Mein Arbeiten und Leben in der Cloud

Nico —  10.10.2012

WolkenGestern wurde ich auf Twitter ermuntert, doch mal meine Cloud-Nutzung für andere aufzudröseln, so wie es Sascha Lobo vor ewig langer Zeit mal mit dem Artikel My Work and Life with the Cloud getan hatte. Dem will ich gerne nachkommen, denn darüber wollte ich eh schon einmal geschrieben haben.

Mein Setup in a Nutshell:
MacBook Air, iPhone 5, iPad 2, Google Nexus 7, Kindle

Mein Dreh- und Angelpunkt ist Chrome, selten habe ich weniger als 20 Tabs gleichzeitig auf. Im Büro sitze ich an einem Thunderbolt-Display, da öffne ich dann sicherheitshalber gerne noch 2-3 Fenster, die dann ebenfalls einige geöffnete Tabs haben. Ja, das wirkt sehr Messi-haft, aber sicherheitshalber stürzt Chrome ab und zu mal ab und beim Wiederherstellen der Tabs stelle ich dann fest, dass die meisten Dinge entweder schon gelesen wurden, oder mittlerweile egal sind. Aber, es gibt einige Tabs, die sind bei mir dauerhaft präsent, als sogenannte Sticky Tabs. Ich nutze nicht nur Chrome auf dem Desktop, sondern auch auf dem iPhone und den Tablets, alles über mein Google Account miteinander verknüpft. Das mit dem Google Account ist auch so eine Sache, zwar gibt gibt es Multiple Sign-in für Google Accounts, aber so richtig toll praktisch ist das nicht, weil gerne mal der Browser über die Tabs mit den verschiedenen Google Account Instanzen durcheinander kommt und dann Google+ nicht funktionieren will, weil ich plötzlich mit dem falschen Google Account unterwegs bin. Ich habe nämlich drei Google Accounts. Einmal Google Apps für mich privat mit lumma.de, einmal Google Apps für die Firma und einmal plain vanilla Google, weil nämlich einige Features bei Google Apps nicht funktionieren, wie z.B. Google+, als es eingeführt wurde. Ja, ich wirke leicht schizophren, wenn ich das aufschreibe, das ist mir allen bewusst.

Mail

Gmail:
Eigentlich lebe ich in Gmail, nutze es sowohl für meine privaten Mails als auch für meine beruflichen, obwohl es auch mal vorkommen kann, dass ich Berufliches an meine private Email-Adresse geschickt bekomme, oder umgekehrt. Meine Gmail-Konten sind mit einander verknüpft, so dass ich auf berufliche Emails an meine private Adresse mit meiner beruflichen Email-Adresse antworten kann, da bin ich ein ziemlicher Fuchs. Gmail ist klasse, da gibt es wenig zu meckern. Nur bekomme ich zu viele Mails.

SaneBox:
Ich schwöre auf SaneBox. Man richtet es ein, trainiert es etwas, und schwupps sind alle lästigen Emails in den Ordnern SaneLater oder SaneBulk verschwunden. Dort gucke ich in etwa so häufig wie in den Spam-Ordner, also erreicht mich viel Krempel null, vor allem all diese unsäglichen Notification-Emails, für die man zu faul ist, die Einstellungen zu ändern.

Sparrow:
Sparrow ist eine super Mail-App für das iPhone, die allerdings von Google gekauft wurde und seitdem vor sich hinmodert. Leider wurde die App beispielsweise noch nicht für das iPhone 5 angepasst, so dass ich beim Tippen gerne mal daneben tippe und die Leertaste selten treffe, was meine Mails recht seltsam erscheinen lässt.

Kontakte:
Ich nutze Google Contacts, in die ich irgendwann mal meinen XING-Dump reingeschoben habe und die ich irgendwie mit dem iPhone-Adressbuch synchronisiere und durch WriteThat.name aktuell halte. Das funktioniert, irgendwie. Führt aber auch dazu, dass ich Trillionen von Adressen auf dem iPhone mit mir rumschleppe, die ich dann doch eher selten für Telefonate benötige, aber die eine, die wichtige Handynummer, die fehlt natürlich immer. Aber WriteThat.name ist cool, denn es werden automatisch die Kontaktdaten aus den Signaturen gezogen und mit dem Adressbuch abgeglichen. XING und auch LinkedIn nutze ich als Backup-Storage für Kontaktdaten, einen darüber hinausgehenden praktischen Nutzwert haben beide Plattformen für mich nicht.

