Die Sache mit dem Zerschlagen von Google

Nico —  29.11.2014

Ich kann es nicht mehr hören. Google hier, Google da, Google ist böse, Google zwingt Leute, es zu nutzen, Google strebt die Weltherrschaft an, Google tötet unschuldige Hundewelpen, und so weiter und so fort.

Ich nutze Google seit Ende der 90er. Ich nutze es, weil es funktioniert. Es bietet mir Dienste, die ich praktisch finde. Und auch welche, die ich nicht benötige und nicht nutze. Google ist eine Plattform, Google ist ein Ökosystem und hat dadurch besondere Bindungseffekte für die Nutzerinnen und Nutzer, ähnlich wie Amazon, Facebook, Apple und andere auch. Jetzt wo wir wissen, wie diese Ökosysteme funktionieren, sollten wir darüber nachdenken, wie wir die Lock-in Effekte zu Gunsten der Verbraucher regulatorisch korrigieren. Das wäre ein interessanter Diskurs, der lange schon hätte geführt werden müssen.

Aber wisst ihr was? Zerschlagt Google doch einfach! Macht es doch endlich! Geht los, ändert die Gesetze und zerschlagt endlich diese Firma. Sie ist zu groß geworden, zerschlagt sie! Die Firma versteht, wie die digitale Wirtschaft funktioniert, also zerschlagt sie! Google ist 16 Jahre alt, also zerschlagt den Laden, das kann nicht mit rechten Dingen zu gehen!

Es ist mir egal. Zerschlagt Google. Ich bin da leidenschaftslos. Hotmail soll ja auch toll sein und Microsoft als Underdog sollte unsere Sympathien haben.

Aber dann hört bitte auf mit dem Gejaule, dass Deutschland und Europa digital nicht vorankommen. Das Böse ist dann ja zerschlagen worden, dann muss es ja besser werden!

Nur tut mir bitte mal einen Gefallen, wenn Ihr Eure Zerschlagungsphantasien in den Zeitungen Europas publiziert, wenn ihr in den Parlamenten wettert und in den Hinterzimmern der Republik geheimnisvoll tuschelt. Tut mir bitte mal einen Gefallen. Denkt mal darüber nach, wie es passieren konnte, dass eine Firma, gegründet von zwei Doktoranden vor 16 Jahren so schnell so groß und so wichtig werden konnte für die Nutzer auf dieser Welt, dass ihr sie zerschlagen wollt! Und dann stellt Euch mal ein paar einfache Fragen: warum ist keine deutsche Firma so groß wie Google? Warum ist keine französische Firma so groß wie Google? Warum kommt abgesehen von MP3 kein Standard der digitalen Welt aus Deutschland? Warum kommt keine nennenswerte digitale Technologie aus Deutschland? Warum haben wir so wenig Glasfaserausbau in Deutschland, dass wir noch nicht mal auf den europäischen Vergleichsstastiken verzeichnet werden? Warum sind unsere Schulen immer noch ein Hort der Technologiefeindlichkeit? Warum haben junge Leute kaum Interesse an der digitalen Wirtschaft? Wo Ihr doch neuerdings immer erzählt, dass das Digitale so wichtig sei und dass dort die Jobs der Zukunft entstünden!

Vielleicht gibt es dann ja, in diesem vermutlich seltendem Moment der Reflexion, bei Euch Silberrücken dieses Landes, die einfache und brutale Erkenntnis, dass Ihr es mit Ansage absolut verkackt habt, auch nur annähernd die richtigen Schritte in den letzten 20 Jahren umzusetzen! Stattdessen wartet Ihr immer noch auf den einen, optimalen Moment, um den Hebel umzulegen und dann eine digitale Denke an den Tag zu legen. Stattdessen zögert ihr immer noch, endlich zu investieren! Stattdessen wollt ihr immer noch nur kleine Änderungen, damit ja niemand überfordert wird! Stattdessen murmelt ihr immer noch „das ist doch alles nicht vergleichbar“ und macht weiter wie bisher. Während sich die Welt verändert. Während sich die Welt immer schneller verändert. Und immer digitaler wird. Und Ihr immer weniger versteht, was eigentlich passiert.

