7 Tech-Trends für 2013

Nico —  2.01.2013 — 15 Comments

Nachdem ich letztes Jahr dem Sharing ein Comeback prophezeit habe, will ich natürlich auch dieses Jahr postulieren, was alles an Trends kommen wird. 2013 wird dominiert werden von den Themen Mobile, Social, Enterprise, Payment, Local, Bildung und Tablets. Alles wird natürlich in feinstem Denglisch formuliert werden, das ist Absicht.

Mobile: Die App Stores sind voll mit Apps, die Smartphone-Penetration in der Bevölkerung steigt weiterhin, damit entstehen neue Verhaltensweisen, die weiter dafür sorgen werden, dass das Segment Mobile wachsen wird. Wir werden immer mehr Inhalte sehen, die speziell für die Lektüre auf mobilen Endgeräten aufbereitet werden, wir werden eine Welle von Apps sehen, die nicht mehr nativ sind, sondern Web-basiert und wir werden sehen, dass die Mobilfunkanbieter versuchen werden, von den leidigen Flatrates wegzukommen, um an mobile Data mehr verdienen zu können. Wir werden allerdings auch sehen, dass mobile Werbung nicht nur nervt, sondern auch nur einen Bruchteil dessen erlöst, was derzeit mit Werbung im Web erzielt werden kann, was Content-fokussierte Geschäftsmodelle vor erneute Herausforderungen stellen wird. Das iPhone wird weiterhin der Gold-Standard bleiben, also das Persil unter den Smartphones, aber gekauft werden zunehmend Android-basierte Phones, also das Tandil, um in der Analogie zu bleiben.

Social: Weiterhin nicht tot zu kriegen ist das Thema Social, denn auch in 2013 werden wir munter die unterschiedlichsten Social Graphs nutzen, um miteinander kommunizieren zu können, in allen Facetten der Banalität, mit viel Entertainment und auch einiger Ernsthaftigkeit, so wie wir das als Menschen eben so machen. Social ist das Herz der digitalen Welt, wer Social nicht versteht, wird es immer schwerer haben, die Nutzer zu erreichen, oder muss viel Geld für Reichweite ausgeben.

Enterprise: Trends wie Bring your own Device (BYOD) und immer mehr vorhandene nutzbare API sorgen dafür, dass Unternehmenssoftware sich verändern wird, dass Prozesse neu gedacht werden und dass vor allem viele neue Firmen entstehen werden, die sich auf diesem Markt tummeln wollen, um SAP, Oracle, Microsoft und anderen durch eine Disruption, die von den Nutzern getragen wird, Marktanteile abzunehmen. Microsoft hingegen wird mit Windows auf Smartphones versuchen, den mobilen Teil der IT-Infrastruktur von Unternehmen abdecken zu können, auch als Ersatz für das weiter schwächelnde RIM mit ihrem ehemaligen Referenzprodukt Blackberry. Im Enterprise-Segment wird es knallen, die herkömmlichen Strukturen werden durcheinander gewirbelt werden, weil Nutzer, also Arbeitnehmer, keine Lust mehr haben, sich von der IT-Abteilung irgendeinen Kram vorsetzen zu lassen, der weniger kann als eine App auf ihrem Smartphone.

Payment: Von NFC wird erst einmal kaum jemand sprechen, dafür von Square, Sumup, Dwolla und anderen, die versuchen, Finanzströme zwischen Nutzern schneller und direkter zu gestalten. Hinzu kommen Bezahlsysteme in Restaurants und am Point of Sale, die flexibler und günstiger sind als die bisherigen Kassensysteme, die darüber hinaus noch Data Mining erlauben und Customer Retention Tools mitbringen. Online-Banking wird als Wort immer absurder, weil die Nutzung digitaler Tools auf den verschiedensten Ebenen immer normaler wird.

