HuffPo – nicht labern, machen!

Nico —  5.04.2013 — 16 Comments

huffpostSeitdem Ariana Huffington es geschafft hat, mit ihrer Huffington Post in den USA eine Plattform zu etablieren, auf der Debatten stattfinden und die von Lesern frequentiert wird, gibt es in der bundesdeutschen Medienlandschaft die Diskussion, wann Huffington Post nach Deutschland kommen könnte und welches Medienhaus als Partner zur Verfügung stehen würde. Genannt werden alle, und aktuell macht sich der Chefredakteur von Horizont, Volker Schütz, einige Gedanken zur Huffington Post:

Kommt die Huffington Post nach Deutschland – und wenn ja, mit welchem Verlag als Rückhalt? Darüber diskutiert und spekuliert derzeit die Medien-Szene. Spekulation Nummer eins: Bertelsmann/G+J machen mit den Amerikanern gemeinsame Sache. Spekulation Nummer zwei: Kapuzenpulliträger Kai Diekmann übernimmt die Mutter alle Blogs und Webonly-Contentangebote – mit dem Segen von Matthias Döpfner. Realistisch sind beide Spekulationen nicht.

Ich finde, die Diskussion um die Huffington Post in Deutschland zeigt deutlich, das Problem der hiesigen Medienhäuser. Diese grassierende Trägheit, verbunden mit der Angst, das Falsche zu machen, sorgt dafür, dass die Potentiale des Web weiterhin nicht genutzt werden. Wenn die Huffington Post so spannend ist, dass schon seit Jahren darüber diskutiert wird, wer sie denn endlich nach Deutschland holt, dann sollte doch eigentlich eher die Frage gestellt werden, warum kein deutsches Medienhaus die Grundidee der Huffington Post aufgreift und mit Vehemenz umsetzt. Das wäre doch mal ein Schritt, der eine neue Richtung aufzeigen könnte. Die Marke Huffington Post kennt kaum jemand in Deutschland, die dort schreibenden Journalisten auch nicht und das Übersetzen von Artikeln klingt jetzt auch nicht sonderlich reizvoll.

Was macht die Huffington Post anders und damit attraktiv? Ein Blick zur Wikipedia bringt einen kleinen Einblick in das Geschäftsmodell:

Die Mehrzahl der Beiträge wird von unbezahlten Freiwilligen verfasst. Sie verweisen nahezu ausschließlich auf Berichte anderer Medien und bereiten diese für eine Leserschaft auf, die weniger an Hintergründen als an kurzen Zusammenfassungen mit meinungsstarker Bewertung interessiert ist. Daneben stehen die fast täglichen Kolumnen von Huffington selbst und einem Kernteam von Mitarbeitern. Zudem publiziert die Huffington Post Beiträge von Prominenten aus dem Bereich Politik, Journalismus, Wirtschaft und Unterhaltung (u. a. Norman Mailer, John Cusack, Bill Maher). Aufgrund ihrer Bekanntheit und dem Zugang zu wichtigen Informationskanälen gelingt es den Mitarbeitern regelmäßig, exklusive Meldungen zu veröffentlichen.

Unter der Prämisse, dass ein derartiges Modell in Deutschland auch genug Leser finden würde, müssten sich doch eigentlich nur ein paar Leute mit journalistischen Neigungen zusammenfinden, Kapital einsammeln und loslegen. Warum muss seit Jahren rumgelabert werden, wer das Konzept endlich lizensiert? Ich würde nicht einen Cent für eine dusselige Lizenz ausgeben, sondern einen guten Namen finden, ein Redaktionsteam zusammenstellen, ein attraktives Vergütungsmodell für freiwillige Autoren finden, das auch auf Ruhm und Ehre aufsetzt, und genau in die Lücken gehen, die der deutsche Zeitungsmarkt gerade zu bieten hat, wie die Diskussion bei Richard Gutjahr aufzeigt. Es dürften doch aktuell genügend Journalisten der Wirtschaftsredaktion von Gruner & Jahr und der Frankfurter Rundschau auf der Suche nach einer neuen Herausforderung sein.

Einen deutschen Abklatsch einer amerikanischen Plattform finde ich wenig reizvoll, eine neue, eigene Entwicklung auf Basis der Erfahrungen von Huffington Post und Buzzfeed um so mehr. Einfach machen, nicht labern, liebe deutsche Medienschaffende!

16 responses to HuffPo – nicht labern, machen!

  1. Ahoj und einen wunderbaren Morgen möchte ich wünschen.

    Ich glaube, ich verstehe und sehe das grundsätzliche “Problem” nicht. Was ist es, das die HP auszeichnet, was “unsere” Medienlandschaft nicht bietet? Wenn ich mir das Kommentar-Treiben auf einschlägigen Portalen anschaue, ist das doch überhaupt nicht weit davon entfernt…, allenfalls wird dieser Bereich in ein externes Forum ausgelagert. Aber in wifern ist die HP hierbei besonders? Sehe ich irgendwas nicht?

    Ach…, beim Lesen fiel auf, dass sich ein kleiner Tippfehler eingeschlichen hat, beim zweiten Link gibt es ein “n” zuviel.

    Cheers.

  2. Ich würd ja gerne. Mir fehlt allein die Zeit. (Und das Kapital.)

  3. “Sie verweisen nahezu ausschließlich auf Berichte anderer Medien und bereiten diese für eine Leserschaft auf, die weniger an Hintergründen als an kurzen Zusammenfassungen mit meinungsstarker Bewertung interessiert ist.”