Weil Ihr alten Männer der Nation seit 20 Jahren an der Seitenlinie der Ereignisse steht und nicht mehr wisst, was ihr machen sollt, weil die Denkmuster der 70er und 80er Jahre nicht mehr funktionieren!

Zerschlagt Google, los macht es! Und zeigt damit allen, dass Ihr die Zukunft dieses Landes, dass Ihr die Zukunft Europas in den letzten Jahren fahrlässig aus der Hand gegeben habt, weil ihr Euch nicht darum gekümmert habt, wie sich die Digitalisierung der Gesellschaft, wie sich die Digitalisierung der Wirtschaft, wie sich die Digitalisierung aller Lebensbereiche immer rasanter entwickelt! Zeigt, dass Ihr Angst habt vor Veränderungen und Euer Heil in der Besitzstandswahrung sucht!

Aber los, zerschlagt Google, zündet die ultimative Nebelkerze, kämpft den Kampf des vermeintlich Gerechten, zeigt allen, dass ihr mit den Herausforderungen der Zukunft nicht mehr klar kommt!

Es ist ein Trauerspiel und alle sollen es wissen!

55 responses to Die Sache mit dem Zerschlagen von Google

  1. Interessant finde ich, wie sich Bertelsmann im Markt verhalten hat als Google immer stärker wurde: AOL Anteile verkauft, Lycos gleich komplett geschlossen, für Google das weltweite Billing übernommen. Man verdient in Güterslow also gutes Geld mit dem vermeintlichen Monopolisten… ohne eigenes Risiko.

  2. Also das mit den Hundewelpen finde ich, ist übertrieben. Ansonsten stimme ich völlig zu: Google ist grundsätzlich schon böse. Das verheimlichen sie ja auch nicht; das ist immer schon deren Leitspruch gewesen: „Be evil“.

    Und wir schauen ja auch (fast) alle jeden Sonntag den Tatort, weil wir dort auch viel Böses sehen und davon fasziniert sind. Deswegen ist es ja logisch, daß wir vom „bösen“ Google angezogen sind und wie verrückt AdWords buchen.

    Klar, wir könnten unsere Werbung auch bei Yahoo! schalten, dort ist sie preiswerter und genauso effektiv. Und wir könnten, wenn wir ein großes deutsches Portal wie web.de sind, nicht mit Google, sondern mit einem anderen Suchanbieter kooperieren, oder die Suche gar selbst programmieren. Aber warum sollten wir? Es ist doch einfach cool, sich im Reich des Bösen zu bewegen.

  3. Sehr schöner Artikel. Es ist ja immer einfach zu sagen, das ist zu groß und ich versteh es nicht also zerschlage ich es. Bevor sie Google zerschlagen sollte die EU erstmal Alternativen fördern. Denen ist wahrscheinlich nicht bewusst wo Google seit Jahren überall innovativ tätig ist.

  4. Ich bin nicht sicher, ob die Zerschlagungsforderungen nicht auch deshalb provoziert werden, weil wir einfach keine rationale Regulierungspolitik haben. Hätten wir da nicht immer nur Juristen in den Kartellbehörden, dann hätten da vielleicht vorausschauende Ökonomen die Übernahme von Youtube untersagt, der heute zweitgrößten Suchmaschine der Welt. Auch könnte die Zerschlagung von Google in verschiedenen Baby-Googles auf Länderebene oder Sprachversionebene, die alle mit dem gleichen Algo anfangen, aber diesen dann selbständig unabhängig von einerander weiter entwickeln müssen, intellektuell und für die User ein extrem interessantes Experiment sein…

