Retro-Tage der Merkel-Regierung

Nach dem großen Erfolg der Wiederbelebung des Kassenschlagers “Steuersenkung” kommt jetzt der häßliche Zwilling in Form des Herrn Kirchhof in Richtung Kanzleramt geschwankt und fordert wieder einmal eine radikale Steuervereinfachung. Ich warte noch auf Plakate mit Friedrich Merz und seinen Bierdeckeln, ach nee, den hat Frau Merkel ja verbannt.

Es ist ein Offenbahrungseid der Merkel-Regierung. Inhaltlich am Ende, bevor man überhaupt angefangen hat mit dem Regieren, wird jetzt zwei Jahre vor der Wahl deutlich, daß die schwarz-gelbe Regierung nicht ansatzweise eine Idee hat, was man mal machen könnte. Daher werden jetzt munter Themen der letzten Jahre wieder aufgetaut. Themen, die schon vor Jahren niemand brauchte.

Die schwarz-gelbe Koalition wird noch endlos viele Ladenhüter hervorkramen, in der Hoffnung, daß irgendjemand Interesse daran hat. Was ist das eigentlich für eine Regierung, die Griechenland vor Augen hat und den Bürgern munter suggeriert, daß man jetzt locker Geld für Wohltaten in Form von Steuergeschenke für Reiche überhat? Es glaubt doch wohl niemand, daß eine schwarz-gelbe Regierung eine Steuersenkung oder gar eine Steuerreform anpackt, die danach sozial-ausgewogen ist und die weniger Verdienenden mehr entlastet als die Besserverdienenden? Die Merkel-Regierung versucht es immer wieder, es wird nur so getan, als ob etwas angepackt wird, wohl wissentlich, daß die Vorhaben nicht umgesetzt werden können, aber im Vorgriff auf den Wahlkampf will man sich als die Regierung der Wohltaten positionieren. Nur glaubt das niemand mehr nach den Eskapaden rund um die Hotel-Milliarden.

Was kommt als nächstes?

Google will wissen, was wir lieben

What do you love? – hinter dieser netten Frage verbirgt sich ein neues Angebot aus dem Hause Google, das wider Erwarten sehr sytlish daherkommt und die Suchergebnisse nett in kleinen Boxen nach Google-Diensten sortiert anordnet.

WDYL ist ein Showcase, das zeigen soll, welche Dienste Google mittlerweile so bietet. Nicht immer ist alles super hilfreich, aber wenn man nach eher breit-gefächterten Themen wie Liebe, Sommer, Fußball sucht, dann sind die Ergebnisse wenigstens schön anzusehen.

Wenn alle twittern, was dann?

In einem Interview hat die CSU Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär jüngst folgende Antwort auf die Frage, ob Horst Seehofer twittern solle, gegeben:

Jeder sollte twittern.

Tolle Idee, und dann?

Wird sich dann nicht das Politikgetwittere total verändern? Ist nicht der aktuelle Reiz von Twitter, daß nicht alle es nutzen und dass man nicht nur Politikerworthülsen zu lesen bekommt? Viele der derzeit auf Twitter aktiven Politiker lassen sich sogar auf kurze Dialoge ein und wirken dadurch nahbar und teilweise sogar lernfähig. Aber das wird sich ändern, sobald die Politik auch auf Twitter Geschwafel veranstaltet, wie wir es von den Talkshows im Fernsehen kennen, nur eben auf 140 Zeichen. Wenn alle Politiker selbst twittern würden, dann hätte man wenigstens das Thema Medienkompetenz ein Stück vorangebracht, aber das nur am Rande.

Letzte Woche gab es in der Hamburgischen Bürgerschaft einen Mini-Eklat, weil die Präsidentin der Bürgerschaft einen Tweet während der Plenarsitzung abgesetzt hatte. Sie hatte nicht das Sitzungspräsidium verlassen, um vom Plenum zu twittern, was für die Leser unerheblich ist, aber seitens der CDU zu großer Aufregung und Einschaltung des Ältestenrats führte. Wenn mehr Politiker twittern, gibt es dann mehr derartig dämliche Mini-Eklats, oder kehrt dann Gelassenheit ein? Ich glaube, es wird mehr denn je jeder Tweet auf die Goldwaage gelegt werden, denn wenn eines im Umgang mit Social Media und Twitter nicht verstanden haben, dann die Verschriftlichung von Dialogen – Sätze, die nicht für die Ewigkeit bestimmt sind, sondern durchaus auch flüchtig sein können.

