Ansgar Heveling hat Recht!

Nico —  1.02.2012 — 39 Comments

Jedenfalls werden das viele der Leser des Gastkommentars von Ansgar Heveling im Handelsblatt denken. Zwar macht sich im Netz ein Stahlgetwitter der Entrüstung breit, aber wen interessiert das schon von der Zielgruppe des Ansgar Heveling? Eben. Heveling adressiert all diejenigen, die einfach mal kein Interesse daran haben, sich ständig von irgendwelchen Heinis in Hoodies erklären lassen zu müssen, wie sich die Welt verändert. Wenn wir immer fröhlich von Transparenz, Disruption und dem Verschwinden der Gatekeeper reden, dann stellt dies einfach mal für viele Menschen eine totale Bedrohung dar. Es gibt einfach auch Menschen, die wollen das alles nicht, die wollen bei ihrem Lebensentwurf bleiben und haben kein Interesse an Veränderungen oder gar den schnell-lebigen Uwälzungen, die das Internet verspricht.

Insofern wird Ansgar Heveling auf sehr viel positive Resonanz stoßen bei all denjenigen, denen dieses Internet irgendwie suspekt ist und denen es völlig reicht, daß sie dort irgendwas konsumieren können, denen aber all diese anderen wunderbaren Themen, die das Netz zu bieten hat, völlig egal sind. Und, machen wir uns nichts vor, auch wenn die Internet-Nutzung in Deutschland in den letzten Jahren stetig gestiegen ist, so haben wir immer noch 20% Offliner und sicherlich noch viel mehr Menschen, die zwar online sind, aber keinerlei gesteigertes Interesse daran, sondern nur die grundlegenden Dienste gerade einmal nutzen.

Natürlich gefällt mir nicht, was Ansgar Heveling geschrieben hat, natürlich war das eine Aneinanderreihung von gefährlichem Unsinn, und natürlich ist das keine Grundlage für eine Diskussion – aber das war auch nie sein Ansatz und ich gehöre auch nicht zur Zielgruppe dieses Artikels. Die deutschen Fortschrittsverweigerer haben jetzt für den Moment eine neue Gallionsfigur gefunden, insofern hat Ansgar Heveling sein Ziel erreicht und sich positioniert. Das erfreut viele der sog. Entscheider, die Angst vor Umwälzungen in ihren Branchen haben und hoffen, daß der Kelch noch mal an ihnen vorüber geht, das erfreut aber auch viele Politiker und noch viel mehr Wähler, denn das Festhalten an althergebrachten Lösungsansätzen und Heilsversprechen hat für diese Menschen sehr viel mit Kontinuität, Tradition und gelebten Konservatismus zu tun.

Früher, da war alles besser. Die Zukunft ist ungewiss. Das liegt am Internet. Das müssen wir eindämmen. Dann geht es uns wieder besser. So banal das klingt, das wird als Argument im Wahlkampf ziehen, nicht nur in der Provinz, auch in der Stadt. Die CDU hat jetzt durch Ansgar Heveling mal gucken lassen, wie kalt das Wasser ist. Nachdem nur die üblichen Verdächtigen krakelt haben, wird die CDU die Netzpolitik jetzt noch mehr in diesem Sinne akzentuieren und eine Anti-Netzpolitik daraus machen.

39 responses to Ansgar Heveling hat Recht!

  1. der_andre 1.02.2012 at 10:47

    Du hast schlimmer weise leider Recht! :(Da mag man gar nicht auf “Gefällt mir” klicken…

  2. thomas.kujawa 1.02.2012 at 10:50

    Danke !

  3. @DJanecek witzig, wie all die kritischen Stimmen aus der Union in Ihren Tweets nicht erwähnt werden…

  4. Ich kann deiner Argumentation nicht ganz folgen (auch wenn dein Ansatz interessant ist). Ich denke dass die Aussagen ” Die deutschen Fortschrittsverweigerer haben jetzt für den Moment eine neue Gallionsfigur gefunden” nur auf die wirklich sehr ignoranten Verweigerer zutrifft.

