Niemand hat die Absicht, in sozialen Netzwerken zu suchen

Nico —  17.01.2012

Mein Lieblings-Interneterklärer hat in seiner aktuellen SpOn-Kolumne heute versucht, sich des Themas Warum soziale Netzwerke sich nicht durchsuchen lassen und dabei folgende These vertreten:

Die Suche in sozialen Netzwerken ist absichtlich schlecht gehalten, um das gewünschte Nutzungsschema zu erzwingen.

Was Sascha Lobo anführt, klingt alles nett und schlüssig, trotzdem glaube ich, daß er irrt. Von den professionellen Nutzern, also Community Managern und anderen mal abgesehen, hat niemand die Absicht, in sozialen Netzwerken zu suchen.

Warum auch?

Wenn ich mich mit anderen Leuten unterhalte, dann zählt der Moment, alles was ich mir nicht merke, ist weg, ich kann höchstens noch mal nachfragen. Eine Suche habe ich im richtigen Leben auch nicht, maximal Gesprächsnotizen zum Nachlesen.

Sascha sieht hinter der oft eher wenig nützlichen Suche ein System:

Die Suche führt weg vom erwünschten linearen Medienkonsum. Ohne Suche muss jeder, der etwa auf Facebook Aufmerksamkeit generieren will, ständig aktiv sein; ohne Suche werden nur Inhalte gefunden, die soeben gepostet wurden. So zwingt das Netzwerk seine Werbekunden zur unaufhörlichen Aktivität, zur andauernden Investition in die eigene Facebook-Seite.

Da ist natürlich etwas dran, aber ich glaube, daß die Fokussierung auf Realtime sich eher an die Nutzungsmuster der Menschen anpasst und nicht aufgrund der Monetarisierung so erfolgt ist.

Mal Hand aufs Herz, wer liest wirklich Tweets zu Hashtags nach, wenn man den gemeinsamen TV-Konsum am Abend verpasst hat? Eben. Das Internet vergißt nichts, aber je mehr wir im Internet in Echtzeit kommunizieren, desto weniger kommen wir in die Versuchung, vergangene Gespräche rekonstruieren zu wollen. Wat fott es, es fott. Links werden extrahiert und irgendwo zusammengestellt, Bilder werden in Alben gepackt und Gespräche versickern irgendwo, eigentlich ähnlich, wie es mit unserer Erinnerung auch ist.

Die sozialen Netzwerke verändern die Art und Weise, wie wir im Netz kommunizieren, aber die Echtzeit-Nutzung führt eher zu einer Angleichung an die herkömmliche zwischenmenschliche Kommunikation, alle Vergänglichkeit eingeschlossen.

23 responses to Niemand hat die Absicht, in sozialen Netzwerken zu suchen

  1. jens.k.loewe 17.01.2012 at 22:19

    Ich nutze die Twitter-Hashtag-Suche recht häufig, um Zusammenhänge zu kapieren. Bin sicher kein Einzelfall…

  2. jens.k.loewe 17.01.2012 at 22:19

    Ich nutze die Twitter-Hashtag-Suche recht häufig, um Zusammenhänge zu kapieren. Bin sicher kein Einzelfall…

  3. @jens.k.loewe nach meiner Theorie schon. :)

  4. @jens.k.loewe nach meiner Theorie schon. :)

  5. SaschaLobo 17.01.2012 at 22:34

    Lieber Nico,

    – „Wenn ich mich mit anderen Leuten unterhalte, dann zählt der Moment…“

    Ja, du. Wenn du dich unterhältst. Aber ich hoffe, du machst nicht den Fehler, dein Nutzungsverhalten auf alle anderen zwangsübertragen zu wollen. Und unter diesen anderen gibt es einige, die eine Suche sinnvoll finden würden. Nicht nur aus Gründen der digitalen Mündigkeit, sondern auch aus 1000 anderen. Was Unternehmen angeht zum Beispiel – wie oft muss ein Unternehmen denn die gleiche Frage auf der Page beantworten, die immer und immer wieder gestellt wird? Antwort: sooft sie gestellt wird. Eine Suche würde diese Kommunikation erheblich vereinfachen – aber auch die ständige Beschäftigung mit der Seite wengier notwendig machen. Die Suche wäre (unter anderem) das Methadon für die Droge Dauernetworking, deshalb gibt es sie nicht.

  6. @SaschaLobo ich glaube, wir müssen unterscheiden zwischen Themen-Monitoring und den Nutzungsmustern der ganz normalen Nutzer, die ohne irgendeinen kommunikations-theoretischen Überbau sich einfach so unterhalten. Die sind verankert im Moment, nicht in der Recherche. Ich gebe Dir Recht, daß die Pages durch Realtime schnell unübersichtlich werden können, aber das ist eher das Problem der Unternehmen, die für diese Pages zuständig sind.

