7 Antworten zum Datenschutz: Marco Ripanti

Nico —  7.09.2011 — 2 Comments

Marco RipantiIn der heutigen Ausgabe der beliebten Interview-Reihe 7 Fragen zum Datenschutz antwortet heute Marco Ripanti, der mit Spreadly eine alternative Lösung für das Sharen von Inhalten anzubietet.

Was ist problematisch an Widgets, Tracking-Pixeln und eingebundenen Werbeplätzen?

Einfach ausgedrückt, gebe ich einem externen Anbieter einen Platz auf meinem Webauftritt. Dieser steuert dann was dort ausgegeben bzw. aufgezeichnet wird. Ohne eine gewisse Vertrauensbasis oder Kenntnis was da konkret passiert bleibt ein gewisses Restrisiko immer vorhanden. Die Besucher meiner Webseite nehmen das Widget optisch zur Kenntnis, wissen aber nicht was genau passiert oder gar das es sich hier um externe Inhalte handelt. Eine Webseite machen diese Tools in der Regel attraktiv oder fungieren sogar als Erlösquelle. Was hinter der Oberfläche passiert ist in 9 von 10 Fällen nicht transparent für den Besucher.

Was ist so schlimm am Like-Button?

Eine schwere Frage! Vom Start der Social PlugIns von Facebook haben Webseiten diese wie die Lemminge eingebaut ohne sich Gedanken darüber zu machen. Die Aussicht auf neuen und größeren Traffic hat viele Webmaster und Marketingverantwortliche blind gemacht. Vielleicht hat in einigen Fällen dies auch zum gewünschten Erfolg geführt, aber den Preis dafür haben die wenigsten hinterfragt. Traffic zum Preis von Wissen ist meist kein guter Deal für den Webseitenbetreiber. Der anonyme neue Besucher oder Fan lässt sich in der Regel nicht sofort zu Geld machen, dass Wissen über die Interessen des Likers hingegen schon.

Was passiert, wenn Unternehmen tracken können, was ich als Nutzer online mache?

Getrackt wird schon immer. Die ersten Analysetools haben dabei geholfen die Nutzeraktivität auf einer Seite zu verfolgen und ggf. Dinge zu verbessern. Ein neu positionierter Button in einem Shop kann auf Grund solcher Erkenntnisse schon zu deutlich mehr Sales führen. Der Durst nach Wissen über die Besucher einer Seite ist nicht weniger geworden. Natürlich möchte jeder gerne wissen werden so seine Angebote aufruft, die Seite schnell wieder verlässt oder ein wichtiger Multiplikator für seine Inhalte ist.

Warum tracken Unternehmen eigentlich, was die Nutzer im Web alles machen?

Man möchte natürlich immer alles zum “Nutzen der User” machen. Bessere Usability, personalisierte Angebote, interessensoptimierte Werbung uvm. Viele Dienste im Web kosten kein Geld und somit bleibt die Monetarisierung dieses Wissens über die Nutzer der eigenen Webseite die einzige Chance das Angebot zu Geld zu machen und somit am Leben zu erhalten. Interessant wäre eine Lösung die vor Online-Angebote eine Vorschalte packt auf der man sich entscheiden muss: 0,99 Euro oder Deine Zustimmung Deine Daten zu Geld zu machen.

Haben die jetzt wirklich meinen Namen, Adresse, Bankverbindung, Hobbies, Freunde und Anzahl plus Namen der Haustiere? Und wie machen die Unternehmen damit jetzt Geld?

Facebook schon … zumindest das was man dort eingetragen hat. Falsch ist natürlich, dass all diese Informationen auch in Cookies stehen würden und somit jede Webseite diese auslesen und nutzen kann. Webanalysetools können auch nur ca. Angaben machen zu dem demographischen Daten der Nutzer ausgeben. Re-Targeting Unternehmen arbeiten da schon ein wenig “intelligenter”. Die Interessen eines Nutzers (Suche nach dem nächsten Reiseziel) verfolgen einen dann ständig in den Bannern auf den angeschlossenen Webseiten. Die Streuverluste sind so (hoffentlich) deutlich geringer.

Es gibt doch das Safe-Harbour-Abkommen mit den USA, also ist doch alles halb so wild, oder?

Das kenne ich nicht gut genug um was konkretes dazu sagen zu können. Rein Gefühl her ist es natürlich immer angenehmer wenn meine Daten auch in dem Land bleiben in dem ich tätig bin und nach dessen Gesetzen (auch wenn diese nicht mehr zu 100% passen) behandelt werden.

Was sollte passieren, um Datenschutz zu gewährleisten, ohne den Unternehmen die Möglichkeit zu nehmen, die Nutzerdaten zu monetarisieren? Die wollen ja auch irgendwie Geld verdienen mit kostenlosen Diensten, oder?

Transparenz ist wichtig! Ich glaube Nutzer sehen ein, dass man für kostenfreie Dienste Wissen über sie zu Geld machen muss. Alles was sie brauchen ist das Wissen darüber, dass es so ist und die Möglichkeit jederzeit der Webseite diese Möglichkeit wieder nehmen zu können wenn man dessen Dienste nicht mehr in Anspruch nehmen möchte.

Auch die Medien können einen großen Anteil leisten. Ständige Panikmache die teilweise auf Unwissen basiert, hilft nicht wirklich dabei das Vertrauen der Nutzer zu gewinnen. In vielen Fällen leidet auch deren Glaubwürdigkeit, wenn man einerseits vor den Gefahren warnt und am Ende des Artikels dann genau die Dinge zu sehen sind vor denen ein paar Zeilen weiter oben abgeraten wird.

So stecken wir wohl alle in einer Zwickmühle, oder?

Vielen Dank!

Neben den von mir gestellten 7 Fragen zum Datenschutz sind bislang außerdem 7 Antworten zum Datenschutz: Christoph Kappes, 7 Antworten zum Datenschutz: fukami, 7 Antworten zum Datenschutz: Martina Pickhardt, 7 Antworten zum Datenschutz: Uli Hegge, 7 Antworten zum Datenschutz: Christian Bennefeld, 7 Antworten zum Datenschutz: Christian Sauer und 7 Antworten zum Datenschutz: Stephan Noller in der kleinen Interview-Reihe erschienen.

2 responses to 7 Antworten zum Datenschutz: Marco Ripanti

  1. MarcoRipanti 7.09.2011 at 16:28

    Danke!

    Kommt es mir nur so vor, oder werden die Klicks auf den Facebook LIKE hier weniger?

  2. MarcoRipanti 7.09.2011 at 16:28

    Danke!

    Kommt es mir nur so vor, oder werden die Klicks auf den Facebook LIKE hier weniger?

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