Guttenbergsches Wehrpflichtwirrwarr

Nico —  17.06.2010

Derzeit macht der Shooting-Star der Union, Verteidigungsminister Guttenberg, deutlich, daß er extrem gut in die real exisitierende Bundesregierung hereinpasst. Zwar kann er ganz toll im To-Gun Outfit auf Flugzeugträgern lassen, und das als gelernter Gebirgsjäger, aber kurz danach hört seine Kompetenz im Umgang mit der Bundeswehr auch schon auf. Erst wird aus Kostengründen die Verkürzung der Wehrpflicht auf 6 Monaten diskutiert und von der Koalition auf den Weg gebracht, um dann direkt in die Debatte einzusteigen, ob man aus Kostengründen nicht gleich auf die Wehrpflicht verzichten sollte.

Dieses Wirrwarr kann die Bundeswehr nicht brauchen, und vor allem nicht die Rekruten. Die Entscheidung, künftig nur noch 6 Monate Wehrpflicht haben zu wollen, ist völlig absurd in einer Zeit, in der die Anforderungen an die Bundeswehr stetig steigen und die Soldaten immer besser und spezialisierter ausgebildet werden müssen. Was will man denn den Rekruten in 6 Monaten noch bei bringen, außer wie man einen Schützengraben aushebt und dann auf Kommando in eine Richtung schiesst? Die Sicherheitslage ist schon seit einiger Zeit nicht mehr, daß der Ostblock als Feind vor der Tür vermutet wird.

Es ist vernünftig, über die Abschaffung der Wehrpflicht zu diskutieren, aber nicht aufgrund der Kassenlage, sondern aufgrund der sicherheitspolitischen Heraus- und Anforderungen der Zeit. Die Wehrpflicht ist nicht mehr zeitgemäß und die Bundeswehr sollte in eine Berufsarmee überführt werden. Das Argument vom Bürger in Uniform und der Verankerung der Bundeswehr in der Gesellschaft ist so alt wie die Wehrpflicht, und sicherlich wird sich die personalle Zusammensetzung der Bundeswehr wandeln, wenn wir eine Berufsarmee haben, aber ich kann aus eigener Erfahrung sagen, daß man als Rekrut äußerst selten um eine Meinung gebeten wird, sondern vor allem als plumper Befehlsempfänger betrachtet wird.

Das Wehrpflichtwirrwarr sollte zügig beendet werden, nicht aufgrund der Kassenlage, sondern aufgrund der sicherheitspolitischen Anforderungen an die Bundeswehr. Und dann dürfte deutlich werden, daß die einzige Option eine Berufsarmee sein kann. Danach gilt es zu handeln und erst dann sollte die Themenkomplexe Zivildienstleistende und Finanzierung der Pflege sowie Wehrgerechtigkeit behandelt werden, denn diese sind nachrangig zu sehen.