Piraten im Berliner Parlament – was nun?

Nico —  18.09.2011 — 22 Comments

Künftig haben System-Administratoren, Nerds und die Berlin Mitte Bohème ihre Interessenvertreter im Berliner Parlament sitzen. Wie das kommen konnte? Ach, das geht ganz einfach. Die Berliner CDU ist in einem traditionell desolaten Zustand, die Grünen werden immer attraktiver für eine konservative Klientel, die Linke schießt sich mit Aussagen zur Berliner Mauer selbst ins Knie und kann aufgrund der Regierungsbeteiligung keine Fundamentalopposition betreiben, die FDP findet nur unter Sonstige statt und wird nicht als Partei wahrgenommen und die SPD ist Regierungspartei. Da gibt es auf einmal Platz im Parteienspektrum für eine Partei, die sich als Alternative anpreist und für die Wähler interessant ist, die die Grünen zu etabliert und konservativ finden, die SPD sowieso nicht mögen und die Linke zu östlich finden.

Die Piraten werden jetzt vor der Herausforderung stehen, im Parlament mitarbeiten zu müssen und sich als Opposition einzubringen. Bislang sind die Piraten ja eher mit Unwissen und abstrusen Forderungen aufgefallen. Jetzt muß Substanz her. Die Piraten haben es geschafft, viele Nichtwähler und Wähler von sonstigen Parteien für sich zu begeistern und die Piraten sind auch für viele Erst- und Jungwähler attraktiv. Das finde ich schon mal ziemlich gut, denn da versagen gerade die etablierten Parteien immer mehr. Insofern füllen die Piraten eine Lücke. Ich befürchte nur, daß die Piraten jetzt Schwierigkeiten haben werden, zu liefern. Sie fordern viel wenn der Tag lang ist, aber reicht das aus für die Arbeit im Parlament?

Wir dürfen gespannt sein, wie lange es dauert, bis die Piraten feststellen werden, daß die Arbeit im Parlament anstrengend und mühsam ist, aber niemand Interesse an irgendwelchen absurden Konzepten hat. Werden die Piraten die Opposition innerhalb der Opposition sein, oder was kommt da jetzt? Werden die Piraten auf einmal Sachthemen für sich entdecken? Wird es künftig die Bürgersprechstunde im St. Oberholz geben?

Ach ja, und dann wäre da noch die Frage zu klären: wie gehen SPD und Grüne damit um, daß die Piraten auch mit Netzpolitik-Themen punkten können? Ignorieren wird nicht helfen.

22 responses to Piraten im Berliner Parlament – was nun?

  1. MikeSchnoor 18.09.2011 at 21:13

    nico Ich gebe Dir definitiv Recht damit, dass jetzt die Piraten mit ihren aktuell hochgerechneten 15 Sitzen gefordert sind. Aber schließt Du kategorisch eine Berliner Regierungsrolle für die Piraten aus, wenn Du von vornherein definierst, dass die Piraten in der Opposition aktiv sein müssen? :)

  2. FriedrichB 18.09.2011 at 21:14

    Das isses !!!

  3. FriedrichB 18.09.2011 at 21:14

    Das isses !!!

  4. AndréWegner 18.09.2011 at 21:19

    Ich bin skeptisch was die Langlebigkeit der Piraten betrifft. Im Augenblick erinnern sie mich an die Anfänge der Grünen. Nicht nur was die Piraten selber betrifft, sondern auch, wie sie von den anderen Parteien eher belächelt oder angefeindet werden.Skeptisch bin ich, weil die Wahl in Berlin einen Sonderstatus hat. Zu viele Berliner Besonderheiten, als das ich daraus ein Signal an den Rest der Republik ableiten würde. Eine Stadt in der gut 2/3 mehr oder minder links wählen, in der ein großer Teil der dt. digitalen Boheme verortet ist, eine Großstadtwahl in einem Bundesland, wahltaktische Fehler besonders der Grünen, all das sind Faktoren, die die Piraten in Berlin begünstigt haben.Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich sowas in einem Flächenland wiederholt. Nicht vergessen sollte man, dass sie sich in 2011 weder in HH noch in MeckPom durchsetzen konnten.

  5. @MikeSchnoor wie stellst Du Dir denn eine Regierungsbeteiligung der Piraten vor?

  6. @MikeSchnoor wie stellst Du Dir denn eine Regierungsbeteiligung der Piraten vor?

  7. das sind fast die gleichen Phrasen wie sie 1983 aus dem konservativen Lager zum Einzug der Grünen in den Bundestag zu hören und zu lesen waren. So nach dem Motto: Die werden sich noch wundern was auf sie zukommt. Lass sie doch erstmal machen. Ja, die Piraten sind nicht die perfekte Repräsentation einer Internet Partei. 1983 waren die Grünen auch nicht die Partei die sie heute sind. Wichtig ist doch nur, dass die Parteien die Netzbürger als Bewegung wahrnehmen und das diese Bewegung irgendwann auch mal einsieht, dass sie eine Stimme in der parlamentarischen Demokratie braucht, wenn sie Dinge geändert sehen möchte. Richtig so!

