Es scheint wieder etwas Bewegung in die Breitbanddebatte in Europa zu kommen. Zwar hat die EU das Ziel von 30 Mbit/s für jeden Europäer bis 2020 ausgegeben, aber man hört wenig von Fiber-to-the-Home (FTTH) oder ähnlichen Projekten. Dies könnte nun anders werden.

Google Senior Vice President David Drummond Friday said the U.S. Internet search giant is considering building a fiber network in a European country.

During a meeting at the French Industry Ministry, Drummond said that Google was „looking very closely“ at a potential project in Europe, without specifying where this project would be launched or when.

Zwar steht in dem Artikel nicht, worum es genau gehen könnte, aber es lässt natürlich aufhorchen, wenn Google in Europa Glasfaser verbuddeln will. Für Firmenkunden würde dies eine bessere Anbindung bedeuten und für viele Anwendungen, die für die Verbraucher immer wichtiger werden, also vor allem Musik und Video, dürfte ein derartiger Schritt ebenfalls von Vorteil sein. In den USA gab es eine Ausschreibung für ein FTTH-Projekt von Google und Kansas City hat dafür den Zuschlag bekommen, bei über 1000 Bewerbungen.

Wir dürfen gespannt sein, ob und was Google in Europa plant und wie darauf die Telcos reagieren werden, die ja in letzter Zeit sich eher auf LTE zu konzentrieren scheinen. Sollte allerdings Google Bandbreiten im Bereich von 1 Gbit/s planen, dürfte die Schlange der Bewerberstädte eher lang werden. Ich finde es allerdings peinlich, daß europäische Firmen sich mit den Investitionen in Glasfasertechnologie derzeit eher zurückhalten und DSL quasi als Maß aller Dinge angepriesen wird.

[ via Google considers building fiber network in Europe – MarketWatch ]

Zug um ZugIn den vergangenen Jahren war es gute Sitte unter Sozialdemokraten, die Bundeskanzler oder Hamburger Bürgermeister werden wollten, sich den öffentlichen Ritterschlag des Privatiers Helmut Schmidt aus Hamburg Langenhorn abzuholen. Das Kalkül war, daß man mit diesem Endorsement, wie es bei amerikanischen Medien und Personen des Zeitgeschehens üblich ist, eine zusätzliche Bestätigung erfahren würde, die sich an der Wahlurne in Stimmen niederschlägt. Wir kennen auch noch aus der Vergangenheit den Eiertanz, daß nicht gesagt wird, wer Kanzlerkandidat werden wird, obwohl es eigentlich schon alle wissen, auch dies ist natürlich Teil der Dramaturgie von Wahlen und Wahlkämpfen.

Zwei Jahre nach der für die SPD desaströsen Bundestagswahl steht die Partei jetzt als Alternative zur chronisch zerrütteten CDU/CSU/FDP-Koalition da und auch die aktuellen Umfragen lassen auf eine Mehrheit für rot-grün hoffen. Die SPD hat bei den letzten Landtagswahlen entweder gut, oder wenigstens nicht so mies wie befürchtet, abgeschlossen und hat daher gerade so etwas wie einen Lauf.

Entgegen aller politischen Gepflogenheiten passiert jetzt etwas Interessantes. Helmut Schmidt nominiert Peer Steinbrück zum Kanzlerkandidaten. Er tut dies, weil er Peer Steinbrück das Amt zutraut. Er tut dies aber auch, weil die beiden ein Buch geschrieben haben und dies in diesen Tagen in den Handel kommt. Er tut dies auch, weil er mit diesem Thema ganz wunderbares Agenda-Setting betreiben kann, denn er ist Quotengarant für Talkshows und hat in der Vergangenheit durch seine Auftritte Zeichen setzen können. Spiegel und Zeit sekundieren dann natürlich höflich, weil auch sie sich Aufmerksamkeit und Auflage versprechen.

Die SPD hat nun also das seltsame Luxusproblem, daß zwar niemand mehr der Kanzlerin eine Wiederwahl mit ihrer zerstrittenen schwarz-gelben Koalition zutraut, aber eben auch drei mögliche Kanzlerkandidaten zur Verfügung stehen und die Diskussion darüber für die Partei viel zu früh kommt.

Ich bin mir nicht sicher, was das Kalkül hinter dieser Festlegung für Peer Steinbrück durch Helmut Schmidt ist. Er definiert dadurch eine Debatte, er verknüpft die Kritik am Krisenmanagement der Kanzlerin mit dem Hinweis, daß die SPD mit Peer Steinbrück es besser machen könnte, aber dadurch wird Steinbrück auch ein Jahr zu früh ins Rennen geschickt. Die initiale Debatte um das Buch und die Kanzlerkandidatur wird mit der Weihnachtszeit vorbei sein, was sollen dann die nächsten Stufen 2012 sein? Es muß Schmidt/Steinbrück bewußt sein, daß sie als Zweimann-Team nicht bis zur Krönungsmesse durchhalten können werden, zumal sie mit diesem Vorpreschen der Partei gegenüber signalisieren, daß auf Funktionäre und Parteitage nicht so viel Wert gelegt werden. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß Steinbrück jetzt losläuft, damit er die Regierung Merkel als One-Man-Army sturmreif schießt, um dann zu Gunsten eines anderen Kandidaten vorzeitig abzudanken.

