Schöner bloggen ohne SEO

Nico —  16.01.2015

Mein ehemaliger Kollege Patrick Meier, der unlängst mein altes Projekt Blogg.de übernommen und zu neuer Blüte führen will, hat mich heute auf einen Text aufmerksam gemacht, der mich immerhin zum Nachdenken gebracht hat: Blogger die auf Google starren.

Dieses Blog hier ist ja schon etwas älter und gehörte tatsächlich mal zu den meistgelenen Blogs in Deutschland. Das lag neben dem üblichen brutal guten Premium-Content vor allem an der Tatsache, dass es früher weniger Blogs gab, alle Blogs unter einander gut verlinkt waren, viele Updates erschienen und der Algorithmus von Google noch nicht so gut optimiert war wie jetzt. Die Folge war, dass viel Traffic von Google kam, teilweise auf absurdeste Keywords. Nach ein paar Umzügen mit diesem Blog auf verschiedene Systeme und immer wiederkehrenden Phasen mit einer geringeren Posting-Frequenz ist der Google-Traffic hier ordentlich zurückgegangen und den PageRank 6 habe ich auch schon lange nicht mehr.

Aber auch ich hatte meine Achtungserfolge, aber die waren nicht immer geplant. So habe ich mal ein Foto von einer Zeitschrift gemobloggt, (ja richtig: Moblog, so nannte man das damals, wenn man mit dem Smartphone ein Foto machte und direkt ins Blog stellte) und ein paar Tage später schwappte Unmengen an Google-Traffic auf mein Blog, was in den längsten Kommentar-Thread aller Zeiten auf meinem Blog resultierte: Tokio Hotel. Zweifelhaften Erfolg hatte ich mit einem Artikel über das Thema Nick Berg Enthauptung unzensiert Video Folter Irak Foto, denn das führte lauter Spinner und Verwirrte auf mein Blog, die unzählige nicht veröffentlichungswürdige Kommentare hinterliessen. Aktuell schwappt gerade eine Welle auf meinen Artikel Der Elternabend an sich – die frühen Jahre, was sicherlich an dem Film mit Anke Engelke liegt.

Schon vor etlichen Jahren bin ich dazu übergegangen, das Thema SEO für mein Blog nahezu komplett zu ignorieren. Natürlich habe ich diverse Plugins im Einsatz, die dafür sorgen sollen, dass meine Artikel formal so ausgliefert werden, wie Google es gerne hätte. Aber viel wichtiger finde ich es mittlerweile, die richtigen Sharing-Plugins zu haben, um Traffic über Social Media zu bekommen. Auf Neues Zeugs habe ich einen schönen Traffic-Zuwachs gesehen, seit ich automagisch alle Artikel bei Pinterest einstelle und auch auf mein Google+ Profil schiebe. Aber hauptsächlich landen die Leser auf lumma.de und auf neueszeugs.de, weil ich auf Twitter oder Facebook sage: „guck mal, das ist interessant!“ – und das bedeutet auch eine ordentliche Verpflichtung. Denn ich schreibe nicht für den Google Bot und Leute, die ich nicht kenne, sondern ich schreibe für Leute, die mir auf den Social Media Kanälen folgen. Diese Leute wollen nicht verarscht werden, sondern die clicken auf einen Link, weil sie erwarten, dass es sie interessieren könnte. Ehrlich gesagt finde ich es viel angenehmer, so meinen Traffic zu bekommen als nur über Google. Auch wenn nicht immer alles das, was ich schreibe, für alle Nutzer interessant ist. Das sieht man dann aber auch sehr direkt an den Statistiken und den mickrigen Zahlen an den Share-Buttons.

Die Fokussierung auf SEO ist für Blogger ein Irrweg. Fokussiert auf tolle Inhalte und schon sorgen die Nutzer in den sozialen Netzwerken für die Verbreitung!

21 responses to Schöner bloggen ohne SEO

  1. „guck mal, das ist interessant!“ hat auch heute einmal mehr funktioniert. Ich überlege aber im Moment noch, ob Du Dein Versprechen gehalten, oder in diesem Fall eine Ausnahme gemacht, und doch mal für Google gebloggt hast… ;-)

  2. Danke, Nico. Ich lese mit „Erleichterung“, dass es nicht nur mir so geht: vor lauter Optimierungswahn das Erstellen von Content vergessen. Das habe ich auch ewig so gemacht. Mehr an Code und Teufel herumgedoktert, als geschrieben.