    Selbst der Ottonormal-Internet-mehr-oder-weniger-Verweigerer/Skeptiker hat inzwischen meist genug Kontakt mit dem Netz gehabt, um ein gewisses Potential zu sehen (und sei es nur über die eigenen Kinder, die wie selbstverständlich die Vorteile nutzen, auch für ihre Eltern).

    Dazu kommt, das Herr Heveling seinen Artikel sprachlich derart schlecht geschrieben hat, dass selbst die internetskeptischsten meiner Verwandten allein daran schon merken würden, dass er irgendetwas zu kompensieren versucht…

    Jedenfalls möchte ich das hoffen. ;)

  5. koernerpark 1.02.2012 at 10:52

    Ich kann Herrn Heveling insofern dankbar sein, dass ich mich jetzt mit ACTA beschäftigt habe.

  6. @DJanecek im Übrigen stellt sich diese Frage nicht…

  7. @DWoehrl Uhl, Kauder, Heveling – da kommt schon was zusammen. Aber natürlich würde es mich freuen, wenn die Mehrheit pro Freiheit wäre

  8. Danke für den Beitrag – denn genau so ist es. Was im Internet geschieht, scheint für einige Menschen, die hier lesen oder Twitter-addicted die Weltgeschichte beurteilen, das Einzige zu sein, was real, wirklich und relevant ist.

    Wir hatten hier im Office bereits eine interessante Diskussion darüber, weil Heveling ja nicht nur “Internet ist gefährlich” sagt, sondern weil er eben auch legitimiert, dass Großunternehmen an diesem Hype nicht partizipieren müssen. Und das schlägt – wie du sagst, Nico – genau in die Kerbe, die man im Management gern hört. Früher war die Welt ruhig, langsam, Unternehmen hatten ihr Fahrwasser und ihre Sicherheit. “Dieses Internet” ist wie ein Fußballteam auf englischem Rasen im Vorgarten. Was so schön wuchs und homogen und nett aussah, wird jetzt verwüstet von einer Gruppe ahnungsloser aber mit kommunikationsstarken Mitteln ausgestatteter Wüstlinge.

    Das Schlimme: Diese Menschen machen das Geschäft. Sie prägen die Wirtschaft. Die Frage ist, ob das ein deutsches Phänomen ist, oder international.

  9. AndréWegner 1.02.2012 at 10:56

    Mir fällt es schwer, im Kommentar mehr zu sehen, als einen unsäglichen Artikel, mit schiefen Vergleichen, kriegsähnlichen Begrifflichkeiten und keiner Aussage.

    Ich kann darin nichts erkennen, was ihn irgendwie positioniert. Und dass er nicht für die CDU (oder die Union) an sich spricht, dürfte durch die Reaktion anderer prominenter und nicht so prominenter Mitglieder auch klar geworden sein.

  10. Aufmerksam scheint @DJanecek seine TL nicht zu lesen, deshalb hier ein kleiner Überblick über Positionen zur Netzpolitik aus CDU und CSU…

  11. @DJanecek It’s the internet, stupid! http://t.co/9flXTTwQ

  12. aotto1968_2 1.02.2012 at 10:58

    Lieber Herr @DJanecek -> Ohne die #CDU gäbe es kein freies Deutschland, kein freies Europa und keine Grünen mehr !!! -> /cc @DWoehrl

  13. senjorhudson 1.02.2012 at 10:58

    @kritikkultur hat der ernsthaft “stahlgewitter der Entrüstung” geschrieben ? :O

  14. @DJanecek dann etwas von @JensKoeppen http://t.co/OTjYJtOh

  15. Meinst du, den Ackermann/ Zetsche/ Winterkorn interessiert das Internet – heute? Wenn, dann nur, weil es eine GEFAHR ist, kein POTENZIAL. Besser wäre die Welt für sie ohne diesen ganzen Groundswell-Kram. Das bringt Heveling zum Ausdruck, er spricht zwar von Politik, aber seine Ziel ist die Wirtschaft – sonst hätte er ja auch nicht im Handelsblatt geschrieben.