Also bleibt nur die Feststellung, daß die Festlegung auf Peer Steinbrück als Kanzlerkandidaten durch Helmut Schmidt ein PR-Schachzug, passend zum Titel des Buches: Zug um Zug.

Lytro hat jetzt ihre neuartige Kamera vorgestellt, über die ich vor einiger Zeit bereits berichtet hatte. Die Idee ist einfach, aber ich vermute mal, daß die Technologie etwas komplexer sein dürfte. Die Kameras erlauben wirkliches Point&Click, lediglich den Zoom kann man sich noch hinfummeln, aber ansonsten ist es ziemlich egal, worauf man fokussiert. Als Nutzer bekommt man ein sog. Living Picture, bei dem man selber definieren kann, welcher Teil des Bildes fokussiert werden soll. Dazu wird es auch eine App geben, zuerst allerdings nur für OS X.

Die Kamera soll es mit 8 GB Speicherplatz für $399 und mit 16 GB für $499 ab Frühjahr 2012 geben. Vorbestellungen sind jetzt schon möglich, leider wird nur in die USA geliefert.

Robert Scoble hat sich die Lytro Camera mal genauer zeigen lassen. Mir gefällt der Formfaktor ja durchaus, ist mal eine interessante Variante zu den immer gleichen Kamera-Gehäusen.

Lumma CLR 558 GT Konfigurator

Nein, ich bin nicht durchgedreht, nein, das ist nicht mein Nebenbei-Projekt, von dem ich erst jetzt erzähle, soweit ich weiß, bin ich mit Horst Lumma nicht verwandt oder verschwägert, ich fahre auch keinen Porsche, aber wem die üblichen Auto-Konfigurationsoptionen nicht weit genug gehen, der wird am Lumma CLR 558 GT Konfigurator seine bunte Freude haben. Nun weiß ich jedenfalls endlich, daß es das Wort Heckspoilerlippe zu geben scheint.

Herrlich, die Posse um das ULD und die fiesen Cookies von Facebook geht munter weiter:

Facebook prüft nach Informationen des NDR „Schleswig-Holstein Magazin“, die Übermittlung von Nutzerdaten aus Schleswig-Holstein in die Konzernzentrale in den USA zu stoppen. Dies ist nach Aussage des Schleswig-Holsteinischen Datenschutzbeauftragten Thilo Weichert das Ergebnis des heutigen Treffens (20. Oktober) mit dem Facebook-Europa-Repräsentanten Richard Allan in Kiel. Weichert sagte dem „Schleswig-Holstein Magazin“, dass Facebook überlege, anhand der IP-Adresse den Standort der Nutzer zu ermitteln. Daten von Nutzern in Schleswig-Holstein sollen dann nicht zur weiteren Verarbeitung in die Konzernzentrale in den USA weitergeleitet werden. Diese Ausnahmeregelung für Schleswig-Holstein wäre weltweit einmalig.

Da bin ich ja mal gespannt, wie das funktionieren wird. Das Targeting nach IP-Adressen hat ja bislang nicht wirklich durch 100% Treffer-Quote überzeugt. Ich finde es erstaunlich, wenn Facebook sich auf einen derartigen Kuhhandel einlassen sollte. Was kommt nach Schleswig-Holstein, wieviele Ausnahmeregelungen will Facebook denn weltweit schaffen?

Thilo Weichert wertet dies als Erfolg, ich glaube, daß das Gegenteil der Fall ist. Schleswig-Holstein und damit Deutschland wird wohl eher als das Land der seltsamen Querköpfe angesehen werden, die irgendwie darauf pochen, daß das Internet anders zu funktionieren hat als es gängige Praxis ist.

Ich hatte vor ein paar Wochen Thilo Weichert gefragt, was denn so schlimm am Like-Button sei:

Der Button tut nicht körperlich weh. Das Anclicken des Buttons löst aber Datenverarbeitungen aus, die für die Nutzenden weder transparent noch selbstbestimmt sind. Es geht um das Setzen eines Cookies, um die Profilierung mit Hilfe des Cookies bei Facebook/USA und die kommerzielle oder sonstige Nutzung dieser Profile, worüber Facebook nicht ansatzweise Informationen herausgibt. Das verstößt gegen das deutsche Telemediengesetz und gegen die europäische E-Privacy-Directive. In diesen Verstößen liegen unzweifelhaft Verletzungen des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung der Betroffenen.

Ich glaube ja, daß das alles halb so wild ist, aber es gibt immer ordentlich Aufmerksamkeit, wenn man dem Ami mal zeigt, daß man nicht immer alles mitmacht. Auch so wird Politik gemacht.

[ via Facebook prüft Ausnahmeregelung: Daten von Nutzern in Schleswig-Holstein sollen nicht weitergeleitet werden | NDR Norddeutscher Rundfunk | Presseportal.de ]