Der Elternabend an sich – die frühen Jahre

Nico —  10.08.2012 — 38 Comments

Es gibt ihn, den Mythos Elternabend. Als Kind will man immer wissen, was passiert, wenn die Eltern auf die Erzieher oder Lehrer treffen. Jahrzehnte später tritt dann beim real existierenden Elternabend ein gewisser Ernüchtungseffekt ein. So spannend ist ein Elternabend an sich gar nicht, aber dennoch eine interessante Milieu-Studie. Ich darf als Vater von mittlerweile drei Kindern auf 8 Jahre Elternabend-Erfahrung zurückblicken, von der Krippe bis zur Grundschule habe ich die unterschiedlichsten Konstellationen beobachten müssen und will dieses Wissen gerne mit meinen Lesern teilen.

Der Ort:
Kindergartenstuhl (Symbolfoto)Ein Elternabend findet immer in der Nähe des Tatorts statt, also zumeist im Gruppenraum des Kindergartens oder im Klassenzimmer. Es ist eine unbedingt zwingende Vorraussetzung, dass Eltern auf Kinderstühlen Platz nehmen müssen, damit sie mit den Knien an den Ohren den Ausführungen des Aufsichtspersonals ihrer Kinder lauschen können. Schliesslich sollen die Eltern auch einen Eindruck von der körperlichen Arbeit bekommen, die Erzieher und Lehrer verrichten. Es ist ausserdem unausweichlich, dass es Selters und Salzstangen gibt, dazu weisse Plastikbecher und eventuell trockene Kekse. Schliesslich sind alle nicht zum Spass hier und das muss den Teilnehmern deutlich gemacht werden. Gerne sind die Tische dekoriert mit Bastelerzeugnissen der kleinen Racker, die eine entsprechend euphorische Würdigung seitens der Eltern erfahren sollten, denn diese Bastelerzeugnisse sind nicht einfach nur irgendwie zusammengekleisterte Tannenzapfen und Pappstreifen, sondern das Ergebnis der konsequenten Anwendung des jeweiligen pädagogischen Konzeptes der Bildungseinrichtung. Natürlich liegt auf jedem Tisch eine auseinandergefaltete Papierserviette als stilsicheres Deko-Element, das dem sonst eher tristen Raum etwas mehr Wärme verleihen soll.

Die Teilnehmer:

Der Elternabend entwickelt seine ganz besondere Anziehungskraft aus dem Zusammenspiel von Erziehern und Lehrern auf der einen Seite und den Eltern auf der andere Seite, die quasi den Tanz um das goldene Kind durchführen.

Erzieher / Lehrer:
Je nach Einrichtung gibt es einen oder mehrere Erzieher bzw. Lehrer (es sind eigentlich immer Erzieherinnen und Lehrerinnen, aber ich schreibe in meiner Gender-Ignoranz einfach nur Erzieher und Lehrer, man möge es mir nachsehen oder auch nicht), die einen Elternabend leiten. Zu speziellen Events kommt auch gerne noch die Leitung der Einrichtung hinzu, um besondere Worte finden zu dürfen. Grundlage einer jeden Schulung in Rhetorik und Didaktik scheint zu sein, dass Erzieher und Lehrer verpflichtet werden, ihrem Gegenüber jeglichen noch so simplen Sachverhalt mindestens 5 Mal direkt hintereinander zu vermitteln. Da spielt es keine Rolle, ob man 2 Jahre oder 40 Jahre alt ist, jeder Sachverhalt wird wiederholt, solange bis der Gegenüber signalisiert, dass er es jetzt wirklich verstanden habe und keine Gegenwehr mehr leisten wird. Tritt dies nicht ein, wird jeglicher noch so simpler Sachverhalt so lange wiederholt, bis es wirklich von jedem verstanden wird. Zu den Klassikern gehört hierbei das Gebot, die Türen einer Kindertageseinrichtung stets geschlossen zu halten, damit keine Kinder auf die Straße laufen können. Dies wird in der Regel illustriert durch eine plastische Darstellung von Beinah-Katastrophen der letzten Jahrzehnte und verbunden mit wiederholten eindringlichen Appellen. Aber auch teilweise kontroverse Themen wie Regenjacke bei Regen, Mütze bei Sonne, Jacke bei Wetter, Handschuhe im Winter, Hausschuhe drinnen, Draussenschuhe draussen oder Sonnencreme bei Sonne werden immer wieder gerne in größtmöglicher Detailtiefe erläutert. Sollte dies keinen Eindruck bei den anwesenden Eltern hinterlassen, wird gerne noch mal alles von der anwesenden Einrichtungsleiterin wiederholt, die allerdings auch für eine Kommentierung der politischen Gegebenheiten zuständig ist und in jedem zweiten Halbsatz durchblicken lässt, dass es so jedenfalls nicht mehr weiterginge.