  16. @DJanecek auch @petertauber hat sich zu Wort gemeldet http://t.co/EpjjWvpb

  17. @DJanecek und dann natürlich noch unsere @DoroBaer http://t.co/vCqwetXa

  18. @kritikkultur wir werden es sehen :)

  19. Tja, und dann selbst gegen Urheberrechte verstossen! Diese Ahnungslosen sollten eigentlich immer zweimal mehr bekommen, als diejenigen für die sie die Gesetzte machen. Also doppelte Abmahngebühren, doppelte Freiheitsstrafen usw.

    http://blog.odem.org/2012/01/urheberrechtstrolle.html

  20. Verstehe ja, lieber @DJanecek ,dass Feindbilder gepflegt werden müssen, aber mal einen Blick über Tellerrand hat noch keinem geschadet…

  21. kritikkultur 1.02.2012 at 11:04

    @Nico Und bitte genau hinsehen. Aber da bin ich bei Dir zuversichtlich :-)

  22. @Nico Ob #Hevelings Zielgruppe #Handelsblatt liest?

  23. @DWoehrl Ich lese das wohl und freue mich darüber. Eine Gesamtstrategie der Union ist das noch lange nicht. Eher versprengte Progressive

  24. Liebe @DWoehrl – Ich glaube der @DJanecek will nur mit Dir #flittern und versucht Dich deshalb aus der Reserve zu locken… ;-) 

  25. DrHeistermann 1.02.2012 at 11:09

    @DWoehrl @@DJanecek Twitter schafft ein Stück Transparenz. Es wird klar, dass Hevelings Meinung nicht allen MDB bei CDU/CSU recht ist.

  26. kritikkultur 1.02.2012 at 11:13

    @senjorhudson Nein, der @Nico schrieb “Stahlgetwitter der Entrüstung” Da steht noch ein T.

  27. senjorhudson 1.02.2012 at 11:15

    @kritikkultur hab ich bei meiner Entrüstung wohl übersehen, nachts aber nicht besser…

  28. . @DJanecek Nimm Dich beim #flittern mit PWRfrauen @DoroBaer @DWoehrl in 8. Die erklären gerade, dass CDU-Männer dringend Nachhilfe brauchen

  29. philinder 1.02.2012 at 11:24

    @DJanecek u wenns nur ist,um die Piraten sicher in den BT zu bringen.Dann stehen die Zeichen auf RegBeteiligung d #cducsu optimal.. #traurig

  30. @philinder Klar ist das im Interesse der Union.

  31. besteckfach 1.02.2012 at 12:42

    @nosmutamur andere interessante einschätzung: http://t.co/9sVObeba

  32. Ja, schafft endlich dieses Internet ab – dann sind “alle” glücklicher und viele Menschen in Deutschland erstmal Arbeitslos

  33. Robbi Molzahn 1.02.2012 at 13:03

    Einem Autor, dessen Machwerk man selbst als gefährlichen und indiskutablen Unsinn bezeichnet, nichtsdestotrotz zu bescheinigen, dass er recht hat, ist aber auch ganz schön, äh – ansgaresk. Die Web-2.0-Gemeinde mag sich ja auch in meinen Augen oftmals zu sehr für den Nabel der Welt und des Weltgeschehens zu halten. Aber einem urwüchsigen, rasant wachsenden Phänomen von 800 Mio. Facebook-Mitgliedern weltweit und um die 20 Millionen in Deutschland und Millionen Mitgliedern in anderen Sozialen Netzwerken das baldige Ende an die Wand zu malen, ist soweit außerhalb jeder ernstzunehmenden Realtitätswahrhnehmung, dass nicht nur Fragen an die politische Kompetenz, sondern auch an die geistige Zurechnungsfähigkeit dieses Mannes gestellt werden müssen. Wie kann man da titeln, dass der Man recht hat? In seiner Dummheit und Beschränktheit, oder was?

  34. philinder 1.02.2012 at 13:11

    @DJanecek aber schon krass sich vorstellen zu können,daß eine Partei die inhaltliche Entscheidung von d Strategie abhängig machen könnte…

  35. Die Absicht seines (Hevelings) Artikels dürfte doch jetzt wirklich nicht schwer zu erkennen gewesen sein, und die Verfasstheit seiner Klientel kennt man auch. Er selber ist austauschbar, und die rhetorischen Mittel sind angepasst und erprobt. Das ist doch nix Neues.

