Die Rolle des Menschen bei der Digitalisierung der Arbeit

Nico —  1.05.2013

Heute, am 1. Mai, dem Kampftag der Arbeiterbewegung, gehen auf der ganzen Welt Menschen auf die Straßen, um für verbesserte Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Ich finde, das ist eine gute Gelegenheit, einmal inne zu halten und darüber nachzudenken, wie die Digitalisierung er Arbeit sich auf den Menschen auswirkt und wie wir möglichst dafür sorgen können, dass die Arbeitsbedingungen besser werden.

Die Digitalisierung der Arbeit ist Geißel und Befreiung zugleich, so paradox das klingen mag. War Rationalisierung bislang nur von Fabriken bekannt, sorgt die Digitalisierung seit den 80ern Jahren dafür, dass sich der Büro-Alltag verändert und viele ehemals sichere Jobs einfach wegfallen. Allerdings entstehen gerade viele neue Berufsfelder, die noch vor 5 Jahren undenkbar waren und alle damit zu tun haben, dass sich die Innovationszyklen der digitalen Technologien so sehr beschleunigt haben, dass es immer schwerer wird, auch nur 5 Jahre im Vorraus zu planen. Die Digitalisierung sorgt auch dafür, dass viele Menschen relativ selbstbestimmt arbeiten können. Genauso sorgt die Digitalisierung dafür, dass sich immer mehr Menschen erschöpft fühlen, permanent anderen Dingen ihre Aufmerksamkeit schenken müssen und am gemeinen Multitasking an sich verzweifeln. Der Steigerung der Produktivität durch digitale Werkzeuge steht die Erschöpfung des Menschen gegenüber, dem es immer schwerer fällt, als kleines Rädchen Teil eines funktionierenden großen Ganzen zu sein. ADHS und Burnout gehören genauso unserer immer digitalisierteren Umwelt wie Latte Macchiato und Laptop im Schatten am Strand.

Für mich stellt sich die Frage, wie man nun die Vorzüge der Digitalisierung nutzen kann, ohne dass wir alle zu mentalen nervösen Wracks werden, die alle 5 Minuten nach ihren Emails gucken und verzweifeln, wenn es keine neuen Emails in der Inbox gibt. Wir sind am Anfang einer Entwicklung und wir müssen jetzt die richtigen Weichenstellungen vornehmen, damit die Digitalisierung der Arbeit nicht dazu führt, dass die Belange des Einzelnen hintenrunterfallen und wir zwar nicht mehr körperlich starken Belastungen ausgesetzt sind, sondern gedanklich nicht mehr mit kommen. Die Herausforderung liegt darin, dies so zu tun, dass man nicht den Einzelnen bevormundet und gleich wieder vorschreibt, wie und wann man zu arbeiten hat. Der in kreativen Berufen gerne ausgelebte Hang zur Selbstausbeutung dient dabei ebenso wenig als Vorbild wie die stark regulierten Arbeitsbedingungen großer Unternehmen. Wir müssen lernen, einen Weg zu finden, der auch mal Emails Emails sein lässt, der die Vorteile der asynchronen, ortsunabhängigen Kommunikation genau so nutzt wie die der Zusammenarbeit in Echtzeit an einem Ort.

Ich finde, dafür, dass die Digitalisierung der Arbeit bereits seit Jahrzehnten stattfindet und immer mehr zunimmt, haben wir uns als Gesellschaft bislang viel zu wenig damit auseinandergesetzt. Hinzu kommt, dass Ausbildung und Bildung immer noch zu sehr auf die Belange des letzten Jahrhunderts ausgerichtet ist und wir es bislang kaum schaffen, jungen Leuten das Rüstzeug für die Arbeitswelt von Morgen mitzugeben, ganz zu schweigen davon, wie wir ältere Arbeitnehmer trotz immer schnelleren Innovationszyklen weiterhin in die Lage versetzen, mit der Dynamik der Arbeitswelt Schritt zu halten. Meine große Befürchtung ist, dass einige Wenige mit den Herausforderungen der Digitalisierung der Arbeitswelt ganz wunderbar zurechtkommen werden, aber viele Menschen künftig überfordert sein werden von dem Tempo und der Intensität der digitalen Arbeit. Das hat eine Sprengkraft für unsere Gesellschaft, die wir nicht außer Acht lassen sollten, sondern die dazu führen sollte, dass wir als Gesellschaft die Herausforderungen der Digitalisierung der Arbeitswelt aufgreifen und gemeinsam anfangen, Lösungen zu entwickeln.

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