Markus und Falk schreiben über das Internetz

Nico —  24.05.2012 — Leave a comment

Die gute Nachricht ist: ich habe endlich mal wieder ein Buch gelesen. Die schlechte Nachricht: es handelte mal wieder vom Internet und den Herausforderungen der Digitalisierung. Meine Frau sagt, ich lese nur noch Bücher über das Internet und ich solle doch mal Belletristik lesen. Nun ja. Sagen wir mal so, das vorliegende Buch Die digitale Gesellschaft – Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage ist quasi die seichteste, im Sinne von leicht verständlich und gut zu lesen, Form der Annäherung an das Thema. Markus Beckedahl und Falk Lüke, die ich beide seit etlichen Jahren kenne und schätze, haben den Versuch unternommen, aktuelle Diskussionen und den dazu passenden historischen Kontext mit einander zu verknüpfen, was weniger mit der Materie vertrauten Lesern durchaus den Einstieg erleichtern dürfte. Stellenweise gibt es lükesche Formulierungen, bei denen mir sofort das Bild eines schelmisch grinsenden Falk in den Sinn kam, der sich über die gefundenen Worte freut, um hier bewußt das Wortspiel “Falk im Nacken” zu vermeiden. Ab und an driftet das Buch ins Anekdotenhafte ab und manchmal wirkt es ein wenig wie “Opa erzählt vom Krieg”, damals bei Zensursula, als wir nix hatten, außer den besseren Argumenten. An einigen Stellen wird Jörg-Olaf Schäfers erwähnt und mir wurde wieder bewußt, wie sehr sein früher Tod einen Verlust für die Netzpolitik darstellt, aber auch wie sehr ich nächtliche Diskussionen per Instant Messaging mit ihm vermisse.

Dem Buch fehlen Bilder, gerade wenn man durch das viele Onlinelesen und Tabgehoppse eh einen miesen Attentionspan hat, so wie ich. Dem Buch fehlt aber auch etwas mehr Ausblick und Handlungsanweisung, denn so erzählen die Autoren flüssig, wie es dazu gekommen ist, daß unsere Gesellschaft so digital ist, wie sie jetzt gerade ist und welche Konfliktlinien daraus entstehen, bleiben dann aber zu oft stehen. Es fehlt ganz oft der Hinweis, was alles mal eben schleunigst geändert werden müsste, damit wir mal ein paar Schritte weiter kommen. Einige Themen haben mir gefehlt, bzw. wurden nur zu kurz angeschnitten: Breitbandversorgung, Internet als Grundrecht, Disruption im Bildunsgbereich oder die Herausforderung, einen netzgestützten politischen Meinungsbildungsprozeß zu gestalten, um nur einige zu nennen.

Dennoch würde ich dieses Buch jedem Politiker in die Hand drücken, der irgendetwas mit dem Themenkomplex Internet und digitale Gesellschaft zu tun hat. Also eigentlich jedem. Und jeder natürlich auch. Auch wenn sie das sicherlich noch nicht realisiert haben: die digitale Gesellschaft betrifft uns alle und zwar jetzt schon und nicht erst irgendwann später.

Bleibt noch anzumerken, daß ich das Buch in gedruckter Form gelesen habe auf einer Zugfahrt, auf der ich kaum Netz hatte und dann auf dem Klappentext lesen durfte “es gibt kein offline mehr” – da haben die Autoren aber deutlich die Rechnung ohne die Deutsche Bahn und die Mobilfunkanbieter gemacht.

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