Man kann von der Quote generell halten, was man will. Ich bin mir auch nicht immer sicher, ob das wirklich alles so hilfreich ist, vermute aber, daß anders ein Umdenken bei vielen Männern nicht hinzubekommen ist. Aber, wenn man sich politisch auf eine Sache verständigt, dann sollte man die Arbeit auch ordentlich erledigen. Die Koalition zeigt auch bei der Diskussion um die Quote für Vorstände Börsen-notierter Unternehmen, daß sie nichts hinbekommt. Das ist noch nicht einmal mehr erschreckend, das ist der Normalzustand der schwarz-gelben Koalition.

Familienministerin Kristina Schröder glaubt an die Selbstverpflichtungsaussagen der Unternehmen und freut sich wie Bolle, daß diese sich zu irgendetwas haben hinreißen lassen, gerne so, daß die Ziele der einzelnen Unternehmen schön schwer vergleichbar bleiben. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hätte gerne eine gesetzliche Regelung, die die Unternehmen verpflichtet, Frauen in die Vorstände zu berufen. Ja, was denn nun? Ich kann ja verstehen, daß es für eine konservative Partei schwer ist, über etwas wie eine Quote für Frauen nachzudenken, aber es gibt immerhin bei der CDU ein Quorum und bei der CSU sogar eine Quote von 40% – da kann es doch jetzt nicht so schwer sein, eine gesetzliche Regelung für die 30 DAX-Unternehmen zu finden, oder? Besonders niedlich finde ich in diesem Zusammenhang die diskutierten 25.000 € Strafzahlung für Unternehmen, die das Ziel nicht erreichen. Dieser immense Geldbetrag wird sicherlich Allianz und Co. zum Umdenken zwingen, dessen bin ich mir sicher. Die Koalition lässt sich gerade von den Unternehmen mächtig verarschen. Gerade von einer jungen Ministerin hätte ich mehr erwartet. Ach ja, die FDP, die will sich vor 2013 nicht festlegen. Auch so kann man den Totalausfall als Koalitionspartner betreiben.

Die Quote wird kommen, spätestens wenn aus der EU der Druck erhöht wird. Schön blöde, wenn wieder einmal die schwarz-gelbe Koalition nicht in der Lage ist, Politik zu gestalten, sondern durch eigenes Versagen wieder nur zum Umsetzer von Vorgaben anderer degradiert wird. Das Beispiel Norwegen zeigt, wie eine Quote umgesetzt werden kann und Positives bewirkt. Aber dafür müßte man eine Regierung haben, die handeln will und kann.

Es geht um die klassische Schere zwischen Arm und Reich, wie sie hier einmal von der New York Times als Infografik dargestellt wurde. Große Teile der Gesellschaft können strampeln so viel sie wollen, sie werden nie auf einen grünen Zweig kommen. Die Entwicklung ist nicht neu, die Auswirkungen werden aber immer härter für immer größere Teile der Gesellschaft, nicht nur in den USA, sondern in vielen westlichen Demokratien.

[ via Opinion – Image – NYTimes.com ]

Damals, in den 80ern, als wir nix hatten, da löste der Rubik Cube eine Welle der Begeisterung aus. Zuerst gab es nur den Original-Würfel für 15 bis 20 Mark, später dann gab es billige Kopien, aber das Spielprinzip blieb gleich. In der Schule wurden Anleitungszettel kopiert und getauscht, Tipps gegeben, gefachsimpelt (Würfel mit Nivea eincremen) – mehrere Monate lang waren alle vom Würfelfieber gepackt. Nachdem ich herausgefunden hatte, wie leicht man den Würfel auseinander bekommt, war für mich das Lösen des Rubik Cube plötzlich ganz einfach geworden.

Der CubeStormer II, basierend auf LEGO Mindstorms, allerdings schafft das Lösen des Rubik Cube innerhalb weniger Sekunden. Beeindruckend. Ich brauchte mit meiner Herangehensweise immer deutlich länger.

