52 Bücher – Nr. 14: Talking Points

Auf dieses Buch bin ich durch Twitter gestoßen. Dushan Wegner ist mir dort aufgefallen, weil er des Öfteren Links zu interessanten Artikeln gepostet oder aktuelle politische Themen kritisch kommentiert hat. Nun kaufe ich nicht gleich jedes Buch, das irgendjemand auf Twitter geschrieben hat, aber natürlich sorgt es bei mir für eine gewisse Neugier, wenn jemand ein Buch geschrieben hat und sich auf Twitter auch nicht ganz blöd anstellt.

talking_pointsPolitische Kommunikation ist ein Thema, das mich seit meinem Studium fasziniert, damals waren die Seminare zu Wahlen und Wahlkämpfen immer die Highlights für mich. Talking Points oder die Sprache der Macht: Mit welchen Tricks Politiker die öffentliche Meinung steuern von Dushan Wegner wirft einen Blick auf die Sprache der Politik und wie sie uns Wähler beeinflussen soll. Dabei benennt Wegner Effekte wie “Güte”, “Weisheit”, “Echtheit”, “Vereinfachung”, “Angst” oder “Mit der Herde sprechen” und erläutert, wie diese von Politikern und ihren Kommunikatoren eingesetzt werden und welches jeweilige Ziel damit verfolgt wird. Zusätzlich bringt Wegner immer wieder Exkurse, um speziellere Themen wie “Essen in der Politik”, “Spindoctors” oder “Nimby” zu beleuchten.

Wegner seziert die politische Sprache und erläutert dem geneigten Leser, was sich hinter Formulierungen versteckt und wie Reden funktionieren sollen. Allerdings fehlt mir der Lesefluss bei diesem Buch. Die Effekte werden erläutert und von Exkursen, die durchaus interessant sind, immer wieder unterbrochen. Vermutlich liegt es an der Linearität eines Buches, aber bei der Lektüre fehlte mir nach einigen Kapiteln der rote Faden. Es hätte dem Buch gut getan, wenn am Ende des Buches noch zwei, drei Reden anhand der vorher diskutierten Effekte erläutert worden wären, damit man einen besseren Überblick bekommt.

Von allen Effekten fand ich am einprägsamsten, dass man zuerst eine Forderung aufstellen sollte, um sie dann zu begründen und nicht erst die Begründung formuliert, um dann eine Forderung davon abzuleiten. Das ist für mich für meine politische Arbeit ganz praktisch zu wissen, genauso wie die das Umhängen des Deutungsrahmens.

Was mir ziemlich sauer aufgestossen ist: Wegner formuliert immer wieder von Oben herab und es wirkt so, als ob er von den handelnden Personen seines Buches, nämlich den Politikerinnen und Politikern, nicht viel hält. Das tut dem Buch nicht gut. Insgesamt bietet Wegner einen guten Überblick über das, was hinter der Sprache der Politik steckt.

Talking Points oder die Sprache der Macht: Mit welchen Tricks Politiker die öffentliche Meinung steuern

Eine Antwort auf „52 Bücher – Nr. 14: Talking Points“

  1. Ich hab das Buch mit Spannung erwartet, war am Ende aber etwas “underwhelmed”. Viele der genannten Beispiele erinnern an die Analysen eines guten Zeitungsredakteurs – wer aber bereits aufmerksam die Politik verfolgt wird viele der genannten Beispiele schon zwei oder dreimal gelesen haben (etwa Merkels Begegnung mit dem Mädchen Reem).

    Mir fehlte persönlich vor allem eine klare Zielgruppe. Immer wieder suggeriert Wegner durch seine Anrede, dass er sich an Politiker selber wendet, aber wenn man sich bereits intensiv mit Politik und Macht befasst (wie ich das auch tue), gibt es in dem Buch wie erwähnt nur wenige “Aha-Momente” – hier würde ich eher klassische Rhetorik-Bücher empfehlen wie “Die Kunst, überzeugend zu reden”, die etwas “zeitloser” sind. Für jemanden, der eher politischer Beobachter oder interessierter Bürger ist mag das Buch ein guter Orientierungsrahmen sein …

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