Irre. Man reibt verwundert seine Augen. Kaum ziehen in Berlin ein paar Piraten in das Landesparlament ein, fangen parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktionen an zu twittern und liefern sich Debatten in der FAZ. In diesen Debatten geht es erstaunlicherweise um das Internet. Man vermag es kaum zu glauben.

Noch verheddern sich die Politiker in Erklärungsversuchen über Cyberspace, virtueller Realität und Parallelwelten – noch dazu werde ich das Gefühl nicht los, daß permanent nach Begründungen gesucht wird, warum man sich jetzt dann doch mit diesem Internetz auseinandersetzen will. Da fragt man sich dann schon, was sich plötzlich verändert hat, was nicht schon vor 5 Jahren galt, abgesehen jetzt mal von einigen Piraten in Berlin.

Herzlich Willkommen in der Diskussion, liebes politisches Berlin, ich bin mir nicht immer so sicher, ob wir auf Euch alle gewartet haben. Man schwankt bei den derzeitigen Debattenbeiträgen zwischen „geht sterben!“ und „na endlich! warum nicht gleich so?“ – und das geht wohlgemerkt quer durch alle Parteien und Altersstrukturen. Ich frage mich dann allerdings auch, wo die Leute, die sich jetzt anfangen in Debatten um das Internet einzumischen, in den letzten Jahren waren. Auf dem Mond? In der tiefsten Provinz? Unter einem Stein? Was hat dazu geführt, daß das politische Berlin das Internet bislang nur als Tool, nicht aber als eine massive Disruptionen auslösende Entwicklung angesehen hat, die weitreichende Auswirkung auf unsere Gesellschaft und unsere Arbeitswelt haben wird? Gab es die Hoffnung, durch einfaches Negieren das Internet wieder zum Weggehen zu motivieren? Die Hoffnung hatten bereits einige Branchen und sie mussten schmerzhaft erfahren, daß das Internet bleiben wird.

Liebe Politiker, ihr habt eine ordentliche Aufholjagd vor Euch, wollt ihr doch auch in der Lage sein, Debatten auf Augenhöhe zu führen. Die Realität des Internet ist anders als ihr denkt, aber das werdet ihr auch noch rausbekommen. Die Frage ist doch letztendlich: wird die Politik in der Lage sein, gestalterisch mit dem Internet umzugehen? Wird es künftig Verständnis geben, das über das Bedienen eines Twitter-Clients hinaus geht? Die Politik hat ein wahnwitziges Optimierungspotential bei allen Themen, die irgendetwas mit Technologie und Internet zu tun haben. Mangelndes Verständnis ist noch ein stark geheuchelter Ausdruck für den aktuellen Zustand der Politik.

Ich empfehle die Lektüre von Büchern wie Program or Be Programmed: Ten Commands for a Digital Age, In the Beginning…was the Command Line, The Hacker Ethic und Where Wizards Stay Up Late: The Origins Of The Internet – aber das ist nur der Anfang.

Ich freue mich auch schon auf den Zeitpunkt, an dem das politische Berlin entdeckt, daß die Mobile Revolution noch einmal anständig alles durcheinanderwirbeln wird und alles, was wir bislang als das Internet angesehen haben, uns dann wie ein Kindergeburtstag vorkommen dürfte. Das einzig Beständige am Internet ist der permanente Wandel in einer absurden Geschwindigkeit.

Am 29. November dürfen wir den aktuellen Stand der Debatte beim Netzpolitischen Austausch in Berlin bestaunen. Auf den Erkenntnisgewinn bin ich jetzt schon gespannt. Ich tippe auf „das Internet geht nicht mehr weg!“, dicht gefolgt von „huch, auf Twitter reden die gerade irgendwas über uns“ und „das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!“, es kann aber auch sein, daß durchaus realisiert wird, daß das Internet ein Thema ist, das quer durch alle Bereiche uns alle angeht. Ach nee, das wäre zu einfach.

Google Reader+

Google Reader hat jetzt die lange erwartete Integration in Google+ bekommen. Dazu gehört nicht nur ein plussigeres Layout, sondern auch der Verzicht auf den Like-Button – stattdessen gibt es jetzt den +1 Button, der auch das Sharen innerhalb von Google+ erlaubt.

