Die Sache mit dem Breitband-Ausbau

Nico —  12.01.2014

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Nachdem die Politik nahezu eine Dekade lang versäumt hat, Impulse für einen zukunftsträchtigen Breitband-Ausbau in Deutschland zu setzen, soll es jetzt aber sowas von losgehen. Sagt der Verkehrsminister Dobrindt.

„Ich werde eine Netzallianz Digitales Deutschland ins Leben rufen. Die großen Telekommunikations- und Netzunternehmen unseres Landes müssen an einen Tisch“, sagt Dobrindt im Interview der „Welt am Sonntag“. „Deutschland und Europa müssen eine Aufholjagd starten und an die Spitze des Fortschritts gelangen. Wir brauchen einen gemeinsamen Kraftakt von Industrieunternehmen und Politik.“

Ach, das ist dann ja einfach, warum ist da noch nie jemand drauf gekommen? Einfach mal an die großen Firmen der Branche appellieren und dann klappt das schon?

Mitnichten. Global agierende börsen-notierte Aktiengesellschaften kümmern sich genau dann um den Breitband-Ausbau, wenn es für sie wirtschaftlich interessant wird. Mit Ausnahme der Telekom ist eine Einflussnahme nur möglich, indem der Staat den Ausbau massiv subventioniert. Mir widerstrebt es sehr, gerade der Branche, über intransparente Tarifmodelle ihre Kunden seite Jahren schröpft, deren Kundenzufriedenheit miserabel und deren Innovationsgrad überschaubar ist, auch noch Geld hinterherzuwerfen, damit sie ihre Kundenbasis weiter ausbauen.

Es gibt meines Erachtens zwei Wege zum ädequaten Breitband-Ausbau in Deutschland, die man gleichzeitig verfolgen sollte. Dobrindts Breitband-Gipfel wird nur Bilder von frôhlichem Händegeschüttel produzieren.

1. Einrichtung einer nationalen Breitband-AG, in die bestehende Provider ihre Netze einbringen und dementsprend Anteile erhalten, wobei der Staat grundsätzlich 50,1% der Anteile an der Breitband AG hält. Der Staat investiert in diese AG, um den Ausbau zu fördern. Alle Anbieter können ihre Dienste auf dem Netz nutzen und durch die daraus resultierenden Gebühren wird das Net gewartet und Instand gehalten. Der Wettbewerb in Deutschland wird neu entfacht, weil alle Marktteilnehmer die gleiche Ausgangslage und denselben Zugang zu Kunden erhalten. Von einem Netzausbau und mehr Nutzern profitieren alle.

2. Konsequente Neu-Ausrichtung der kommunalen Versorgungsbetriebe, die vorhandene Leitungswege durch Glasfaser erweitern und somit im kommunalen Bereich für das Schliessen von Lücken sorgen, analog zu dem, was sie bislang schon als Versorger leisten. Dadurch erhält das Netz einen wichtigen kommunalen Stellenwert und kann viel flexibler ausgerichtet an den örtlichen Erfordernissen. Natürlich werden die lokalen Netze dann auch durch nationale Anbieter genutzt. Investitionen in die lokalen Netze verpuffen so nicht in Bürokratien, sondern kommen direkt den lojalen Akteuren zu Gute.

Wir sollten uns generell beim Breitband-Ausbau nicht an dem jetzt Möglichen orientieren, sondern daran, was für die Nutzer, egal ob privat oder gewerblich, erstrebenswert ist. Die großen Akteure haben bislang gezeigt, das sie dazu nicht in der Lage sind. Also sollte die Politik handeln und neue Modelle entwickeln, die für neue Impulse sorgen können.

11 responses to Die Sache mit dem Breitband-Ausbau

  1. Ich frage mich, ob die Deutschen überhaupt bereit sind, mehr Geld für mehr Geschwindigkeit zu bezahlen. Es gibt ja in vielen Orten schon VDSL50 und trotzdem buchen die Kunden 16.000-Leitungen. Vermutlich wäre es hilfreicher, wenn der Ausbau in der Fläche vorangetrieben würde, damit die Leute auf dem Land so Dienste wie Skype, Dropbox oder Youtube nutzen können.

