Archiv für August 2011

30. August 2011

MokaFive – Virtual Desktops für Enterprise-Umgebungen


Seit meiner Zeit in Göttingen verfüge ich über ein gewisses Halbwissen zum Thema Linux Diskless Clients und finde es immer spannend, wenn Virtualisierungen von Rechner-Umgebungen stattfinden. VentureBeat berichtet über die Firma MokaFive und deren Technologie: MokaFive slashes corporate computing costs and let workers use Macs.
MokaFive-Setup

MokaFive embeds a client hypervisor such as VMware Player (MokaFive is architected to handle any hypervisor) on the user’s own machine and wraps it with enterprise security, manageability, and a user-friendly interface. It works better than virtual desktop infrastructure (VDI), which requires heavy software infrastructure in the data center. And the user can use any device to log into the corporate network and use personal applications, not just approved ones.

A MokaFive machine starts with an operating system layer. Then it has a read-only enterprise layer, installed at boot time. Then there is a layer of applications, personalized bookmarks, and finally the layer of the user’s data.

Angeblich sind damit wahnsinnige Kostenersparnisse (MokaFive geht von mind. 45% aus) möglich, so daß sich MokaFive schon nach einem Monat rechnen soll. Für große Organisationen scheint MokaFive interessant zu sein, da sie relativ Endgeräte-neutral zu implementieren ist. Interessant ist vor allem, daß als sog. Hypervisor auf dem Endgerät unterschiedliche Tools eingesetzt werden können, womit IT-Abteilungen eine gewisse Flexibilität erhalten. Aus Nutzersicht ist natürlich spannend, daß man auch mit Apple Hardware, oder sogar mit eigener Hardware, in den “Genuß” eines Enterprise-Environments kommen kann. Hier ensteht also ein Flexibilität, die vorher nur schwer zu erreichen war. MokaFive gibt es bereits seit 2005.

29. August 2011

Google+ als Identity-Service? Mit Pseudonymen?

Dieser Eintrag von Andy Carvin, Senior Strategist beim amerikanischen National Public Radio, bei Google+ macht gerade die Runde, da er Eric Schmidts Antworten beim Edinburgh Internation TV Festival wiedergibt:

He replied by saying that G+ was build primarily as an identity service, so fundamentally, it depends on people using their real names if they’re going to build future products that leverage that information.

Regarding people who are concerned about their safety, he said G+ is completely optional. No one is forcing you to use it. It’s obvious for people at risk if they use their real names, they shouldn’t use G+. Regarding countries like Iran and Syria, people there have no expectation of privacy anyway due to their government’s own policies, which implies (to me, at least) that Schmidt thinks there’s no point of even trying to have a service that allows pseudonyms. Unfortunately, the way the Q&A was conducted, I wasn’t in a position to ask him a followup on this particular point.

He also said the internet would be better if we knew you were a real person rather than a dog or a fake person. Some people are just evil and we should be able to ID them and rank them downward.

Diese Ansichten von Eric Schmidt zu Anonymität im Web sind nichts Neues, aus Sicht von Google wäre es natürlich am Elegantesten, wenn jeder Nutzer ein Profil bei Google+ hätte, dann könnte Google sicherlich die Inhalte des Webs noch besser sortieren.

Wir hatten ja auf diesem Blog bereits die Debatte um Klarnarnamen und ich habe es da irgendwie nicht geschafft, meinen Standpunkt leicht verständlich darzulegen.

Ich persönlich, ich, Nico Lumma, rede lieber mit Leuten, die ebenfalls mit Klarnamen im Web unterwegs sind. Ich kenne auch Leute, die Pseudonyme benutzen, und auch dies akzeptiere ich in einer Disussion. Aber, wenn sich Leute hinter Pseudonymen verstecken und trollen oder beleidigen, dann lösche ich diese Kommentare, bzw. breche die Kommunikation ab. Das bedeutet aber nicht, daß ich finde, daß generell alle überall immer mit Klarnamen aufzutauchen haben. Ich halte es allerdings für absurd, zu glauben, daß Facebook oder Google+ in totalitären Regimen genutzt werden könnten, ohne Gefahr zu laufen, daß über Verbindungsdaten nicht doch die Identität ermittelt werden könnte. Dafür sind Facebook und Google eher die falschen Plattformen.