Die Eltern:
Eltern sind sicherlich ein besonderes Phänomen und in mannigfaltigen Ausprägungen vorhanden. Ich beschränke mich daher in meinen Darstellungen auf die üblichsten Formen des Elterndaseins.

Die Mutter:
Der Elternabend ist ihr wichtig und sie hat sich darauf vorbereitet. Sie hört zu, macht sich Notizen und stellt ein oder zwei präzise Fragen. Sie drängt auf ein zeitiges Ende der Veranstaltung und hält sich mit Anekdoten über ihre Kinder zurück. Leider ist diese Person äußerst selten anzutreffen.

Der Ökovater:
Als Feminist ist der Ökovater anstatt seiner Frau zum Elternabend geradelt – die Kinder heissen meistens Friedrich, Egon oder Elisabeth. Der Ökovater beginnt Sätze mit “Du, ich finde” und ist immer sehr bemüht, zu jedem Thema auch seine Empfindungen zu schildern. Er erwartet Bio im Alltag der Kinder, und zwar kompromisslos. Der Ökovater ist diskussionsfreudig, rückt aber nicht von seiner Meinung ab und auch wenn alle anderer Meinung sind, bewahrt er sich ein trotziges “Du, ich finde aber”, um seine Position noch einmal abschliessend zu verdeutlichen.

Die Übermutter:
Der Elternabend stellt den Höhepunkt des gesellschaftlichen Lebens für die Übermutter dar. Ihre kleine Leonie, Charlotta, Luna oder Emma ist ihr ein und alles und sie scheut sich nicht, dies auch jedem zu sagen. Der Übermutter sind die Herausforderungen der Globalisierungen durchaus bewusst, daher drängt sie alle zu Höchstleistungen und macht dabei natürlich vor Kindergarten oder Schule sowie allen Beteiligten nicht Halt. Das Kind hat bereits frühzeitig Japanisch- und Geigen-Unterricht, trägt stets perfekt abgestimmte Outfits, sieht auch nachmittags noch so sauber und gebügelt aus wie morgens, hat aber einen Terminkalender, der bereits für die nächsten 2 Monate ausgebucht ist. Der Vater des Kindes ist selten zu sehen, er macht einen eher gehetzten Eindruck, trägt Maßanzug und versucht, den Ansprüchen seiner Frau gerecht zu werden. Die Übermutter ist stets unzufrieden mit den Leistungen der Bildungseinrichtungen und drängt daher bei jedem Elternabend darauf, dass mehr Personal, Geld, Materialien und zusätzliche Kurse bereitgestellt werden, damit die Kinder angemessen gefördert werden können.

Der Fußballvater:
Für den Fußballvater ist es völlig klar, dass sein kleiner Mike, Malte oder Stefan später mal eine steile Fußballkarriere vor sich haben wird, daher erwartet er von Schule und Kindergarten, dass hier bereits die richtigen Weichenstellungen für eine beidfüssige Erziehung erfolgen. Von den anderen Eltern erwartet er, dass diese nicht nur Verständnis für die Karrierepläne des Vaters zeigen, sondern diese aktiv unterstützen. Das bedeutet also Zustimmung für einen Fussballkurs am Nachmittag und auch die Anschaffung neuer Fussbälle. Bei der Forderung einer Klassenfahrt nach Malente beisst er allerdings auf Granit, weil das Schullandheim günstiger ist, was er als Affront auffasst.

