Eigentlich ist ja schon alles geschrieben worden zu diesem total aufregenden Eklat bei der Verleihung irgendeines Fernsehpreises, nur noch nicht von mir. Ich habe weder die Preisverleihung gesehen, noch das Gespräch danach, sondern nur so halbwegs mitverfolgt, wer sich da über den Blödsinn im Fernsehen so alles aufgeregt hat.

Ein 88-Jähriger und eine 65-Jährige regen sich über das Fernsehprogramm auf. Beide kommen aus dem Literaturbetrieb.

Daran werden zwei Sachen deutlich: 1. die angepeilte Zielgruppe des ZDF ist mit dem Programm scheinbar nicht zufrieden. 2. die Zeiten des Vollprogramms sind schon länger vorbei, es haben nur noch nicht alle gemerkt.

Das frei-empfangbare Fernsehprogramm wird mehr und mehr Stuß bringen, weil dies massenkompatibler als französische Filme aus den 70ern mit Jean-Louis Trintignant sein wird. Viele Leute wollen unterhalten werden und haben eben einen anderen Anspruch als die Intellektuellen dieses Landes. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Großraumdisco und Dorfbums haben ihr Publikum, genauso wie Oper und Theater, nur in aller Regel ohne massive staatliche Zuschüsse.

Natürlich muss Unterhaltung nicht platt sein, aber ehrlich gesagt hängt das immer von den eigenen Ansprüchen ab und die sind praktischerweise unterschiedlich. Die Idee eines Vollprogramms für die Masse der Bevölkerung ist daher genauso absurd wie die Idee von Fernsehen als Rundfunk. Wer die technischen Mittel hat, also Computer mitsamt Internetzugang, der kann sich schon jetzt die Inhalte zusammensuchen, die er gerne sehen will, und zwar unabhängig von Zeit und Ort. Natürlich ändert das unsere Rezeption der Inhalte, natürlich will man nicht immer aktiv sein Programm selber gestalten, aber Tools wie TiVo zeigen, dass Fernsehen auch anders möglich ist.

Ich finde daher die Qualitätsdebatte ordentlich absurd. Gerade die Leute, die andere Inhalte sehen wollen, haben die Möglichkeiten, dies zu tun und müssen nicht auf die ARTE-isierung der Sender hoffen. Jeder kann gerne hohe Ansprüche haben, aber man sollte nicht davon ausgehen, dass alle daran interessiert sind, ihr Fernseh-Verhalten danach auszurichten. Die Fernsehsender werden irgendwann auch merken, dass ihre Programm-Politik dazu führt, dass immer mehr Werbe-relevante Zielgruppen viel leichter woanders zu finden sind und dann ihre Angebote entsprechend ändern, aber dazu sind die Sorgen bislang nicht groß genug. Der Paradigmen-Wechsel ist allerdings schon im vollen Gange und überspitzt formuliert wird das frei-empfangbare Fernsehen in Zukunft nur noch für die bildungsfernen Schichten attraktiv sein, da sich alle anderen schon vorher abgewendet haben. Zu viele Kanäle mit unpassenden Inhalten stehen dem Internet gegenüber, das mir zu jeder Zeit die Inhalte liefern kann, die ich gerade konsumieren möchte.

Der Weg ist vorgezeichnet, während man sich in Qualitätsdebatten verheddert, die Online-Aktivitäten der Öffentlich-Rechtlichen möglichst genauestens zu definieren versucht, die Verlage mehr und mehr in Richtung Online-Bewegtbild gehen und MySpace eigene Serien produziert. Fernsehen verändert sich, aber Qualität wird es nachwievor geben, auch zur Hauptsendezeit, nur eben vom User selber ausgewählt.

Das Buch habe ich schon gekauft, bin aber noch nicht dazu gekommen, es auch zu lesen. Warte auf Königs Erläuterungen dazu.

[ Disclosure: irgendwoher kenne ich den Lobo irgendwie. ]

ok, ich habe Tränen gelacht. Obama und McCain durften beim Alfred E. Smith Memorial Dinner mal zeigen, dass sie auch witzig sein können. McCain war nicht ganz so amüsant, aber immerhin haben beide gezeigt, dass sie auch Humor können, und das so kurz vor der Wahl.

[ via: The next President of the United States is funny ]

Paul Marsden über WOMEs gibt sie noch, die Momente, in denen man als Blogger als seltsames Wesen gilt, bestenfalls als Paradiesvogel durchgeht und keiner aber so genau weiss, wie man mit diesem seltsamen Blogger umgehen soll. “Du schreibst dann ja sowieso nur ein Verriss von dem, was ich sage.” – Selten konnte ein Blick auf mein Namensschild soviel Furcht auslösen wie heute beim Brands and Ideas Congress des Art Directors Club Deutschlands zum Thema “Leading Brands in Digital Times”. Und auch, weil Christoph Schuh von der ToFu AG dies leicht falsch verstanden hat, es ging um das Thema “Markenführung” und nicht um “führende Marken”, was ein dezenter Unterschied ist, aber die Interpretationsmöglichkeit des Themas fand ich schon bemerkenswert.

