Gute Freunde sind nie allein

Ich werde zum Jahresende Scholz & Friends verlassen. An dieser Stelle muss jetzt eine lange Pause kommen, um die Dramatik meiner Worte zu untermalen. Aber so schlimm ist das alles gar nicht. Ich hatte drei wundervolle Jahre bei Scholz & Friends, habe extrem viel gelernt und das große Glück gehabt, mit vielen wunderbaren Menschen zusammenarbeiten zu dürfen. Gemeinsam haben wir das Thema Social Media und die digitalere Ausrichtung der Agentur vorangetrieben, was bei einer so großen Agenturgruppe wie Scholz & Friends ein nicht immer leichtes Unterfangen darstellt. In meinen drei Jahren bei Scholz & Friends war ich in unzählige Pitches involviert und durfte zweimal hintereinander miterleben, wie die bislang größten Pitches der Agenturgeschichte gewonnen werden konnten. Alles, was ich über Markenführung weiß, habe ich in drei Jahren Scholz & Friends und aus vier Staffeln Mad Men gelernt.

Ich bin schon ein wenig wehmütig, daß ich jetzt Scholz & Friends verlasse, aber ich weiß, daß meine Kollegen künftig auch gut ohne mich zurecht kommen werden. Überheblich könnte ich jetzt schreiben: ich hinterlasse ein gut bestelltes Feld, aber dafür bin ich zu bescheiden. “Mission accomplished” könnte man das auch nennen.

Ich werde mich ab Januar neuen Aufgaben widmen, wie es immer so schön heißt. Ich kann auch schon etwas verraten: ich werde irgendwas mit diesem Internet machen, das soll sich jetzt wohl durchsetzen, munkelt man.

Und jetzt machen wir mal was mit Wahlcomputern

Mal unter uns, jeder hat doch schon mal so einen Moment gehabt. Da kommen die zufriedenen Eltern oder Großeltern an, wollen mal so richtig cool sein, sind stolz wie Bolle, präsentieren irgendetwas und ernten entsetzte Blicke. So muß es gerade den Verantwortlichen im Willy-Brandt-Haus gehen, die dachten, der Einsatz von Wahlcomputern beim kommenden Bundesparteitag sei eine total tolle, moderne, vielleicht sogar coole Sache. Ist ja was mit Computern. Machen die jungen Leute ja so, heutzutage.

Aaaargh. Mentale Frühvergreisung ist echt keine Frage des Alters. Wie kann man nur auf die bescheuerte Idee kommen, nach der Debatte um Wahlcomputer in den letzten Jahren jetzt meinen zu müssen, daß man aus Gründen der Effizienz beim Bundesparteitag nicht mehr mit Papier abstimmen will?

Ich bin echt sprachlos. Ich habe gestern abend davon erfahren und wußte nicht, ob ich lachen, weinen oder enfach nur mit dem Kopf auf die Tischplatte knallen soll.

Ich kann es verstehen, daß jemand auf die Idee kommt und sich denkt “hey, praktisch, das testen wir mal.” – aber wieso fällt niemandem im Willy-Brandt-Haus auf, daß Wahlcomputer aus irgendwelchen Gründen immer noch kein Standard sind? Warum wird niemand gefragt, der sich damit auskennt? Oder einfach mal bei Google nach Wahlcomputer gesucht?

Jetzt haben wir den Salat, die anderen Parteien haben sich das Popcorn bereitgestellt und gucken hämisch amüsiert zu, wie sich die SPD zwei Wochen vor ihrem Bundesparteitag lächerlich macht. Da können noch so tolle netzpolitische Grundsätze verabschiedet werden, aber die Partei macht sich erst mit Vorratsdatenspeicherung lächerlich und jezt auch noch mit Wahlcomputern. Ich kann es den anderen Parteien nicht verdenken, ich hätte es genauso gemacht, die Vorlage ist einfach zu schön.

Aber, hey, so ist es eben, wenn man einen großen Tanker zu Kursänderungen bewegen will. Das geht nicht von jetzt auf gleich, das dauert seine Zeit. Die Netzpolitiker in der SPD sind sich auch des edukativen Auftrags bewußt und wir werden auch dieses Thema allen so lange erklären, bis sie es verstehen. Und natürlich hoffen wir, daß in der SPD mal verstanden wird, daß man lieber mal jemanden fragen sollte, der sich mit diesem Digitaldings auskennt, bevor man wieder irgendenen Unfug veranstaltet. Es ist dann doch wohl so wie mit der heißen Herdplatte, da müssen erst mal alle draufpatschen, bis sie verstehen, daß es weh tut.

Wahlcomputer beim Bundesparteitag, hier macht man was mit. Wenigstens wird es nie langweilig werden mit der SPD.

Santa Yoda bringt Geschenke

Pünktlich zur Weihnachtszeit startet LEGO USA die Website LEGO Santa Yoda und bietet unter dem Motto “Use the force this holiday season!” an, daß man Grußkarten mit Videos verschicken kann. Für jede verschickte Grußkarte wird ein Spielzeug für einen guten Zweck gestiftet. Noch dazu kann man Fotos und Filmchen von eigenen LEGO Star Wars Kreationen hochladen, um Preise zu gewinnen.

Dieses Jahr bringt LEGO zum ersten Mal gemeinsam mit Star Wars einen LEGO Star Wars Adventskalender heraus, der sehr schnell überall vergriffen zu sein scheint.

Hier sind die drei Videos, die man verschicken kann. Mir persönlich gefällt das erste Video am Besten.

“Not So Silent Night.”

“Making a List, I am; Checking it Twice, I Must.”

