Die deutsche Netzgemeinde ist klein und runzelig

Nico —  11.10.2012 — 31 Comments

Die von dem Piraten Bruno Kramm initierte Petition gegen das Leistungsschutzrecht ist brutalstmöglich gescheitert und hat nicht einmal annähernd das Quorum von 50.000 Unterschriften erreicht.

Wolfgang Michal stellt dazu fest:

Das ist eine Zäsur für das netzpolitische Engagement der alten Kämpen. Und eine herbe Niederlage für die ganze „Netzgemeinde“.

Marcel Weiss teilt diese Ansicht nicht, sondern sieht eine gewisse Hilflosigkeit, weil die traditionellen Medien anders als bei ACTA nicht auf den Kampagnenzug aufgesprungen sind:

Das deutsche Netz hat seine Kraft nicht verloren. Es hat sie in diesem Aspekt nie gehabt.

Und, wie bereits oben ausgeführt, geht es nicht um den Kampf von ein paar Netzaktivisten. Es gibt eine breite Front in der Zivilgesellschaft gegen das Presseleistungsschutzrecht. Aber weil diese Zivilgesellschaft sich noch immer Gehör nur über die traditionellen Medien verschaffen kann, bleibt sie ohnmächtig, wenn diese nicht aktiv werden.

Ich halte dazu folgendes fest:

1. Der Begriff Netzgemeinde ist absurd dämlich und hatte vielleicht vor 15 Jahren noch ein klein wenig Existensberechtigung, mittlerweile aber nicht mehr. Aber irgendwie wissen doch alle, wer gemeint ist. Eigentlich ist es an der Zeit, diesen Begriff zu überwinden, denn er ist Teil des Problems.

2. Die Piraten können nicht mobilisieren. Angetreten als Netzobertopchecker bekommen sie nicht 50.000 Unterschriften hin, wollen sich aber mit einer Petition an die Spitze einer Bewegung setzen und versagen kläglich.

3. Social Media hat immer noch keine Kraft in Deutschland. Es langt bestenfalls zu lauschigen Shitstörmchen, aber die Menschen werden nicht in der Breite erreicht, trotz mehr 20 Millionen Nutzern auf Facebook.

ACTA hätte viele Bürger direkt betroffen, beim Leistungsschutzrecht geht es “nur” um die Umverteilung von Geldern zwischen Konzernen (und evtl. ein paar Bloggern, aber wer weiß das schon genau) und noch dazu ist der überwiegende Teil der Medienlandschaft für das Leistungsschutzrecht und ist deswegen nicht in die Kampagne eingestiegen. Dadurch wird das Thema nicht weniger wichtig, bleibt aber ausserhalb der Wahrnehmungsschwelle vieler Bürger.

Es ist ein Irrglaube, zu meinen, mit einem Tweet oder einem Blogpost beginnt in Deutschland ein politischer Schneeball-Effekt. Der Schneeball ist geschmolzen, bevor er auch nur ansatzweise ins Rollen gekommen ist. Da helfen auch Nerd-Tools wie Rivva oder Statistik-Seiten wie Bundestwitter.de nicht, Social Media in Deutschland ist Icing on the Cake und noch überhaupt nicht zwingend. Wenn es denn eine Netzgemeinde gäbe, dann kann man diese auf Twitter bewundern, die herrlich unter sich bleibt und sich die Finger wundretweetet und breitfavt, aber nur ein Stürmchen im Wasserglas nach dem nächsten erzeugt. Es sei denn, die herkömmlichen Medien greifen das Thema auf und tragen es in die Breite. Ansonsten bleiben alle schön unter sich und können ihre eingespielten Rituale pflegen.