Kalender
Natürlich nutze ich Google Calendar, aber wie auch bei Mail und Kontakten habe ich zwei Instanzen, die miteinander verknüpft sind, damit ich auch in meinem dienstlichen Kalender sehen kann, wann ein Kind zum Zahnarzt muss. Der Kalender ist natürlich ebenfalls mit dem iPhone verknüpft. Klappt alles toll, wenn nur der Faktor Mensch nicht wäre, der immer wieder dafür sorgt, dass ich Termine verpeile.

Informationsbewältigung
Google Reader ist seit Jahrenden mein präferierter Feed-Reader, neben Gmail verbringe ich die meiste Zeit sicherlich in Google Reader, vor allem als mobile Instanz auf dem iPhone. Es gibt mE nichts besseres, wenn man informiert sein will oder muss.

Flipboard nutze ich gerne in der Ubahn oder am Sonntag Morgen, um mal etwas entspannter durch meine Google Reader Feeds zu blättern, wobei ich ehrlich gesagt am meisten Zeit mit den von Flipboard kuratierten Kochrezepten verbringe. Praktischerweise werden die Google Reader Feeds, die ich in Flipboard lese, auch bei Google Reader als gelesen markiert, was total praktisch ist, da ich Flipboard auf dem iPhone, dem iPad und auch auf dem Google Nexus 7 Tablet nutze.

Theoretisch habe ich auch einen Kindle, auf dem ich aber bislang nur ca. 2 Seiten gelesen habe, weil der Kindle fest in der Hand unserer großen Tochter ist, die darauf Buch nach Buch verschlingt und ich unterwegs immer feststelle, dass ich wieder nicht an den Kindle gedacht habe. Aber daran arbeite ich, theoretisch lese ich dort schon ein Buch nach dem nächsten.

Da ich viel lese und mir ab und zu auch mal etwas für später merken möchte, bzw. keine Lust habe, einen langen Riemen auf dem iPhone zu lesen, speichere ich mir alles für später bei Instapaper, um dann in aller Ruhe die Artikel abzuarbeiten. Das sind quasi immer meine Action-Items, wenn ich ein paar Minuten Zeit habe, dann rufe ich Instapaper auf und lese. Natürlich nutze ich auch Evernote, darin notiere ich mir weise Sätze, die mir gerade eingefallen sind, oder Ideen-Bruchstücke, oder Schnappschüsse von Dingen, die ich meiner Frau mal schenken könnte. Evernote ist das einzige Tool, bei dem ich wenigstens rudimentär tagge, ansonsten werfe ich immer alles irgendwo rein und gucke, ob ich es wiederfinde. Meine Frau würde sagen, ich mache das zuhause auch nicht anders.

Dokumente / Kollaboration
Aufmerksame Leser werden an dieser Stelle bestimmt davon ausgehen, dass ich Google Drive benutze, da ich ja bereits Google Apps exzessiv nutze. Das ist völlig korrekt, aber natürlich kombiniere ich Google Drive mit Dropbox, um wenigstens an zwei Stellen nach Dokumenten suchen zu können. Leider kann die Desktop-Integration von Google Drive nur einen Account handlen, da ich aber drei Google Accounts habe, ist das Tool nur bedingt sinnvoll für mich zu nutzen. Ich nutze Wolf App, um Dateien zwischen Google Drive und Dropbox hin- und herzuschieben und IceBox, um Dateien per Drag&Drop irgendwo in die Tiefen des Amazon-basierten Backups zu schieben. Docs und Spreadsheets öffne ich nur in Google Drive, also web-basiert. Nur für Präsentationen vertraue ich auf eine Desktop-Anwendung, denn das, was Google als Präsentationstool anbietet, ist ein Witz. Also wird Keynote fleissig genutzt.

Für Chat nutze ich Skype, Facebook und Google Talk, dazu kommt immer öfter ein Google Hangout. Apple versucht ja, mit der Desktop-Anwendung Messages die IM/Chat/SMS-Welten ein wenig zu verknüpfen, daher nutze ich das auch gerne, vor allem, wenn ich mit iPhone-Nutzern kommunizere und dann nicht so viel auf dem iPhone tippen muss. Das funktioniert insgesamt so halbwegs, irgendwo plingt immer irgendwas und irgendwelche Nachrichten kommen doppelt an, aber immerhin, man erreicht mich irgendwie.