  5. Next stop Amazon, denn es macht die Innenstädte kaputt. oh, wait, Amazon ist das Unternehmen, das im Gegensatz zu vielen anderen, verstanden hat, wie es die Kunden zufrieden stellt, das ist jetzt blöd.
    Aber mal abseits deiner Polemik, wie gehen wir um mit Monopolen? So ganz generell? Ist die Politik in allen Fällen selber Schuld, dass es Monopole gibt? Oder aus Sicht der Politik, müssen dann alle Monopole zerschlagen werden? Und sind Oligopole besser? Was ist mit der Energieversorgung? Da wird von Seiten der Politik alles getan, um die großen Player im Spiel zu halten. Was ist mit der FIFA? Ist das nicht auch ein Monopol? Ist es nicht absurd, dass das ZDF von schwindender Macht spricht, weil sich die OPEC nicht auf eine Reduktion der Fördermenge und damit auf wieder ansteigende Preise einigen kann? Gehen wir nicht sonst gegen jeden vor, der auch nur im Verdacht steht, Preisabsprachen zu treffen?
    Ja, lasst uns von mir aus über Monopole reden, aber dann bitte über alle.

    PS Microsoft hätte man in der gleichen Situation längst an die Leine genommen. Schon Anfang der 2000er haben wir darüber geredet, dass die Entwicklung bei Google deutlich „gefährlicher“ erscheint, als bei Microsoft. Zu der Zeit haben die immer noch fleißig versucht, Microsoft zu bremsen, Google hatten die gar nicht auf dem Schirm

    • „oh, wait, Amazon ist das Unternehmen, das im Gegensatz zu vielen anderen, verstanden hat, wie es die Kunden zufrieden stellt, das ist jetzt blöd.“
      so sieht’s aus.

      • und so gut wie keine Steuern in Deutschland zahlt …

        • Tja, weil es die Regeln zulassen. Sie handeln ja nicht illegal. Es gibt Freihandelsabkommen für die Industrie, warum gibt es keine globalen Steuerabkommen?

          • Es gibt keine globalen Steuerabkommen, weil Steuern immer schon nationale Angelegenheit waren und das auch bleiben werden.

            Die einzige Art, wie man Google beikommen kann, ist es, das Steuerrecht umzubauen. Wenn ich eine Zeitung kaufe, muß ich 7% MwSt zahlen. Wenn ich Nachrichten bei Google News lese, zahlt niemand Steuern. Ist das fair? Nein. Die Mehrwertsteuer für Zeitungen und Bücher hat sich im Internetzeitalter überlebt – weg damit.

            Wir brauchen neue Internetsteuern – Spanien macht es mit einer Link-Steuer angeblich vor, auch China besteuert Google. Und Ungarn hat kürzlich eine Internet-Zugangssteuer gefordert, die aber leider nicht durchgesetzt wurde. Das sind gute Beispiele, die man hier in Deutschland weiter studieren, und ggf. kopieren sollte.

  6. ach ja, https://www.qwant.com/ ist nicht schlecht

  7. Sehr sehr schön. Darf ich deinen Beitrag auf meinen Blog stellen ?

  8. Das schlimmste ist, dass eine Zerschlagung die Zerschlager dem Ziel, dass sie verfolgen nicht näher bringt.
    Sie wollen Adwords und Suche voneinander trennen, weil das der Böse Weg ist, wie Google Geld verdient. Nur das kann uns wird nicht funktionieren.
    Sie sagen, dass die Rankings nicht transparent genug sind und die falschen Seiten oben stehen. Auch daran wird eine Zerschlagung nichts ändern.
    Die ernsthaften Folgen einer Zerschlagung sind:
    * gesonderte Logins für Youtube und G+
    * Das Einstellen einiger Experimente (Google Docs, Google Drive, G+), die kein Geld bringen, sondern Abfallprodukt der internen Entwicklung sind
    * Die Einstellung kostenloser Mail Accounts (Wahrscheinlich beabsichtigt, damit der Nutzer sich an Mail-Paywalls endlich gewöhnt und DE-Mail Wind unter die Flügel kriegt)

    Nichts davon wollen die Zerschlager, weil sie nicht im Ansatz verstanden haben, wie das System Google funktioniert.

