Welten kollidieren: Facebook-Reichweitenanalyse

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein hat die Praxis des Like-Buttons sowie der Fanpages auf Facebook analysiert und bezogen auf die geltenden Gesetze folgendes Ergebnis gefunden: ULD an Webseitenbetreiber: “Facebook-Reichweitenanalyse abschalten”. Nun haben die letzten Jahre über die Websitebetreiber und viele Werbetreibenden einiges an Anstrengungen unternommen, um Nutzer über Facebook an sich zu binden und Traffic zu generieren, da kommt die Schlussfolgerung des ULD eher ungelegen:

Als erster Schritt sind die Seitenbetreiber allgemein darauf hinzuweisen, dass das Betreiben einer Fanpage und die Einbindung von Social-Plugins von Facebook zwangsläufig zu Datenschutzverstößen führt, verbunden mit der Aufforderung, die Nutzung dieser FacebookAnwendungen für die Zukunft zu unterlassen. Anwender in Schleswig-Holstein können nach einer Umsetzungsfrist von einem Monat im Einzelfall aufgefordert werden, die rechtswidrige Datenverarbeitung über deren Webseite einzustellen, verbunden mit dem Hinweis auf die Möglichkeiten einer Untersagung nach § 38 Abs. 5 BDSG und eines Bußgeldverfahrens nach § 16 TMG und/oder § 43 BDSG bei privaten Stellen bzw. einer Beanstandung nach § 42 Abs. 2 LDSG S-H bei öffentlichen Stellen.

Jetzt kann man es sich leicht machen und erst einmal eine Runde das ULD bashen, aber ich denke, daß die Problemlage eine ganz andere ist. Wir sehen, daß deutsche und europäische Gesetze in einer globalisierten Welt die Realität nicht immer abgebildet bekommen. Die vom ULD als generell böse eingestufte Reichweitenanalyse ist die Grundlage für viele Werbetreibende, um ihre Nutzer zielgerichtet zu erreichen. Wie will man damit in Zukunft umgehen? Wir sehen immer mehr, daß die Cloud riesige Vorteile bietet, gleichzeitig wollen wir aber die Einhaltung der Staatengrenzen bei der Speicherung von Daten vorschreiben? Das hinkt irgendwie. Sollen jetzt alle Internet-Unternehmen dieser Welt pro Land unterschiedliche Serverlösungen aufbauen? Das schreit doch nach praktikableren Lösungen als die jetzt vom ULD angeordnete kleinstaatliche Lösung in Schleswig-Holstein. Welten kollidieren. Wie soll man Nutzern erklären, wieso sie bald nicht mehr Like-Buttons auf Websiten aus Schleswig-Holstein nutzen können?

Und, ganz nebenbei: ich teile die Paranoia überhaupt nicht. Ich clicke auf Like-Buttons und auch auf +1, wohlwissend, daß dies nicht nur dazu führt, das Leute sehen, welche Inhalte ich mag, sondern daß dies auch Facebook und Google nutzt, ihre Inhalte den Nutzern effizienter zu unterbreiten und Werbung zielgerichteter zu verkaufen. Vielleicht ist da auch eine Generationenfrage oder hat auch mit meiner Ignoranz zu tun, ich weiss es nicht. Aber wenn die Website des ULD der Maßstab sein soll, dann kann man das Internet gleich ausschalten.

6 Antworten auf „Welten kollidieren: Facebook-Reichweitenanalyse“

  1. Du denkst ja auch mit beim Klicken. Verbraucher- und Datenschützer gehen aber offenbar grundsätzlich vom vollkommen unmündigen und unfähigen Nutzer aus. Sicherlich teilweise zurecht. Aber ist das eine Rechtfertigung, dass sich Deutschland mit seiner Internetgesetzgebung immer mehr ins Abseits navigiert. Dann schon lieber wie in China. Große Firewall drumherum und fertig. Da weiß man wenigstens woran man ist ;-)

  2. Vorweg: Ja, ich nutze Facebook und ja, ich habe diverse Websites und Blogs mit Like-Buttons etc.

    Die Argumentation “Freie Fahrt für Werbetreibende” kann ich gut nachvollziehen, da auch ich am Ende ja Dinge verkaufen möchte. Andererseits sind die reichhaltigen Gesetzes-Verstöße, die seitens Facebook und Subunternehmer begangen werden, schon ziemlich beeindruckend: Es fallen hierunter Themen wie mangelnde Aufklärung und Einwillungserklärungen der Nutzer, mangelnde Widerspruchsmöglichkeiten, Erstellung und Speicherung von detaillierten Personenprofilen in einem globalen Firmen-Geflecht, bei dem völlig unklar ist, wer, wann und warum Daten verarbeitet hat. Also alles in allem eine umfassende Ansammlung von Verstößen gegen Deutsche und Europäische Gesetze und Bestimmungen.

    Ich bin überzeugt, das hier die Notwendigkeit besteht, das Thema aktiv anzugehen: Wir können nicht auf der einen Seite mit Stasi 2.0-Rufen gegen die Vorratsspeicherung durch die nationalen Behörden wettern und dann auf der anderen Seite tatenlos zusehen, wie ein an den USA Patriot Act gebundenes Unternehmen umfangreiche Personen- und Bewegungsprofile erstellt, die es an auf Anforderung und ohne richterliche Anordnung den US Starfverfolgern unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämfung zugänglich machen muss.

    Das geforderte “Abschalten” der Like-Buttons ist sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, aber es gibt bestimmt technische Lösungen, die helfen die Gesetze halbwegs zu erfüllen.

    Hier wäre Facebook gefordert, aber die spielen in Deutschland eben Briefkasten-Firma, was uns zu denke geben sollte.

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