Local: Die starke Verbreitung von Smartphones sorgt dafür, dass die Nutzung ortsbezogener Daten sehr einfach möglich ist. Karten und Inhalte sind vorhanden, jetzt gilt es, aus der Verknüpfung neue Anwendungsszenarien entstehen zu lassen. Lokale Werbung wird ein Thema sein, aber auch wirkliche lokale Nachrichten und die lokale Gemeinschaft. Fraglich bleibt, ob die derzeit agierenden lokalen Akteure überhaupt in der Lage sind, sich diesem Thema anzunehmen, oder ob die Disruption der lokalen Tageszeitung schneller kommt als erwartet.

Bildung: Der Bildungsbereich schreit einfach nach einer Disruption, hier bewegen wir uns immer noch in den Leitplanken von Humboldt und dem Ständesystem der Kaiserzeit, gepaart mit einem innovationsfeindlichen Oligopol der Schulbuchverlage. Digitale Lehrmittelfreiheit ist ein Thema, alternative Bildungsangebote wie Udemy, Khan Academy, Coursera und andere werden weiter wachsen, weil das Schlagwort vom lebenslangen Lernen eben auch flexible und alternative Modelle als die herkömmliche Melange von Schulen, Universitäten und VHS es ermöglichen. Hinzu kommt die Fragestellung, wie die Schulkinder künftig auf die Herausforderungen der digitalen Gesellschaft vorbereit werden sollen, ich werde daher weiterhin für die Einführung einer Programmiersprache als Zweite Fremdsprache plädieren, denn Javascript ist das neue Latein.

Tablets: Tablets sind nicht einfach nur zu groß geratene Smartphones, sondern ermöglichen ein ganz anderes Nutzungsverhalten, als wir es von Mobile oder Desktop gewohnt sind. Tablets werden ubiquitär und noch dieses Jahr locker unter die 100 EUR Grenze fallen. Tablets ermöglichen den Content-Anbietern endlich, aus der selbstverschuldeten preislichen Abwärtsspirale der Online- und Mobile-Werbung auszubrechen und neue Werbeformen zu entwickeln, die eine Finanzierung der Inhalte auf Tablets ermöglichen. Tablets sollten Schulbücher ersetzen, Tablets degradieren Buchläden zu Showrooms für eBooks, Tablets ermöglichen eine neue Art des Shoppings und Tablets werden die Magazine und Sonntagszeitungen der Zukunft den Nutzern bereitstellen, Tablets werden am Arbeitsplatz selbstverständlicher und Tablets ermöglichen Teilhabe an gesellschaftlichen Diskussionen und Prozessen. Gegen Tablets ist die mobile Revolution rund um die Smartphones nur Pillepalle gewesen.

2013 wird spannend werden, da bin ich mir sicher. Die Entwicklung geht munter weiter und Disruptionen kommen schneller und häufiger, als etablierte Marktteilnehmer es für möglich halten werden.

15 responses to 7 Tech-Trends für 2013

  1. Bezogen auf Enterprise sehe ich das auch so, aber es wird wohl länger dauern. Bis große, altmodische Konzerne in traditionellen Branchen das tatsächlich umsetzen, das dauert noch. Erst einmal sind die Manager noch froh, wenn sie eine Mail aufs Blackberry bekommen und fühlen sch dann wahnsinnig mobil und modern.

  2. Daumen hoch für deinen Blick in die Glaskugel. Hoffe sehr, dass insbesondere der letzte Satz bei “Enterprise” zutreffen wird: “Im Enterprise-Segment wird es knallen, die herkömmlichen Strukturen werden durcheinander gewirbelt werden, weil Nutzer, also Arbeitnehmer, keine Lust mehr haben, sich von der IT-Abteilung irgendeinen Kram vorsetzen zu lassen, der weniger kann als eine App auf ihrem Smartphone.” Es wird Zeit für Veränderungen bei den großen Companies.