  7. ich glaube ja, daß für die meisten Leute soziale Netzwerke auch einfach nur für Realtime-Plapperverhalten genutzt werden.

  8. marcokaiser 17.01.2012 at 22:43

    Ich glaube, es ist schwierig (oder auch glatt falsch) alles ueber einen Kamm zu scheren. Facebook und Twitter haben ganz unterschiedliche Nutzungsmuster, und daran orientiert sich auch die Suchfunktionalitaet.

    Facebook ist rund um Beziehungen aufgebaut, und darauf fokussiert auch die Suche. Twitter hingegen stuetzt sich auf kurze, auf den Moment fixierte Mitteilungen. Suche ist hier viel weniger rueckwaerts gewandt auf die (weitere) Vergangenheit, stattdessen mehr auf das Jetzt – und wird damit vielmehr zu einem Filter als einer Suche, um aus dem kontinuierlichen Strom von Nachrichten die passenden heraus zu picken. Eine „Echtzeitsuche“, statt klassische Recherche.

    Den Zugang zur gesammelten Informationsflut in den sozialen Netzwerken hat natuerlich auch ein erhebliches Monetarisierungspotential, und nicht umsonst verkauft zB Twitter diesen auch fuer teures Geld – in Form von „Firehose“ etc., also dem vollstaendigen Stream aller (oeffentlichen) Tweets. Trotzdem liesse sich eine hervorragende Suchfunktion implementieren, die fuer 98% der Benutzer mehr als ausreichend ist, ohne eben dem Geld-machen das Wass abzugraben.

    Monetarisierung von Content und eine gute Suchfunktion schliessen sich in keiner Weise aus. Twitter hat in allen Bereichen Loesungen anzubieten – umsonst fuer die Masse, kostenpflichtig fuer die Profis.

  9. SaschaLobo 17.01.2012 at 22:44

    @NicoLumma Ach so, dann haben ja nur die Kunden von Facebook ein Problem und nicht Facebook, dann ist ja alles in Ordnung.

  10. @SaschaLobo du mußt ja nicht gleich vergrätzt sein, weil ich deine meinung mal nicht teile. :) aber es ist doch generell so, daß die betreiber des ökosystems auch den rahmen vorgeben und es dadurch nicht für alle beteiligten 100% passend sein wird. betreiber von facebook fanpages haben allerdings viele möglichkeiten, um ihre angebote besser zu strukturieren, wenn ihnen das angebot nicht zusagt.

  11. jens.k.loewe 17.01.2012 at 23:07

    @NicoLumma Du irrst.

  12. @jens.k.loewe niemals.

  13. @saschalobo ich glaube, du hast mit deiner professionellen herangehensweise ein problem gefunden, das der unbedarfte normal-anwender nicht hat, weil eine unterschiedliche Nutzung stattfindet.

  14. jens.k.loewe 17.01.2012 at 23:14

    @NicoLumma Und der Normalanwender bist ausgerechnet du?

  15. jens.k.loewe 17.01.2012 at 23:14

    @NicoLumma Ständich.

  16. @jens.k.loewe Nö, aber ich bin für mein Einfühlungsvermögen bekannt.

  17. jens.k.loewe 17.01.2012 at 23:16

    @NicoLumma Du kannst dich augenscheinlich gut in soziale Netzwerke „einfühlen“. Aber genügt das? ;-)

    Wer immer dem neuesten „sozialen Netzwerk“ hinterherrennt, kommt zu nix anderem mehr. Frag mal Herrn Lobo, der verbringt am Tag sicher mehr Zeit allein mit Loginfenstern als ich mit Lesen…

  18. jens.k.loewe 17.01.2012 at 23:16

    @NicoLumma Du kannst dich augenscheinlich gut in soziale Netzwerke „einfühlen“. Aber genügt das? ;-)

    Wer immer dem neuesten „sozialen Netzwerk“ hinterherrennt, kommt zu nix anderem mehr. Frag mal Herrn Lobo, der verbringt am Tag sicher mehr Zeit allein mit Loginfenstern als ich mit Lesen…

  19. beichstaedt 18.01.2012 at 8:29

    @nico_kirch @nico @saschalobo ich suche auch privat in Twitter. So finde ich Leute, die Interessen teilen. ;-)

  20. @Nico people are lazy and are already mostly on FB…

  21. germanstudent 18.01.2012 at 8:42

    @Nico weißt schon, dass dein Blog heute beim Blackout mitmacht? :) Auch die Kurz-URLs :)

  22. @germanstudent ach ja. Das hat die Redaktion gemacht, ohne mir Bescheid zu sagen.

  23. Social__Web 18.01.2012 at 9:02

    @Nico Welche Absichten User haben, können sie zum Glück selbst entscheiden. Ich suche jedenfalls auch in Social Networks.