Was Google+ als Identity-Service angeht, da verstehe ich dann nicht, wieso Nicknames zwar im Profil angegeben werden können, aber nicht genutzt werden. Als Identity-Service sollte Google+ in der Lage sein, daß man sich mit seinem Profil an unterschiedlichen Orten im Web anmelden kann, ähnlich wie bei Facebook Connect. Dann gäbe es bei Google+ eben verschiedene Kontexte, z.B. den Kontext Shopping, dort wird vom Identity-Service die postalische Adresse geliefert, da gäbe es das Musik-Forum, da könnte man sich eigentlich mit seinem Fan-Pseudoynm anmelden, da gäbe es die Flirtplattform, die auch ein anderes Pseudonym ermöglicht und da gäbe es dann Google+ mit seinen Circles. Warum kann nicht jeder Circle entweder den Klarnamen oder einen der Pseudonyme sehen?

Klar, man wäre einmal bei Google registriert und das hat natürlich Konsequenzen, denn man hinterlegt seine Online-Identitäten bei einem Dienst, der Vorteil wäre aber, daß man selber justieren kann, wie man mit dem Profil und den damit verknüpften Pseudonymen online in Erscheinung tritt.

Mein’ ja nur.

29. August 2011

Nerd Attack! – die Geschichte der Generation C64

Nerd Attack - Chris StöckerAls ich gesehen hatte, daß der von mir sehr geschätzte Christian Stöcker ein Buch über “Eine Geschichte der digitalen Welt vom C64 bis zu Twitter und Facebook” geschrieben hatte, bin ich, völlig untypisch für mich, direkt am Samstag in eine lokale Buchhandlung gegangen und habe mir das Buch gekauft und es quasi in einem Rutsch durchgelesen. Und das, obwohl ich eigentlich eine “nie mehr als 200 Seiten”-Policy bei Büchern habe, denn normalerweise schaffe ich selten Bücher, die so lang sind. Nerd Attack! lässt sich wunderbar lesen, insbesondere wenn man selber der Generation C64 angehört.

Während der ersten paar Kapitel des Buches hatte ich das Gefühl, meine eigene Biographie zu lesen. Auch ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich nach der Schule immer zum örtlichen Karstadt in die Schreibwaren-Abteilung getapert bin, um dort am Commodore C64 rumzuspielen, kleinere BASIC-Programme zu tippen und mit Gleichaltrigen fachzusimpeln. Nach genügend Gequengel hatte ich dann endlich einen C64 plus Datasette in meinem Zimmer, inklusive einiger Spiele wie Decathlon, die für einen wahnwitzigen Verschleiß an sauteuren Joysticks sorgten. Ich kann mich noch erinnern, daß ich zu einem Winterurlaub im Harz den C64 mitsamt kleinem, roten schwarz/weiß-Fernseher aus DDR-Produktion mitgenommen hatte, damit ich auch im Urlaub daddeln konnte. Irgendwann hatte ich dann meinem Vater auch noch die Floppy 1541 aus dem Kreuz geleiert und dann konnte das fröhliche Kopieren erst richtig beginnen. Ein 10er-Pack 5 1/4-Disketten von Scotch kosteten lumpige 100 DM, die NoName-Variante kostete 20 DM, aber man konnte sich nicht sicher sein, daß die Disketten auch ordentlich funktionierten. Getauscht wurde mit Mitschülern und so wuchs stetig der Fundus von Spielen an, aber das reichte irgendwie nie aus. Mein Vater brachte mich sogar mit dem Sohn seines MdL-Kollegen zusammen, damit wir Spiele tauschen konnten. So viel zu Thema “Kopieren war irgendwie normal”, wie Chris Stöcker es auch in seinem Buch darlegt. Ich kann mich auch noch lebhaft an Peeks & Pokes, Data Becker Bücher bei Karstadt, aus denen wir Passagen abschrieben, und Interrupt-Routinen erinnern. Damit ich auch mal tolle Demos zeigen konnte, mit Laufschrit und Musik und witzigen Sprites und so, habe ich aus Spielen irgendwelche Interrupt-Routinen rausgefriemelt, mit irgendeinem Assembler-Monitor oder so. Später kam dann Final Cartridge 3 dazu und ich dachte, jetzt könnte ich alles am C64. Einen eigenen Resetschalter hatte ich schon an das Gehäuse gelötet nach Anleitung eines Schulfreundes, aber dann mußte das Kopieren schneller gehen und ein Parallelkabel an die Floppy 1541 gelötet werden. Das Gehäuse stand zum Entsetzen meiner Eltern sowieso immer offen, um thermischen Problemen vorzubeugen. Nachdem eine Lötbrücke beim Parallelkabel abging, funktionierte die Floppy 1541 nicht mehr und meine C64-Karriere war zu Ende. Ich konnte aber immer noch meine Mutter locker in Panik versetzen, indem ich ihren WANG-PC im Büro kaperte und ein simples BASIC-Programm startete, das in einer Endlosschleife “Hallo Mutti!” ausspuckte.

