Facebook kauft Instagram in höchster Not

Nico —  9.04.2012

InstagramFacebook hat gerade ein Unternehmen mit 13 Mitarbeitern für 1 Milliarde Dollar gekauft. Auf Twitter drehen Leute unrund, finden, daß ihnen zu Unrecht ihre Förmchen weggenommen wurden, erinnern an flickr und Yahoo! und haben generell kein Verständnis für die Übernahme von Instagram durch Facebook – ihnen geht es um ihre Daten und die Nutzung eines unabhängigen Dienstes. Andere wiederum bemängeln, daß Facebook mit der Akquisition kaum neue Nutzer gewinnen würde und daß Instagram als kostenlose App noch kein wirkliches Erlösmodell habe und daß daher die 1 Milliarde Dollar zu viel Geld gewesen sei. Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die Erklärungen, die Mark Zuckerberg in seinem Blog liefert. Mark Zuckerberg erklärt den Kauf von Instagram so:

I’m excited to share the news that we’ve agreed to acquire Instagram and that their talented team will be joining Facebook.

For years, we’ve focused on building the best experience for sharing photos with your friends and family. Now, we’ll be able to work even more closely with the Instagram team to also offer the best experiences for sharing beautiful mobile photos with people based on your interests.

Das heißt auf gut Deutsch: „Scheiße, dieses Instagram wächst wie Unkraut, erst auf dem iPhone, jetzt auch noch auf Android, die machen irgendwie alles richtig.“ Früher hieß das, was Instagram macht, noch Moblog und niemand konnte sich vorstellen, daß irgendwann einmal ganz viele Nutzer ganz viele Fotos von Unterwegs machen würden, damit andere Nutzer diese Fotos sehen und bewerten können. Instagram hat allerdings genau den Sweetspot getroffen und eine mobile Community geschaffen, die eine enorme Stickyness für ihre Nutzer hat und elegant mit anderen Diensten wie Facebook, Twitter, Foursquare oder Tumblr zu verknüpfen ist. Instagram ist eine mobile Company, während Facebook vielleicht auf dem Weg dahin ist, aber immer noch sehr Web-zentriert ist.

Die Frage war nicht: ist Instagram mit 1 Milliarde Dollar zu teuer? – sondern: was ist, wenn Apple oder Google Instagram kaufen? Instagram hatte das Potential, Facebook gefährlich zu werden, weil es mobile Fotos besser kann als Facebook – und Fotos sind immer noch der Kern von Facebook. Facebook hatte gar keine andere Wahl, als Instagram zu kaufen.

Insofern kann man zwar bemängeln, daß das Netz wieder um einen unabhängigen Ort ärmer wurde, aber man muß einfach sehen, daß aus strategischen Gesichtspunkten Instagram nicht nur der passende Kauf für Facebook war, sondern auch in höchster Not geschehen ist. Ein anderer Käufer hätte Facebook mittelfristig Probleme bereiten können. So freuen sich die 13 Mitarbeiter über einen fetten Geldregen und Mark Zuckerberg kann eine Spur gelassener dem IPO und dem damit für ihn verbundenen noch fetteren Geldregen entgegensehen.

11 responses to Facebook kauft Instagram in höchster Not

  1. Wir sind ja oft einer Meinung und so auch hier. Man muss schon sagen, dass die Jungs von Instagram im Oktober echt Eier hatten und nun nach dem Start von Android die App versilbert haben ein ziemlich schlauer Schachzug war.
     
    Mich würde interessieren, wie lange die Verhandlungen bereits andauerten …

  2. NicoLumma 10.04.2012 at 8:57

    die müssen sich sehr sicher gewesen sein, daß sie auf der einkaufsliste mehrerer großer firmen gestanden haben. 

  3. DieterMeyeer 10.04.2012 at 18:36

     @NicoLumma Können sie auch gewesen sein, IMHO. Instagram hatte das Potenzial, Google+ auf einen Schlag die kritische Masse zu geben, um Google+ endlich abheben zu lassen.  Für Google hätte Instagram eigentlich noch mehr wert sein müssen … (IMHO).
     
    Ich würde auch Apple und Yahoo (wegen Flickr) und Microsoft (wegen meistens wirrer Internetambitionen) auf die Liste der  möglichen Käufer setzen.

  4. janreinhardt 10.04.2012 at 21:47

    boah, du mit deiner „stickyness“ immer.
    ganz schlimmes wort.
     

  5.  @janreinhardt schlimm, ja. zwei jahre in den usa plus eine branche, die anglizismen liebt führen zu einer interessanten schreibe :)

  6. Ach ja, das Business. Mal sehen, wie es mit Instagram nun weiter geht. Nachdem mich SPON gestern zum Thema interviewt hat, habe ich auch noch einmal ein paar Gedanken über meinen Zugang zur Handyfotografie und Instagram aufgeschrieben:
     
    http://boschblog.de/2012/04/11/instagram-meine-kleine-geschichte-der-handyfotografie/

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