Don’t be evil? Google Reader wird eingestellt!

Ey, Google, was soll denn das? Powering Down Google Reader:

google-reader-logoWe know Reader has a devoted following who will be very sad to see it go. We’re sad too.

There are two simple reasons for this: usage of Google Reader has declined, and as a company we’re pouring all of our energy into fewer products. We think that kind of focus will make for a better user experience.

Es ist ja toll, dass ihr bei Google jetzt wundervolles Moonshot Thinking betreibt und neue, irre große Ziele habt und viel bewegen wollt, aber warum könnt ihr dann nicht ein paar Mitarbeiter abstellen, um Google Reader weiter zu führen und besser mit Google+ und anderen Plattformen zu verknüpfen?

Ich bin von der Einstellung von Google Reader ziemlich genervt. Nicht nur, weil ich seit Jahren dort alle meine Feeds lese und über verschiedenste Apps auf Google Reader zugreife und so immer fröhlich alle meine Feeds auf dem aktuellen Stand habe, egal ob iPhone, iPad, Nexus 7 oder Laptop, und die mobile Web Variante auf dem iPhone für das effizienteste Interface für das Konsumieren von Newsfeeds halte, nein, sondern auch weil die Einstellung von Google Reader mich persönlich trifft. Noch vor zwei Tagen hat meine Frau mich gefragt, welchen Feedreader sie denn auf dem Mac nutzen solle, weil NetNewswire nach all den Jahren keine Option mehr sei. Vehement habe ich mich für Google Reader eingesetzt, alle Möglichkeiten aufgezeigt, ihr gesagt, dass Google Reader quasi der Backbone für alles mit RSS sei und sie dann Reeder, Feedly, Flipboard oder was auch immer nutzen könnte, um ihre RSS Feeds zu lesen. Sie war not convinced. Und heute muss ich dann wohl zugeben, dass sie Recht hatte mit ihren Zweifeln am Produkt Google Reader. Wie stehe ich denn jetzt da?

Ich habe die letzten Jahre quasi in Google Reader gelebt, dort eine absurd hohe Zahl von RSS-Feeds wenigstens überflogen, aber oft auch gelesen. Zuhause habe ich mit Flipboard durch die Feeds geblättert, so wie andere Leute Zeitschriften lesen oder gelesen haben. Ich habe Google Reader mit Instapaper verknüpft, Artikel in Evernote geschoben und auch das ein oder andere Mal Artikel von Google Reader in Google+, Facebook oder Twitter verlinkt.

Sicher, Google Reader hat in den letzten Jahren eher Nackenschläge von Google bekommen und wurde nicht wirklich als Produkt weiter entwickelt, aber es war eine gute Grundlage ohne viel ablenkendes Gedöns am Rande. Feedly hat angekündigt, bis zum Abschalten von Google Reader eine web-basierte Alternative fertig zu haben und wirbt damit, dass aktuelle Nutzer von Google Reader ohne Aufwand migriert werden würden, wenn sie bereits vor dem Abschalten Feedly nutzen.

Die Geschichte der Feedreader ist irgendwie auch eine Geschichte der Missverständnisse. Was es da alles Tolles gab und was alles eingestellt wurde, nun gesellt sich also Google Reader dazu, damit Google mehr Kapizitäten hat, um die Probleme der Menschheit lösen zu wollen. Ich habe ja wenig Ansprüche, ich wollte nur einen guten, einfachen web-basierten Feedreader mit ordentlichen Sharing-Möglichkeiten.

28 Antworten auf „Don’t be evil? Google Reader wird eingestellt!“

  1. Leider hat ein „normaler“ User keine Ahnung was RSS ist… Daher ist GoogleReader eher ein Nischenprodukt und skaliert nicht. Bin auch sehr traurig, aber aus reiner Businessperspektive nachvollziehbar

  2. Es ist ja nicht so, das es keine Alternativen gibt. Der Schritt war lange überfällig und wurde nicht von wenigen bereits vorhergesehen. Insofern weine ich dem Google Reader keine Träne mehr nach. Insbesondere seit dem Abschalten der Share/Follow-Funktion war das gute Stück ohnehin nur noch halb so viel wert. Jetzt geht es halt endgültig auf zu NewsBlur.