Es ist an der Zeit, dass einige Leute mal wieder einen Checkin bei der Realität machen, denn nur weil sie ein paar tausend Follower haben und denken, sie könnten etwas bewegen mit ihren Tweets, passiert noch lange nichts. Kein deutsches Blog hat eine wirkliche Reichweite, um politische Prozesse nachdrücklich beeinflussen zu können. Ohne die Mainstream-Medien, also Bild, BamS und Glotze, läuft in Deutschland mal gar nichts und so sehr man sich über Talkshow-Formate auf Twitter auch mokieren kann, da wird die Meinung gemacht und nicht in ein paar flotten Tweets, in einem Etherpad oder in den Kommentaren eines Blogs. Es fehlt auch 2012 an Persönlichkeiten, die über Social Media Kanäle eine massive Reichweite aufgebaut haben, die paar wenigen bekannteren Personen bekommen ihre Authorität nur von den Massenmedien geliehen. Twitter, Facebook, Google+ & Co sind ohne die mitlesenden Multiplikatoren gar nichts, denn wenn die Massenmedien nicht mitmachen, bleibt alles unterhalb der Wahrnehmungsgrenze.

Keine Persönlichkeiten, keine Tools, keine Reichweite, keinen Einfluss, keine Arme, keine Kekse, die Netzgemeinde bleibt klein und runzelig und wirkungslos.

31 responses to Die deutsche Netzgemeinde ist klein und runzelig

  1. Liegt das nicht auch am Thema bzw. an der nicht gelungenen Zuspitzung?
    Bei den Netzsperren gab es ein Keyword, auf das alle angesprungen sind: Zensur.
    Und ein Thema, das ernst und emotional aufgeladen war: Kinderpornographie.
    Und dazu einen Endgegner mit catchy Namen: Zensursula.

    Und Leistungsschutzrecht? Schwer zu verstehen, schwer zu kommunizieren. Und die Zuspitzung hat auch nicht funktioniert. Wer war denn die eine Person, gegen die mobilisiert wurde? Was war genau das drohende Szenario?

    Mobilisierung geht schon noch, aber man muss sich halt ein bisschen mehr Mühe geben als mit einer schlecht geschriebenen Petition und ein paar Tweets.

  2. Danke für die Einordnung. Wir alle fühlen uns in unseren Zirkeln ein wenig wie der Nabel der Welt, merken aber nicht, dass andere Zirkel andere Nabel haben. Was mich umtreibt, kann meinen Nachbarn durchaus völlig kalt lassen. Wer da etwas bewegen will, muss viel Engagement und Ausdauer aufbringen. Erfolg nicht garantiert. Deshalb muss man die Flinte nicht ins Korn werfen, sollte aber Realist bleiben.

  3. Ich verstehe noch nicht ganz, Nico. Die Analyse mag nicht völlig falsch sein, doch soll es nur Analyse sein oder ist da auch ein wirklicher Vorwurf drin? Der “Checkin bei den Realitäten” impliziert das, doch: Hat je jemand behauptet, dass ein paar Twitternachrichten die Petition pushen könnten? Hat je jemand behauptet, dass Blogs es könnten? Man muss es versuchen, ob es klappt. Momentan scheint es nicht der Fall, aber das muss man ja testen, ob es schon “soweit” ist.

    Jetzt muss man sehen, warum es nicht geklappt hat, und da sind die von dir angeführten Gründe gar nicht so weit weg: Bei ACTA war der Gegner für viele viel greifbarer, “die” Musik- und Filmindustrie. Verleger sind nicht so ein schönes Ziel für die Masse, weil wenige einen Bezug dazu haben. Außerdem spielen natürlich auch die Massenmedien eine Rolle, die erzeugen Reichweite und sind auch 2012 wichtig. Doch so neu ist das auch nicht.

    Im Übrigens solltest du die Frage stellen, ob es Persönlichkeiten dafür braucht, Du setzt voraus, dass es noch keine Persönlichkeiten für den Diskurs gibt, die in der Öffentlichkeit Autorität genießen. Doch es ist ja gar nicht gesagt, ob es in einem solchen Netzwerk gewünscht ist, dass es Autoritäten gibt und dass nur deshalb Autorität bei den betreffenden Personen verliehen wurde, da sie von Massenmedien in einem Akt der Selbstschöpfung dazu erhoben wurden. Weil Massenmedien über solche repräsentativen Persönlichkeiten funktionieren – aber vielleicht soll das Netz gar nicht so funktionieren, weshalb es gar nicht erwünscht ist, solche “Persönlichkeiten”, die Kampagnen leiten, zu institutionalisieren. Ich bin noch unentschieden, abr es könnte sein, dass es sich so verhält.