    Abgesehen von den Verweisen auf die anderen Medien ist dies doch genau das, was die Zeitungen jetzt schon immer mehr verbreiten. Das ist doch mit ein Grund warum sie immer weniger gekauft werden, weil man eben keine ordentliche journalistische Arbeit mehr bekommt. Und was Community-basierte Artikel betrifft: Schon mal auf der Webseite vom Freitag gewesen?

  4. Shortnews macht seit Jahren doch schon den Teil mit den Verweisen. Fehlen noch Gastbeiträge. Aber wer will auf so einer Krawallseite stehen?

  5. Was die HuffPo ausmacht? Der Kopf der Herausgeberin, die ein Beziehungsnetz knüpfen konnte jenseits persönlicher Eitelkeiten der Beteiligten, einen Grundtenor für die Beiträge definierte und eine journalistische Ethik wo der Fun und die Satire ihre Grenzen haben, wo die Gürtellinie liegt und daraus eine Marke zusammenfügte.

  6. +1 zur Einfach-machen-Mentaltät, aber eine deutsche HuPo würde ich nicht lesen wollen.

  7. “Mach ‘das’ mal.” ist nach “Das haben wir schon immer so gemacht.” die gefährlichste Grundlage, noch dafür für ein Geschäftsmodell das sich in einer Phase befindet, die mit der der Kohleindustrie vergleichbar ist, die den Kohlepfennig zur Existenzsicherung brauchte.

    Da wird niemand investieren, das ist alles Melange aus Abwicklung und Exit-Strategie.

    Wer in diesem Land, in der Sache Klinken polieren will, muss sich Handschuhe anziehen, um sich nicht die Finger schmutzig zu machen oder seine Ideen aus der Hand nehmen zu lassen, und das dauert Zeit. Das Problem ist das es ‘das’ nicht gibt, die Ideen die ‘den Journalismus’ wiederbeleben sind modular zu entwickeln, müssen den bisherigen (nicht Kopf und Mittelsmänner, sondern die Basis, die die Arbeit macht) Mit- und an die Hand nehmen. Einzelne bloggende Journalisten sind da eine gute Keimzelle, an der sich meine Ideen schon orientieren und in der Praxis beweisen, es kommt aber vielmehr darauf an niemand zu verprellen, keine Rezipienten, keine echten Wertschöpfer, keine Investoren, und das in einer wirtschaftlich bei allen angespannten Lage. Man muss schon viel Optimismus mitbringen, daran zu glauben das die irgendwann eintritt, das anzupacken dafür noch mehr.

  8. Sehe ich auch so. Das Lizenzgeld ist hier besser investiert, wenn man selber macht.

  9. Ich wäre ein großer unterstützer dieser Idee, tatsächlich geistert mir ähnliches schon im Kopf seitdem ich bei guj arbeite… Würde ich Weggefährten finden dann ziehe ich so ein startup einer Büro Karriere vor. Wo aber ein forum dazu finden?

  10. “Die US-amerikanische Online-Zeitung “Huffington Post” bekommt einen deutschen Ableger. Die neue Website soll im Herbst online gehen, teilte das Unternehmen mit.

    Die deutschsprachige Ausgabe werde von Tomorrow Focus verantwortet, einem Tochterunternehmen der Burda-Gruppe. Sie soll mit lokalen Journalisten besetzt werden, hieß es. In den kommenden Monaten werde dafür in München ein Redaktionsteam zusammengestellt. Weitere Einzelheiten soll es auf einer Pressekonferenz am 15. Juli geben”

    http://www.tagesschau.de/kultur/huffingtonpost106.html

  11. Lieber Niko, vielleicht hättest du die Güte dem geneigten Leser mal zu erklären, wann – sagen wir mal in den letzten 10 Jahren – du mal so richtig gemacht – und nicht gelabert – hast? Ich meine, es ist ja supi, dass du für quasi jede Lebenslage einen guten Rat hast, dass du uns erklärst, wie die Telekom ihr Geschäft machen soll, wie die Gören in der Schule unterrichtet werden sollen, wie ein Multi-Millionen-Dollar-Dings wie die Huffington Post auch in D funktionieren kann…
    Aber vielleicht wäre es mal gut, wenn du statt “Hätte, hätte Fahrradkette” einfach wirklich mal machst und dir Hybris als Brotaufstrich patentieren lässt.

    • Wenn Du mich anpflaumen willst, dann schreib wenigstens meinen Namen richtig. So viel Zeit muss sein. Inhaltlich teile ich Deine Ausführungen übrigens nicht im Ansatz.

Trackbacks and Pingbacks:

  1. Linktipps 5.4.13 (1:44) – 6.4.13 (22:29) › Netzentzug.de - 7.04.2013

    [...] HuffPo – nicht labern, machen! | Lummaland [...]

  2. Deutsche HuffPost: Sie kommt, sie kommt nicht, sie kommt! — Carta - 28.04.2013

    [...] alle Paywall-Pläne über den Haufen wirft), formulierte Blogger Nico Lumma schon mal einen Aufruf zum [...]

  3. Morgenlinks: HuffingtonPostDE, KreativesTvDE, FunnyPresidentUS | netzfeuilleton.de - 30.04.2013

    [...] kommen? Und warum braucht Tomorow Focus überhaupt die HuffPo, kann man das nicht auch alleine machen? Die restliche Verlage dürfte es nicht freuen, eine weiteren Konkurrenten zu bekommen, der [...]

  4. Huffington Post Deutschland - eine echte Chance - 30.04.2013

    [...] hatte Nico Lumma vollkommen Recht, als er vor einiger Zeit forderte, deutsche Medienhäuser sollten das Mo…. Doch ist ja genau das die Crux, die immer gleiche Crux: Die trägen, fetten Konzerne begreifen [...]

Los, kommentier das mal!