Artikel schreibe ich direkt in meinem WordPress-Blog, oder mit iA Writer, das es für OS X und iOS gibt und über die iCloud gesynct wird. Pfiffigerweise kann man bei iA Writer alle Nebensächlichkeiten ausblenden und sich dann voll und ganz auf den Text konzentrieren. So entstehen meine besten Artikel. Dieser wurde direkt in WordPress verfasst.

Für meinen Newsletter benutze ich Mailchimp und habe permanent ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht ansatzweise die Möglichkeiten der Plattformen ausnutze, sondern nur die aktuellen Beiträge dieses Blogs rausmaile. Allerdings habe ich Großes vor, also am Besten tragt Ihr Euch jetzt schon mal für den Newsletter ein.

Entertainment
Spotify. Da ist meine Musik. Seit Jahren nutze ich Spotify und als vor ein paar Monaten mal wieder eine Festplatte ohne Backup kaputt gegangen ist und meine iTunes Library weg war, da habe ich das ehrlich gesagt kaum vermisst. Ich nutze Spotify unterwegs genauso wie auf dem Desktop. iTunes nutze ich eigentlich nur, um Filme für die Kinder zu kaufen, die diese dann auf dem iPad gucken können. Fernsehen gucke ich über Zattoo sowohl im Web als auch auf iOS und Android. Am Samstag Nachmittag nutze ich meistens die App von 90elf.

Tumblr ist eine Droge, eigentlich noch viel Schlimmer als Facebook und Twitter, eher zu vergleichen mit Pinterest. Tumblr sorgt mit dem schier endlosen Feed von Bildern, die man rebloggen kann, für ein nie langweiliges Entertainment-Erlebenis. Ich schmeisse interessante Sache dann auf mein Tumblr-Blog Inspiration Ehrensache. Pinterest nutze ich auch, aber überwiegend nur für Kochrezepte.

Das mobile Äquivalent zu Tumblr ist für mich Instagram, damit halte ich Schnappschüsse fest, verknüpfe diese über Foursquare mit Geodaten und schiebe sie dann wieder zu Tumblr, gucke mir aber auch gerne unterwegs Bilder von Freunden und Bekannten an.

Meine aktuelle Spielerei ist das Nike+ Fuelband, das mehr oder weniger prächtig meine Aktivitäten mitloggt und mir am Ende eines Tages zeigt, ob ich mich anständig viel bewegt habe oder nicht. Das Fuelband kann nicht viel und die App ist räudig, aber es sorgt immerhin dafür, dass ich mich mehr bewege.

Fazit
Ich nutze eigentlich für alles die Cloud, mache mir wenig Sorgen, weil ich weiss, dass mir immer die Festplatten kaputt gehen und es daher besser ist, wenn ich meine Daten irgendwo verteile. Doof ist es, wenn ich im Zug sitze zwischen Hamburg und Berlin, denn dann kann ich die Nutzung der Cloud komplett knicken, oder aber wenn ich im Flieger bin. Ohne Bandbreite nutzt die schönste Cloud nichts. Praktischerweise gibt es aber bei etlichen Tools auch einen Offline-Modus, so dass man mit lokalen Versionen der Dateien weiterarbeiten kann. Da ich mit verschiedenen Endgeräten auf meine Daten zugreifen will, bietet sich die Nutzung der Cloud sowieso an. Mein zentraler Dreh- und Angelpunkt ist Google Apps, das hat mein Leben schon massiv vereinfacht und sorgt für eine bessere Zusammenarbeit in Teams. Aber eigentlich bin ich immer auf der Suche nach dem optimalen Setup und werde weiterhin unzufrieden bleiben und neue Tools testen.

22 responses to Mein Arbeiten und Leben in der Cloud

  1. Sehr guter Artikel! Viele Dienste kannte ich noch gar nicht. In einigen beschriebenen Szenarien habe ich mich wiedergefunden.

    Wie reagierst du auf Cloud-Dienste, die neu auf dem Markt erscheinen, z.B. Alternativen zu Diensten, die du bereits nutzt?

    • Gute Frage. Meistens teste ich es an und gucke, ob ich damit warm werde. Gegen Dropbox beispielweise wird es schwer sein, gegenanzustinken, da hat es Google Drive auch schwer.

      • Stimmt! Neulich bin über einen deiner Tweets auf Droplr gestoßen. Angemeldet, Bonus-Space kassiert, installiert, getestet und seitdem nicht mehr beachtet. Irgendwie schade.