  3. Nicht schlecht, deine Glaskugel. Allerdings denke ich, das mit WindowsPhone noch zu rechnen ist. Die Lücke, die Blackberry hinterlassen wird, ist nicht gerade klein und gerade in MS-Enterprise Umgebungen wird dann wohl eine Windows-Lösung zur ersten Wahl, wenn Sicherheitsaspekte eine Rolle spielen. BYOD hin oder her – wir sprechen ja von 2013.

  4. Habe mir gerade die 7 Trends für 2011 angeschaut – interessant, wie seinerzeit NFC und Geolocation bewertet wurden. Jetzt scheint es eher umgekehrt zu sein.

    Was ich derzeit noch interessant finde: solche Sachen wie Ingress und welche Nebenschauplätze damit abgedeckt werden können (social games, Datensammelei, Geolocation, VR, etc.). Für mich wird 2013 das Jahr werden, in dem diese Dinge viel selbstverständlicher ablaufen.

    Bei den Entwicklungen im Enterprise-Sektor bin ich ja mal sehr gespannt! Hoffe die OS-Hersteller kommen bald zur Vernunft und bieten seriöse Lösungen an. Weil: der Erfolg der Tablets ist doch neben der ganzen Bequemlichkeit & Instant-On eigentlich auch der Unfähigkeit der Desktop OS zu verdanken.

    Bildung: wenn dann wohl nur im ausserschulischen Bereich.

  5. Hmmpf. Ich denke solange M$ die drei Dealkiller (kein VPN, kein Compliance-Management, kein Remote-Lock/Wipe) in Windows Pfone nicht beseitigt, ist da an eine Einführung oder Ablösung im Business- oder gar Enterprise-Bereich nicht zu denken. Da werden die Admins eher ihre Widerstände gegen das iPhone aufgeben.
    Im Bereich Mobile und Enterprise wird es zu mehr Abbildungen durch Hardware-unabhängige Prozesse (HTML5?) kommen. BYOD sehe ich nicht so emerging bzw. es ist dann ja egal.
    Bei Tablets sehe ich schon die Flaute für alle Geräte >7″ kommen. Die 7-Inch-Geräte mögen unter 100,- fallen, aber eine Marktrevolution mit neuen Erlösmodellen wird es nicht geben. Tablets sind die neuen Kaffeevollautomaten.
    Buchläden werden das erste Beispiel für die Anti-Konzentration sein. Große Ketten werden sich zu ebook-Stores umformen und ggf ihre Flächen zu Ebook-cafés umwidmen oder einfach so sterben. Die kleinen Buchläden werden auch noch mal ausselektiert, aber in der Nische ein Chance haben. Ergebnis der Entwicklung, die ich durchaus in Jahresfrist sehe, wird sein, dass es zwischen ebook und Buchbinder-Handwerks-Stücken in Manufaktur-Qualität kaum noch etwas geben wird.
    Im Bereich Bildung tippe ich eher darauf, dass mehr Schulen E-Learning-Plattformen als Print-on-your-own-paper missbrauchen werden.
    Und im Payment wird es mit einer der Kontaktlos-Techniken den ersten richtig lauten Skandal oder Hack geben, der der Technik das Schicksal der Kleingeldkarte beschert.

  6. Sascha Boerger 3.01.2013 at 9:12

    Statt BYOD wäre mir BYOIT – “Bring Your Own IT” noch einen Schritt konsequenter. Jede(r) Mitarbeiter(in) bringt einfach ihren/seinen Krempel selbst mit und die Corporate IT beschränkt sich auf das Netzwerk und max. einen Drucker je Stockwerk!

  7. BYOD sehe ich bei grossen Firmen und Behörden überhaupt nicht! Dort spielt Geld für Sicherheit und audit keine Rolle!
    Außerdem scheint ihr nicht zu wissen, was gute professionelle Software kostet. Das private smartphone/tablet am Arbeitsplatz würde ich verbieten! Genauso das privat Surfen. Hier gehen Mrd. Stunden und € den Bach runter für die Firmen…

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