dann sind sie gleich raus. Daher können sie sich nicht erklären und so “Werbung” für sich betreiben, sind vielen Leuten nicht in Erinnerung und fallen ihnen somit auch nicht ein.
    Alles schlechte Voraussetzungen für eine Pro-Kampagne.

    Allein wegen der Attribute “unverschlissen” und “überparteilich” halte ich Frau vdL schon für unangebracht, wie jedes andere Kabinettsmitglied auch.

  13. Jens Best 3.06.2010 at 1:48

    Eine schnell und trotzdem professionell hingelegte Plattform, auf der personelle Vorschläge gemacht werden können, diese dann quantitativ (votings) und qualitativ (ergänzende Personenbewertungen, ist technisch kein Problem.

    eine der vielen bei Online-Abstimmungen über Bürgerhaushalte zum Einsatz gekommenen Tools passen zu 80% zu dieser Aufgabe OHNE großartigen Programmieraufwand.

    Müsste nur einer, der ne etwas größere Agentur im Hintergrund hat diese mal an der CSR 2.0 – Stelle “verhaften” und dann ist das Ding fürs wochenende online.

    Fände das besser als auf Xing, auf facebook oder gar in einem Blog etwas grob zusammenzubasteln. Social Media Tools sind doch schon x auf dem Markt.

    Ob und wie diese digitale Volkesstimme dann Wirkung entfalten kann, stelle ich jetzt mal zurück, denn Nico hat recht, es geht um mehr, auch größere positive Beispiele, die der Bevölkerung aufzeigen, dass Social Media ein “bequemen” weil zeiteffektiven Weg liefert, sich zu involvieren.

    Das gehört werden bei der Politik, naja, Freunde, da mache ich mir nach den letzten Monaten ein stück weniger Sorgen.

    Wir brauchen da keine Hilfsk

  14. Dann mal ganz pragmatisch und konstruktiv:

    1. Merkel weg

    2. Westerwelle weg

    3. Heiner Geisler wird neuer Bundespräsident, mit Sonderrechten

    Der Bundespräsident schlägt Kanzler und Außenminister vor und das Volk stimmt ab! Yeah!
    Und hört mir bloß mit Zensurula auf. Muss man sich nicht für das Amt des Bundespräsidenten
    verdient gemacht haben?

  15. Die Idee von Martin Oetting ist einfach und gut, und(!) schon am Laufen. Jetzt braucht’s nur noch recht viele Teilnehmer.

  16. Das liegt dann wohl daran, dass es den Menschen eben immer einfacher fällt, etwas zu kritisieren, als sich selber etwas besseres einfallen zu lassen.

    Die neuen Medien und die neue Offenheit machen es eben den “Hetzern” und “negativen Menschen” einfacher sich zu artikulieren. Und meistens rennt die Meute hinterher und bringt das Stöckchen….

  17. Wie zuvor gesagt, ich bin für Papier.

    Aber die olle Merkel hört ja nicht auf mich. Muss mal wieder im Kanzleramt und im CDU-Präsidium anrufen und mich beschweren.

  18. Aus politikwissenschaftlicher Sicht ist das hier geplante Vorgehen etwas undemokratisch, da ein paar wenige planen (auch wenn es am Ende ein paar mehr sind), Vorschläge für das höchste Amt im Staate zu machen. Außer etwas medialer Aufmerksamkeit kommt am Ende nicht viel dabei rum.

    Deshalb mein konstruktiver Vorschlag: Warum nicht etwas kleiner anfangen und versuchen ernsthaft abzustimmen; als Teil des (digitalen) Ganzen: und zwar innerhalb der Bundesvollversammlung.

    Dies hätte tatsächlich eine demokratische Berechtigung. Es gibt ein paar linientreuen Schauspielern weniger, dafür gibt ein paar linientreue Blogger/Netzaktivisten/DigitalResidents mehr.

    (mir sind die Einflussmöglichkeiten des Einzelnen in solch einer Abstimmung durchaus bewusst, aber es wäre ein einddeutiges Signal)

    • @dmanduzio Ich glaube, ich bin anderer Meinung. Das, was momentan passiert, ist erstmal ja nur eine Ideenfindung. Wir sammeln in einem völlig offenen Prozess Namen von Leuten, die interessant wären. Ganz offenbar zeichnen sich dabei schon interessante Tendenzen ab, die sicher damit zusammenhängen, dass sich die Leute von den bereits abgegebenen Kommentaren in ihrer Ideenfindung lenken lassen. Aber das ist eigentlich nicht schlimm, denn es ist – wie gesagt – eine Ideenfindung.

      Wollte man provokativ argumentieren, ist die Liste der Beitragenden hier nicht mehr und nicht weniger willkürlich als die Bundesversammlung. (Zumindest aus Sicht der Statistik könnte man dafür jedenfalls Argumente finden.)

      In einem zweiten Schritt werden wir dann eine Liste vorstellen mit den populärsten Namen. Dazu einer Einladung, nochmal zu kommentieren, ob denn jemand absolut dringend mit aufgenommen werden muss, der bislang fehlt. Dann können nochmal Vorschläge geäußert werden.

      In einem dritten Schritt stellen wir dann die finalisierte Liste zu Wahl. Da hoffe ich, dass dann eine möglichst hohe Zahl an Leuten mitstimmt. Das sollte gehen, denn man muss dann ja wirklich nur ein virtuelles Kreuzchen machen.