Die Astronauten an Bord Apollo 11 durften nach der Landung erst einmal eine Zollerklärung ausfüllen. Demnach sind Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins vom Mond kommend in Honolulu, Hawaii gelandet und hatten Mondsteine und Mondstaub dabei. Zollfreien Einkauf gab es auf der Strecke nicht.

[ via Back from the Moon, Apollo Astronauts Had to Go Through Customs | Space.com ]

Die Debatten der letzten Wochen und Monaten über Cookies, die Facebook Timeline, die Cloud und auch über den Staatstrojaner haben meiner Meinung nach eine große Gemeinsamkeit. Es geht eigentlich immer um das Individuum und den Schutz seiner Persönlichkeitsrechte, auch wenn die Debatten oftmals sehr diffus verlaufen.

Wir reden bislang immer von persönlichen Daten. Das klingt sehr nach Formularwesen, nach Einwohnermeldeamt, nach EDV und IKT, kurzum, es klingt irgendwie technokratisch abstrakt.

Vielen Leuten ist nach der Enthüllung des Staatstrojaners erst so richtig klar geworden, daß Computer in vielen Formen existieren sowie private und dienstliche Nutzung sich vermengen. Die Abgrenzungen fallen daher zunehmend schwerer. Ein Smartphone ist weit mehr als nur ein Mobiltelefon, ein Laptop weit mehr als nur ein Dateneingabegerät und ein Tablet weit mehr als nur ein Entertainment-Device. Wir, die Nutzer, können immer mehr machen mit diesen Geräten, viele Dinge werden immer einfacher nutzbar und bisher nur schwer Mögliches wird ganz einfach.

Photos, Notizen, Banking, Unterlagen, Tagebuch, Filme, Musik, Rezepte, Kontakte, Lexikon, Bibliothek, Inspiration – das sind unsere Daten. Das können sehr persönliche Daten sein, dazwischen können sich Firmendaten wiederfinden, die Daten können im lokalen Speicher verfügbar sein, oder auch in der Cloud irgendwo auf der Welt verteilt sein. Natürlich sind diese Daten irgendwie auch nur Daten, wenn man es technisch betrachtet. Aber emotional ist das, was der Einzelne auf seinen Geräten an Daten hat mehr als nur eine Sammlung von Nullen und Einsen, das ist mehr und mehr ein wichtiger Teil des Lebens.

Diesen Teil des Lebens gilt es zu schützen. So wie die Wohnung schützenswert ist und man auch ein Recht auf körperliche Unversehrtheit genießt.

Wir müssen definieren, daß die persönlichen Daten den Nutzern gehören und den Unternehmen nur ein Nutzungsrecht eingeräumt wird, was jederzeit widerrufen werden kann. Wir müssen Unternehmen zu Transparenz verpflichten, damit diese jedem Nutzer die derzeit verfügbaren Daten offenlegen und der Nutzer diese gegebenfalls editieren oder löschen kann. Wir müssen auch definieren, wie der Rahmen aussieht, in dem sich der Staat künftig bewegen darf, wenn es um die Persönlichkeitsrechte des Einzelnen geht. Eine Stärkung der Rechte des Einzelnen und eine gesetzlicher Rahmen, der Unternehmen verpflichtet, diese Rechte anzuerkennen, sorgt für die Schaffung einer neuen Vertrauensbasis. Der Nutzer behält seine Daten, vertraut sich lediglich Dritten an und Unternehmen müssen diese Daten pfleglich behandeln, wollen sie das Vertrauen nicht verspielen.

Das Web 2.0 hat dafür gesorgt, daß die Nutzer mehr Kontrolle darüber bekommen haben, was sie im Web machen können. Jetzt muß derselbe Schritt auch für die persönlichen Daten des Nutzers geschehen. Es geht weniger um Datenschutz, sondern über Kontrolle und Zugriff auf die eigenen Daten.

Wir benötigen eine europäische Carta der Persönlichkeitsrechte in der digitalen Gesellschaft, um das Individuum vor dem Staat und vor Unternehmen zu schützen. Der Nutzer muß in den Mittelpunkt gerückt und befähigt werden, selber mündig über seine Daten zu entscheiden.