Die Sache mit dem Praktikum

Nico —  12.02.2014

Vor zwei Wochen erhielt ich einen Anruf eines alten Bekannten, ob ich der Tochter eines gemeinsamen Bekannten behilflich sein könnte bei der Bewerbung um einen Praktikumsplatz in der Agenturbranche. Natürlich, so etwas mache ich gerne und ich habe in der Vergangenheit immer wieder Praktikanntinnen und Praktikanten eingestellt, mit denen ich sehr gerne zusammengearbeitet habe und die ich jederzeit wieder einstellen würde. Ich finde Praktika extrem nützlich, eigentlich.

Ich glaube, dass Praktika in der Tat nur ein Reinschnuppern in einen Job darstellen sollten und eben nicht als Beschaffung für billige Arbeitskräfte seitens der Unternehmen genutzt werden dürfen. Allein schon die Tatsache, dass es den stehenden Begriff Generation Praktikum gibt, zeigt mir, dass da etwas im Argen liegt. Weiterhin finde ich es fatal, dass insbesondere bei Praktika ohne Beziehungen kaum etwas geht. Da ist es offensichtlich, dass Jugendliche und junge Erwachsene benachteiligt sind, deren Eltern nicht über ein ordentliches Netzwerk in der gewünschten Branche verfügen. Wer in einer Agentur mal mit dem zahlreich verfügbaren unvermögenden Nachwuchs der Kunden zusammenarbeiten durfte, gegen den man sich als unterwürfiger Dienstleister nicht wehren kann, hat eine Vorstellung davon, wie sich diese Schieflage bei den Bewerbungen auf die Qualität der Praktika auswirkt. Dabei ist weder dem Unternehmen, noch den Praktikanten wirklich geholfen, wenn die eigentlichen Interessen oder das vorhandene Wissen ganz woanders liegen.

Ich habe nie ein Praktikum gemacht, abgesehen von einem einwöchigen Schülerpraktikum in einem Anzeigenblatt in Hamburg Bergedorf. Den Praktikumsplatz hat mir mein Stiefvater verschafft. Wie auch meinen ersten Sommerjob als Plakatkleber bei der SPD Hamburg. Ohne ihn hätte ich in den 90ern sicherlich nicht in den Semesterferien in der Landesorganisation Hamburg bei unzähligen Wahlkämpfen mitgeholfen, denn er hat mir den Einstieg verschafft, über den ich dann mein eigenes Netzwerk langsam aufgebaut habe. Ehrlich gesagt hatte ich aber auch das große Glück, dass Mitte der 90er dieses Internetdingens langsam losging in Deutschland und ich auch deshalb keine Praktika machen musste, weil ich stattdessen lieber gut bezahlte Jobs als Webdesigner, so nannte ich mich damals, man möge mir verzeihen und keine Frühwerke mehr im Internet finden, in den Semesterferien machte, da hatten es viele Kommilitionen um einiges schwerer, die Pflichtpraktika machen mussten und bei Firmen Klinken putzen durften.

Für mich sieht ein erfolgreiches Praktikum idealtypisch so aus, dass eine Praktikantin oder ein Praktikant in ein Unternehmen kommt, die Abläufe und Themen kennenlernt, eine eigene Nische für die Betätigung findet und sich dann so unentbehrlich macht, dass man alles daran setzt, diese Person nach Beendigung der Ausbildung oder des Studiums an sich zu binden. Mir ist das als Chef ein paar Mal gelungen und darauf bin ich dann immer ein klein wenig stolz, weil es eben so schön passt und für beide Seiten sinnvoll ist.

