Bundesrat schürt Ängste vor Social Netzworks

Nico —  15.07.2011

Oh Mann, hört das denn nie auf? Auch 2011 ist FUD immer noch das einzig probate Mittel für Gesetzgeber, sich mit neuen Phänomenen auseinanderzusetzen?

Gerade bei Telemediendiensten mit nutzergenerierten Inhalten, wie z. B. den sozialen Netzwerken, machen sich die Nutzer häufig gar keine Gedanken über die Gefahren und bringen solchen Telemediendiensten blindes Vertrauen entgegen. Um alle Funktionen, die ein Telemediendienst mit nutzergenerierten Inhalten bietet, auch nutzen zu können, geben die Nutzer viel über sich und ihr Umfeld preis. Viele Nutzer, insbesondere Kinder und Jugendliche, unterschätzen dabei oft die erheblichen Gefahren für ihre Persönlichkeitsrechte und die Privatsphäre. Abgesehen von den Gefahren, die durch Kontakte im Internet entstehen können (z. B. Pädophile in SchülerNetzwerken) ist auch vielen nicht bewusst, dass alle Daten und Fotos, die sie veröffentlichen, wie an einem schwarzen Brett für die anderen Nutzer des Telemediendienstes, z. B. innerhalb eines sozialen Netzwerks, und unter Umständen über Internet-Suchmaschinen für alle Internetnutzer sichtbar sind und weiterverwendet werden können. Die Probleme, die durch leichtfertig weitergegebene Informationen oder unbedachte Veröffentlichungen im Internet entstehen können, reichen von Identitätsdiebstahl bis hin zum Verlust des Arbeitsplatzes. Für diese Probleme müssen die Nutzer sensibilisiert werden.

Ergo sollen Soziale Netzwerke erst für Schüler ab 16 freigegeben werden.

Man kann ja unterschiedlicher Auffassung über die Chancen und Risiken von sozialen Netzwerken sein, aber Verbote oder Beschränkungen helfen hier überhaupt nicht. Es geht um Medienkompetenz, und zwar massiv. Stattdessen wird in dieser Bundesratsvorlage vor allem auf den Faktor Angst gesetzt. Arbeitsplatzverlust, ist das wirklich das drängendste Problem der sozialen Netzwerke? Auffindbarkeit in Suchmaschinen, ist das so eine große Bedrohung?

Wäre es nicht viel sinnvoller, die Kinder und Jugendlichen schon viel früher an dieses Teufelszeugs Internet ranzulassen, damit möglichst frühzeitig die Kenntnisse zum Umgang mit sozialen Netzwerken erworben werden können? Verbote oder Beschränkungen wie in diesem Fall bringen da überhaupt nichts.

Der deutsche Michel in Aktion, immer schön ablehnen, dann reglementieren, bis es keinen Spaß mehr bringt und sich danach beschweren, daß andere Länder die Potentiale besser genutzt haben.

[ via Nutzungseinschränkung für Facebook, Twitter & Co: Bundesrat: Social Networks erst ab 16 Jahren – internetworld.de ]

3 responses to Bundesrat schürt Ängste vor Social Netzworks

  1. OliverGassner 15.07.2011 at 17:53

    Wenn man bedenkt was so alles in Büchern steht sollte man die ggf. ab 21 machen? Autofahren ab 35 (oderw enn das erste Kind da ist aber nicht vor 15). Und Handys erst ab 65.

  2. Die Behauptung „Ergo sollen Soziale Netzwerke erst für Schüler ab 16 freigegeben werden.“ ist sachlich falsch.

    Der Artikel von internetworld.de auf den Du verlinkst fasst den Gesetzesentwurf 156/11 wie folgt zusammen:

    „Um dies zu ändern, sollen die Nutzer zunächst leicht auffindbar über ihre Datenschutzeinstellungen unterrichtet werden, die außerdem auf „die höchste Sicherheitsstufe gemäß dem Stand der Technik“ voreingestellt sein müssen. Suchmaschinen wie Google dürfen in der Standardeinstellung nicht auf die veröffentlichten Inhalte zugreifen. Nutzer, die noch keine 16 Jahre alt sind, sollen diese Voreinstellungen überhaupt nicht ändern dürfen. Dies käme einer empfindlichen Beschneidung der Nutzungsmöglichkeiten von Netzwerken gleich.“

    Diese Zusammenfassung ist korrekt, wenn ich den Gesetzesentwurf richtig verstehe (Seite 4 in dem pdf http://www.bundesrat.de/cln_161/nn_2034972/SharedDocs/Drucksachen/2011/0101-200/156-11_28B_29,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/156-11(B).pdf).

    Dort steht ausserdem „Einem Nutzer, der bei der Erhebung seiner personenbezogenen Daten ein Alter von unter 16 Jahren angegeben hat, darf eine Änderung der Voreinstellung nach Satz 3 erst ermöglicht werden, wenn er das Alter von 16 Jahren erreicht hat.“

    Heisst: Das Alter muss nicht korrekt angegeben werden. Jeder kann sich älter machen und dann seine Privacy-Einstellungen selber ändern. Und um nichts anderes geht es hier.

    Von einem Facebook-Verbot kann nicht die Rede sein.

  3. @doktordab hmm. ich finde, dass das freigeben bedeutet, dass man selber entscheiden kann, wie man das netzwerk nutzt. und das kann man erst ab 16, oder?

    ok, vielleicht sollte ich in den folgenden sätzen verbot durch reglementierungen ersetzen, dann wird es klarer.