Unentspannt im Urlaub dank Roaming

Nico —  11.07.2013

Wir waren gerade im Urlaub. Ja, es war sehr schön, aber das real existierende Roaming in der Europäischen Union nervt. Ich habe irgendeinen Superduperadvanceddeluxe T-Mobile Tarif, der mich innerhalb von Deutschland, bis auf die Bahnlinie Hamburg – Berlin natürlich, in die Lage versetzt, mobile Daten zu nutzen. Ich telefoniere immer seltener, von Telefonkonferenzen einmal abgesehen, sondern erledige sehr viel auf meinem Smartphone. Ich nutze mein Smartphone natürlich auch zur Orientierung, aber auch für Musik, Lektüre, Spiele und Entertainment.

Kaum aber überschreitet man eine kaum mehr merkbare EU-Grenze, schon ist es aus mit der Herrlichkeit. Die Telekom bietet mir einen Weekpass mit 150 Megabyte an. Nicht pro Tag, sondern pro Woche.

Wenn ich diese SMS bekomme, dann ist meine Urlaubs-Entspannung schon dahin. Ich fühle mich dann zurückversetzt in die Zeit, als man sich per Modem einwählen musste und jede Minute der Online-Verbindung gekostet hat. Ich bin mittlerweile Flatrates gewohnt und dementsprechend nutze ich auch meine Devices. Gerade aber im Urlaub will ich aus irgendwelchen, für Andere kaum nachvollziehbare, liebgewonnene Alltäglichkeiten nicht missen, vielleicht vergleichbar mit dem BILD-Leser am Pool.

150 Megabyte sind ein Furz. Damit wird mein iPhone zu einer unhandlichen Uhr mit Telefonfunktion degradiert. Was soll sowas? Ich will mich im Urlaub entspannen und nicht Megabyte zählen! Im Urlaub habe ich dann trotz allergrößter Sparsamkeit 4 Weekpässe verballert, wobei ich einen von der Telekom als Gratis-Goodie geschenkt bekommen habe. Und natürlich hatten wir am Urlaubsort WLAN. Und waren nur 2 Wochen weg.

Jetzt sehe ich schon wieder, wie einige Leser denken: „Alter, dann schalt doch mal ab, ist doch Urlaub!“ – klar, das mache ich gerne, am Besten funktioniert das aber, wenn ich nicht gedrosselt werde und fünf Versuche benötige, ein Foto bei Instagram hochzuladen oder ewig warte, bis die Karte bei Google Maps endlich aufgebaut wird. Das macht mich verdammt unentspannt.

Die EU-Kommissarin Neelie Kroes brüstet sich damit, dass auch diesen Sommer die Roaming-Gebühren wieder gesenkt wurden. Aber mal ganz ehrlich, dass kann doch nicht wahr sein, dass wir innerhalb der EU immer noch Roaming-Kosten haben, die derartig prohibitiv sind. Und ja, ich kann mir eine seperate SIM-Card zulegen, das weiss ich alles. Will ich aber nicht, ich will entspannt das Netz nutzen können, so wie es mir im Urlaub passt.

Die digitale Gesellschaft findet im Urlaub nur eingeschränkt statt, und das liegt nicht nur an der Sonneneinstrahlung auf dem Display, sondern der fortwährenden Roaming-Idiotie in Europa.

21 responses to Unentspannt im Urlaub dank Roaming

  1. Kann ich zu 100% nachvollziehen. Ich war nur 10 Tage weg, im Hotel gab es WLAN, was mehr schlecht als recht funktioniert hat, und ich hab die meisten Zeit dann das iPhone ausgelassen bzw. im Flugmodus gehabt, damit ich eben nicht dauernd Daten verbrauche. Aber hier mal ein Photo zu Instagram, mal kurz Facebook und Twitter gecheckt, und blitzschnell sind die Daten weg. Und obwohl ich mich wirklich sehr schwer zurückgehalten habe, habe ich in den 10 Tagen auch 3mal den WeekPass benötigt. Und in den 10 Tagen (gleicher Zeitraum!), die jetzt der Juli hat, hab ich grade mal 60 MB verbraucht behauptet die Telekom. Dabei hab ich auch nicht weniger gemacht als sonst.

  2. das dusselige wlan erforderte ein permanentes wieder-einloggen. nervig ohne ende.

  3. Mobiles Internet via Roaming ist weltfremd hoch 10. Abrechnung in Megabytes… Eigentlich gibt es keinen Grund, wieso Vodafone bspw. im italienischen VF-Netz 2 Euro für 25 MB verlangt. Das ist schließlich die selbe Firma.

    Ich habe daheim irgendwie 5 ausländische Simkarten rumliegen, weil Roaming eigentlich nur für Kurzausflüge taugt.

  4. Kristian Köhntopp 11.07.2013 at 10:50

    “Alter, dann schalt doch mal ab, ist doch Urlaub!” — “Offline is not a lifestyle, it is an error condition”.

    Außerdem: http://prepaidwithdata.wikia.com Works for me.

  5. Ja! Hundert Prozent ’nerv‘ – Faktor! Leider #Neuland. Bevor EU-Kommissarin Neelie Kroes sich zeigte, waren schon viele #deutsche Politiker auch auf diesen Wegen ebenfalls ‚erfolglos‘ unterwegs. Aber jetzt können wir das ja alles nach #Brüssel schicken …

  6. Ohne Frage: Die Roaming-Gebühren sind weiterhin zu hoch. Vor allem kann ich nicht verstehen, warum ich als Nutzer keinen Vorteil davon habe, wenn ich mich in die ausländischen Netze von T-Mobile (Tschechien, UK, NL …) anmelde. Zumindest hier könnte ja die heimische Flatrate auch gelten.