  4. Das ist ja nun auch Qautsch, Nico. Ungefähr so, als würde ich sagen, dass die Presse nichts bewegen kann, weil ein Titel vom Spiegel sich schlecht verkauft hat. Das Thema LSR ist sperrig, betrifft nur einen sehr überschaubaren Bereich von Menschen und Institutionen. Zu dem war die Petition armselig formuliert, was viele von einer Unterstützung/Unterzeichnung abgehalten haben. Siehe Blogpost von Luebue. Ich stimme Dir zu, dass es “die” Netzgemeinde nicht gibt. Es ist keine heterogene Gruppe, wie aber auch bei 50+ Millionen Usern. Es gibt Aktivisten mit einer Agenda und davon gibt es wiederum wenige, die aber durchaus Reichweitenpotential haben.
    Social Media alleine wird nur selten was bewegen, auch weil die Empörungsmechanismen langsam ausleiern. Selbiges gilt aber auch für andere Teile der Medien. Solles es “groß” werden geht alles nur im Zusammenspiel der Kanäle.

  5. Mit anderen Worten: Ich schreibe noch einmal dasselbe wie Marcel, aber weil ich SPD-Mann bin, muß ich noch ein wenig Piratenbashing draufpacken. Seems legit.

    • Ach komm. Meine Aussage ist schon etwas anders gewichtet.

      • Gewichtung ja, aber neue Aspekte bringst Du nicht ein. Wie gesagt, weniger Presse, dafür mehr Piraten-Bashing. Und Du weißt einfach, wie man Sachen spitzer (sic!) formuliert, um Reaktionen herauszufordern.

        Mir kommen bei allen Artikeln (nicht nur Euren beiden), die ich gelesen habe, zwei Aspekte zu kurz:
        1) Der Widerstand ist halbherzig. Wenn auch nur 50% von der Energie, die jetzt darauf verschwendet wird, das Scheitern der Petition zu erklären, vorher auf die Erreichung des Ziels verwendet worden wäre, sähe die Sache anders aus. Wo waren die catchy Memes à la Zensursula, die es braucht, um aus der Nische heraus die breite Masse zu erreichen. Wo sind die schicken Erklärbärvideos?
        2) Warum komme ich mir als Gegner des LSR automatisch wie ein schmieriger Google-Lobbyist vor?

  6. Ohne die auf YouTube mobilisierten Massen wird das nix mit Petitionen. Twitter zählt nicht.

  7. Die Spätheimkehrer weinen sich die Augen aus :-)
    Ich bin jetzt seit 25 Jahren im Internet und immer gab es irgendwelche Schwierigkeiten zu überwinden. ;Am Anfagn den Kampf gegen die national Telekomiker, die lieber esoterisches OSI wollten als funktionierendes TCP/IP. Dann jammer ein gewisser Bill gates, dass Internet Scheisse ist. Ich habe 1994 bei einem Chemie-Konzern 2.000 Sitzplätze mit Netscape-Browsern ausgestattet und Gates meinte, Internet ist Scheisse. Hat dann noch bis 2006 gedauert, bis er damitr kalr kam (noch heute ist im Internet-Explorer das Copyright auf den Opensource drin für dne Browser, den man dann lieber nicht selber in Redmont baute).

    Als Amazon, Google usw. es krachen ließen, weinten die Spätheimkehrer in Deutschland, dass doch alles unsicher sei udn man es nicht nutzen können. Der Alt68er grüne Weichert führt heute noch einen persönlichen Feldzug gegen Obama und sein Schutzkind Facebook (siehe Sommerakademie 2011).

    Beim Zugangserschwerungsgesetz konnte man staunend sehen, wie die FDP in Bayern und Sachsen im Bundesrat es dringend haben musste (Überwachen aller WWW-Zugriffe aller Bürger im Vergleich zu geheimen Listen der Polizei) und kurze Zeit später die gleichen Wendehälse von CDU, CSU, SPD und FDP das Gesetz wieder abschafften. Die Petition vor dem Inkrafttreten hatte natürlich nichts damit zu tun.