    Insofern und zu diesem Artikel hier: Ja, und? Trotzdem darf man Dünnpfiff und Hetze immer noch Dünnpfiff und Hetze nennen, oder!?

    Und zum Titel: Nein, er hat nicht Recht. Er bestellt gerade einen real existierenden Acker, und der ist wahrscheinlich größer, als der Acker derjenigen, die sich für Webzwoirgendwas halten, aber er lässt inhaltlich nicht einen fruchtbaren Samen fallen. Er kommt gar nicht in die Nähe irgendeiner Position, die man mit dem Begriff Recht belegen könnte. Er betet die Macht des Faktischen an in seinem Sinne zu wirken. Das war’s.

  36. josh_k_phisher 1.02.2012 at 15:56

    @ennomane @nico Ansgar hat nicht “Recht”. Er schreibt nur auf, wie viele Offliner denken.

  37. Interessanter Ansatz, aber was will Nico uns hier sagen?

    In meinen Gesprächen mit Zart- oder Wenig-Digitalerfahrenen freut man sich, wenn auch vorsichtig, auf diesen Wandel. Sicherlich nicht mit der Geschwindigkeit, nicht via übersteigerter Gadget-Euphorie oder ähnlichem.

    Wenn man das Web als Werkzeug ein wenig verstanden hat, bringt es auch in Milieus jenseits der Huddie-Fraktion, neue bequeme Möglichkeiten wirtschaftlicher und eben auch sozialer Innovation.

    Um mehr geht es auch nicht. Der gesamtgesellchaftliche Kulturwandel geschieht, wenn auch langsam, wenn auch ab und an reaktionäre Elemente wie Heveling vergangene Heilsversprechen lautstark apostrophieren und somit Teile des Stroms kurzfristig verunsichern.

    Und wenn ich überhaupt irgendetwas lese in Nico Posting, dann doch der Versuch aus sozialdemokratischer Sicht die stockkonservativen Elemente in der CDU ein wenig hervorzuheben.

    Fest steht aber, dass mit Bär, Tauber und Schirrmacher eine progressive Front innerhalb der Konservativen arbeitet und auch laut in die Öffentlichkeit dringt.

    Wo sind diese Stimmen, wenn in der SPD mal wieder das Reaktionäre die Oberhand gewinnt? Eben. Genau. Schweigen im Walde. Naja, Hauptsache es wurde mal eine Liquid Democracy-Plattform aufgesetzt (deren Bedienbarkeit für die beschriebenen Zart-Digitalisierten stark zu bezweifeln ist).

    In ein paar Tagen geht die Beteiligungsplattform der CDU online – mal sehen, wann die SPD dann versteht, dass es bei Beteiligung nicht um Technik, sondern um soziale Gerechtigkeit geht. Aber stimmt, dafür gab’s ja auch gerade eine Pressemeldung – nur das da auch wieder kein Wort von digitaler Befähigung drinsteht. Man will es sich ja mit den Reaktionären in der SPD-Zielgruppe nicht verscherzen……

    Dann doch lieber den Heveling dissen. Mit oder ohne ohne Huddie.

  38. MarioSixtus 1.02.2012 at 17:10

    Es haben durchaus nicht nur “die üblichen Verdächtigen krakelt”. http://www.handelsblatt.com/meinung/gastbeitraege/gastkommentar-apokalyptiker-aller-laender-vereinigt-euch-nicht/6133734.html

    “Wer glaubt, bei der Beantwortung der Frage, wie wir die digitale Spaltung in der Gesellschaft überwinden statt vergrößern können, von Schlacht und Verderben sprechen zu müssen, der sollte sich eventuell überlegen, ob er als Politiker den richtigen Beruf gewählt hat”

    und

    “Wer nur auf schnelle Nachrichten und Effekthascherei aus ist, der hat als Volksvertreter seinen Beruf verfehlt.”

    finde ich schon ziemlich deutlich.

  39. Ich gebe dir recht, dass es sicherlich das Ziel von Ansgar Heveling war, eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen. Allerdings denke ich auch, dass er überrascht sein dürfte, wie klein diese Zielgruppe mittlerweile in der CDU ist. Es mag zwar den einen oder anderen Politiker geben, der ihn noch unterstützt, aber insgesamt steht er doch sehr alleine da.

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