Die Sache mit der Netzallianz Digitales Deutschland

„Keine Arme, keine Kekse“ – so steht Verkehrsminister Dobrindt nach der Vorstellung der Netzallianz Digitales Deutschland da. Das überhaupt nicht ambitionierte Ziel einer flächendeckenden Breitbandversorgung in Deutschland mit mindestens 50 Mbit/s will er erreichen, indem er die 2016 frei werdenden Mobilfunklizenzen versteigern will, um die damit erzielten Erlöse dann für Infrastrukturmaßnahmen zu verwenden. Das heisst also, dass in dieser Legislaturperiode nur viele Reden geschwungen werden und sonst wenig passieren wird, mit Ausnahme von Inszenierungen wie Spatenstiche in bayerischen Kuhdörfern, die nun endlich Anschluß an die Zivilisation erhalten sollten. Dobrindt wird bei den Telekommunikationsanbietern immer wieder auf Granit beissen, weil die einfach kein Interesse daran, kapitalintensive Investitionen in den Netzausbau zu tätigen. Telekom, Vodafone, Telefonica und Eplus präferieren daher auch LTE als eine Art Opium für das Volk, wirkliches Breitband ist es aber nicht, nur das ist allen herzlich egal, es wird schon niemand merken.

Verkehrsminister Dobrindt wird genau wissen, dass er nichts ausrichten kann gegen die Telekommunikationsunternehmen, aber das passt zur bisherigen Politik der Union, die immer schön darauf bedacht war, die Entwicklung des Internets in Deutschland weitesgehend zu ignorieren. Der Nachholbedarf, den Bundeskanzlerin Merkel auf der CeBIT anspricht, ist zu großen Teilen selbstverschuldet durch Nichtstun der Regierung Merkel.

Ich bin der festen Auffassung, dass wir in Deutschland nicht 50 Mbit/s als Messlatte haben sollten und vor allem nicht LTE als Heilsbringer anführen dürfen, sondern wir brauchen Glasfaser in jedem einzelnen Haushalt und zwar zügig. Hier haben wir in den letzten 15 Jahren keine Fortschritte erzielt, wie die Studien des FTTH Council jedes Jahr zeigen, weil Deutschland so wenig Anschlüsse hat, dass es im europäischen Vergleich noch nicht mal in den Statistiken verzeichnet wird. Wir benötigen in Deutschland das leistungsfähigste Glasfasernetzwerk in ganz Europa, um den zu erwartenden „Tsunami von Datenvolumen“ (Dobrindt) überhaupt bewältigen zu können. Dafür muss eine konzertierte Aktion her und keine warmen Worte.

Die von Frank-Walter Steinmeier im Deutschlandplan bereits 2009 vorgeschlagene Breitband AG, in die alle Netzbetreiber ihre Netze einbringen und die dann die Netze betreibt, und durch Investitionen des Bundes für einen massiven Ausbau sorgt, muss dringend kommen, um in Deutschland zügig voranzukommen. Wir können doch nicht eine immense Steigerung des Datenvolumens erwarten und gleichzeitig die aktuell verfügbare Technologie zum Maßstab nehmen! Das wird schief gehen und das könen wir uns als Gesellschaft nicht erlauben, wollen wir auch in Zukunft bei der digitalen Entwicklung ein Wörtchen mitreden. Ich gebe zu, dass die Breitband AG irgendwie nach Stamokap klingt, aber es macht wirklich Sinn, den Dienste-Anbietern eine einheitliche Grundlage zu bieten, vor allem aus Sicht der Konsumenten.

Deutschland 2014 und 50 mbit/s bis 2018 ist das Ziel. Heimlich zitiert Verkehrsminister wohl immer Bart Simpson: „Underachiever and proud of it.“ Das Ziel muss Glasfaser mit 1 Gigabit/s sein, von mir aus auch bis 2020. Das wird eine gewaltige Kraftanstrengung sein, aber wenn Deutschland zukunftsfähig sein will, dann muss das jetzt eben mal sein. Breitband bedeutet Teilhabe und damit geht es um den Zusammenhalt und die Perspektiven in unserer Gesellschaft. Breitband bedeutet aber auch wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit und sollte daher eine ähnliche Priorisierung wie die Energiewende erfahren. Nur mit netten Gesprächsrunden wird dieses Ziel allerdings nicht erreicht werden, hier müssen alle beteiligten Firmen schnellstmöglich wirklich in die Pflicht genommen werden.

9 Antworten auf „Die Sache mit der Netzallianz Digitales Deutschland“

  1. mit dem Bandbreitenausbau geht so gut wie garnicht voran.
    Hätte bei uns der Kreis nicht gesagt wir wollen Glasfaserkabel haben damit die Firmen bleiben und hierherkommen, dann hätten wir kein Glasfaserkabel hier liegen.
    Vodafone, die Telekomiker usw. bauen kein Stück aus und wollen mir ständig das LTE anbieten mit einer Flatrate. Selbst das ist Betrug. Man merkt es nur wenn man das Kleingedruckte liest. Ist auch im Mobilfunkbereich so.

    Für mich ist LTE keine Alternative, so dümpel ich mit 2 Mbit/s dahin aber nur noch bis August dann geht’s los mit 50 Mbit/s von M-net

  2. Hallo,

    ich bin mir gerade nicht wirklich sicher, ob die geforderte 1GB Anbindung dem Prinzip, großes fordern damit wir kleinen erreichen, folgen soll.

    Ich weiß zwar nicht, was Sie genau mit ihrer Internetleitung machen, aber Sie können mir gern mal darstellen, welche Verbesserung sie mit einer 1GB Anbindung erwarten?