    Aber es macht wirklich nichts. Google ist so ein leichtes Ziel. Warum also die richtigen Ziele verfolgen, wenn man ein leichtes haben kann. Wär‘ doch anstrengend. Müsste ich mich bewegen und nicht die anderen.

  9. „… Google ist ein Ökosystem … Jetzt wo wir wissen, wie diese Ökosysteme funktionieren …“
    Der erste Teil dieser Aussage ist eine ziemlich neue und ziemlich grosse Erkenntnis. Digital-Unternehmen als Ökosysteme anzusehen macht sonst (ausser uns am GDI) so ziemlich niemand.
    Der zweite Teil dieser Aussage ist ziemlich kühn und ziemlich übertrieben. Wir haben noch keine Ahnung, wie digitale Ökosysteme funktionieren, wir haben eigentlich noch nicht einmal angefangen, darüber nachzudenken, und die Silberrücken, die du hier ansprichst, bekommen allein schon beim Ventilieren dieses Gedanens sofort allergische Pickel: So etwas unheiliges wie ein Unternehmen mit so etwas heiligem wie dem Ökosystem-Vokabular beschreiben zu wollen!
    Ich glaube übrigens eher, dass das Ökosystem nicht Google heisst, sondern Digisphäre, und dass die einzelnen Unternehmen darin so etwas wie Arten in ihrer spezifischen ökologischen Nische sind. Und dass diejenigen am besten überleben, die sich am besten an die Umweltbedingungen anpassen beziehungsweise die Umweltbedingungen zu ihren Gunsten verändern können. Aber es ist noch ein weiter, weiter Weg, bis wir halbwegs begriffen haben, wie dieses Ökosystem funktioniert.

    • Jetzt macht’s mal halblang. Ein „Ökosystem“ ist etwas, bei dem wir alle instinktiv davor zurückschrecken, etwas anzufassen und zu verändern. Das ist genau der falsche Ansatz bezogen auf Google.

      Natürlich muß man etwas verändern, und zwar dringend. China hat ja schon damit angefangen und hat Google gezwungen, 100 Mio US$ „Steuern“ zu zahlen. Das ist ein gutes Vorbild; so muß man es machen. Nicht einfach „zerschlagen“ rufen und sich dann in die Ecke zurückziehen und sich für die „tolle Idee“, die völlig unrealistisch ist, loben lassen.

  10. Ich nutze Google auch seit Jahren, weil es funktioniert. Und weil Apple mein Geld als Linux-Nutzerin nicht will (Ja, ich weiß, es geht schon, aber ich bin dann auch eigen).

  11. „Wo die Sonne der Erkenntnis niedrig steht , werfen selbst Zwerge lange Schatten“

  12. Eberhard, du hast schon wieder nicht aufgepasst.

    http://investor.google.com/corporate/code-of-conduct.html

  13. Man muss auch bedenken, dass die maßgeblichen Impulse u.a. vom Axel Springer Verlag ausgingen. Den Rohrkrepierer Leistungsschutzrecht wollen die so auf europäischer Ebene doch noch durchlobbyieren.

  14. Was für ein irrationaler Ausbruch. Und deutlich an der gegebenen Probleme vorbei. DAss Google einigermaßen funktioniert, ist kein Argument, wenn man die Machtstellung von Google erörtern möchte. Der gröbste Fehler in dem irrationalen Ausbruch ist jedoch, Google als Plattform zu bezeichnen. Google ist längst auf dem weg zum Mischkonzern (Smartphones, Auto, Haustechnik, Roboter…). Das geschieht mit „steuerlicher Förderung“ und natürlich auch mit industriepolitischer Unterstützung durch die USA. Mehr dazu könntest du im gestrigen Handelsblatt gelesen haben, wo Sandro Gaycken etwas zum Thema „Propaganda aus dem Valley“ geschrieben hat. Und der ist ja kein „alter Mann“.