Das Erziehungs-Evangelistenpaar:
Diese Eltern haben oftmals bereits ein älteres Kind und damit einen Erfahrungsschatz, an dem sie alle teilhaben lassen müssen. Dabei geht es weit darüber hinaus, wie sich Moritz, Lena oder Emma in der Schule verhalten haben und warum das so gut war, sondern auch, wie zuhause Dinge gehandhabt werden. Dabei wird alles so formuliert, als ob es ein alternativloser Zustand einer jeden Familie wäre, dass es z.B. nur 30 Minuten Medien-Nutzung am Tag geben sollte, dass die Kinder um 19 Uhr im Bett zu liegen haben, dass Kinder morgens heisse Milch bekommen zu haben und abends Saft, oder dass jeden Tag Schönschrift geübt werden sollte. Anderslautende Konzepte werden ignoriert oder mit dem Hinweis “bei uns haben wir damit beste Erfahrungen, dass…” in den Bereich der absurden Utopien verwiesen. Natürlich haben diese Eltern auch Tipps für Erzieher und Lehrer parat, damit diese es in ihrem Arbeitsalltag einfacher haben.

Die Verpeilte:
Ein kurzes Lächeln, ein wenig Nase kraus ziehen, das sollte ausreichen, damit alle wieder zufrieden sind, denkt sich die Verpeilte, als sie 30 Minuten zu spät zum Elternabend kommt und beim Eingiessen der Selters den Plastikbecher umkippt und die Tischdeckenserviette durchnässt. Abgesehen von dem aufmerksamkeitsstarken Einstieg bekommt man von der Verpeilten nichts mehr zu hören, außer der konsequenten Nachfrage bei der Absprache von Terminen, da sie sich keinerlei Termine merken oder gar aufschreiben kann. Zu ihren größten Errungenschaften im Bereich der Kindererziehung gehört, dass das Kind nur noch jeden zweiten Schultag zu spät von ihr gebracht wird.

Der Nickvater:
Er musste mit. Man sieht es ihm an, er träumt von Chips, Bier und Glotze, aber reisst sich zusammen, weil es sonst Mecker gibt, und zwar ordentlich. Er hat keine Meinung, aber wenn seine Frau etwas sagt, dann wollte er das auch sagen. Bei der Vorstellungsrunde stellt die Frau den Mann mit vor und er lächelt und sagt, dass er das auch sagen wolle. Am Ende des Schuljahrs weiss man immer noch nicht, wie dieser Vater heisst, aber man befürchtet auch, dass er die Frage nur im Beisein seiner Frau beantworten darf.

Die Hilfreiche:
Es ist völlig egal, worum es geht, die Mutter von Leonie, Sarah oder Oskar ist immer zur Stelle und packt mit an. Während die anderen Eltern noch überlegen, mit welcher Ausrede jegliche Mitmach-Anfragen abgewendet werden können, ist die Hilfreiche sofort dabei, schliesslich ist sie auch Elternvertreterin, im Elternrat, im Kreisschulrat, im Vorstand ihres Vereins und hilft am Wochenende bei der Caritas aus und organisiert die Kuchentafel im Altersheim um die Ecke. Schlimm wird es, wenn eine Hilfreiche nicht helfen darf, weil sie beispielsweise nicht als Elternvertreterin gewählt wurde. Hier bietet es sich an, spontan zusätzliche Vertreterinnenposten zu schaffen, damit es nicht zum Blutvergiessen kommt.