Google Reader Sharing+

Ich finde das Update lange überfällig, schließlich geht es bei Google Reader schon immer um das Lesen und Sharen von Feeds und da bietet sich natürlich die Integration in Google+ an. Der Wegfall des Like-Buttons ist zu verschmerzen, ebenso wie die Notizfunktion beim Share-Button – die Verknüpfung mit Google+ bietet viel bessere Sharing-Möglichkeiten als vorher.

Google Reader Mobile
Die mobile Variante sieht noch etwas seltsam aus, da ist noch das alte Layout beibehalten worden, allerdings wurde auch hier ein +1 Button spendiert. Mobile first sieht anders aus, aber wenigstens sieht man, daß bei Google überall gerade an der Verknüpfung mit Google+ gebastelt wird.

Ich frage mich allerdings, ob dieses Update von Google Reader dazu führen wird, daß RSS für Nutzer interessanter wird. Ich glaube weiterhin, daß die Vorteile von RSS einfach nicht bekannt genug sind und daher weiterhin nur die Poweruser mit dem Google Reader Inhalte in Google+ teilen werden.

Wie verhält sich denn nun eigentlich Google Reader mit Sparks? Wird Google Reader einen Menüpunkt neben Games bekommen? Wird Google+ zu einer Art Tumblr für Texte?

Zeitumstellung

Tja, dann ist ja alles geklärt. Mich bringt die Zeitumstellung nicht so durcheinander, ich freue mich über mehr Licht am Morgen. Was haltet ihr von der Zeitumstellung?

Google Earth Clock

Nico —  29.10.2011

Die Google Earth Clock funktioniert zusammen mit dem Google Earth Plugin innerhalb des Browsers. Diese Uhr ist vielleicht nicht besonders nützlich, aber durchaus eine eindrucksvolle Darstellung, was man mit einer API alles anstellen kann.

Google Earth Clock 2

Diese Uhr hat irgendwas, man kann locker ein paar Minuten gucken, wie die Landschaften vorbeirauschen.

Ich habe schon des öfteren argumentiert, daß ich davon ausgehe, daß Android im Mobilfunkmarkt das dominierende Betriebsssystem sein wird. Die Vielfalt von unterstützten Endgeräten und die damit verbundene Flexibilität beim Preis werden dafür sorgen, daß weiterhin mehr Android-Smartphones verkauft werden. Aber, es gibt auch eine Schattenseite von Android, die dankenswerter Weise von Michael Degusta herausgearbeitet wurde: Android Orphans: Visualizing a Sad History of Support.

Eine Vielfalt bei den Endgeräten führt leider auch zu einer totalen Fragmentierung bei den derzeit unterstützten Android-Versionen.

Other than the original G1 and MyTouch, virtually all of the millions of phones represented by this chart are still under contract today. If you thought that entitled you to some support, think again:

7 of the 18 Android phones never ran a current version of the OS.
12 of 18 only ran a current version of the OS for a matter of weeks or less.
10 of 18 were at least two major versions behind well within their two year contract period.
11 of 18 stopped getting any support updates less than a year after release.
13 of 18 stopped getting any support updates before they even stopped selling the device or very shortly thereafter.
15 of 18 don’t run Gingerbread, which shipped in December 2010.
In a few weeks, when Ice Cream Sandwich comes out, every device on here will be another major version behind.
At least 16 of 18 will almost certainly never get Ice Cream Sandwich.
Also worth noting that each bar in the chart starts from the first day of release – so it only gets worse for people who bought their phone late in its sales period.

Da es weit weniger iPhone-Varianten gibt und auch alle vom Hersteller Apple kommen, ist es natürlich viel einfacher, die Devices über einen längeren Zeitraum mit aktuellen Betriebssystemen zu unterstützen. Aus Entwickler-Sicht wird man auf die allerneuesten Features verzichten müssen, damit die Apps für mehr Geräte verfügbar gemacht werden können.

Ich hatte nicht gedacht, daß die Android-Landschaft im Bereich Betriebssysteme derartig zersplittert ist. Dies ist definitiv ein Thema, das Google lösen muß, um einer Balkanisierung des Android-Marktes entgegenzuwirken.