Facebook hat mit dem IPO alles richtig gemacht

Nico —  30.05.2012

So. Nun haben sich alle irgendwie zum Thema IPO geäussert und alle haben festgestellt, dass der Börsenkurs von Facebook nicht so prall aussieht, wie viele gehofft hatten. Das große Lamentieren wird an zwei Punkten festgemacht: NASDAQ war überfordert und der Aktienkurs ist nicht wie erhofft nach dem Ausgabetag wahnwitzig gestiegen.

Ich finde das völlig ok. Mark Zuckerberg hat mit dem hohen Ausgabepreis das Maximale für alle diejenigen herausgeholt, die in den letzten Jahren Aktienpakete erhalten hatten. Dazu gehört Mark Zuckerberg selber, die Investoren, aber auch viele, viele Mitarbeiter. Nicht zu vergessen die Firma selber, die durch den Börsengang 16 Milliarden Dollar eingenommen hat.

16 Milliarden Dollar. Da muss eine alte Frau lange für stricken. 16 Milliarden Dollar zusätzlich zu einem Businessmodell, dass bereits jetzt ganz gut Geld in die Kasse spielt mit einem Marktanteil, der massiv ist, und zwar global. Facebook hat sicherlich Herausforderungen in den nächsten Monaten und Jahren, aber wer hat das nicht? Facebook ist allerdings in der Situation, dass es die meisten Herausforderungen selber definiert und den Markt allein durch die Größe des Netzwerkes leichter erschliessen kann.

Facebook ist gut aufgestellt und die Börse ist enttäuscht? Mal ehrlich, wer erst zum IPO eingestiegen ist, der hat doch irgendwie seine Hausaufgaben nicht gemacht, bzw. musste davon ausgehen, dass die Aktie nicht noch weiter steigen wird direkt nach der Ausgabe. Die Festlegung auf $38 hat die Aktie maximal ausgereizt. Nun sind alle sauer, daß es keine Spekulationsblase gab und man die $38 nicht noch schnell versilbern konnte, weil der Aktienkurs munter weiter steigt und alle vor Aufregung kaum schlafen können. Pech.

Ich glaube, dass Facebook eine grundsolide Aktie wird, die sich in einigen Monaten nicht nur gefangen hat, sondern sich wunderbar entwickelt. Dann werden führende Börsengurus erklären, dass sie schon immer gesagt haben, dass Facebook ein langfristiges Papier sei. Facebook ist eine verdammt junge Firma, die sich viele Geschäftsfelder erschliesst, während sich das Netz weiterentwickelt. „Move fast and breakt things“ heisst das intern, aber es zeigt eine Grundtendenz: Facebook ist schnell und flexibel. Das wird den Börsenkurs nachhaltig beeinflussen.

Disclosure: Nein, ich halte keine Facebook-Aktien. Ich habe auch keine Ahnung vom Aktienmarkt.

3 responses to Facebook hat mit dem IPO alles richtig gemacht

  1. Danke Nico, dass Du das geschrieben hast, was mir nicht aus dem Keyboard wollte. Lustig finde ich derzeit, wie in den Medien ständig ausgerechnet wird, wieviel Geld M.Z. durch den sinkenden Facebook-Aktienkurs nominell gerade verloren hat. Das er in Wirklichkeit gerade 16 Milliarden eingenommen hat, kommt in den Meldungen nicht vor.
     

  2. Haha, „ich habe keine Ahnung vom Aktienmarkt“ trifft es sehr gut. Dass der Kurs abrutscht, ist ja nicht das einzig Fatale. Das Umfeld ist ja gerade insgesamt etwas mau. Was wirklich blöd ist, dass alle, die gekauft haben, im Minus sind und damit die Aktie nach oben markttechnisch massiv gedeckelt ist.Die Aktie befindet sich damit unmittelbar nach Ausgabe in einem soliden Abwärtstrend – Hut ab, das muss man erst mal hinkriegen. Nach oben ist der Kurs jetzt markttechnisch massiv gedeckelt, nach unten geht noch eine Menge, da man ja auch noch im letzten Moment die Haltfrist für die Altaktionäre von den üblichen 180 Tagen auf 90 Tage gekürzt hat. Da kommt also bald mehr Material auf den Markt, da natürlich viele jetzt lieber den Exit machen als in diesem fallenden Teil drin zu bleiben.  Den Kapitalmarkt noch mal um ein paar Mrd. bemühen, dürfte auch nicht leicht werden – um nennenswerte Akquisitionen braucht sich Facebook da eigentlich gar nicht bemühen, man hat ja nicht viel in der Hand und müsste im Zweifelfalls zusehen, wie andere die interessanten Geschichten ins Portfolio kriegen.
    Dabei sind von den 18. Mrd. $ lediglich 5 Mrd. in der Kasse gelandet – das ist recht wenig, a) angesichts der Projekte, die man stemmen muss, b) angesichts der gigantischen Kapitalvorräte der ärgsten Konkurrenten, c) eben angesichts der Tatsache, dass es künftig mit Kapitalerhöhungen recht schwer wird. 
    Die nächsten Quartale sollen ja – wie im letzten Moment den besseren Investorenkreisen gesteckt wurde – nicht so gut erwartet werden wie vormals erhofft. Das zeigt, dass der Aufstieg zum veritablen Google-Konkurrenten im Internet-Media-Geschäft doch schwer fällt. Das Geschäftsmodell ist also alles andere als ausgereift – die gebratenen Tauben fliegen Facebook mitnichten in den Mund. Das wird alles etwas schwieriger, als gedacht, und der übergierige Börsengang tägt zu den Zukunftsproblemen bei. Kann sein, dass dies jemand nicht versteht, der nicht weiß, wie die Börse tickt. Doch da, wo eigentlich eine Unterstützunglinie liegen sollte, liegt jetzt ein massiver Widerstand im Markt. Das nimmt jede großartige Fantasie solange aus der Aktie heraus, wie die Zahlen nicht „liefern“.

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  1. Facebook: Eine Woche an der Börse. Und jetzt? - 30.05.2012

    […] Bewertung an  Andrej Kostolany orientieren, der mit Phantasie langfristig investierte. Oder an Nico Lumma, aber der sagt ja von sich, dass er keine Ahnung habe vom […]