  15. ‚digitale Denke‘ – wie schön, dass es genau das NICHT gibt…aber im geifernden Eifer des Gefechts mischt man schon mal selbstentlarvend die Worte so, wie sie einem gerade kommen.

    Und es klingt ja auch irgendwie ‚modern‘ ;-)

    Ansonsten – Stammtischniveau unter sauberer Umgehung aller wirklichen Gründe für die Zerschlagungsoption.

    „Los Pöbel – applaudier mir!“

  16. Antitrust legislation hat sich in den USA und der EU über lange Zeit als Innovationsfördernd bewährt. Entflechtungen als Reaktion auf Monopolmissbrauch ist nichts Neues, siehe Standard Oil 1906. DuPont 1912, AT&T, 1982 etc. Warum sollte bei Google eine Prüfung, ob die ihre marktbeherrschende Position missbrauchen ein Tabu sein?

    • Ich glaube, dass es vom eigentlichen Thema ablenkt. Von mir aus kann die EU alles prüfen, aber ich halte es viel sinnvoller, Plattformen besser zu regulieren, als sie später zerschlagen zu wollen. Für den Nutzer haben diese Plattformen nämlich durchaus Vorteile und das was Du als innovationsfördernd ansiehst, wird vermutlich echer zu Lasten der Nutzbarkeit gehen.

      • „aber ich halte es viel sinnvoller, Plattformen besser zu regulieren, als sie später zerschlagen zu wollen.“

        Mit Verlaub, dann hättest du das schreiben sollen.

        Dass die Diskussion über die Zerschlagung von Google erst einmal ein taktisches Signal ist, quasi ein Schuss vor den Bug, wäre auch möglich. Dass die EU überhaupt eine US-Firma zerschlagen kann, möchte ich mal generell bezweifeln. Auf welcher Rechtsgrundlage sollte das auch funktionieren?

        Aber: Wenn man der Meinung ist, dass die Firma anders reguliert werden müsse, dann hätte man auch GENAU DAS auch schreiben können. Eine Zerschlagung ist m.E. ordnungspolitisch auch falsch, weil eigentlich ganz andere Aktionen indiziert sein müssten.

        Aber die Frage wie wir die Plattformebene im Netz sinnvoll regulieren, wäre die eigentliche Frage gewesen, die man hätte in diesem Text beantworten können. Anstatt dessen leider wieder ein weiterer „Hurra-Internet“-Text, und „Google hat alles richtig gemacht“. Chance vertan, leider.

    • Wo besteht denn hier eigentlich eine Monopolstellung? Unwissenheit ist wirklich das größte Problem in der ganzen Diskussion um Google und Co.

      http://www.sueddeutsche.de/digital/debatte-um-internetkonzerne-monopolkommission-warnt-vor-google-zerschlagung-1.2039161

      oder siehe auch: Prof. Justus Haucap, Ex-Mitglied der Monopolkommission
      http://www.youtube.com/watch?v=uXWqlyW2c8M

      Jedem der sich intensiver mit der Frage von Datenerhebung und Marktmacht von Unternehmen auseinandersetzen will empfehle ich: http://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=2482780

      • Naja, er schließt eine Regulierung ja nicht aus, und rät dazu auch die anderen Instrumente zu prüfen. Eine Zerschlagung zu fordern, das schärfste Schwert, dass die Marktregulation momentan kennt ist m.E. deutlich auch verfrüht, aber eine Transparenz herzustellen, in der Google-eigene Angebote gekennzeichnet werden wäre nicht verkehrt.

        Er weißt aber auch daraufhin, dass Regulierungsbedarf besteht, und man sich die anderen Instrumente der Marktregulation anschauen sollte. Und es geht hierbei nicht nur um Marktmacht,

        Märkte versagen aus verschiedenen Gründen. Gerade im Datenschutzbereich sind asymmetrische Information und externe Effekte zu prüfen. Aber genau das sagt eich bereits oben.