    Inzwischen schreibe ich wieder wann ich will, soviel ich will und wo ich will, denn ich habe mehrere Blogs. Ich versuche den inneren Dämon namens „Du musst jetzt in dem und dem Blog unbedingt wieder was schreiben, sonst verlierst du Traffic“ abzuschütteln und einfach Spaß am Schreiben zu haben.

    Was ich ebenso wie du versuche ist, die sozialen Kanäle besser zu bedienen. Das gelingt teilweise ganz gut, was Twitter und FB angeht.
    Jetzt lese ich bei dir, dass du G+ auch automatisch bedienst. Wie machst du das? Hättest du bitte einen Tipp für mich?
    Pinterest habe ich nur halbherzig im „Programm“, werde mich dem Thema aber nach deinem Post hier widmen.

    Danke für die Anregung und viele Grüße vom Bodensee
    Jörg

    • ich schreibe mal einen Artikel über meine Lieblings WordPressplugins, das gibt ordentlich SEO-Traffic :)

      • Ach herrjeh … du könntest ein wenig „Müll“ reinschreiben. Dann machen sich alle „SEOs“ lustig darüber … gibt noch mehr Traffic! BTW, … das wäre mal ein Experiment wert. :)

  3. Ich habe seit einem Jahr so ein SEO Plugin im Racingblog laufen, aber ich konnte keine signifikante Steigerung im Traffic sehen. Und dieses „Oh, hier fehlt ein Tag/Keyword, das sieht Google aber gar nicht gerne“ Gedingse nervt zu dem sehr. Mag aber auch daran liegen, dass ich SEO generell und gerade für Blogs für rein esoterische Homöopathie halte.

  4. Beim Lesen von Jörgs Kommentar ging ‚mich‘ so spontan „seid ihr Blogger oder SEO-Sklaven?“ durch den Kopf.

    @Nico: Mit den „Lieblings WordPress-Plug-ins“ ist das so eine Sache. Ich stelle fest, dass nix im Web so weit „neben der Kappe ist“, wie SEO- und Blog-Erfolg-Tipps, gefolgt von Hinweisen zu den ultimativen WP Plug-Ins. Warum letzteres? Gab mal einen kurze Zeit, wo ich das Zeugs noch gelesen habe. Beim SEO-Geraffel kam schnell die Erleuchtung „mach ich nicht“, Beim WP Plug-In Gedöns gab es dann das de-ja-vue, Die gerade von den bloggenden Kollegen frisch verhackstückten Plug-Ins waren sowas von uralt, dass sie bereits ein paar Generationen vor der jeweils bei mir aktuellen WP-Version schon nicht mehr liefen. Und wenn ich bei mir so im Blog schaue, habe ich alle Woche irgend eine Warnung vor Sicherheitslücken in WP Plug-Ins. Aber mach mal mit dem Artikel ;-).

  5. Prinzipiell ist Bloggen immer auch SEO – schließlich geht Google nicht mehr unbedingt nach Links, sondern nach Content. Das bedeutet, dass auch schlecht verlinkte Blogs durchaus SEO-Traffic abbekommen können, wenn das Thema stimmt. Wichtiger werden aber in der Tat natürlich die Empfehlungen auf Social Kanälen – und da hat man als Influencer immerhin einen fetten Vorteil … Ansonsten ist das beschrieben dann zumindest eher Bloggen ohne übertriebenes (oder vlt. gar „gutes“ SEO). Das Problem am SEO-Bloggen ist ja eher, dass es so unentspannt ist – schließlich muss man immer ein kleines Stück vor der Welle surfen … Insgesamt finde ich aber, ist es schon zu sehen, dass das pure SEO-Bloggen langsam wieder verschwindet und wir zu einer neuen Welle von „Qualitätscontent“ kommen – und das bedeutet vordergründig für Menschen zu schreiben – der Rest ist Kür.

  6. Um das Thema SEO habe ich mich in meinem Blog nie gekümmert. Ich schreibe, weil es mir Spaß macht, meine Gedanken öffentlich zu machen und ich gerne mit Sprache arbeite und spiele. Mein Leitsatz ist: Lieber zehn Leser, die meine Artikel aufmerksam lesen und vielleicht kommentieren als 100 Leser, die nach einigen Zeilen mein Blog wieder verlassen.

    Ich teile meine Artikel auf Google+ und auf Twitter, was mir im Grunde genommen wenig neue Leser bringt. Damit lebe ich, zumal dieses Teilen kein Aufwand ist, obwohl ich es manuell mache.

    Auch nach über sieben Jahren Bloggen macht mir dieses Schreiben immer noch Freude – ich gestalte mein „Gedankenbuch“ in jeder Hinsicht mit Herzblut.

