Ist der Diktator im Ökosystem noch gutmütig?

Derzeit sieht man, wie die Ökosysteme im Internet immer größer und damit mächtiger werden. Die Ökosysteme bündeln massiv User und damit auch den Zugang zu diesen Usern. Werbetreibende stehen zunehmend vor der Herausforderung, in diesen Ökosystemen agieren zu müssen, um die für sie wichtigen Zielgruppen zu erreichen. Die drei wichtigsten Ökosysteme sind derzeit Google, Facebook und Apple, hinzu kommen dann noch Twitter, LinkedIn und andere. Alle haben sie ihre Eigenarten, aber alle haben sie einen natürlichen Vorteil in ihrem Ökosystem: sie bestimmen die Regeln.

Die Regeln sind vielfältig und reichen von der Art und Weise, wie man innerhalb eines Ökosystems agieren darf, über festgelegte Revenue Share Modelle bishin zu der Frage, welche Art Inhalte überhaupt im Ökosystem stattfinden darf. Beispielsweise darf man Gewinnspiele auf Facebook nur mit einer App veranstalten, bei iPhone-Apps sind Inhalte mit nackter Haut verboten und bei Google darf man als Publisher den festgelegten Split bei den Adsense-Erlösen hinnehmen.

Das klingt jetzt erst einmal nicht weiter überraschend, sondern irgendwie auch nachvollziehbar. Derjenige, der das jeweilige Ökosystem entwickelt hat, ist dort auch derjenige, der die Regeln festlegt. Das war bislang auch nicht weiter wild. Aber mittlerweile haben die Ökosysteme ein derartige Macht entwickelt, weil sie eben den über die rare Ressource Aufmerksamkeit der User verfügen, daß die Herrschaft über die Ökosysteme zunehmend für andere Marktteilnehmer zu einem massiven Wettbewerbsnachteil werden kann.

Das aktuelle Beispiel ist Mobile advertising and the iPhone, denn nach den neuen Developer Guidelines lässt Apple keinen Drittanbieter bei der Vermarktung von Apps auf dem iPhone bzw. iPad zu. Entwickler von Apps können also entweder den Revenue Share von Apple akzeptieren und die App kostenpflichtig machen, oder die App von Apple vermarkten lassen, und ebenfalls den Revenue Share von Apple akzeptieren, oder die App kostenlos anbieten. Das dürfte für viele Entwickler unschön sein und insbesondere für Vermarkter einen massiven Rückschritt bedeuten.

Von der Gutmütigkeit des Diktators im Ökosystem hängt die Entwicklung ab, aber was passiert, wenn er den Bogen überspannt? Gibt es dann eine Revolte der Developer? Der Werbetreibenden? Der User? Oder wird der Diktator akzeptiert, egal welche Nachteile es für einzelne Akteure im Ökosystem geben wird? Diese Fragen werden uns die nächsten Jahre massivst begleiten.

3 Antworten auf „Ist der Diktator im Ökosystem noch gutmütig?“

  1. Wenn ich als Developer in einem anderen Ökosystem mit ausreichender Reichweite angenehmere Bedingungen finde – dann entwickele ich eben dort…mit der Folge, dass das neue Ökosystem für Nutzer attraktiver wird – und damit die Reichweite wächst. Das bedeutet für den Diktator: Allzu fest kann ich die Schrauben nicht anziehen.
    Ich persönlich glaube ja (und hoffen natürlich) immer noch, dass auf lange Sicht in „sicherheitsunkritischen“ Umfeldern sich open source durchsetzt. Das geht nicht von heute auf morgen…aber es wird.

    1. Wieso Open Source nur in sicherheitsunritischen Umfeldern?

      Die Verfügbarkeit des Quellcodes und eine je nach Projekt umfangreiche Entwickler-Community sind Pluspunkte gerade für sicherheitskritische Bereiche!

      http://www.semper.org/sirene/publ/KoeKP_00.pdf

      „Zwar reicht allein die Offenlegung des Codes für Sicherheit nicht aus, jedoch ist sie eine
      essentielle Voraussetzung für effektive Sicherheitsuntersuchungen: Im herkömmlichen
      Closed-Source-Modell können trojanische Pferde nicht ausgeschlossen werden. Solche
      Systeme sollten gerade in sicherheitskritischen Bereichen nicht eingesetzt werden.“

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