Aufstand? Welcher Aufstand?

Nico —  8.06.2010

Netznutzer proben Aufstand schreibt Thomas Leidl auf n-tv.de. Zwar freue ich mich derzeit über jede Aufmerksamkeit, die die Aktionen wie wir-fuer-gauck.de, #mygauck oder mein-praesident.de bekommen, aber diesen Unterton finde ich völlig unmöglich.

Wieso proben die Netznutzer angeblich den Aufstand? Die Netznutzer, also Bürger dieses Landes, teilen ihre Meinung kund. Ist das ein Aufstand? Ich halte das für einen völlig normalen Vorgang. Ich halte es für zwingend, daß Bürger eines Landes sich artikulieren, sobald eine Wahl ansteht. Das ist nicht nur unser gutes Recht, das ist unsere Pflicht als Staatsbürger! Der einzige Unterschied, den wir heutzutage zu früher sehen, ist das Internet und die Möglichkeiten, die das Internet bietet. Die Auswirkungen der Verschriftlichung ursprünglich verbaler Kommunikation müssen wir noch verstehen lernen, denn es verändert sich die Art, wie Bürger sich einmischen können.

Selbsternannte „Web-Evangelisten“ und Polit-Kampagneros werfen sich in die Bresche, um „das Netz zu politisieren“ (Nico Lumma) oder die Kanzlerin die Macht der Masse schmecken zu lassen – und sei es in Form eines virtuellen Zugs durch die Gemeinde – mit Hilfe einer japanischen Web-Applikation. Das alles kommt so saft-, kraft- und ideenlos daher, als solle im Grunde nur gezeigt werden, dass man als Real-Politiker vor der „Netzgemeinde“ nun ganz gewiss keine Angst haben muss.

Als Online-Journalist bei n-tv.de hat man sicherlich die Deutungshoheit mit Löffeln gefressen, anders kann ich mir das Zustandekommen dieses Textes nicht vorstellen.

8 responses to Aufstand? Welcher Aufstand?

  1. Eine Visitenkarte mit „Selbsternannter Web-Evangelist“ hätte aber was.

  2. Ich werde mal bei der katholischen Kirche, Bistum Regensburg, nachfragen, ob die mich vielleicht extern zum Webevangelisten ernennen können. Die kennen sich darin (#Schweigegeld) ja ganz gut aus. :)

  3. Karl Müller 9.06.2010 at 14:58

    „Das alles kommt so saft-, kraft- und ideenlos daher, als solle im Grunde nur gezeigt werden, dass man als Real-Politiker vor der “Netzgemeinde” nun ganz gewiss keine Angst haben muss.“
    Hochmut kommt vor dem Fall.

    • Ich wäre entzückt, wenn ich Unrecht hätte. Mir scheint allerdings, dass die Ablehnung von Zensursula oder etwa die Reaktionen auf die Vodafail-Kampagne sehr viel heftiger waren – auch wenn sie in den Massenmedien deutlich weniger hochgejazzt wurden.
      Ganz demütig:
      der Obere

  4. Untertöne darf man unmöglich finden, möglich sind sie aber durchaus trotzdem.

    Aufstände, die nur geprobt wird, sind keine, qed.

    Meinungen werden kund getan, mit oder ohne Deutungshoheit, auch von Online-Journalisten, allerdings gelegentlich selbst bei vermeintlich staatstragenden Themen nicht ganz bierernst.

    Namen sind Nachrichten.

    Schöne Grüße! :)

  5. Aufstände, die nur geprobt w e r d e n, sind keine.

    (Warum lesen Online-Journalisten ihren Kram immer erst online? ;)

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  1. Lesenswerte Artikel 9. Juni 2010 - 9.06.2010

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