Twitter: große Zahlen, viel Hoffnung

Nico —  9.09.2011

Gestern hat der CEO von Twitter, Dick Costolo ein paar Zahlen verkündet, die erst einmal großartig aussehen: Twitter CEO: We have 100M active users:

There are 100 million global active users on Twitter. According to the company, a “global active” is anyone who logs into Twitter at least once a month. Half of them log in every day.

Of active users, 55 percent tweet on mobile devices. “We see tremendous growth in mobile, about 40 percent quarter on quarter growth on Twitter on mobile the past three or four quarters,” he said. That’s up over 80 percent since the beginning of the year. “I was surprised when I got here in November ’09 how small the usage of Twitter on mobile was. But that’s now about 55 percent of our actives.”

There are 400 million monthly uniques to twitter.com. That’s according to Google analytics. And it’s up from 250 million uniques from the beginning of the year. “There are still a lot of people who don’t log into Twitter, but use Twitter every day.”

Forty percent of active users don’t Tweet, but they do read. “We’re excited about that,” said Costolo. Why? “That’s an indicator Twitter is becoming mainstream,” said Costolo. That means there are that many people “who are active on Twitter, but don’t publish — yet.”

Also, wir fassen das mal zusammen. 100 Millionen aktive Nutzer, davon sind allerdings 40% so aktiv, daß sie nur lesen, dies aber im eingeloggten Zustand tun. Dazu kommt eine tolle große Zahl: 400 Millionen Uniques auf Twitter.com jeden Monat. Fred Wilson, einer der Investoren hinter Twitter, findet die Mitmach-Quote bei Twitter super, dabei verweist er auf die übliche Verteilung von aktiven und passiven Nutzern. Es gibt das bekannte 90-9-1 Prinzip, wonach 90% der Nutzer nur lesen, 9% kommentieren und 1% auch Bilder und Videos hochladen, von daher sieht Wilson alles im grünen Bereich:

Twitter has 400mm active users a month, 100mm of them are engaged enough to log in, but only 60mm tweet. For years people have made it out like this is a bad thing. It’s not a bad thing. It is an amazing thing. Let people use the service the way they want and you’ll get more users. Logged out users are users just like logged in users. We should focus more on them, build services for them, and treat them like users, not second class citizens.

I beg to differ. Wenn Twitter mit dem Dienst Geld verdienen will, dann müssen die aktiven Nutzer auch wirklich aktiv sein. Warum? Weil in den Konversationen das Geld liegt, und vor allem die Werbung platziert werden wird. Wenn ich nur mitlese, ist es schwer zu tracken, was mich interessiert und daher wird die Werbung wenig relevant sein. 400 Millionen Unique User sind toll, aber die werden wenig Interesse an Hashtag-Werbung oder Werbe-Tweets haben, insbesondere wenn sie über die Suche zu Twitter gespült werden und ihnen womöglich der Kontext zu den einzelnen Tweets fehlt. Wenn Twitter, wie überall berichtet, gerade eine massive weitere Finanzierungsrunde vornimmt, dann muß man sich wirklich die Frage stellen, wann denn endlich der Schalter umgelegt werden soll, um die Reichweite auch mal zu monetarisieren. Facebook hat gerade die Einnahmen verdoppelt, Twitter hat immer noch keine nennenswerte Einnahmen. Twitter hat auch immer verkündet, nicht einfach nur Bannerwerbung nutzen zu wollen, sondern Werbung zu platzieren, die für den einzelnen Nutzer relevant ist. Da bin ich mal gespannt.

Was nutzt der Traffic und die Stickyness, wenn daraus keine Einnahmen entstehen? Wie lange soll es dauern, bis aus passiven Lesern aktive Nutzer werden? Ich mag Twitter und wiederhole es nur ungern, aber Twitter ist konzeptionell am Ende. Mit viel Hoffnung alleine wird kein Geld in die Kassen von Twitter gespült werden und irgendwie muß der Dienst finanziert werden.

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  1. Twitter. Ohne Ende. | sebastiankeil.de - 16.09.2011

    […] ist inzwischen nicht nur ziemlich groß, sondern fängt unter der Regie von Dick Costolo und Jack Dorsey an, endlich die Dinge zu liefern, […]