  3. Du sprichst mir aus dem Herzen. Ich nutze den Google Reader täglich und habe gerade vorgestern noch ein Webinar abgehalten, in dem ich allen seine Nutzung empfohlen habe. Dann auf zu Feedly, oder gibt es weitere Alternativen?

  4. Mund abputzen, Spec schreiben und kostenpflichtige Alternative schaffen, welche die Vorteile von GR gegenüber der Konkurrenz implementiert. Startup gründen. Reich werden… ;-)

  5. Tja, Nico, so wie Dir geht es mir auch. Und ja, es wird Alternativen geben. Das einzig Positive daran ist vielleicht, dass man mal wieder merkt, dass auch im Internetz nichts für die Ewigkeit ist und man immer wieder seiner Gewohnheiten beraubt wird ;) Ein Gedanke, der mir zum jetzigen Zeitpunkt zugegebenermaßen schwerfällt… Aber: Ich habe immer dafür geworben, den Reader zu nutzen, um sich das Screening zu erleichtern… werde ich auch weiterhin machen, aber dann mit nem anderen tool..

  6. feedly nutze ich eh schon länger als frontend für meine per google reader abonnierten feeds. im grunde so wie du flipboard für rss nutzt. unterm strich bin ich sehr zufrieden damit, und wenn ich jetzt meine rss feeds nicht mehr bei google verwalte, sondern bei feedly, soll’s mir recht sein. bin jedenfalls gespannt wie die das genau umsetzen …

  7. Ach, die Nutzung ist runtergegangen? Warum wohl? Vielleicht, weil Google das Tool seit Jahren nur noch vor sich hinrotten lässt und sogar Features weggeschnitten hat. Aber es ist sicher besser, gruselige Kamerabrillen zu entwickeln und leere Social Networks zu behalten, als den Feedreader, den so ziemlich jeder ernsthafte Netzuser benutzt. Diese Firma ist mir ein Rätsel.

  8. Google soll den Reader also jetzt fortsetzen, damit du vor deiner Frau nicht blöd dastehst (die du aber vor der Einstellung des Google Readers gar nicht von dem Produkt überzogen konntest?

    Ist das dein Ernst?

    Hilfe.

  9. Volle Zustimmung! Und was kommt als nächstes? Ich tippe mal auf Google Kalender. Den kann man dann nur noch unter Android nutzen oder sowas.

  10. Mir schmeckt Feedly auch noch nicht so richtig, aber es wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben, als mich daran zu gewöhnen. Dass es so schwer fällt, beweist nur wieder, dass wir auch im Netz Gewohnheitstiere sind.

  11. Hmm hatte gehofft, sie würden die Feedauswahl stärker für die Bewertung von Suchergebnissen nutzen würden, die mich interessieren. Das hätte dann durchaus ein ökonomischen Nutzen.

    Nicht zu verachten ist auch, dass man mit Google Reader in China Inhalte lesen kann, die sonst gesperrt sind, wie z.B. New York Times headlines or blogs, die auf blogspot und Konsorten gehostet werden. Äußerst schade.

    Insgesamt vielleicht eine Abkehr vom APIismus des Web 2.0, Twitter ging ja vor ein paar Monaten auch mal in diese Richtung mal wieder zurück in die Silos.

    Ick kauf ma Compuserve und jut is.

    Können die den Reader code nicht öffnen, und der Apache foundation vermachen oder so? Sonst als archive.org interface einführen? Argh.

  12. Aloha @ Nico

    bemerkenswerter Artikel, den ich soeben gelikt habe. Ich habe außerdem gesehen, dass dieser Blog doFollow ist. So erlaube ich mir, dich in meine Blogliste aufzunehmen. Hoffe das Beste, Danke.

    Cheers

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