Social Media hat viele Facetten

Nico —  23.11.2010 — 19 Comments

Sachar Kriwoj hat sich mit dem Thema Social Media auseinandergesetzt und in seinem Artikel Don’t call it Social Media die derzeitige Entwicklung und insbesondere die Fokussierung auf Reichweite kritisiert:

Social Media – das ist für mich eine angenehme, authentische, unverkrampfte, direkte, schnelle, zuvorkommende, dialogische und menschliche Art der Kommunikation. Ob sie auf facebook, bei twitter, in Blogs oder Foren, vielleicht sogar analog im Café stattfindet, ist unerheblich. Wichtig ist, dass man zuhört, Bedürfnisse erkennt, Bedürfnisse befriedigt, das Unternehmen, für das man arbeitet, ordentlich vertritt, einen wesentlichen Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet, indem man hilft, fragt, antwortet und überzeugt. Das ist für mich Social Media.

Sachar spricht da einen wichtigen Punkt an, aber dennoch verstehe ich seine Erwartungshaltung nicht ganz.

Social Media ist eine Querschnittsdisziplin. Unternehmenskommunikation, Marketing, aber auch Support, Produktmanagement oder HR können Social Media nutzen. In Abhängigkeit von den Zielen, die ein Unternehmen für das Social Media Engagement definiert, werden dann die unterschiedlichen Aspekte von Social Media entsprechend gewichtet. Für ein Unternehmen mag es relevant sein, möglichst viele Insights über die Kunden zu gewinnen, ein anderes Unternehmen will zusammen mit den Kunden die Produkte verbessern, während ein weiteres Unternehmen einfach nur zur Kenntnis nimmt, daß Facebook eine enorme Reichweite hat und daher dort seine Produkte verkaufen will, und wiederum ein anderes Unternehmen will ganz dialogisch mit den Kunden über die das Unternehmen, die Marke oder die Produkte diskutieren und verspricht sich davon für die tägliche Arbeit Vorteile.

Das sind alles valide Herangehensweisen an das Thema Social Media. Nimmt man nun noch den Blickwinkel der Nutzer ein, so stellt man fest, daß nicht immer der Dialog im Vordergrund steht. Nutzer haben Spaß an Gewinnspielen und an Discounts, wollen oftmals einfach auch die Produkte erwerben können und suchen gerne auch den Dialog, helfen mit bei der Produktentwicklung, und so weiter. Je nach Unternehmen, Marke und Produkt sind die jeweiligen Vorlieben der Nutzer unterschiedlich ausgeprägt.

Nimmt man diese simple Erkenntnis als Grundlage für die Auseinandersetzung mit Social Media, so muß man einfach feststellen, daß Social Media viele Facetten hat und die unterschiedlichen Herangehensweisen das eigentlich Charmante an Social Media sind. Nicht für jedes Unternehmen passt der Dialog, nicht für jeden Nutzer ist es wichtig, mit einem Unternehmen über Produkte zu reden, da kann Interaktion anders aussehen und ganz oft ist einfach die Transaktion im Vordergrund.

Natürlich gibt es mehr als nur Facebook, aber natürlich kommt es auch auf die Reichweite an. Blogs machen ganz oft viel Sinn, aber sie sind nicht das Allheilmittel für alle Branchen. Die Ziele des Unternehmens in Verbindung mit den Erwartungen der Nutzer sollten das Engagement im Social Media Bereich leiten, daraus lassen sich dann ein ROI ableiten, eine gewünschte Reichweite definieren und Interaktionen planen.

Muß man selber auf Facebook sein, twittern und bloggen, um diese Erkenntnis zu erlangen? Nein, nicht unbedingt. Aber es hilft. Es spricht aber nichts dagegen, Social Media lediglich als ein Lieferant für Reichweite für eine Kampagne anzusehen. Man könnte so viel mehr machen, aber das ist nicht immer gewünscht, oder gar möglich, vielleicht wird es auch nicht erkannt. Social Media hat viele Facetten. Willkommen in der Normalität.