“To Town, LEGO Santa Yoda is Coming.”

Was wollen die Kinder eigentlich so zu Weihnachten?

Nielsen hat mal eine Umfrage in den USA gemacht und die Vorlieben der Kinder im Bereich Consumer Electronics herausgefunden. Daher ist die Meldung U.S. Kids Looking Forward to “iHoliday” 2011 nicht wirklich verwunderlich, denn Barbie, LEGO oder Playmobil waren gar nicht Thema.

Aber, was dann doch faszinierend ist: das iPad ist ganz oben auf der Wunschliste. Daran kann man mal sehen, wie immens die Sogwirkung dieses Geräts ist. 44% der Kinder wollen ein iPad haben, gefolgt von 30%, die ein iPod Touch haben wollen und 27%, die ein iPhone haben wollen. Einen eigenen Computer wollen nur 25% der Kinder haben, ein eigenes TV-Gerät wollen nur 20% haben, ein anderes Handy nur 12%.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: unsere Kinder würden auch am Liebsten ein iPad haben wollen oder ein iPhone, aber ein eigenen Fernseher haben sie sich noch nie gewünscht. Warum auch, wenn man auf dem iPad doch eh viel mehr gucken kann als auf dem Fernseher? Und man kann auch noch Spiele spielen, lernen, lesen, und so weiter. Wer einmal die Disney Appmates oder Crayola Trace & Draw gesehen hat, der ahnt, was in dem iPad für ein Potential steckt, gerade für Kinder.

Wir werden zukünftig immer mehr Spielzeug sehen, das intelligent mit den Alltags-Devices wie iPad, iPhone oder Android-Tablet bzw. Android-Phone verknüpft sein wird. Das bedeutet aber auch, daß Haushalte mit Kindern irgendwie mehr als ein Tablet benötigen werden, bei den aktuellen Preisen ist das ein enormer Kostenpunkt für Familien. Aber nicht nur der Spielzeugmarkt wird dadurch nachhaltig verändert, sondern auch im Bereich Bildung wird das iPad den Kindern ganz andere Lernmethoden ermöglichen, als wir es bisher gewohnt sind.

Wie verbinden wir das mit den traditionellen “aber nicht mehr als 30 Minuten Mediennutzung am Tag!”? Eben.

GK Netzpolitik der SPD lehnt Vorratsdatenspeicherung ab

Die Vorratsdatenspeicherung ist irgendwie die Untote unter den Vorhaben, die unnütz sind, von denen sich aber gerade die Innenpolitiker viel versprechen. Anders ist es nicht zu erklären, warum es in der SPD jetzt zu der absurden Situation gekommen ist, daß für den Anfang Dezember stattfindenden Bundesparteitag ausschließlich Anträge gegen die Vorratsdatenspeicherung eingebracht wurden, die Antragskommission sich aber entschieden hat, einen Antrag für die Vorratsdatenspeicherung zu formulieren. Innerhalb der SPD gibt es einen längeren Diskussionprozeß, aus dem bereits ein Kompromiß-Antrag des GK Netzpolitik zur Vorratsdatenspeicherung resultierte. Leider wurde dies von der Antragskommission ignoriert. Deshalb haben wir gestern im Gesprächskreis Netzpolitik der SPD beschlossen, unsere Ablehnung der Vorratsdatenspeicherung deutlich zum Ausdruck zu bringen:

Der SPD-Gesprächskreis Netzpolitik und Digitale Gesellschaft unterstützt den Juso-Antrag zur Ablehnung der Vorratsdatenspeicherung
Der Gesprächskreis Netzpolitik und Digitale Gesellschaft beim SPD-Parteivorstand empfiehlt, dem Vorschlag der Antragskommission zur Vorratsdatenspeicherung auf dem SPD-Bundesparteitag nicht zu zustimmen. Eine anlasslose und verdachtsunabhängige Speicherung von Telekommunikationsverkehrdaten auf Vorrat, mit denen Bewegungs- und Kommunikationsprofile erstellt werden können, lehnt der Gesprächskreis Netzpolitik ab. Wir haben in einem langen und schwierigen Diskussionsprozess versucht, einen Kompromiss zwischen Innen-, Rechts- und Netzpolitikern zu finden und haben von unserer Seite konkrete Vorschläge unterbreitet. Leider hat die Antragskommission mit der Vorlage ihres Antrages zur Vorratsdatenspeicherung diese Kompromisse nicht aufgegriffen. Es wird damit zur strittigen Abstimmung auf dem Parteitag kommen. Der Gesprächskreis Netzpolitik fordert die Delegierten des Parteitages auf, gegen den Antrag I30 (in der Fassung der Antragskommission) zu stimmen. Stattdessen empfehlen wir, dem Antrag des Juso-Bundesvorstandes zur Ablehnung einer anlasslosen und verdachtsunabhängigen Vorratsdatenspeicherung zuzustimmen.

Bevor jetzt wieder die üblichen Verdächtigen anfangen, irgendetwas von Verräterpartei zu brüllen, würde ich gerne darauf verweisen, daß dies unter BILD-Niveau ist und daß die SPD in den letzten zwei Jahren einen ordentlichen Lernprozeß durchlaufen hat, worunter u.a. die Ablehnung der Netzsperren, aber auch die Forderung nach Netzneutralität und der Einordnung von Breitband als Universaldienst zählen. Aber, wie man an der Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung sehen kann, es ist noch lange nicht alles erreicht.

[ via SPD-Netzpolitiker unterstützen Antrag gegen Vorratsdatenspeicherung | Henning Tillmann ]