Wenn alle twittern, was dann? Wird die Politik dann besser? Gibt es dann neben Redenschreibern auch Twitterschreiber? Kann man komplexe Sachverhalte auf 140 Zeichen diskutieren, oder wird auf Twitter nur gesendet werden, weil man die vielen Dialogwünsche doch nicht ordentlich abarbeiten kann, weil die aktuelle Mitarbeiterpauschale nicht für ein Vollzeittwitterteam ausreicht? Wem wäre dann geholfen?

Jeder sollte gute Politik machen. Twitter bietet dazu noch eine gute Dialogmöglichkeit und erreicht Multiplikatoren schnell. Aber Twitter alleine wird nicht ausreichen.

Rösler und die FDP: One-Trick Pony

Noch nicht einmal 100 Tage ist er im Amt und schon ist der Lack ab. Was hat neue FDP-Vorsitzende Philipp Rösler nicht alles versprochen bei seiner Antrittsrede als Parteivorsitzender: „Leider haben wir auch aus Rücksicht auf unseren Koalitionspartner notwendige und dringende Projekte zurückgestellt.“ und auch „Liebe Wählerinnen und Wähler: Ab heute wird die FDP liefern.“

So, dann wollen wir doch mal gucken, was der große neue Wurf der FDP ist, das Projekt, mit dem sich Philipp Rösler von seinem Vorgänger Guido Westerwelle mal so richtig abheben will.

Steuersenkungen.

Yeah! Der Ladenhüter einer jeden schwarz-gelben Bundesregierung. Gegen jegliche finanzpolitische Vernunft wird grundsätzlich von jeder schwarz-gelben Regierung das Thema Steuersenkungen rechtzeitig vor der Wahl lanciert. Kalkül ist stets dasselbe: die anderen sollen als Steuererhöhungsparteien darstehen. Also werden Steuersenkungen debattiert und sonstwelche Entlastungen versprochen, die aber natürlich alle irgendwie finanziert werden müssen, weshalb am Ende die große Steuersenkung kaum Auswirkungen für den Einzelnen haben wird, wenn man mal von Branchen absieht, die besonders gut bei der FDP Lobbyismus betreiben konnten, wie z.B. die Hotelbranche, und von den Sozialleistungen, die irgendwo gestrichen werden. Steuersenkungen von schwarz-gelb sind also nur für wenige Bürger eine tolle Idee.

Steuersenkungen.

Die FDP zeigt, daß sie inhaltlich ausgebrannt ist. Wenn sie keine anderen Themen findet als Steuersenkungen, dann wird sie sich für eine Weile im 3-Prozent-Türmchen einnisten dürfen. Eine liberale Partei sollte mehr Themen haben und vor allem andere Schwerpunkte setzen. Philipp Rösler hat seinen Start als FDP-Parteichef fulminant vergeigt. Die FDP ist und bleibt ein überflüssiges One-Trick Pony.

Social Media Maschinen sind keine Lösung

Ach, wenn ich das schon lese: Social Media Tool Tweriod ermittelt die optimale Zeit zum Twittern – was für ein Blödsinn.

Unternehmen nutzen Social Media, um Kommunikation mit menschlichem Antlitz hinzubekommen. Wenn man jetzt jeden Tweet durchoptimiert nach Thema und Uhrzeit, um die maximale Response zu bekommen, dann wird die Response mittelfristig sein, dass Nutzer sich abwenden, weil sie sich ausgenutzt fühlen. Nutzer sind nicht doof. Wer jeden Tweet zu lange abwägt und die optimale Tweetzeit finden will, der verscherzt es sich schnell, denn die Nutzer erwarten, daß nach all den Jahren der Durchoptimierung, der Callcenter-Wartschleifen und Tastendrück-Menüs endlich wieder Menschen normal kommunizieren.

Was kommt als Nächstes? Ein Twittertool, das nicht nur die Uhrzeit vorschlägt, sondern auch SEO-Optimierungen macht und jeden Tweet ableicht mit den Follower-/Unfollowerzahlen und daraufhin Tweets permament optimiert? Glückwunsch, damit macht man sich obsolet als Unternehmen auf Twitter.