Der twitternde Sarkast:
Dieser Vater kommt pünktlich, setzt sich so hin, dass er einen Überblick über das Geschehen hat, aber nicht in die Verlegenheit kommt, mit den anderen Eltern unnötige Wortwechsel zu führen, weil er sonst befürchtet, seine Meinung zu deutlich zum Ausdruck zu bringen. Als Ventil hat er daher Twitter gewählt und erheitert mit seinen Bemerkungen die Followerschaft. Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Hause bekommt er von seiner Frau zu hören “na, haste Spaß beim Twittern gehabt? wenn das so ist, gehst Du nächstes Mal wieder hin, ich würde da durchdrehen!”.

Die Themen:

Jeder Elternabend hat eine Tagesordnung, entfaltet aber gerne eine völlig eigene Dynamik basierend auf dem Zusammenspiel von Erziehern oder Lehrern und den Eltern. Während im Kindergarten gerne die Themen auf eine Tafel gemalt werden, kommt in der Schule der gut gepflegte Overhead-Projektor aus den 80er-Jahren zum Einsatz, dessen Verwendung Pflicht ist für alle Lehrer, die älter als 35 sind und deswegen kategorisch den Einsatz neuerer Medien ablehnen. Im Kindergarten werden Themen nicht nur aufgemalt, sondern gerne auch beim Vortragen Wort für Wort abgelesen, was für die anwesenden Eltern den Spannungsbogen kaum anheben lässt. Wichtig ist aber, dass bei jedem Elternabend penibel darauf geachtet wird, dass die wirklich wichtigen Themen nicht diskutiert werden, weil niemand sich darauf vorbereitet hat, man aber stattdessen völlig unwichtigen Themen endlosen Raum gibt, da hier auch die Eltern inhaltlich viel beitragen können. So kann an beispielsweise gemeinsam der Frage nachgehen, wo das Kindergartenkollektiv den günstigsten Preis des gesamten Ortes für Wasser in Flaschen bezahlen würde und welcher Vater in der Lage sei, einmal im Quartal 50 Kästen Wasser zu besorgen, damit man nochmals 3 Cent pro Kasten spart. Einwände wie “ich zahle für die Lieferkosten!” werden nicht hingenommen, denn es geht um das Prinzip. Dieser Grundsatz wird auch verfolgt, wenn es um das Essen der Kinder geht. Natürlich Bio, das ist ja klar, aber Bio darf nichts kosten und Eltern wissen natürlich, wie man kocht und haben daher auch eine Vorstellung, wie man den Kindern günstiges und gut schmeckendes Essen reichen kann, das auch noch Bio ist und das auch der kleinen Lisa schmeckt, denn deren Unverträglichkeit gegen Paniertes war eigentlich nur der Auftakt zu einer Diskussion, die die gesamte Lieferkette der Einrichtung in Frage stellt und nur durch den besonnenen Einsatz der Einrichtungsleiterin, die kurzerhand mit ihrem Kinderstuhl vor die Tür hüpft und damit die Eltern vom Sturm auf die Küche bewahren kann, wird schliesslich beschlossen, das Thema Essen erst einmal auszuklammern und beim nächsten Elternabend wieder aufzugreifen, dann aber im Beisein des Küchenpersonals.

Damit die Eltern in ihrer Entscheidung, das Kind in gerade diese Einrichtung gebracht zu haben, nachträglich noch darin bestärkt werden, sieht jede Tagesordnung vor, das pädagogische Konzept der Einrichtung zu erläutern. Natürlich erfahren die Eltern in blumigen Worten, wieviele Gedanken sich alle gemacht haben, um die lieben Kinder möglichst allumfassend trotz knapper Kassen und Inkompetenz bei allen zuständigen Ämtern beim Heranwachsen zu begleiten. Erstaunlicherweise lassen sich alle pädagischen Konzepte im Kindergarten darauf reduzieren, dass morgens gespielt wird, dann gibt es Frühstück, dann wird gespielt, danach gibt es Mittag, dann wird gespielt, dann gibt es wieder etwas zu Essen und danach wird gespielt, bis die Kinder nach Hause gehen. Natürlich gibt es saisonale Unterschiede, so spielen die Kinder im Sommer eher draussen und im Winter eher drinnen. Wenn sie drinnen spielen, wird auch mal gebastelt und dann werden Blätter im Herbst verwendet und Tannenzapfen im Winter, im Frühling wird gesät und im Sommer gehen alle Kinder zusammen auf den Markt. In der Schule sieht es natürlich ganz anders aus, da wird Lesen, Schreiben, Rechnen, Musik, Kunst und Sport auf dem Stundenplan stehen und sich an saisonalen Unterschieden orientieren. Aber natürlich hat jede Einrichtung da ihr eigenes pädagogisches Konzept, auf das man zu Recht stolz sein kann. Jegliche Nachfragen der Eltern werden begrüsst und mit den Worten “Teil unseres pädagogischen Konzeptes ist auch…” eingeleitet, um dann noch einmal möglichst banale Grundlagen der Erziehungsarbeit zu erläutern.

