Der ideale Preis für ein Tablet: $99 bzw. €99

Nico —  23.08.2011

HP TouchpadEs ist schon irgendwie tragisch, da nimmt Hewlett-Packard das HP Touchpad und verkauft die 16 GB Variante für lumpige $99 bzw. €99 und auf einmal wird ein globaler Run auf die HP Touchpads ausgelöst. Erst lagen die WebOS-basierten Tablets wie Blei in den Regalen und mehr durch Zufall als durch lange Planung findet HP den idealen Preispunkt für Tablets: $99 bzw. €99. Es scheint dann auch keine Rolle zu spielen, daß das WebOS-basierte Tablet vom Markt genommen wird.

Google Trends: Touchpad

Die Google Trends: touchpad zeigen deutlich, daß niemand sich je für das HP Touchpad interessiert hat, in den letzten Tagen aber die Zahl der Suchanfragen in die Höhe schnellt. Die Website von HP hatte in den letzten Tagen massive Probleme, alle Anfragen zu bearbeiten, was natürlich irgendwie nicht für HP und dessen Server spricht, aber das ist nur ein Nebenthema, und mittlerweile bietet beispielsweise BestBuy allen Kunden, die nach dem 19. Juni ein 16GB oder 32GB HP Touchpad gekauft haben, eine Rückerstattung der Differenz des Kaufpreises an, damit sich BestBuy-Kunden nicht zu sehr über den schnellen Preisverfall ärgern. Angeblich soll HP allen Kunden diese Preisnachlässe gewähren, die ein HP Touchpad für den regulären Preis in den letzten Tagen gekauft haben. Ob es klappt, weiß ich nicht, aber beispielsweise bei Amazon werden die HP Touchpads immer noch für den ursprünglich regulären Preis angeboten.

Spannend ist jedoch die Erkenntnis für alle Tablet-Hersteller: für $99 werden die Tablets von den Kunden den Herstellern aus den Händen gerissen. In den USA bietet Amazon den Kindle für $114 an, dafür aber mit Werbung auf dem Kindle. Es wird erwartet, daß Amazon noch vor Weihnachten ein Android-basiertes Tablet ausliefern wird – ob Jeff Bezos da auf eine Mischkalkulation aus Anschaffungspreis plus Werbung plus Appstore-Verkäufe setzen wird? Aus Sicht von Amazon dürfte das Amazon Tablet eigentlich nur Mittel zum Zweck sein, nämlich um die Einkäufe von eBooks, Apps und Games bei Amazon sicherzustellen.

6 responses to Der ideale Preis für ein Tablet: $99 bzw. €99

  1. mikiobraun 23.08.2011 at 10:20

    Schade nur, dass HP kurz darauf die ganze Tabletproduktlinie auf webOS-Basis eingestellt hat…

  2. Ich schätze, dass das iPad auch für 299€ oder zumindest 199€ wie geschnitten Brot verkauft werden könnte.

  3. penzonator 23.08.2011 at 10:33

    Ist das wirklich der „ideale“ Preis? Vermutlich kommt das auf die Sichtweise an. Für den Kunden ist der Preis für dieses Produkt sicher ein Hammer. Schließlich liegt er weit unter 50% des eigentlichen VK. Er könnte aber auch drunter liegen, oder ein klein wenig drüber. Wer weiß schon, ob die Kunden da nicht genauso zugeschlagen hätten.

    Für HP ist der Preis ganz sicher nicht der ideale, werden sie wohl kaum die Produktions-Entwicklungskosten wieder reinfahren. Zumindest erreichen Sie aber, dass die Teile nicht wie Blei in den Regalen liegen bleiben und so irgendwann im Elektroschrott landen, ohne je die Hand eines Kunden gesehen zu haben.

    HP hat einen Abverkaufs gestartet. Sicher zu einem Preis, der zumindest einen Teil der Kosten deckt

  4. michael.ka 23.08.2011 at 20:55

    Der ideale Preis? Nicht wenn auch nicht klar ist wie überhaupt Geld gemacht werden kann. Die ganze Geschichte hat eher wenig Aussagekraft. Ein Tablet, das $300 oder mehr in der Herstellung kostet verkauft sich also ganz gut wenn es für $100 verkauft wird. Oh. Toll. Wer hätte das gedacht? Apples Tablet verkauft sich auch ganz gut (für ziemlich lange Zeit hat Apple so viele iPads verkauft wie sie überhaupt herstellen konnten), kostet fünf mal so viel oder mehr und Apple macht im Gegensatz zu HP damit Gewinn und nicht Verlust.

    Ob ein Tablet, das $70 oder so in der Herstellung kostet und für $100 verkauft wird auch so gut weggehen würde wissen wir einfach nicht und da irgendwelche Vergleiche zu ziehen ist unsinnig. Ein $70-Tablet ist eben nicht das selbe wie ein $300-Tablet.

    Gleiches gilt für ein Tablet, das $300 in der Herstellung kostet, für $100 verkauft wird und über Werbung finanziert wird. Erstens ist nicht klar ob Kunden genauso begeistert von einen Tablet mit aufgezwungener Werbung sind wie von einen ohne, zweitens wissen wir nicht ob sich den überhaupt genug Werbekunden finden um das ganze zu finanzieren. $200 an Umsatz durch Werbekunden pro Nutzer über die Lebenszeit eines Geräts – dann würde HP schon einmal weder Gewinn noch Verlust machen – ist schon eine stolze Summe.

    Vielleicht lässt sich das ganze über einen App-Store finanzieren? Auch das ist zweifelhaft. Selbst Apple macht mit ihren Store kaum Geld, sogar der Umsatz (ein paar hundert Millionen auf die Lebenszeit des Stores) ist verglichen mit den Gewinn den Apple so macht (sieben Milliarden im Quartal) nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Will HP ein $300-Tablet für $100 verkaufen, so müsste ein Nutzer im Durchschnitt pro Gerät das er kauft für mehr als $650 (30% davon sind so ungefähr $200) in HPs App-Store einkaufen gehen und dann kann HP damit noch nicht mal die Kosten die beim am Laufen halten eines solchen Stores anfallen bezahlen. Das ist offensichtlich eine lächerliche Vorstellung.

    Rasierer kann man mit Verlust verkaufen oder Drucker, da macht man das Geld eben mit Klingen oder Tinte. Bei Tablets erscheint das bisher keine realistische Option zu sein. Was HP da macht ist eben ein Muster ohne Wert und $100 ist kein idealer Tablet-Preis.

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