    Ich habe mir in meinem Frankreich-Urlaub mit einem UTMS-WLAN-Stick von Orange.fr beholfen, der einmalig 30 Euro kostet (inkl. 500 MByte) und der dann 1 Gbyte für 10 Euro anbietet. Bis zu fünf Geräte lassen sich so zeitgleich benutzen und die Geschwindigkeit war super.

  7. Wie teuer ist dir denn dein Urlaub insgesamt? 3000,-? 6000,-? Wenn du deinen Urlaub entspannt nutzen willst, dann entspann dich einfach und jammere nicht über die paar Kröten, die dir die Telekom zusätzlich für die 4 Wochenpässe abknüpft. Dann war dein Urlaub eben 1%! teuerer.

  8. @mark Vodafone hat in jedem Land eine eigene Firma, die auch eine eigene Gewinn- und Verlustrechnung hat. Daher wird daraus nichts.

    @All Warum erwartet Ihr, dass Ihr Gratisleistungen von Firmen bekommt, mit denen Ihr keinen Vertrag habt?

    Was fehlt sind Pre- oder Postpaid-SIM-Karten ohne Vertragsbindung, die ein entsprechendes Datenvolumen beinhalten und die man ohne Probleme im Ausland kaufen kann.

    Oder eben eine erweiterte Rechnungsstellung des eigenen Providers, der die Gebühren des Auslands-Providers weiter leitet, die für die sonst gekaufte SIM-Karte anfallen würden. Nur wäre Telefonie wegen der Weiterleitung teurer. Dafür wäre man erreichbar, wenn eine telefonische Erreichbarkeit gewünscht wird.

    Teurer wird’s auf jeden Fall, aber das ist auch angemessen. Schließlich nimmt man Leistungen zweier Firmen in Anspruch.

  9. Ich kann dich verstehen. Aber warum holst Du dir nicht doch eine Prepaid-Karte eines nationalen Anbieters und gut ist?

  10. Wenn denn die Weekpässe funktionieren würden. Meiner in Spanien funktionierte immer 10 Minuten am Tag. Nur wann, war jedes Mal eine Überraschung. Die Telekom beschuldigte die Spanier und umgekehrt. Geholfen hat’s nicht :-/

  11. Ich sehe das komplett anders, mir sind die Probleme völlig unverständlich. Surfe ebenso mit dem weekpass. Der ist genial. Nach den 150 mb tappst du ja nicht in die Kostenfalle. Es wird nur gedrosselt. Reicht für die meisten Anwendungen – außer Videostreaming – wunderbar aus. Nach der Woche wird erinnert, bevor Kosten anfallen.

    Und WLAN ist weltweit immer einfacher geworden, vielfach kostenlos. Letztens wunderbar au Rundreise durch Vietnam und Kambodscha genutzt. Wiedereinloggen? Login speichern, dann geht alles automatisch. Kann dein Problem nicht nachvollziehen.

    ((Bin gerade in Kroatien, auf dem Boot, entspannter Surfen via weekpass geht kaum))

    • @Michael Dunker WLAN ist ein Sicherheitsrisiko, da Du nie weisst, ob Deine Apps auch gesicherte Verbindungen aufbauen oder ob jemand den DNS-Server umgebogen hat und Deine Logins abfängt, um diese danach an die Original-Seite weiterzureichen.

      • Einfach die heimische Fritz-Box zum VPN-Server umbauen und schon kann man sich recht bequem von jedem WLAN dorthin verbinden und sicher surfen. Nutze ich inzwischen auf dem iPhone, iPad und mit dem MBA.

  12. Wlan unsicher? Eher nicht, wenn man die richtigen Einstellungen vornimmt und ne Security drauf hat. Hatte noch nie Probleme.

  13. 150 sind ein Furz, ABER SOWAS VON!

  14. Schweiz. Prepaid-Karte. Einmal am Lago Maggiore auf der italienischen Seite eine google maps Karte benötigt. Kostete mich 80 CHF. Weil ich zwei MB verbrauchte. Die Schweiz ist noch viel krasser, was Roaming-Gebühren angeht. Und in GB gibt es mit Prepaidkarte aus dem Zeitungskiosk eine SIM für 1 GBP, 1GB/Monat für 5 GBP. Ich habe jetzt insgesamt 5 SIM-Karten für 5 Länder. Unerträglich.

  15. Irgendwas mit Medien 20.07.2013 at 12:04

    Tja, Süchtige unterhalten sich darüber, dass die Droge im Ausland knapp und teuer ist. Offline is not a lifestyle, offline is detox.

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  1. Woanders – Der Wirtschaftsteil | Herzdamengeschichten - 18.07.2013

    […] Genug von Lebensmitteln, vielleicht lesen Sie das hier gerade im Urlaub, da wird eh gegessen, was auf den Tisch kommt. Das ist alles bezahlt, das muss alles weg. Vielleicht ärgern Sie sich dann aber beim Lesen auf dem Smartphone schon über die Kosten für das Lesen? Das geht Nico Lumma ganz ähnlich. […]

  2. Der Wirtschaftsteil | GLS Bank-Blog: Geld ist für die Menschen da! - 18.07.2013

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