Aber es ist nicht nur so, dass die Erzieher und Lehrer Themen setzen und mit einer gebotenen Detailtiefe erläutern, auch die Eltern finden immer wieder zu den Klassikern der Elternabendthemen, nämlich dem guten alten “mein Kind wurde von einem anderen Kind geschlagen, getreten, beschimpft oder bespuckt” bzw. “mein Kind kann nicht neben dem anderen Kind sitzen, weil es dann unkonzentriert ist”, denn natürlich sollten diese Themen immer mit allen Eltern diskutiert werden und niemals nur mit den Eltern des betreffenden Kindes und dem Erziehungspersonal, denn nur so kann gewährleistet werden, dass alle fröhlich reihum sich über irgendein Kind beschweren, der Lärmpegel steigt und die Aggressivtät bei den Eltern merklich zunimmt, ohne dass man eine Lösung findet. Mitten im grössten Tohowabohu ergreift dann die Einrichtungsleiterung das Wort und erläutert noch einmal das pädagogische Konzept der Einrichtung, was zwar niemanden zufriedenstellt, aber wenigstens die Ausweglosigkeit der Situation erkennen lässt.

Der Elternabend geht grundsätzlich mit dem Finden von Terminen zu Ende, wobei eigentlich nie verbindlich Termine abgemacht werden können, weil immer irgendwas ist und irgendjemand noch ganz dringend was herausfinden muss, bevor der Termin bestätigt werden kann. Schliesslich ist es 22 Uhr und der Hausmeister der Einrichtung steht mürrisch in der Tür und weist darauf hin, dass er jetzt die Tür abschliessen müsse, so dass alle mitten in der Terminfindung zum Ausgang eilen und sich vornehmen, beim nächsten Elternabend einen anderen wichtigen Termin zu haben.

Natürlich sind die handelnden Personen hier und da ein klein wenig überzeichnet dargestellt worden, aber so ein Elternabend ist eine Herausforderung an den gesunden Menschenverstand.

38 responses to Der Elternabend an sich – die frühen Jahre

  1. haahaaahaaaaa :D ich freu mich schon auf meinen ersten Elternabend ;-)
    lass mich raten, Du gehörst zur Gruppe der twitternden Sarkasten?

  2. Oh ja, genau so ist es. Keineswegs überzeichnet, sondern ganz und gar realistisch dargestellt. Elternabende sind die Geißel vernünftig denkender Eltern, und trotzdem gehe ich immer wieder hin, schon allein, um solche Studien zu treiben. Vor allem die Übermutter habe ich schon reichlich genossen. Gern weist sie noch darauf hin, dass viel mehr Arbeiten geschrieben und Hausaufgaben gegeben werden sollten, was die sensible Mutter wiederum dazu motiviert, auf den schwierigen und das Kind extrem belastenden Übergang vom Kindergarten zur Grundschule, vom letzten Schuljahr ohne Zensuren zum ersten mit Zensuren oder von der Grundschule zur weiterführenden Schule hinzuweisen.
    Was mir hier noch fehlt, wäre eine kleine Typologie der Lehrerpersönlichkeiten. Auch da habe ich schon so ziemlich alles erlebt, was man sich vorstellen kann. Aber das ist ja vielleicht noch einmal einen weiteren Text wert, so schön spitz und wirklichkeitsnah geschrieben wieder der oben.