19 responses to Social Media hat viele Facetten

  1. tapioliller 23.11.2010 at 13:50

    Vielen Dank, Nico, für die klaren Worte!
    Seit ein paar Monaten schon ist mir die gern mal ideologisch bis dogmatisch geführte Diskussion darum, war “richtiges Social Media” ist und wer das Medium alles richtig oder falsch verstanden hat zuwider. So sehr, dass mein Blog derzeit brach liegt und ich lieber an einem Buch mitschreibe, das ganz altmodisch auf Papier und mit viel Platz die ganze Bandbreite der Möglichkeiten aufzeigt. Zum produktiven Umgang mit den (nicht mehr ganz so) neuen Möglichkeiten gehört meines Erachtens eine gute Portion Pragmatismus und noch eine Schippe mehr Realismus. Nur den Verheißungen von Dialogien zu folgen führt dazu, dass man sich Scheuklappen aufsetzt, die man eigentlich ja gar nicht haben wollte.

    Mehr zum Buchprojekt “PR im Social Web” ganz pragmatisch bei http://facebook.com/PRimSocialWeb

  2. Stimmt genau. Und es ist doch gut, dass endlich mal keine allgemein gültige Regel für alles herrscht. Das bedeutet Freiheit und Herausforderung zugleich, und es lässt viel Platz für Kreativität.

  3. Kommt ja nicht so oft vor, dass ich das sage: Hier liege ich voll Nicos Linie.
    Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht ein dünnes Haar in der Suppe fände: Hört auf vom ROI zu quatschen. Der lässt sich selbst bei vielen Anlageninvestionen kaum sachgerecht herleiten.
    Bei Kommunkikationsmaßnahmen sollten wir froh sein, wenn wir ein paar operationale KPIs finden. Und das ist nicht sooo schlimm, wie mancher Controller uns das weiß machen will. Die Maschinenführer verzichten ja auch nicht aufs Öl, nur weil sich dessen Einsatz nicht sachgerecht auf das Produkt herunter rechnen lässt.

  4. Axo. Noch was. Was mich bei Sachar als erstes aufgefallen war, ist die ausdrücklich positive Aufladung von Social Media: angenehm .. unverkrampft .. zuvorkommende .. menschlich ..
    Das mag ein Anspruch an die Kommunikation sein. Die Kunden sind aber – und das ist auch okay – oft vollkommen anders drauf.

  5. ach, einen Kommentar habe ich zum Thema noch vergessen:
    Wat den een sien Uhl, is den annern sien Nachtigal… :)

    • OlafKolbrueck 23.11.2010 at 16:01

      @NicoLumma Social Media ist eben wie eine einschlägige Kontaktanzeige: “Alles kann, nichts muss”.

  6. MauriceMorell 23.11.2010 at 15:21

    @50hz Sie schreiben “Das mag ein Anspruch an die Kommunikation sein. Die Kunden sind aber – und das ist auch okay – oft vollkommen anders drauf.”Sind Sie da so sicher? Wie kommen Sie darauf? Was denken Sie überhaupt über Ihre Kunden?

    • @MauriceMorell Hmm. Ich konnte ja jetzt sagen, der aggressive Ton der Frage, gibt mir recht.
      Aber im Ernst: Natürlich sind da draußen “Kunden” unterwegs, die nicht nur nett sein wollen. Wer möchte das Gegenteil behaupten?

  7. ratingwissen 23.11.2010 at 16:02

    Gut gegeben. Der Satz “Social Media – das ist für mich eine angenehme, authentische, unverkrampfte, direkte, schnelle, zuvorkommende, dialogische und menschliche Art der Kommunikation.” versteht “social” als “sozial” wie im herkömmlichen linksliberalen Kuschelweltbild. Was Die Bahn auf FB gemacht hat, war klassischer Vertrieb und hat funktioniert. Das kann man natürlich wegdefinieren, indem man sagt, diese Aktion sei keine Social Media-Aktion gewesen, aber wen überzeugt das?

  8. danke für den satz “Social Media ist eine Querschnittsdisziplin.” das passt sogar fast auf ein t-shirt.

  9. t_krischak 26.11.2010 at 9:32

    Ein Unternehmen, dass bisher keinen groen Wert auf Dialog gesetzt hat, oder auch gar nicht konnte wird nicht von heute auf morgen anders ticken und seine Kunden ankumpeln. So viele Medien wie das Hypermedium Web integriert, mindestens genauso viele unterschiedliche Verwendungsweisen sind mglich. Um sinnvolle Mglichkeiten auszuloten brauchen Unternehmen halt Zeit. Das geht nicht von heute auf morgen.

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