Ich kann mich auch noch gut an die ersten Artikel über den CCC und über Akkustik-Koppler und Mailboxen erinnern, das klang alles so aufregend, aber auch so weit weg, allein schon weil meine Eltern nicht wollten, daß unsere Telefonrechnung noch höher wurde und ich natürlich auch kein Geld für einen Akkustik-Koppler oder gar ein Modem mit Post-Abzeichen hatte.

Stöcker schildert auch, wie restriktiv der Zugang zum Internet Mitte der 90er Jahre an den Unis war, für mich war es das Rechenzentrum der GWDG hoch oben auf einem Hügel über der Stadt Göttingen, von uns lakonisch Tempelberg genannt, das 1995 den Weg ins Internet darstellte. Gegen den strikten Grundsatz “nur für Forschung & Lehre” habe ich natürlich innerhalb von 5 Minuten verstoßen, das gehörte irgendwie dazu. Krass war dann auch der Kulturschock, als ich mein Auslandsjahr an der UC Berkeley 1995/96 absolvierte, denn dort gab es Computerlabs in überall auf dem Campus, Email wurde zum Kommunikationsstandard.

Die Electronic Frontier Foundation, The Well, CCC, BTX, das Aufkommen von Napster, die Reaktionen der Musikbranche, das Netzsperren-Debakel – Stöcker bringt diese Themen in Perspektive und zeigt, wie das Verständnis einer Generation, geprägt vom C64, mit dem Verständnis anderer Generationen kollidiert. Politiker aller Parteien sollten sich dringend Nerd Attack! kaufen, um zu verstehen, wie diese Generation denkt.

Wenn mich später mal meine Kinder fragen werden, wie es damals war, als es den ersten Heimcomputer zu kaufen gab, dann werde ich ihnen Nerd Attack! geben und hoffen, sie verstehen mich dann ein wenig besser.

29. August 2011

Doc Brown ist wieder da in seinem DeLorean

Doc Brown ist zurück

Doc Brown ist zurück, jedenfalls in einem Viral aus Argentinien. Wer dahinter steckt? Keine Ahnung. Gibt es eine neue Folge von Zurück in die Zukunft?

Die Überwachungskamera hat den Vorfall auch aufgezeichnet:

[ via: Doc Brown and the time traveling DeLorean spotted in viral video from Argentina | Techi.com ]

28. August 2011

Hurricane Irene Tracking Map

NYT Hurricane Irene Tracking Map

Daten-Journalismus ist ja eines der aktuellen Buzzwords der Branche. Die Hurricane Irene Tracking Map der New York Times ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Auf einer Karte wird gezeigt, wie sich der Hurricane Irene an der Ostküste der USA entlang bewegt, dazu werden zusätzliche Infos wie Satelliten-Bilder des Sturms eingeblendet, die aktuelle Windgeschwindigkeit gezeigt und auf die aktuellen Artikel der New York Times zum Hurricane Irene verwiesen.

Die Hurricane Irene Tracking Map ist eine willkommende Abwechslung zu der Dauerbeschallung mit Möchtegernsensationen wie beispielsweise bei cnn.com.