    • Vor Jahrenden habe ich mal ein kleines dtv- oder Eichborn-Büchlein über die verschiedenen Lehrertypen gehabt. Mit der Quintessenz, dass die Schule nur dafür da ist, die verschiedenen Typen kennen zu lernen. Die Fächer sind nur dafür da, dass es nicht langweilig wird.

  3. Herrlich – und absolut treffend!
    Ich bin dann ja mal auf den 2. Teil – die späten Jahre gespannt und hoffe, dass dann die Millieustudie zu verschiedenen Lehrertypen fortgesetzt wird.

  4. Jens Hoffmann 10.08.2012 at 18:10

    Ich wurde seit gestern befördert und darf nun das Elternabendprogramm der weiterführenden Schule geniessen. Ein Highlight! Als Vorbereitung empfehle ich in der 4. Klasse den Besuch der Informationsveranstaltungen der Gymnasien in den Elitevierteln Rotherbaum, Harvestehude, Pöseldorf, Eppendorf. Die Elbvororte bieten sicherlich auch adäquates Anschauungsmaterial. Dort liefern sich leistungsorientierte Schulleiterinnen und Übermütter eine Schlacht darum, wer hier der Leistungsorientierteste ist und wie hoch die Ansprüche an die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Sprösslinge geschraubt werden muss.

    Im Allgemeinen finde ich, die Hölle, dass sind die Eltern.

  5. Eine sehr schöne Darstellung. Ich kenne Elternabende nur aus Schüler (Klasse-/Schulsprecher) Sicht, aber leider ist da nichts überzeichnet. nur, dass es Twitter vor 14 Jahren noch nicht gab ;)

  6. ich habe zwar keine Kinder, aber so ein Elternabend wäre nichts für mich… wahrscheinlich würde ich zu dem Verpeilten gehören.. da würde ich lieber meine Frau dazu zwingen oder die Schule soll ne Google+ Gruppe gründen um alles nachlesen zu können ;)

  7. Woher kenn ich das? Und in welche Rolle ordne ich mich ein als jmd. der vorwiegend hinten Platz nimmt und sich mit dem iPhone beschäftigt?

    Es hat übrigens einen ultimativen Vorteil als Vater zu diesen Veranstaltungen zu gehen: Weil wir in einer ultimativ klischeeverhafteten Welt leben macht es nichts, wenn man Termine oder Dinge, die beim Elternabend dran waren, verpeilt. “Der Papa war ja da” reicht da durchaus noch immer als Entschuldigung.

  8. Es fehlt:
    Die Löwenmutter.
    Diese verteidigt ihre Brut und Aufzucht mit Krallen und Zähnen. Selbst wenn es zu Klassenkonferenzen (in weiterführenden Schulen letzte Gerichtsinstanz vor dem Rauswurf) kommt, ist die Löwenmutter überzeugt, dass ihr Goldkind niemals irgendetwas angestellt hat. Schuld sind immer die anderen, entweder die Opfer oder die Mitläufer. Niemals glaubt sie, dass diese brave Engelchen, dass zu Hause immer so lieb die Geschirrspülmaschine ausräumt,, sich in der Schule wie ein Teufel verhält und andere Kinder drangsaliert.
    Außerdem besteht die Löwenmutter IMMER auf einer Extrawurst. Rotationsprinzip in der Sitzordnung? Die Löwenmutter bringt ein Attest von einem dubiosen Optiker oder einem Orthopäden, dass ihr Kind in ganz bestimmten Winkel zur und vor der Tafel sitzen muss. Die anderen Kinder? Nur hinderlich, ihr Kind müsste Einzelunterricht bekommen, weil ja so begabt.
    Löwenmütter sind übrigens die, die auch nach spätestens einem halben Jahr das erste Haar in der Suppe des Schullebens der noch gerade hochgelobten Schule entdecken und dann kein gutes mehr an dieser lassen.