        Schade, dass die Diskussion momentan nicht auf diesem Niveau steht. das trifft aber auch leider auf Nico Lumma’s Artikel zu….

        • Nein, gegen Regulierung an sich ist ja auch erst einmal nichts zu sagen, falls sie alle Marktteilnehmer trifft und wohl begründet ist. An der Begründung hapert es im Moment vollends. Aus wissenschaftlicher Sicht fehlt hier bisher die Grundlage, auf der eine entsprechende Regulierung notwendig wäre. Google konnte bspw. keine „Fehlordnung“ der Suchergebnisse nachgewiesen werden. Meiner Meinung nach geht hier die Politik seit Monaten der Lobbyarbeit von Verlagen und deutschen Kleinstunternehmen (naiv oder gewollt) auf den Leim die eben behaupten, dass Google ihren Content (eigennützig) schlechter einordnen würde (siehe ARD Doku: Die geheime Macht von Google).

          Mein Kommentar bezog sich auf Simons Aussage „Entflechtungen als Reaktion auf Monopolmissbrauch“. Märkte sind grundsätzlich verschieden und eine solche Aussage lässt sich vermutlich eher auf vertikal oder horizontal integrierte Märkte im produzierenden Gewerbe oder in der Elektrizitätswirtschaft anwenden. Im Gegensatz aber eben nicht auf „Plattform“-Märkte (two/multi sided markets) mit starken Netzwerkeffekten und sogenanntem Multihoming, d.h. ob Konsumenten und Werber nun Google, Bing und Co wählen entspricht nunmal ihrem individuellen Maximierungskalkül und keiner Verpflichtung.

          Bleibt zu hoffen, dass irgendwann diese inszenierte Hysterie um Google insbesondere auch seitens der deutschen Leitmedien sich legt und unser Wirtschaftsminister zur Vernunft kommt.

          • „An der Begründung hapert es im Moment vollends. Aus wissenschaftlicher Sicht fehlt hier bisher die Grundlage, auf der eine entsprechende Regulierung notwendig wäre. “

            Da bin ich bei Dir, zumindest in der politischen und medialen Diskussion wird hier wenig argumentativ gearbeitet. Und ja, eine Regulatton muss alle Martkteilnehmer betreffen, also auch Bing, Yahoo, etc. Wollenw ir Bing echt von Microsoft entflechten???

            Nochmal back to square one: Warum regulieren wir eigentlich Marktmacht?
            Weil der ´missbrauch von Marktmacht den Marktmechanismus außer Kraft setzt, also den MARKT VERSAGEN lässt.

            Es gibt aber nicht nur Marktmacht als Indikator für Martkversagen, sondern auch Andere Indikatoren: Asymmetrische Information (bis zur Adversen Selektion, die z.B. im Handy-Betriebssystemmarkt vorliegt) und Externe Effekte. Beides ist m.E. indiziert, marktmacht m.E. übrigens auch. Und selobst mit den volkswirtschaftlich vorgeschlagenen Bordmitteln kämen wir hier weiter als mit einer Zerschlagung. Warum niemand diese relativ grundsätzlichen volkswirtschaftlichen Kenntnisse anführt, ist mir schleierhaft. Selbst justus Haucab ist da nebulös.

            Also, hier hast du deine wissenschaftliche Herleitung….

  17. MP3 erwähnen und HTTP, HTML, XML vergessen fällt leicht, weil das eine an einem deutsch Forschungsinstitut entwickelt wurde, die anderen aber nur an einem deutschsprachigen. Der Begriff Standard drückt es ja auch schon aus: Es sind lediglich die Regel, auf die sich alle einigen konnten. Alle wiederum sind diejenigen, die sie zur Anwendung bringen. Und da hapert es ja bei uns: Du magst Google zerschlagen, aber 1. gibt es kaum eine Alternative, 2. kommen die auch nicht aus good ol‘ germany.