      Wenn da wirklich eine etwas größere Anzahl an Leuten zusammenkommt, wäre das immerhin eine interessante Willensbekundung. Eine, die vielleicht in der Bundesversammlung sogar mit beachtet werden könnte. Und damit ein Erfolg dezentraler Mitwirkung an der Politik. Aber – soweit ich das sehe – in keinster Weise undemokratisch. Oder?

      • Noch ein Nachtrag: toll wäre, wenn irgendjemand Ahnung oder ein Tool hätte, mit dem wir die Wahl (“Voting”) organisieren könnten.

      • Die Willensbekundung steht außer Frage. Und auch Status der Ideenfindung ist Quo. Aber zum Demokatie-Argument ein Gedankenspiel: Aus der inszenierte Tagwolke schafft es ein Name zum Bundespräsidenten, dann wäre diese Person von einem relativ kleinen Kreis von Personen, die – anders wie die derzeitigen Parteien – nicht demokratisch legitimiert sind, quasi berufen worden.
        Derzeit berufen die Parteien jeweils einen Kandidaten. Aus einem persönlichen Verständnis erscheint dieser Vorgang genauso wenig demokratisch. Man erinnere sich nur an die Berufung von Null auf 100 von Köhler durch die CDU. der Mann war vorher unbekannt. Aber die Parteien mit ihren gewählten Abgeordneten sind dazu legitimiert. Ob die Auswahl der vorgeschlagenen Person auf mich willkürlich erscheint, ist nochmals etwas ganz anderes.

        In der Bundesversammlung selbst findet die Liste mit Sicherheit überhaupt keine Beachtung. Allen Mitgliedern (auch den Schauspielern) wird im Vorfeld nochmals Parteidisziplin eingetrichtert, und auch der Bewerber steht zu diesem Zeitpunkt schon längst fest.

        Natürlich kann ich persönlich ebenfalls einen Vorschlag machen und hoffen, dass ich damit durchkomme. Aber ich fände es cleverer darauf aufmerksam zu machen:
        HEY, hier gibt es demokratisch gecastete Personen aus dem digitalen Umfeld. Wir sind mehr ein fester Bestandteil von Gesellschaft als irgendein Schauspieler: Wir wollen an dem Tag, an dem die Bundesversammlung wählt, mitwählen.

        Nach dem Motto: Ein Politiker, ein Metzger, eine Hebamme, eine Studentin und ein Blogger/Netzaktivis/DigitalResident für den nächsten Bundespräsidenten.

        (Entschuldigt die akademische Länge.)

  19. “… dann wäre diese Person von einem relativ kleinen Kreis von Personen, die – anders wie die derzeitigen Parteien – nicht demokratisch legitimiert sind, quasi berufen worden.” – Naja, immerhin wäre der Kreis größer als der aktuelle. Aktuell besteht der Kreis der Nominierer (wenn man sich die Presseberichte so anguckt) überspitzt gesagt aus Angela Merkel. Jetzt kann man sagen, dass sie demokratisch legitimiert ist. Aber meines Erachtens macht erst die Wahl durch die Bundesversammlung den Kandidaten zur legitimen Wahl.

    Wenn wir jetzt im Web einen Willensbildungsprozess organisieren, dann ist er sicherlich nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Aber ist repräsentativer als die Vorstellungen, die Angela Merkel so hat. Und er hat einen entscheidenden ganz charmanten Vorteil: er ist offen für jeden mitzumachen. Und das allein – dass wir hier Instrumente haben, die das ermöglichen – verdient Aufmerksamkeit. Und es verdient Experiment.

    Nur mal angenommen, wir würden auf diese Weise jemanden finden, der dann immerhin in der Bundesversammlung zur Wahl stünde – und ganz unabhängig davon, ob er/sie eine Chance hat, gewählt zu werden – dann wäre das ein demokratischer Erfolg. Kein undemokratischer. Denn er würde genau das bewirken, was Du Dir wünschst: dass in der Bundesversammlung wahrgenommen wird, dass es auch andere Gruppen in der Bevölkerung gibt, die hier gern mitreden würden.

  20. Der Kreis wäre definitiv größer ;-) Aber Du hast vollkomen recht wenn Du sagst, dass Angela Merkel aktuell “vorschlägt”. Das ist ja auch so vorgesehen, denn sie bestimmt die Richtlinien der Politik und bringt zusammen mit der Partei ihren Kandidaten in Stellung. Ich weiß, hier geht es um politikwissenschaftliche Spitzfindigkeiten. Tatsache aber ist bis heute, dass der BP nicht durch die Bevölkerung direkt gewählt werden kann. Wenn dem so wäre und man würde mobilisieren und einen Vorschlag versuchen einzubringen, wäre die Sache, meiner Meinung nach, anders gelagert.

    Was die Wahl in der Bundesversammlung angeht, hier wird nach Parteienproporz gewählt (siehe GG 54 (3): Die Bundesversammlung besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und einer gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt werden.) Da geht es meist nicht um “eine Chance gewählt zu werden”. Der Kandidat wird von der Mehrheitspartei/-koalition so oder so durchgedrückt.

    Und mein Argument ist deshalb: Man sollten zumindest dort bei der Wahl vertreten sein, erst dann hat man die demokratischste Möglichkeit überhaupt: nämlich zu Gauck, Wulff oder wer auch immer, ja oder nein zu sagen.

    Freu mich trotzdem über den Anstoß von Nico zu dem ganzen Thema. Und auch dass sich so vielle Kommentare auf Deinem Blog einfinden, Martin.

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