Die Sache mit der vermeintlichen Umverteilung für Verlage und Springers Rolle

Ach ja, das Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Eine Legislaturperiode lang wurde darum gerungen, diesen Blödsinn nicht Gesetz werden zu lassen, aber dann hatte die von Springer angeführte Lobby ihren zweifelhaften Sieg eingefahren. Nun also soll es losgehen, die VG Media will Geld von Google haben, aber auch von Microsoft und Yahoo. Und zwar lumpige 11% des Umsatzes, aber sicherheitshalber des gesamten Umsatzes, nicht nur in Deutschland.

Man kann es ja mal versuchen. Herauskommen wird dabei nichts, denn Google & Co. werden nicht zahlen, sondern eher die von der VG Media vertretenen Verlage aus dem Index kicken, oder jedenfalls so lange damit drohen, bis es zu Verhandlungen kommt. Das Leistungsschutzrecht ist leider ein Protokoll der Unfähigkeit von Verlagen und Politik, die Wirkungsweisen des Internets zu verstehen. Aber es ist ja leichter, von der eigenen Unfähigkeit abzulenken, indem man andere dämonisiert. Dabei läuft Springer vorweg, obwohl oder gerade weil Springer im Netz extrem viel richtig macht und zieht die anderen Verlage am Nasenring hinter sich her, die einfach darauf hoffen, dass Springer das schon regeln wird. Und Springer zündet eine Nebelkerze nach der anderen, um abzulenken und Google zu dämonisieren. Herrlich, ein interessantes Schauspiel des Agenda-Setting.

Der erste Schritt war das Festschreiben des Leistungsschutzrechts im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und FDP in der letzten Legislaturperiode und die daraus resultierende Debatte, dass Google von Snippets profitiere, nicht aber die Verlage, die über Google kommende Nutzer nicht ausreichend monetarisiert bekommen.

Der zweite Schritt war die Forderung, dass Google zerschlagen werden müsse, weil Google zu dominant geworden sei und als Datenkrake zu viel über die Bürger wisse. Springer läuft bei diesem Thema voran, alle anderen hinterher. Aber man muss nur mal einen Blick auf die Beteiligungen von Springer werfen, um zu sehen, dass Springer hier ganz wunderbar ausblendet, wie sehr Springer selber zur Datenkrake geworden ist, wenn man diesen Begriff denn verwenden will. Axel Springer ist mehrheitlich an zanox, dem europäischen Marktführer für erfolgsbasiertes Online-Marketing beteiligt. Na sowas, Springer weiss also über seine Tochter zanox, was in Europa über Affiliate-Links geclickt, registriert und gekauft wird. Warum das nicht ein Journalist innerhalb von ca. 20 Sekunden recherchieren konnte, ist mir auch schleierhaft. Döpfner thematisiert allerdings nicht die Datenkrake zanox, die genau weiss, welche Produkte von wem in Europa gekauft werden, sondern natürlich Google. Auch eine komplette Übernahme von zanox durch Springer wird derzeit diskutiert.

Der dritte Schritt war die Beteilung Springers an der französischen Suchmaschine Qwant. Ach guck, na sowas. Da laufen die Verleger fröhlich hinter Springer her, die schüren eine allgemeine Hysterie gegen Google und die Springers beteiligen sich einfach mal so an einer Suchmaschine, die in Europa groß gemacht werden soll. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Am Ende wird vom Leistungsschutzrecht nur Springer profitieren, denn während die Verlage auf Umsätze durch das Leistungsschutzrecht hoffen und davon ausgehen, dass sie Dank der Umverteilung ihre Geschäftsmodelle jetzt doch nicht ändern müssen, baut Springer durch Zukäufe sein digitales Portfolio weiter aus und sichert sich die Umsätze und Marktanteile der Zukunft. Well played, Döpfner.

11 Antworten auf „Die Sache mit der vermeintlichen Umverteilung für Verlage und Springers Rolle“

  1. Wir wollen bitte nicht vergessen, dass A. Springer [und andere Verlage] bereits vor dem Internet eine Datenkrake war; der Adresshandel – mit qualifizierten Daten! – war immer schon sehr lukrativ.

  2. Schritt 1 war ingesamt auf jeden Fall ein Skandal. Und nebenbei waren ja auch einige andere Nachrichtensuchmaschinen betroffen, z.B. meine auch.

    Schritt 2 und 3 hat wohl niemand so richtig auf dem Schirm. Gut, dass es jemand recherchiert hat und anspricht. Wenn andere Medien/Verlage nicht in diese Richtung (Springer) recherchieren wollen, wirft das natürlich kein gutes Licht auf sie. Zurecht.

  3. Erstmals in ihrer Unternehemensgeschicht müssen die Mischkonzerne, die man früher Verlage nannte, mit Wettbewerbern konkurrieren, die ihre eigenen Regeln haben. Klar dass man alle Mittel versucht, um die Expansion von Google & Co zu bremsen oder so zu lenken, dass sie einem selbst mehr nutzt als schadet. Google könnte eine Nachrichtenagentur kaufen und bei Newssuchen das eigene Angebot einblenden…. keiner könnte etwas dagegen tun. Aber das würde Kapital binden, das sich kaum rentiert. Google könnte diese News aber auch allen Websitebetreibern und Zeitungen kostenlos zur Verfügung stellen (evt gegen Einblendung von Adsense oder wie bei Google Play Kiosk im Tausch gegen Werbeflächen), dann würden viele Verlage in die Knie gehen, die noch Paid Content als Erlösquelle benötigen und die News als Frequenzbringer.

    Vielleicht führt der ganze Ärger auch dazu, dass sich Google anderen Branchen stärker zuwendet, dann würden die Verlage Zeit gewinnen, bis die Amazon News auftauchen. Ich kann die Verlage gut verstehen, dass sie versuchen ihr Geschäftsmodell zu schützen, zumindest Zeit gewinnen können sie damit.

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