  18. Auf den Punkt gebracht!! Danke dafür!

  19. Danke, Nico. Ich mach kaputt, was ich nicht verstehe, ätsch. Ouh mann, ich kann’s auch nicht mehr hören, …

  20. Es fällt mir schwer zu entscheiden, wer Google höriger ist: D64 oder CNetz? Die einen haben mittlerweile einen Google-Mitarbeiter im Vorstand, die anderen den GF von Googles Lobby-Dienstleister…
    Aktuell hat D64 die Nase vorn – dank dieses Beitrags.

  21. Nico, ja Du hast Recht. Das mit dem Zerschlagen ist Blödsinn und am schlimmsten ist es, dass ein Großteil der deutsche Medien mit dieser Headline Auflage macht obwohl niemand in Europa Google zerschlagen kann. Schade das da keiner nachdenkt. Aber, ja jetzt kommt das ABER, es muss an der ein oder anderen Stelle eingegriffen werden. Das Google in den SERPs seinen eigenen Diensten in der Zwischenzeit extreme Vorteile verschafft ist kein angemessenes Verhalten einer angeblich neutralen Suchmaschine. Durch Panda und Penguin werden gerade mal wieder diverse Verzeichnisse ihre Sichtbarkeit genommen und deren Geschäftsmodelle gefährdet. Klar, Wettbewerb belebt das Geschäft und so, aber wenn ich eine Monopolstellung habe, und die hat Google als Suchmaschine in Deutschland nun mal, dann ist das Missbrauch. Der scheidende EU-Kommissar Almunia hatte sich dem Thema angenommen und wollte gegenüber Google hier regulierend eingreifen. Nach einem Treffen mit Eric Schmidt hatte er gefühlt eine andere Meinung. Schon komisch. Mal sehen ob es seine Nachfolgerin besser macht. Jedenfalls ist das Thema wichtig, aktuell macht Google gerade viele kleine und bisher erfolgreiche Anbieter kaputt und da ist es schon legitim mit dem Finger auf den Auslöser dieser Entwicklung zu zeigen und zu sagen „das ist nicht ok“. Vergleichbar wäre dieses Szenario wenn ein sehr relevantes deutsches Medium, nehmen wir als Beispiel mal die Tagesschau, in ihrer Hauptsendung nur noch über die CDU berichten würde und die SPD nur noch auf der Webseite und in der App berücksichtigen würde. Das würde sich, glaube ich zumindest, auch niemand gefallen lassen. Es gilt aus differenziert über die Situation nachzudenken.

  22. Zu Deiner Frage: Warum sind unsere Schulen immer noch ein Hort der Technologiefeindlichkeit? Warum haben junge Leute kaum Interesse an der digitalen Wirtschaft? Wo Ihr doch neuerdings immer erzählt, dass das Digitale so wichtig sei und dass dort die Jobs der Zukunft entstünden!

    Zur Technologiefeindlichkeit möchte ich gerne meine Ausführungen verlinken (siehe hierzu http://wp.me/pSl3C-gb).

    Die Antwort auf obige Fragen: weil die Nutzung der Technologie, also das Dürfen, längst nichts mit dem Können zu tun hat. Die Frage ist suggestiv, sie impliziert, dass die Schulen daran schuld seien, dass wir zu wenig Absolventen in den MINT-Berufen haben, weil sie technologiefeindlich seien. Nein, sind sie nicht. Die Leute werden durch das bloße Anwenden möglichst einfach gestalteter Technologien verblödet, sie nehmen an, dass sich dahinter keine Gehirnleistung verbirgt, weil es ja so einfach ist. Also daddeln sie stundenlang vor diesen neuen tollen Errungenschaften, googeln sich die Schulreferate zusammen ohne selbst die Leistung zu erbringen und profitieren von dieser schönen neuen Welt, die alles so herrlich einfach macht.