  9. Sehr schön, werde diesen Post ausdrucken und mitnehmen für die langweiligen Momente. Werde es bald brauchen :)

  10. Elternabend der neuen 5. Klasse, Gymnasium (!) vor den Ferien. Lehrerin:” Wir möchten Sie bitten, einen Teil der Bücher selbst zu bestellen. Das entlastet uns und wenn Sie die Bücher vielleicht zusammen mit Ihren Kindern abholen, sehen die Kinder einen Buchladen wenigstens mal von innen.”

  11. Hmm auch wenn ich Elternabende lediglich aus einem anderem Blickwinkel kenne, muss ich gestehen : Sie haben vollkommen recht ;)

  12. Darf ich dieses Internet bitte ausdrucken und bei uns aufhängen? Für die Offliner …

  13. Genau deswegen graut es mir Lehramtsstudentin (Gym) mehr vor dem ersten Elternabend als vor der ersten Unterrichtsstunde… ;)
    Anmerkungen von der kindergeplagten Verwandtschaft:
    “Im Kindergarten kommen nur Mütter!”
    ( http://nessi6688.deviantart.com/art/Kindergarten-Elternabend-315051112 )
    “Je länger das Kind in der Schule ist, desto weniger Eltern kommen zum Elternabend. Zum Ende der Mittelstufe sind’s dann nur noch ein paar Versprengte.” Diese Entscheidung steht Dir ja dann noch bevor. ;)

  14. Hmm, da sehen meine Elternabende Gottseidank etwas anders aus, aber die Elterntypen sind gut getroffen! Und ich benutze Computer und Beamer, obwohl ich schon jenseits der 60 bin… ;-)

  15. An diesem Artikel ist rein gar nichts übertrieben, leider… Als mein zweites Kind eingeschult wurde, hatte die künftige Klassenlehrerin, die auch gleichzeitig die Schulleiterin war, zum ersten Elternabend vor dem Einschulungstermin eine Ladeninhaberin aus unserem Ort eingeladen. Diese Geschäftsfrau durfte das Sortiment, das für die 1. Klasse benötigt wurde, im Klassenraum aufbauen und wurde von der Klassenlehrerin noch mit den Worten “Bei Frau XY bekommen Sie nicht nur die Mal- und Schreibutensilien für Ihre Kinder, sondern sie besorgt Ihnen auch gleich die benötigten Schulbücher, sodass Sie alles zusammen bei ihr kaufen können” angepriesen. Es gibt jedoch durchaus auch andere Geschäfte in unserem Ort, die diese Dinge ebenso gern und zuverlässig für die Eltern besorgen, aber mit deren Inhabern war die Klassenlehrerin leider nicht so gut bekannt…

  16. Als Lehramtsstudentin habe ich auch schon erste Erfahrungen in der Grundschule gemacht, allerdings waren da noch zwei weitere Typen zu finden:

    A) Das Plappermaul ist eine Mutter, die in der Regel nicht arbeitet und deshalb kein Problem hat, dass der Elternabend bis 24 Uhr geht, weil sie am nächsten Tag nicht um 6 Uhr aufstehen muss. Sie muss erzählen, wie ihr kleines Schurzelchen morgens aus dem Bett kommt, über die Hausaufgaben jammert oder mit seinen Star Wars Karten spielt. Sie versteht keine diskreten Hinweise, wie gähnen oder wegnicken, und labbert und labbert und labbert.

    B) Die Dekoration sind in der Regel Elternteile, die nur zum Elternabend kommen, damit ihnen keiner vorhalten kann, dass sie nie da wären. Sie sitzen ihre Zeit ab, drehen Däumchen und gehen im Kopf schon mal den Haushaltsplan für die nächsten 20 Wochen durch. Sie schreiben fleißig alle Termine ab und geben keinen Ton von sich. Zuhause beschweren sich sich, dass der Elternabend total nutzlos war und ihnen alle auf den Keks gehen, gehen das nächste Mal aber wieder hin.

