Fanzählfetischismus

Nico —  15.06.2011

Eigentlich eine Binsenweisheit, aber netterweise hat sich Thomas Hutter mal der Fragestellung Warum die Anzahl der Fans nicht entscheidend ist angenommen:

Natürlich ist für das digitale Kräftemessen auf Facebook die Anzahl der Fans der am ehesten sichtbare Indiz für den Erfolg (oder Misserfolg) einer Facebookseite. Die Anzahl der Fans sagt allerdings rein gar nichts über den Bezug oder die Identifikation der Fans zur/mit der Seite oder die effektive Reichweite, bzw. die Anzahl der auf der Facebookseiten stattfindenden Aktivitäten und Interaktionen aus.

Ich beobachte in letzter Zeit auch mit zunehmender Verwunderung, wie Facebook von Firmen genutzt wird. Das Beispiel von BurgerKing vor ein paar Wochen, bei dem es letztendlich nur darum ging, mit Hilfe von Coupons innerhalb kürzester Zeit die Zahl von 50.000 Fans zu erreichen, macht deutlich, wie seltsam die Ziele bei vielen Unternehmen definiert sind. Wer nur auf immens große Fanzahlen schielt, hat nicht verstanden, wie die Share-Economy funktioniert.

Je mehr Zählfans eine Marke hat, desto weniger aktiv wird die Facebook Fanpage sein und desto geringer wird der EdgeRank ausfallen, der bei Facebook über die Relevanz von Postings ausfällt. Je mehr echte Fans eine Marke, desto mehr wird die Marke präsent sein in den Newsfeeds der Fans.

Wenn man das nicht begreifen will, kann man weiter Fans einkaufen und mit Pressemitteilungen erfreuen, das Potential von Facebook lässt man dabei allerdings ungenutzt, kann aber immer dem Chef sagen: „Facebook haben wir jetzt auch und im Ranking unser Mitbewerber sind wir auf Platz 3. Ehrlich gesagt bringt das aber nicht viel.“ Meanwhile verdient Facebook, indem Werbetreibende Nutzerströme von einem Ende von Facebook für Geld zum anderen Ende von Facebook schaufeln. Die Ziele allerdings sollten viele Firmen für Facebook noch einmal überdenken.

11 responses to Fanzählfetischismus

  1. FriedrichB 15.06.2011 at 12:05

    Die “ Tonnenideologie “ stirbt wohl nie aus :-)

  2. MarcoRipanti 15.06.2011 at 12:13

    Das hat der nico jetzt aber mal echt schön zusammengeschrieben.

  3. @MarcoRipanti danke.

  4. ChristophKappes 15.06.2011 at 12:17

    well done :-)

  5. valentinheyde 15.06.2011 at 12:24

    Auf dem Ohr sind Kunden leider oft taub. Was nicht heißt, dass man es nicht immer wieder wieder wiederholen sollte ;-)

  6. DonDahlmann 15.06.2011 at 13:15

    Gebetsmühlenartig predige ich das jedem Kunden. Mittelständler haben dabei noch eher ein Einsehen, weil sie ihre Reichweite richtig einschätzen. Große Firmen sind selbst mit sechstelligen Zahlen nicht zufrieden und sagen gerne „Aber Werbung im TV bringt XX Millionen….“ usw.

  7. recht haste, aber die „Fehl“-Berater sind häufig die, die auch nur auf ihre eigenen Followerzahlen schielen

  8. MonikaLohmann 25.06.2011 at 16:01

    Wird wohl noch eine Weile dauern bis das mal jemand begreift, vorallem von den Agentur-Beratern, die auf Reichweite getrimmt sind. Schade.

  9. …guter Artikel, der die Realität benennt – aber wer möchte schon aufhören Träume = Schäume zu verkaufen…

  10. MonikaLohmann 25.06.2011 at 17:26

    @aammico Wieso , es geht doch auch mit der Wahrheit. Und die Dinos sind auch ausgestorben. Doch dazu ist FB noch zu jung.

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  1. Erfolg von Social Media Engagements messen | smom - 24.08.2011

    […] glaub ich nicht wirklich diskutieren. (Wer es doch noch einmal nachlesen will, dem seien dieser und dieser Blogpost von Thomas Hutter bzw. Nico Lumma emfpohlen.) Aber zurück zu den Zielen. Die […]