  8. @rawar nö, das sind nicht die phrasen von 1983, das wäre zu einfach. aber es ist genauso einfach, jegliche kritik an den piraten mit “erinnert euch an das aufkommen der grünen” ersticken zu wollen.

  9. @rawar nö, das sind nicht die phrasen von 1983, das wäre zu einfach. aber es ist genauso einfach, jegliche kritik an den piraten mit “erinnert euch an das aufkommen der grünen” ersticken zu wollen.

  10. MikeSchnoor 18.09.2011 at 21:43

    @NicoLumma Keine Ahnung. Woher auch. Bin ja kein Pirat.

  11. @MikeSchnoor äh, also verstehe ich das richtig: du beschwerst dich, dass ich die Piraten in der Opposition sehe und wenn ich dich frage, wie denn eine Konstellation aussehen könnte, in der die Piraten an der Regierung beteiligt sind, dann zuckst Du mit den Schultern?

  12. MikeSchnoor 18.09.2011 at 22:00

    @NicoLumma Du brauchst den Spieß nicht umdrehen. Ich habe dich gefragt, warum du die Piraten kategorisch für eine Regierungsrolle ausschließt. Dass Du mit einer Gegenfrage argumentierst, bedeutet ja nur, dass du selbst keine Antwort auf die Frage hast und erhoffst, ich würde mich auf das Spielchen jetzt einlassen? Du hast schließlich zuerst darüber in deinem Blogartikel geschrieben – daher: Pustekuchen. :)

  13. @MikeSchnoor die Piraten werden Oppositionspartei, weil es einfach keine Option gibt, sie zur Regierungspartei zu machen. Sollte rot-grün die Piraten dazu nehmen? das brauchen sie nicht. Und an rot-rot-orange würde ich eher nicht denken (wollen).

  14. @MikeSchnoor die Piraten werden Oppositionspartei, weil es einfach keine Option gibt, sie zur Regierungspartei zu machen. Sollte rot-grün die Piraten dazu nehmen? das brauchen sie nicht. Und an rot-rot-orange würde ich eher nicht denken (wollen).

  15. MikeSchnoor 18.09.2011 at 22:05

    @NicoLumma Rot-Grün hätte zumindest hier Potenzial, um mehr Schlagkraft/stärkere Mehrheit bei insgesamter Einigungsmentalität zu forcieren. Wäre doch zumindest besser als Rot-Schwarz, oder? Die von Dir angemerkte letzte Option steht wirklich als letzte Option eigentlich gar nicht zur Debatte…

  16. @MikeSchnoor aber warum sollte rot-grün die piraten dazu nehmen? um sie zu entzaubern? das machen die von ganz alleine…

  17. MikeSchnoor 18.09.2011 at 22:08

    @NicoLumma Wie gesagt: Stärkere Mehrheitsbildung. Ein Sitz mehr ist ja bekanntermaßen nichts, wenn es dann wieder die typischen Abweichler gibt…

  18. @MikeSchnoor 1 Sitz diszipliniert.

  19. @NicoLumma @rawar es geht nich um ersticken sondern um die Freude das die Jungs und Mädels von den Piraten jetzt wirklich parlamentarische Verantwortung übernehmen. Und dann nerven einfach diese ganzen aroganten Kommentare wie “na da werdet ihr mal sehen wie das so ist jenseits des ganzen Spassaktionen”. Lass die doch mal machen und dann kann man immer noch Manöverkritik äußern.

  20. FriedrichB 19.09.2011 at 10:32

    @lumma

    Piraten im Berliner Parlament – was nun?

    Sollte es nicht besser heißen:

    Piraten im Berliner Parlament – was tun??

    P.S. Mir fehlt eigentlich ein Kommentar eines Genossen aus HH zu den Verlusten der SPD ??

Trackbacks and Pingbacks:

  1. mediaclinique | ralf schwartz - 19.09.2011

    @nico Lumma fragt sich was. Gut. Aber: Warum antwortet er sich nicht?…

    In Piraten im Berliner Parlament – was nun? fragt sich Nico (nicht nur das, sondern auch – und das ist viel wichtiger): “Ach ja, und dann wäre da noch die Frage zu klären: wie gehen SPD und Grüne damit um,……

  2. Mal gucken, was da noch kommt « TinoBecker's Blog - 27.09.2011

    […] Was wird man von ihnen erwarten dürfen? Auf konkrete Vorschläge, sagt der Sozialdemokrat Nico Lumma, verlasse er sich jedenfalls nicht: Was die tägliche, mühsame Arbeit im Parlament angehe, […]

Los, kommentier das mal!