  17. Jajaja! Ich kenne sie alle! Mein Signal zum Aufbruch war immer die Frage, ob man zum Geburtstag Muffins mit in die Schule geben dürfe…. Beim Elternabend lernst du wirklich was über das wahre Leben :-)

  18. Du hast die Elternvertreterwahl vergessen: Selbst die größten Großmäuler schweigen betreten bei der Kandidatenfindung, viele gucken angestrengt in Handys oder Hand-outs (OK, Tischvorlagen, aber der Stabreim), einige probieren den Saturnverkäufer-Hechter unters Mobiliar und stoßen sich nur an denen, die da schon sitzen. Nach fünf Minuten Rumgeeier lässt sich die Elternvertreterin vom letzten Jahr – die eigentlich keiner mehr wollte – gnädig triumphierend breitschlagen, noch einmal anzutreten. Dann beantragt der Öko geheime Wahl, nach weiteren fünf Minuten ist ein Auszähler gefunden und gewählt, so dass es zur Zettelabgabe kommen kann. In der Zählpause werden Champions-League-Halbzeitergebnisse und Muffinrezepte diskutiert und dann erst kommt die Terminfindung, so kompliziert, wie Du geschildert hast, auf dass man nicht mal mehr rechtzeitig zum Elfmeterschießen zu Hause ist.

  19. Mutter eines Grundschulkindes 12.02.2013 at 12:17

    Der Beitrag ist so wahr, dass es fast schon weh tut … Warum tuen wir uns das eigentlich an?

  20. Sehr schöne beschreiben. Eine (und zwar id.R. nervigste) Gruppierung der Elternschaft fehlt noch: Lehrer-Eltern, die qua Studium und Berufserfahrung per se alles besser wissen. Etwa dass die Schreibschrift besser ist als die Druckschrift, oder die Dings-Schrift dazwischen oder umgekehrt.

    Und diejenigen Eltern, die bei jedem vorgeschlagenen termin – und sei es nur für ein Sommerfest – in heftiges Stöhnen verfallen und lang und breit erklären, wieviel sie warum sonst noch zu tun haben und weshalb der Termin so gar nicht passt und doch bitte nicht erst 3 Monate vorher angekündigt werden möge. (Selbstverständlich halten sie es für ausgeschlossen, dass es auch wunderbar ohne sie ginge bei dem Termin)

  21. Oh, gab es bei dir keine Party-Elternteile? Also diese Art, die jede Kindergarten- oder Schulveranstaltung irgendwie auch für Eltern attraktiv machen will, vorzugsweise mit Alkohol? “Wer kümmert sich denn um den Glühwein (mit Schuss natürlich!) für den Weihnachtsmarkt? Kaffee, Kekse und Kuchen haben wir ja schon genug.” oder die auf dem Grundschulsommerfest zu ihrem Steak auch unbedingt ein gern ein Bier hätten.

  22. Also, ich verfolge die Elternabende immer ganz gemütlich auf dem Sofa via Twitter – da bin ich bestens informiert….

  23. ja, dem kann ich nur beistimmen. Und sollte man sich in Elternbeiräten jeglicher Couleur engagieren, was löblich ist, kann man auch so einiges erleben… man erkennt dann viele wieder. Ohne eine Klinkgel nach ca. 15 Minuten pro Punkt geht bei uns gar nichts. Ich sag nur “ich will nur kurz anmerken…”

  24. Dürften wir bitte auch so einen mürrischen Hausmeister bekommen ? Mein armer Mann hat mal 3 Stunden gesessen, Einige waren kurz vorm umkippen, ich wollte ihn schon suchen gehen…….

  25. Das Gemeine ist ja, dass jedes von diesen Kindern 2(!!) Eltern hat. Double trouble.

  26. Genial! Auch ich freue mich schon auf den ersten Elternabend und werde wohl im Hinterkopf diese Liste abhaken ;-)

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