Wie dem auch sei, der Event war höchst unterhaltsam. Ich durfte gestern bereits zum Speakers’ Dinner auflaufen und im Münzclub viele gute Gespräche führen. Man merkte, dass das Thema digitale Markenkommunikation auch die Kreativen umtreibt und ein klein wenig erinnerte mich diese Mischung von Interesse und Bemühung stark an Diskussionen mit Verlagen vor 5 Jahren. Unter dem Motto “different echo chamber, same discussion” kamen die exponierten Vertreter der Werbebranche zusammen, um zu diskutieren, auzurütteln und Thesen zu entwickeln. Vieles war durchaus neu für die Anwesenden, aber die gefundenen Erkenntnisse werden bereits seit 5 Jahren von Protagonisten des Mitmach-Internets diskutiert. Überhaupt, es klang sehr viel sehr bekannt, machte Hoffnung auf mehr und wurde dann doch wieder durch real existierende Beispiele ad absurdum geführt.

Es wird ein Verständnis vom Netz, dem dortigen Diskurs, insbesondere in Social Networks eingefordert und darauf hingewiesen, dass Werbung eine Story erzählen sollte und relevant sein müsste. Gleichzeitig geht es um eine explizite digitale Strategie, quasi als Kontrast zur klassischen Werbung. Eine Schere im Kopf behindert beim Denken, das wurde sehr deutlich, denn eine einheitliche Kommunikationsstragie können sich die wenigsten vorstellen, zu seltsam ist dieses Internetz. Deutlich wurde dies insbesondere durch die anwesenden Vermarkter vorgeführt, die zwar über “Relevanzierung” geredet haben, Clickratensteigerungen von 0,01% auf 0,08% feierten, aber dennoch keinerlei Dialog anschieben konnten mit ihren Werbeformen.

Der Begriff Web 2.0 viel erst am späten Nachmittag, stand aber letztendlich unausgesprochen den ganzen Tag im Raum. Auch dies eher eine Randnotiz, aber durchaus eine, die ein wenig auf das Setting beim ADC hinweist.

Aber alle waren sie stolz auf ihre ersten Schritte im fremden Internetz und verkündeten vom Weg in eine neue bunte Werbewelt. Nur, es wurde nichts Neues erzählt und die ersten Schritte sind sehr zaghaft. Immerhin, es gibt erste Schritte. Mir kam das so vor:

Die Werber denken, sie haben das Licht gesehen, dabei stehen sie in einem dunklen Raum mit einer Taschenlampe ohne Batterien.

Die Tools sind vorhanden, nur die Anwendung ist noch eher unbedarft.

Was mich freuen würde: ADC meets Web 2.0 – ein Dialog über die Disziplinen hinweg. Ich helfe gerne.

Am 21. Oktober findet im Rahmen der Web 2.0 Expo das Pitchcamp x.0 statt, bei dem es um das Thema Venture Capital gehen wird. Für Startups ist die Finanzierung ein wesentliches Thema, daher soll dieser Workshop Gründern dabei helfen, rechtzeitig die richtigen Schritte einzuleiten und bei der Beschaffung vn Kapital nicht zu viele Fehler zu begehen. Eine illustre Runde wird diesen Workshop begleiten:

Robert Goldberg (Crossroads Ventures), Ted Shelton (The Conversation Group), Mike Butcher (TechCrunch), Toby Coppel (Yahoo! Europe and Canada), Olivier Creiche (Six Apart), Simon Levene (Accel Partners), Patrick Liechti (Xing.com), Matt Marshall (VentureBeat), Maximilian Niederhofer (Atlas Ventures), Mehrdad Piroozram (iSteps Widget Ventures), Jens Redmer (Google), Carsten Rudolph (Microsoft), Rob Schiller, Reshma Sohoni (Seedcamp), Adam Valkin (Endemol), Yossi Vardi (International Technologies)

8-12 Firmen werden im Vorfeld ausgewählt und bekommen ein quasi exklusives Coaching – damit das mit dem Präsentieren und Geldeintreiben dann auch besser klappt. Für alle anderen Teilnehmer des Workshops gilt: auf die Pitch-Party kommt man kostenlos. Also, schnell anmelden, man sieht sich in Raum B8-9 im BCC am Dienstag.