Es gibt es nun die YPD-Challenge, eine Plattform, bei der es um die Vermittlung von Praktikumsplätze geht. Beginnen wird die YPD-Challenge mit einer mehrtägigen Online-Challenge. Kann man sich hier beweisen, tritt man bei der Zertifizierung an, ein Offline-Event, wo man sich als Gewinner bereits einen von rund 120 Praktikumsstellen aussuchen kann. Und quasi als Icing on the cake können die Kandidaten in der TV-Show bei ServusTV mitmachen und um den Hauptgewinn kämpfen. Als mir das Format präsentiert wurde, war ich ja eher skeptisch. Aber es gibt einen Punkt, den ich an diesem Format gut finde: es können sich alle bewerben und es geht um die Fähigkeiten der einzelnen Person, nicht um die Ausprägung des jeweiligen Beziehungsnetzwerkes. Also es geht um können und nicht um kennen. Das finde ich gut und richtig, denn es bietet allen Bewerberinnen und Bewerbern die gleiche Ausgangslage. Die YPD-Challenge, das YPD steht für Young, Powerful und dynamic, lädt zu guter Letzt auch zur Karrieremesse ein, wo sich (Ex)-Kandidaten und Unternehmer treffen und austauschen können. Viele nennenswerte Unternehmen bieten über die YPD-Challenge Praktikumsplätze an, so daß ich davon ausgehe, dass wirklich für viele junge Leute einen prima Einstieg in das Berufsleben darstellen kann. Für die Teilnehmer an der TV-Show winkt als Hauptgewinn ein Sommer mit Karrierestationen in Top-Unternehmen weltweit. Die Zuschauer können während der Sendung ebenfalls teilnehmen und sich per SecondScreen den Herausforderungen stellen.

Macht mit! – der Anmeldeschluß ist der 24. Februar 2014!

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4 responses to Die Sache mit dem Praktikum

  1. herberger 12.02.2014 at 9:48

    Wenn dieses Format jetzt noch den Bewerber/-innen vermitteln könnte, dass die tatsächliche Arbeit in einem Unternehmen grundsätzlich keine ständige Show und Garant für beständige Selbstbestätigung darstellt… Dann wäre schon eine Menge geholfen.

  2. katja sch. 12.02.2014 at 14:40

    ich habe während meines studiums viele praktika gemacht. keines wurde mir durch ein elterliches netzwerk (arbeiterhaushalt) vermittelt. ich habe mich beworben, angeboten, energisch nachgefragt. ich habe bezahlte und unbezahlte praktika gemacht, gelernt, was ich machen möchte und was eben auch nicht. das war sehr wertvoll, auch die kontakte, die ich gewonnen haben und mich teilweise auch unentbehrlich gemacht.

    wichtig ist, was man von eltern, freunden und sozialen umfeld fürs leben mitbekommt. gesundes selbstbewusstsein, ausdauer und motivation fürs leben und das berufsleben. dann funktioniert das schon. dann braucht man weniger ein netzwerk. das sage ich auch heute meinen heutigen praktikanten.

  3. Leider werden, wie hier auch erwähnt, Praktikanten oft als günstige Arbeitskräfte missbraucht. Ich habe (weil ich damals den Job wirklich gerne wollte) als diplomierter Informatiker mit Berufserfahrung durch Nebenjobs nach meinem Studium 6 Monate unentgeltlich ein Praktikum bei einer Internetagentur gemacht. Erst hieß es 3 Monate, dann nochmal 3 Monate, zwar habe ich dann eine Festanstellung bekommen, jedoch war das nichts anderes als 6 Monate Ausnutzen, da ich die gleichen Arbeitszeiten und Aufgaben wie alle anderen hatte.
    Und für die Rente ist das schlichtweg eine Lücke im Lebenslauf.

  4. An sich ist das Programm gut, wie du schon gesagt hast gerade weil es nur auf die Fähigkeiten ankommt…jedoch sieht das in der Berufswelt echt anders aus: Das „System USA“ etabliert sich immer mehr, da ist das „Ausnutzen“ von Praktikumsstellen nur das eine, 400 Euro Jobs zum Ersetzen von Vollzeittätigkeiten und eine Vereinfachung des Kündigungsrechts folgen auf Schritt und Tritt….