    Nun weinen SPD-Mitglieder, die uns den großen Lauschangriff beschert haben, die auf ihrem Parteitag für die Vorratsdatenspeicherung gestimmt haben, die beim WLAN eine deutschnationale Sonderbehandlung wollen (mit kleiner VDS im WLAN-Accessrouter, wo Bürger getrackt werden sollen nach der Bundesratsinitiative der SPD, wärhend in NEw York mit echtem Terror der Bürgermeister kostenloses WLAN ohne Zugangserschserung besorgt) uns die Ohren voll, dass Gesetze nicht durch zwei Tweets entstehen.

    Geht’s noch?

  8. Ich bin fest davon überzeugt, das diese Petition weit aus mehr als 50.000 Leute erreicht hat. Die meisten hätten sicherlich auch unterzeichnet.
    Das Problem sehe ich in der Unwissenheit über die Onlinepetionen.

    Auch ich wusste eigentlich nichts darüber. Es hat mich ne Überwindung gekostet mich damit auseinander zusetzen.

    Hätten die Leute gewusst dass das ganze in 5 Minuten (registrieren und unterschreiben)
    erledigt ist und vor allen Dingen auch anonym! hätte man die Petition ruck-zuck fertig gehabt.

  9. In zweierlei Hinsicht muss ich dir widersprechen bzw. unser Problem in der Sache erwähnen: 1. Das die Petition wegen der fehlenden Mobilisierungskraft der Piraten gescheitert wäre. Ist sie nicht, sondern an ihrer mangelhaften Qualität und das Mitzeichner zum überwiegenden Teil mit ihrem Namen umgehen wie mit ihrer Unterschrift: sparsam. 2. Uns als Sozialdemokraten sollte vielmehr Sorgen bereiten, das wir keinen maßgeblichen Einfluss auf das Entstehen einer solchen Petition gehabt haben und auch auf parlamentarischem Wege keinen Bremsklotz darstellen. Wo sind denn all die Ministerpräsidenten und Oberbürgermeister, die den Quatsch scheitern lassen? Sie handeln einen Kompromiss aus. Danke, setzen, 6. Der SPD stehen so leider weitere vier Jahre Opposition bevor, denn sie muss aus der Opposition heraus beweisen, das sie willens und in der Lage ist über den Bundestag und meinetwegen auch durch Torpedierung der Beschlüsse dieses Horrorkabinett und der senilsten CDU/CSU-Fraktion seit Adenauer die Arbeit dieser Bundesregierung besser zu machen.

  10. Das Bundestweets-Link sah gut aus. Fuehrt aber nirgends interessantes hin. Ansonsten: d’ accord. Working on it ;)

  11. Ich denke es liegt auch einfach daran, dass mit dem Thema Leistungsschutzrecht nicht kritisch genug umgegangen wird. Ein Großteil der Netzgemeinde weiß gar nicht was eine Durchsetzung bedeutet und wie gefährlich sie einfach ist. Hier wurde meiner Meinung nach nicht genügend informiert. Schade eigentlich.

  12. Ich bin begeistert. Immer wenn ich genau solche Anmerkungen geäußert habe, wurde ich belächelt oder gleich verbal “abgewatscht”. Ein Hoch auf die Blogosphäre und die ach so mächtige Netzgemeinde, die Demokratie und unsere Gesellschaft neu definieren wird. Pustekuchen! Hier stoßen digitaler Idealismus und utopisches Sonnenscheindenken 2.0 auf den Realismus dieser Welt. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Und manchmal ist das auch nicht schlimm. Der Glaube, die Masse wäre immer zu intelligenten Entscheidungen fähig, ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Der Intellekt des Einzelnen geht in der Masse unter; wie es es schon LeBon erkannte. Auch in meiner Promotion zu deinen geliebten Shitstürmchen stelle ich fest, dass ohne die klassischen Medien nicht viel davon übrig bleibt. Das kann ich an der Stelle schon mal verraten :) Grüße und Danke mal wieder für solch einen tollen Beitrag

    • @christiansalzborn “Der Glaube, die Masse wäre immer zu intelligenten Entscheidungen fähig, ist nicht nur falsch, sondern auch gefährlich.” Das ist kein wissenschaftliches, sondern ein ideologisch aufgeladenes (Schein-)Argument. Das sollte Dir als Promovend eigentlich klar sein.