        Gibt es deiner Meinung nach weitere Dienste, die ihren Platz auf dem Markt auf Dauer halten werden, speziell bei Musik-Streaming-Diensten?

  2. Cool, ich habe fast das gleiche Setup. Schön zu lesen, wenn man es so bestätigt bekommt. Einzig für iTunes und natürlich auch für Spotify würde ich mir noch eine Webbasierte Lösung wünsche. Gerade dieses iTunes, die letzte Grütze.

    Der Burner ist ja – was viele auch noch nicht wissen: Upload bei Dropbox über Drag&Drop direkt im Browser. Klappt bestens. Gerade für so Arbeitssklaven im Angestelltenverhältnis, die ausser dem Chrome nix installieren dürfen (was ja schon die halbe Miete ist).

  3. Für welche Dienste zahlst du? Privat/beruflich? Ich zahle beispielsweise gerne für Evernote.

    • öhm. mal nachdenken… ich zahle für spotify und amazon, sanebox und writethat.name habe ich über invites finanziert, genauso wie dropbox. in der firma nutzen wir google apps und zahlen dafür. alles andere ist kostenlos, IIRC. iTunes natürlich nicht…

  4. @jke Ist doch schon toll, dass du bei der Arbeit Chrome nutzen darfst. Ich kenne Leute, die wahrscheinlich fristlos gekündigt werden, wenn sie irgendwas anderes als den IE benutzen.

    @Nico Danke für den Google-Apps-Tipp. Ist eine Neuentdeckung für mich.

    • Ja, aber bei solchen Firmen braucht man gar nicht erst anfangen. Und notfalls gibt es noch portable Lösungen. Ist eh ein Witz, wenn die Fremdsoftware mit Sicherheitsbedenken ablehnen und dann auf MSIE setzen. Ohne einen guten Browser ist das ganze Setup nicht richtig machbar. Und wenn man dann immer nur noch MSIE einsetzen darf, dann ist der Bedarf für onlinebasiertes Arbeiten wohl auch nicht gegeben.

  5. Ein wahres who-is-who der Cloud-Services – danke Nico.

    Interessant ist auch http://www.hojoki.com, das eine Klammer über Evernote, Dropbox und Gmail bildet.

    Für diejenigen, die vCards für das Adressbuch aus eMail-Signaturen erzeugen und nicht wie bei writethname Zugriff auf die eMail-Inbox geben wollen, empfehle ich das von uns entwickelte Tool – funktioniert auch mit Corporate Accounts, T-Online, Web.de und von allen Geräten mit eMail Client und Adressbuch.

  6. Funktioniert WriteThat.name tatsächlich?

    Der holt sich Details aus der Signatur und aktualisiert Kontakte?

    Oder mischt der nur Kram aus Facebook und co zusammen?

  7. Cool Nico, ich mach quasi alles genau andersrum als Du :D

  8. Christopher Hantel 12.10.2012 at 14:14

    Super Blog, und sehr spannende Cloud Nutzung. Eine Frage die mich schon lange umtreibt: wie verknüpfe ich mehrer GMail Accounts, da komme ich nicht weiter. Kalender dito. Kann da jemand kurz helfen?

  9. Hi,

    danke für diesen Beitrag! Wir machen doch vieles ähnlich.
    Eine Frage hätte ich, wenn ich darf.
    Ich bin überrascht zu lesen, dass du Gmail auch für berufliche Mails nutzt. Meine Steuerberaterin hat mir eingetrichtert, dass dies absolut unmöglich ist, auf Grund der „Aufbewahrungspflicht für Handelsbriefe“ die auch E-Mails umfasst – und findet es auch schon bedenklich, dass ich private Mails über Googlemail schreibe, weil auch die ja bei mir Freiberufler zu Geschäftsanbahnung führen können. Wie gehst du damit um?

    • verstehe ich nicht. es geht doch um die aufbewahrungspflicht und das kann ich doch auch über google apps gewährleisten. grosse firmen machen das, dann geht das auch für dich :)

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  3. kubiwahn » Meine eigenen Clouds oder Verdammt, ich bin ein Nerd - 17.03.2013

    […] stehe ich ja nun nicht allein da, wenn ich die interessanten Darstellungen von Sascha Lobo und Nico Lumma nachlese. Seit meiner Anfangszeit in der Web 2.0-Blase spielte “die Cloud” auch immer […]