Euphorie-Tage beim HSV völlig ohne Grund

Nico —  31.08.2012

nu isser da.Kommt er, kommt er nicht, zahlt Kühne, zahlt er nicht, das waren die Fragen, die in Hamburg in den letzten Tagen quasi stündlich neu in den Medien diskutiert wurden. Nun ist er also da und der Verein, der noch kürzlich wegen fehlender 100.000 € das Frauen-Fußballteam aus der Bundesliga zurückgezogen hat, hat einen finanziellen Kraftakt unternommen, um nicht im Jubiläumsjahr total desolat dastehen zu müssen. Jetzt ist also erst einmal kollektive Hysterie angesagt und es wird einen reissenden Absatz an Trikots mit der Rückennummer 23 geben werden, schliesslich ist der vermeintliche verlorene Sohn zurück nach Hause gekehrt. Oder der Messias ist in Hamburg erschienen. Ich freue mich ja auch, dass nach etlichen Jahren ohne Sportdirektor, bzw. mit Frank Arnesen nun mal wieder ein Spieler verpflichtet wurde, von dem ich schon mal was gehört hatte. Ich glaube auch, dass die Euphorie dem Team gut tun wird.

Aber mal ehrlich. Wie lange soll die Euphorie denn anhalten? Wie viele Siege sollen denn jetzt kommen? Rafael van der Vaart konnte sich weder bei Real Madrid noch bei den Tottenham Hotspurs durchsetzen und bereits in seiner Zeit beim HSV hatte er alles andere als nur Sternstunden, aber das liegt ja so lange zurück und man spielte nicht um den Abstieg, also wird das in Retrospektive natürlich glorifiziert. Der HSV hat jetzt zwar einen Mittelfeldstar, aber immer noch keine Abwehr und auch keinen Stürmer, der weiss, wie man das Tor auch mal trifft.

Jetzt tun alle Verantwortlichen so, als ob plötzlich Friedefreudeeierkuchen am Volkspark herrscht. Dabei wird durch die Verpflichtung von Rafael van der Vaart vor allem überdeckt, dass sich der Hamburger Sportverein ein Konstrukt leistet, bei dem alle was zu sagen haben: Vorstand, Aufsichtsrat, Fans, Lokalmedien. Und alle sagen auch immer was, so dass der Volkspark eher einem Hühnerhaufen gleicht. Der HSV leistet sich einen Aufsichtsrat, der aktivst agiert und den Vorstand immer wieder bloßstellt, und der HSV leistet sich einen Vorstand, der alles andere als glücklich agiert. Frank Arnesen hat sich gleich zum Start mit der Verpflichtung lauter Nachwuchshoffnungen aus Chelsea gleich Blei an die Beine geschraubt, denn befreit aufspielen konnte er nach der Aktion nie und bei van der Vaart durfte er noch nicht mal verhandeln. Deswegen ist Arnesen schon wieder angezählt, wie man sofort während der Sitzung des Aufsichtsrats überall nachlesen kann. Was für eine Kaspertruppe, die nichts anderes tut, als ständig dem Verein zu schaden. So lange der HSV so dilettantisch geführt wird, können auch 11 van der Vaarts nichts richten. Dem HSV fehlt eine langfristige Strategie, die von allen Beteiligten in Vorstand und Aufsichtsrat ausdrücklich unterstützt wird. Aber hey, das wäre ja kompliziert, lieber stellen sich bei der nächsten Vollversammlung wieder lauter Laienselbstdarsteller zur Wahl als Aufsichtsratsmitglieder, um dann fröhlich ins Intrigantenstadl zu stürmen.

Klar, nun ist van der Vaart da und für einige Wochen wird alles toll sein am Volkspark, und dann gibt es die ersten Verletzungen oder Sperren und schon bricht alles auseinander. Die Euphorie wird dann in Vergessenheit geraten sein und es wird von Aufsichtsratsmitgliedern öffentlich bemängelt werden, dass so viel Geld für einen Spieler ausgegeben wurde, der die an ihn errichteten Erwartungen bereits seit Jahren nicht erfüllen könnte. Dann wird Arnesen wieder in Frage gestellt werden und dann Jarchow und dann die Größe des Aufsichtsrats und dann wird die Unabsteigbarkeit des Dinos beschwört werden und als Fan reibt man sich verwundert die Augen, denkt an die späten 70er und frühen 80er Jahre zurück und fragt sich, wie es sein konnte, dass seit 30 Jahren in Hamburg niemand wirklich professionelle Strukturen einziehen konnte, die ein erfolgreiches Arbeiten garantiert, so wie es andere Vereine seit Jahrzehnten tun.

6 responses to Euphorie-Tage beim HSV völlig ohne Grund

  1. Also das van der Faart sich bei Tottenham nicht durchsetzten konnte stimmt nicht. Auch als Werder Fan verweiße ich auf seine hervorragenden Statistiken in London! 21 und 18 Scorerpunkte in den letzten beiden Premierleaugesaisonen sprechen für sich. Das hat er in Deutschland nur im letzten Jahr übertroffen, ansonsten war er von den Statistiken her schlechter. Guggst du unter http://www.transfermarkt.de/de/rafael-van-der-vaart/leistungsdaten-detail/spieler_4192.html

  2. Die Frage ist doch auch: warum tut er sich das an? Wegen der sportlichen Perspektive des Vereins? Wohl kaum. Die Amtworten lauten eher WM 2014 und NDR. Rafael will zur WM 2014 und da muss er Stammspieler sein. In der BuLi ist er da eher im Fokus des
    Bondscoach. Und Sylvie will zum NDR und da muss sie in Hamburg Präsenz zeigen.

    Beides sind natürlich nur Vermutungen und ich distanziere mich umgehend davon, sollten sie der Wahrheit entsprechen…

  3. vdV 😍😍😍😍

  4. Los, kommentier das mal!
    wie wäre es mit dem Wörtchen Bitte?
    Ist doch kein Fremdwort.

  5. „Dabei wird durch die Verpflichtung von Rafael van der Vaart vor allem überdeckt, dass sich der Hamburger Sportverein ein Konstrukt leistet, bei dem alle was zu sagen haben: Vorstand, Aufsichtsrat, Fans, Lokalmedien.“

    Das dürfte der Grund sein, weshalb ich mich als Köln-Fan so wohl in Hamburg fühle.
    Bin gespannt, ob’s was bringt – bei Köln hat die Rückkehr von Podolski den Weg in Liga 3 geebnet – zumindest wenn sich die Tendenz fortsetzt.

  6. Christoph 1.09.2012 at 13:12

    Man kann ja alles schlechtreden. Erstmal ist es total positiv, dass die Stimmung rund um den Verein durch den Transfer enorm gestiegen ist, und dann sind neben VdV ja auch noch Jiracek und Badelj neu im Team, die eine echte Verbesserung erhoffen lassen.
    Damit hat ToFi jetzt deutlich bessere Grundvoraussetzungen, um die Mannschaft zu formen. Und das ist genau das, was der HSV im Moment braucht. Was wäre denn die Alternative? Fatalismus? Ein langwieriger Umbau-Prozess inkl. Abstieg in die 2. Liga? Das kann es nicht sein. Warten wir mal ab, wie lange die Euphorie anhält und wie sich die Mannschaft rund um Van der Vaart aufbaut.
    Ich bin da deutlich zuversichtlicher als Du.