  7. Ach ja! SEO! Ich verdiene ja schon ein paar Jahre meine Brötchen unter anderem mit SEO. Ich mag den Begriff zwar nicht mehr. Inzwischen Optimiert man seine Site nicht mehr „nur“ für Suchmaschinen, sondern für den User. Ein gutes Ranking gibt es für die, die dem User was zu bieten haben. Natürlich muss dies Google sehen und dafür brauchts noch ein wenig klassisches SEO. Aber mit z.B. WordPress als CMS kann man nicht mehr viel falsch machen.

    Also! Produziert guten Content und gut ist!

  8. Hallo,

    für mich ist auch das wichtigste Gebot: guter Content. Dies bringt langfristigen Erfolg, da in der schnelllebigen Zeit niemand seine Zeit mit schlechten Inhalten verschwenden möchte. Der Erfolg (Verlinkung, Social Media, Anfragen) kommt dann von ganz allein. Auf das sich immer wieder zurückzubesinnen finde ich gut und wichtig.

    Viele Grüße,

    Stefan

  9. Was die WordPress-Plugins angeht: Die haben schon eine gewisse Berechtigung, zumindest was die korrekte Strukturierung der Post-Daten angeht. Ansonsten hat sich mir nie wirklich erschlossen, weswegen viele Blogger an einem bestimmten Punkt SEO mehr Gewicht beigemessen haben als dem eigentlichen Inhalt.

    Wer sich auch nur mal oberflächlich mit SEO beschäftigt hat, dem kann nicht entgangen sein, dass etwa Matt Cutts seit Jahren gebetsmühlenartig in jedem zweiten Satz den Begriff „Quality Content“ im Zusammenhang mit dem ultimativen Ziel des Algorithmus verwendet – und mittlerweile ist das auch keine bloße Floskel mehr. Die inhaltliche Bewertung hat eine ungeahnte Präzision erreicht und hinzu kommen die angesprochenen „Social Signals“, die Google ja ebenfalls spürbar berücksichtigt.

  10. Ja ja … immer wieder das Thema SEO.
    Ich beschäftige mich auch nebenbei etwas damit. Doch das wird ja alles immer komplizierter. Immer wieder ändern sich Gewichtungen und irgendwann blickt man selbst nich mehr durch, was wann wie angepasst werden soll…
    Ich denke mit einem Blog kommt man aber wirklich mit gutem Content schon relativ weit :)

  11. Ein Artikel den sich Blogger zu Herzen nehmen sollten. Aber man liest ja nicht umsonst überall (auch von Seitens Google) „Content is King“. Und wenn diese Phrase irgendwo zutrieft, dann auf Blogs. Besonders in Kombination mit Social Media (was ja stark im kommen ist) macht diese Phrase Sinn denn die Leute teilen nur was ihnen gefäält bzw. was sie interessant finden.

    Abgesehen davon wird so das Internet zu einem besserem Ort :).
    Danke für den Beitrag
    Gruß Vis

  12. Elke Giese 23.01.2015 at 11:43

    Hallo Nico. Danke für den tollen Beitrag. Wie oben schon geschrieben wird ist es nicht einfacher im Netz. Da sich nicht jeder eine „teure“ Optimierung leisten kann ist es für kleine Unternehmen um so schwieriger. Aufgegeben wird trotzdem nicht.

  13. Sebastian Stein 25.01.2015 at 11:29

    Content ist und bleibt King! Davon mal abgesehen, dass Google & Co Keywordoptimierte Texte sowieso immer besser erkennen, macht es auch überhaupt keinen Spaß einen schönen Text nur für Google nochmal umzuschreiben.. Die deutsche Sprache ist so schön und „SEO-Sprache“ wohl eher nicht :D

    Es ist und bleibt eine zweischneidiges Schwert!

  14. Latte macchiato Meister 29.01.2015 at 9:16

    Hallo Nico,
    ich muss zugeben, dass ich mich vielleicht auch etwas zuviel mit Google beschäftige und dabei die soziale Medien und den Content an sich vernachlässige. Ich sollte mir auch dieses zweite soziale Standbein aufbauen und mich so unabhängiger von Google machen. Irgendwie scheint neuerdings sowieso keiner mehr zu wissen, wie man bei Google nach vorne kommt.

  15. Das ist ein interessanter Ansatz und an sich ja auch gut aber: Man muss sich vorher schon eine gewisse Reichweite aufbauen, um das auf den Google Traffic verzichten zu können. Mit dem Einsatz von WordPress hast Du ja hier auch schon indirekt deinen Blog gut optimiert :)

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