  2. Ich hätte gerne eine bessere Leitung. Surfe mit 3000 Kbyte, soll aber hier in Lingen / Emsland ausgebaut werden. In Vorleistung tritt die Telekom und die steht im Wettbewerb mit Kabel Deutschland, Vodafone etc. Durch Breitband kann man sich natürlich viele Wege sparen. Viele Arbeitsplätze werden durch die fortschreitende Automatisierung und Digitalisierung wegfallen auf der anderen Seite entstehen im Moment kaum neue…

  3. Bis jetzt war die Sache mit dem Breitbandausbau und dem ach so schnellen Internet für viele Menschen leider nur heiße Luft. Ich komme ursprünglich vom Land, aus einem 250-Einwohner-Dorf. Dort ist bis heute nicht auch nur annähernd eine DSL-Versorgung in Sicht.

    In meinem Heimatdorf (Sachsen-Anhalt) hat eine Firma aus Sachsen auf einem Baudenkmal eine Antenne installiert. Von dort können die Haushalte per Richtfunk mit „schnellem“ Internet versorgt werden. Sind Hindernisse im Weg, schaut man auch bei dieser Lösung in die Röhre. Auch per Mobilfunk kann man nicht viel erwarten. Gebe es diese Richtfunk-Lösung dort nicht, wäre Internet über ISDN immer noch die up-to-date-Lösung. Absolut traurig und peinlich für unser Land.

    Woran es liegt? Der Ausbau lohnt sich für die Konzerne nicht. In Ballungsräumen kann man sich vor Internet kaum retten und 10km außerhalb schaut man schon in die Röhre. Es muss eine garantierte Basis-Versorgung mit schnellem Internet geben, so dass auch die Menschen auf dem Land endlich mal das Internet so nutzen können, wie es heute „normal“ ist, ohne zu 10 Minuten zu warten, bis ein Lied bei Youtube geladen ist oder das mobile Inklusiv-Volumen den Grad der Nutzung vorgibt.

    Ich bin als Webdesigner tätig und würde eigentlich gerne wieder aufs Land ziehen, aber dann müsste ich mir wohl einen neuen Job suchen.

    Es wäre also schön, wenn man nicht nur das Internet für die Ballungsräume noch schneller machen würde (ich nutze VDSL 50), sondern überhaupt erstmal alle Gebiete mit zeitgemäßen Internet versorgen würden. Nicht wenige träumen heute von der Möglichkeit einen DSL-Anschluss zu besitzen.

  4. Ja wenn man nicht gerade in einer größeren Stadt wohnt, hat man vorerst Pech. Kenne das Problem ebenfalls. Aber gut, wegen der schlechten Internetverbindung werd ich jetzt nicht umziehen ;).

  5. Sehr guter Artikel, vielen Dank.
    Wenn man mal nach früheren Jahren googelt findet man, dass 2009 Frau Merkel das mit 40 Milliarden in die Hand nehmen wollte…etc.
    Den Lösungsansatz kann ich voll und ganz unterschreiben, das sehe ich auch als einzige Chance, dass es nicht wieder nur bei Worten bleibt.
    Schönes Wochenende noch

  6. Also bei uns in der Region (Mittelsachsen) wurde noch vor einem Jahr der große Plan verkündet, dass man bis 2016 flächendeckend auf DLS-2000 (!!!!) ausbauen wolle. Dafür wurden Millionen investiert. Alle, die schonmal in einer größeren Stadt gewohnt haben, haben nur den Kopf geschüttelt. Das soll Infrastruktur-Politik für den ländlichen Raum sein? Da werden noch Milliarden in Autobahnen investiert, aber die Datenautobahn liegt seit Jahren brach.

  7. ich denke bei der geiz ist geil mentalität würden die wenigsten gern mehr ausgeben.die anbieter unterbieten sich ja schon lange genug.

  8. Natürlich brauchen nicht alle Kunden 50 MBit oder 100 MBit und zahlen dafür lieber für weniger Bandbreite, weil sie schlichtweg nur etwas surfen und ihre e-mails checken wollen. Aber insbesondere im ländlichen Raum ist es natürlich dann schon ärgerlich, wenn dies gar nicht erst verfügbar ist, auch wenn man es gern nutzen würde. Es gibt heutzutage schon genug Möglichkeiten im Netz, bei denen 50 Mbit sinnvoll ist, wie zum beim Nutzen von Content aus online-Videotheken, die in Full HD streamen.

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