6 Jahre Twitter – und nun?

Nico —  23.03.2012

Ja, sicher, Twitter turns six und hat jede Menge Grund zum Jubeln:

Six years may not be very long in human terms, but it’s been quite an enormous span for the thing we know and love as Twitter. When @jack first sketched out his notion in March 2006, no one could have predicted the trajectory of this new communication tool. Now it seems that there are as many ways to express yourself in 140 characters as there are people doing it. And at last check, there are more than 140 million active users (there’s that number again) — and today we see 340 million Tweets a day.

Aber ehrlich gesagt, bin ich weit weniger beeindruckt von Twitter im März 2012 als von Twitter im Januar 2007, als ich mich dort das erste Mal einloggte. Ich kann Euch auch ziemlich genau sagen, was mich massiv an Twitter stört: es ist die Phantasielosigkeit.

Twitter steht auf der Stelle, das habe ich bereits vor Monaten angedeutet. Seit einiger Zeit ist das einzige Thema nur noch die Monetarisierung und da geht es primär um Werbung. Brand Pages. Werbung im Stream. Gähn. Das wirkt hilflos und sieht aus, als ob man den Nerv-Faktor Werbung nutzen will, um irgendwann mal Premium-Accounts einzuführen, die dann werbefrei und dafür eben kostenpflichtig sind.

Was ich allerdings vermisse, sind Features, die das Produkt Twitter besser benutzbar machen und die dadurch für eine bessere Verweilsdauer der Nutzer sorgen und Twitter fit für den Mainstream machen. Twitter will in Deutschland jetzt bekannter werden, aber wie soll das bitte gehen mit diesem Produkt? Man kann immer noch nicht ordentlich Konversationen verfolgen, die Suche ist murksig und wenig flexibel, Direct Messages werden nicht als gelesen markiert, sondern in jedem Client wieder als ungelesen angezeigt, die Hashtags werden nicht ordentlich geclustert, und so weiter und so fort. Für Geeks ist das alles ok, aber erstaunlicherweise gibt es weitaus mehr Leute, die mehr Komfort erwarten und daher lieber Facebook nutzen, weil da mehr geht und das auch noch einfacher. Wenn man sich anguckt, wie lieblos Features umgesetzt sind, wie z.B. die Bundesliga Live-Komponente (#WOBHSV – wer kommt denn auf den Hashtag?) oder daß es immer noch nichts zu den Themen #Tatort, #GNTM oder #DSDS gibt, dann fragt man sich schon, was die da bei Twitter so treiben und wie sie jemals im deutschen Markt relevant werden wollen.

Ich glaube, wenn man sich mal nach den Geburtstagsfeierlichkeiten hinsetzt und über Twitter und die Zukunftsaussichten nachdenkt, dann muß man sich kritisch mit der Frage auseinandersetzen, was Twitter eigentlich ist und was es sein will. Ist Twitter ein Produkt, oder doch nur ein Feature? Twitter kann 140 Zeichen ganz toll, aber da hört es dann auch schon auf. Ich würde weiterhin darauf spekulieren, daß die tiefe Integration in iOS die Rettung für Twitter sein wird und Apple eine Unabhängigkeit von SMS und anderen Messagingdiensten der Provider garantiert und dadurch ein wichtiger Teil einer eigenen mobilen Infrastrukturkomponente für Apple sein kann. Aus eigener Kraft wird Twitter den Kampf gegen die Burnrate nicht gewinnen können, dafür kann Twitter zu wenig und überzeugt auch nicht im Ausbau zum Produkt.

10 responses to 6 Jahre Twitter – und nun?

  1. culturetogo 23.03.2012 at 12:37

    @Nico bemerkenswert, dass Twitter sich dermaßen gut in der Social Media-Landschaft etabliert hat. Sollte v.a. das Spam-Problem lösten.

  2. @Nico @culturetogo Leider eben auch nur in Social Media. Im Engineering, Embedded und allgemeine Informatik sieht’s noch ziemlich leer aus.

  3. BendlerBlogger 25.03.2012 at 20:59

    @Nico @kosmar Was, wenn Springer-Affirmation der Plan ist?

  4. saschalechner 25.03.2012 at 21:09

    @Nico btw. twitter entwickler verdienen am meisten :) gebe dir recht. Pinterest hat jetzt auch noch twitpic ersetzt. So einfach gehts…

  5. Janine1974 25.03.2012 at 21:12

    @Nico du bist böse.

  6. @Janine1974 verbringe viel zeit mit dir und lerne schnell.

  7. Janine1974 25.03.2012 at 21:14

    @Nico Höhöhö. Du und schnell lernen.

  8. jonathantorke 26.03.2012 at 13:05

    @Nico, gebe mir bescheid, sobald du das perfekte Produkt launchbereit hast! ;-) Ein Web ohne Twitter ist eigentlich gar nicht mehr wegzudenken. Ob die die Hashtags nicht ordentlich geclustert werden oder schwebene Wale keine Verwunderungen mehr hervorrufen, kenne ich und es nervt. Der Anwender erlebt unsaubere Features, dennoch funktioniert das System und erfüllt, was es verspricht.
     
    Eines der wichtigsten Regeln vom Erfolgreichen Online-Marketing ist der Launch. Launche so früh wie möglich und baue während dessen an den Feinheiten des Produkts! Perfekte Websites gibt es nicht. Gebt Twitter eine Chance  und geduldet euch.  ;-)
     
    Lieben Gruß

  9. jonathantorke 26.03.2012 at 13:08

     @Nico ,
    gebe mir bescheid, sobald du das perfekte Produkt launchbereit hast! ;-) Ein Web ohne Twitter ist eigentlich gar nicht mehr wegzudenken. Ob die die Hashtags nicht ordentlich geclustert werden oder schwebene Wale keine Verwunderungen mehr hervorrufen, kenne ich und es nervt. Der Anwender erlebt unsaubere Features, dennoch funktioniert das System und erfüllt, was es verspricht.
     
    Eines der wichtigsten Regeln vom Erfolgreichen Online-Marketing ist der Launch. Launche so früh wie möglich und baue während dessen an den Feinheiten des Produkts! Perfekte Websites gibt es nicht. Gebt Twitter eine Chance  und geduldet euch.  ;-)

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