    Das die Webseiten schneller aufgerufen werden? Garantiert nicht.
    Das Sie Youtube Videos schneller anschauen können? Minimaler Vorteil.
    Das Sie Viedeo on Demand Portale schneller aufrufen können als bisher, vielleicht ein kleiner Vorteil.

    Jedoch gibt es in ihrer Sicht der Dinge meiner Meinung nach einen klitzekleinen Denkfehler.

    Wie ja nun hinlänglich bekannt sein sollte, wird der Traffic immer mehr mobil. Das bedeutet also, dass die Anbindung der Wohneinheiten gar nichts wirklich bringt, den wenn die Menschen zuhause 1GB aber unterwegs nur „21“ MBit haben, wem genau ist dann damit geholfen?

    Zum anderen verstehe ich, dass wir eine flächendeckende Internetanbindung brauchen. Nur fehlen bis heute weit und breit die Anwendungen, mit denen wir 150 MBit und mehr überhaupt sinnvoll einsetzen könnten.

    Wer aber in jedem Fall eine großflächigere Anbindung benötigt, sind Unternehmen. Und hier liegt es bei jedem Unternehmen selbst, dass Geld in die Hand zu nehmen um die gewünschte Anbindung zu erhalten.

    Eine Standleitung für Unternehmen weicht nämlich deutlich von dem ab, was wir als Verbraucher unter dem Punkt schnelles Internet sehen.

    Nun kann man natürlich argumentieren, dass die Anwendungen für 1GBit Internetleitungen bestimmt dann kommen, wenn wir diese Technologie implementiert haben und flächenmässig zur Verfügung gestellt haben.

    Und wenn nicht? Dann haben wir zwar eine tolle, breite Internetanbindung für riesigen möglichen Geschwindigkeiten aber keinen wirklichen Mehrwert.

    1. es geht hier nicht um meinen persönlichen Vorteil beim Gucken von Videos im Netz, sondern es geht darum, in Zukunft datenhungrige Anwendungen zu ermöglichen. Und in der Tat wird es Szenarien geben, die erst entwickelt werden, wenn die Bandbreite vorhanden ist. Aber wir können davon ausgehen, dass DSL in seinen Ausbaustufen nicht das leisten können wird, was Haushalte mittelfristig an Daten nutzen werden.

  3. Ich glaube ehrlich gesagt eher, dass die Haushalte lediglich Datenkonsumenten werden. Die großen Datenvolumina werden aufgrund von Cloud-Lösungen nicht in den Privathaushalten zusammen laufen.

    Jeder Haushalt wird einzelne, kleine Datenpakete von nicht einmal 5 MB an eine Cloud-Lösung versenden, welche diese Daten umwandelt und dann bereits fertig berechnet und in kleinen Ergebnisse zurück spielen wird.

    So läuft es ja heute bereits. Das was wir bei Twitter und Facebook sehen, ist lediglich der kleinste Anteil dessen, was dahinter an Daten zusammen läuft.

  4. Eine flächendeckende Glasfaser mit einem GBit bis 2020 ist selbst in den besten Szenarien unrealistisch. Kein Haushalt, auch kein Mix über die Ebenen von Europa bis zur Kommune wird die erforderlichen Summen abzwacken, keine Versteigerung soviel Geld einbringen, kein privates Invest selbst bei gewinnfreundlichsten Rahmenbedingungen getätigt. Und es ist auch nicht nötig, Hochgeschwindigkeitsnetze ausschließlich auf Glasfaserbasis zu realisieren.

    Entscheidend ist es, so schnell irgend machbar überall höchste Bandbreiten möglichst leitungsgebunden zu realisieren. Wo Kupfer Bandbreiten im hunderte MBit-Bereich hergibt, soll es diese Lösung geben – Totgesagte leben länger. Wo auf Sicht leitungsgebunden nichts passieren wird, muss es LTE richten – mit angemessenen Konditionen. Und wo gänzlich neu Strippen zu ziehen sind, dort soll es Glasfaser bis zum Rechner sein. 1 Gbit ist ebenso wie alles auf die Glasfaserkarte zu setzen ein Fetisch, der vom Realiserbaren ablenkt. FTTH-Statistiken sind gesellschaftlich irrelevant.

  5. Ich sehe das ähnlich wie beim Autobahnbau. Zunächst wird die Straße gebaut, dann lassen sich die Geschäfte nieder. Mit dem Breitbandausbau werden auch Anwendungen kommen. Ich dümpel bei T – online zurzeit mit 3 Mbit, nächste Woche dann die Verdoppelung 6 Mbit. Von Glasfaser kann man in Lingen im Moment nur träumen. Vielleicht sollte man Geld vom Autobahnbau in die Netzinfrastruktur umleiten. Mit einer guten Internetverbindung lassen sich viele Wege in Zukunft sparen.

  6. Ich denke der Druck von Aussen wird auf den Ausbau zunehmen – viele neue Techniken brauchen ein schnelles Netz um sich durchzusetzen – ich denk da gerade mal an die Ultra-HD Technik in 4k-Auflösung die sicherlich demnächst von mehreren Streaming-Portalen angeboten wird und die aufgrund der Datenmenge ein schnelles Netz benötigt.

    Immer mehr kaufen sich derzeit einen 4k-Fernseher und die wollen bestimmt auch irgendwann mal Inhalte auf dem hochauflösenden Display haben – und nachdem die deutschen TV-Sender sich hier eher ruhig halten wird somit auch der Druck der Fernseh-Käufer weiter zunehmen – zumal auch das Smartphone demnächst bereits mit 4k-Displays auf den Markt kommen und somit auch hier ein riesen Markt schnelle Leitungen benötigt um Ultra-HD auf dem Smartphone im heimischen Netz sehen zu können.

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