      Was mich aber mehr interessiert: Wo ist bitte der Zusammenhang zwischen der Diskussion über die so genannte Netzgemeinde und Schwarm- oder gar kollektiver Intelligenz? Hat der Autor oben weder angesprochen noch ist das Thema in den Kommentaren – da geht es um Netzpolitik.

      Einfach nur die Überschrift gelesen, wie?

  13. Nett geschrieben. Und was sagt uns das jetzt? Wir verlassen uns beim Leistungsschutzrecht auf die klassischen Medien und warten auf die dagegen gerichtete BILD – Kampagne der Springer-Lobbyisten?

    Evtl. hängt es auch damit zusammen, dass es die Leute leid sind, Petitionen an ein Parlament zu richten, das mit ihnen nichts anzufangen vermag… Beispiele? Gerne:

    Auch Zensursula ist nicht an der Petition gescheitert. Die Anhörung war an Peinlichkeit nicht zu überbieten (siehe Siegfried Kauder). Petitionen zur Abgeordnetenbestechung werden vom Deutschen Bundestag als “nicht im öffentlichen Interesse liegend” nicht veröffentlicht. Eine GEMA – Petition mit weit über 50.000 Unterschriften ruht seit 2 Jahren im Bundestag.

    Noch Fragen?

  14. … die konzertierte Aktion mit den Urhebern journalistischer Inhalte fehlte. Die wurden eher von den Verlegern ins Boot geholt.

  15. Abgesehen vom Piratenbashing stimme ich den Aussagen zu. Die Außenwahrnehmung der “Netzgemeinde” scheint in Deutschland irgendwie nie die Gewichtung zu bekommen, wie es eine wie auch immer bemessene kritische Masse suggerieren könnte und vielleicht auch angebracht wäre. Aber das liegt eher am ewig kritischen deutschen Wesen und der verringerten Begeisterungsfähigkeit, und weniger an der Realitätsnähe von Onlinepetition, oder wie in diesem Fall: einer unständlich formulierten Petition, an die sich alle angeheftet hatten.

    Aus meiner Sicht auch extrem schade, dass es nur als diese “von einem Piraten gestartete Petition” beworben wurde.

  16. Das LSR greift tiefer in unser Leben ein als ACTA, welches international nur festschreibt, was in Deutschland sowieso schon Gesetz ist. Die Leute haben sich da leider über viel Hysterie und Fehlinformation auf die Straße treiben lassen, erklären, was dran schlimm ist, kann kaum einer.

  17. “ACTA hätte viele Bürger direkt betroffen”? Nee, glaube ich nicht. Zu ACTA ist ganz viel Propaganda gemacht worden. Das meiste, was übe ACTA gesagt wurde war schlichtweg gelogen. Man musste nur mal die Interviews bei den Demonstrationen sehen um einfach nur den Kopf zu schütteln. Die Leute sind gegen etwas auf die Straße gegangen, was es gar nicht gibt.

    Das Leistungsschutzrecht ist dagegen etwas, was abstrakt ist und mangels Propaganda auch abstrakt für die meisten Leute bleibt. Schau doch nur mal auf YouTube. Videos zu ACTA: 4 Millionen Zugriffe (nur auf die Deutschen VIdeos). Minimum. Zugriffe auf Videos über LSR: 40.000 – wenn es hochkommt. Nicht mal ein Hundertstel.

    Und natürlich wird im Social Web nicht “Meinung gemacht”. Ebenso wenig wie man über Social Media “verkaufen” kann. Debatten im Social Web sind EIN Baustein. In der politischen Willensbildung ebenso wie im Marketing. Was in Deinem Beitrag fehlt: Wir müssen aufhören so eindimensional zu denken! Es gibt keine monokausalen Zusammenhänge mehr. Alles ist vernetzt. Und alles hängt zusammen.

    Nein, kein einzelnes Medium, kein einzelner Blogger hat die Macht (alleine) etwas zu verändern. Aber jedes einzelne Medium, jeder einzelne Blogger kann den Anstoß geben, dass sich etwas ändert oder den entscheidenden Beitrag. Reichweite erzielen im Social Web nur Videos auf YouTube.

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