    Nicht die Antwort, die Du vielleicht hören wolltest, aber dieses ewige Gelaber von der schönen neuen Welt, geht mir auch gehörig auf den Zeiger. Etwas mehr Differenziertheit wäre mal angemessen.

  23. DAnke. Der Text spricht mir aus der Seele! Die deutsche Weinerei über Google iT echt zu viel.

  24. Ich versuche Google, Facebook und co. zu vermeiden, obwohl sich diese nicht ganz ausschließen lassen. Selbst für ein Kommentar hier, sollte ich mich mit Twitter anmelden. Also nicht nur Google ist böse.

    Als Suchmaschine habe ich allerdings seit kurzem Swisscows entdeckt und bin erstaunt, wie gut die Ergebnisse sind. Die Schweizer Kuh speichert keine Daten und soll komplett sicher sein. Warum sollte ich da noch Google benutzen? Im Browser habe ich zusätzlich ZenMate, obwohl ich es selten einschalte. Es ist mir klar, dass man sich nicht voll von allen Datenkraken und Überwacher lösen kann, trotzdem gebe ich mich nicht geschlagen.

    LG Berndt

  25. Come gather ’round people
    Wherever you roam
    And admit that the waters
    Around you have grown
    And accept it that soon
    You’ll be drenched to the bone
    If your time to you is worth savin’
    Then you better start swimmin’ or you’ll sink like a stone
    For the times they are a-changin’

    Come writers and critics
    Who prophesize with your pen
    And keep your eyes wide
    The chance won’t come again
    And don’t speak too soon
    For the wheel’s still in spin
    And there’s no tellin’ who that it’s namin’
    For the loser now will be later to win
    For the times they are a-changin’

    Come senators, congressmen
    Please heed the call
    Don’t stand in the doorway
    Don’t block up the hall
    For he that gets hurt
    Will be he who has stalled
    There’s a battle outside and it is ragin’
    It’ll soon shake your windows and rattle your walls
    For the times they are a-changin’

    Come mothers and fathers
    Throughout the land
    And don’t criticize
    What you can’t understand
    Your sons and your daughters
    Are beyond your command
    Your old road is rapidly agin’
    Please get out of the new one if you can’t lend your hand
    For the times they are a-changin’

    The line it is drawn
    The curse it is cast
    The slow one now
    Will later be fast
    As the present now
    Will later be past
    The order is rapidly fadin’
    And the first one now will later be last
    For the times they are a-changin’

    (Bob Dylan 1964)

  26. Super Artikel. Ich halte es nicht mehr aus, dieses Verlangen der EU, Google auseinander zuschlagen. Das ist doch komplett sinnfrei!

  27. Genau so ist es! Niemand wird gezwungen Google zu nutzen….wenn die anderen besser werden – werden sie auch verwendet – aber mir ist Google auch am liebsten!

  28. Das ist mal ein Plädoyer, welches mir aus dem Herzen spricht. Die Europäer kriegen selbst nichts annähernd nützliches und gut funktionierendes hin. Da hilft nur zerschlagen. Bin sehr gespannt, wie sich die Sache weiter entwickelt.

  29. Ich habe jetzt eine neue Initiative gestartet. Patriotische Europäer gegen die Googlisierung des Abendlandes.

    Alle weiteren Infos hier: http://www.peggda.de

    Wäre doch gelacht, wenn wir das Abendland nicht gegen Google verteidigen könnten.

  30. Eva Strom 9.01.2015 at 14:05

    Das hast du gut gemacht lieber Eberhard, gibt es schon Termine für einen Spaziergang wo wir alle mitlaufen können? Ihr könntet auch mal mit der AFG (Alternativefürgoogle) sprechen, vielleicht gibt’s ja gemeinsame Schnittmengen? tztztz….

    • Nee, Spaziergang gibt es nicht, das würde Verwechslungsgefahr mit diesen rechten Gruppen von Pegida bedeuten, die derzeit immer Spaziergänge organisieren. Mit denen will ich auf keinen Fall verglichen werden.

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