Egal, wen ich frage, egal, wer mich fragt, wenn sich Leute aus der Kreativbranche unterhalten, kommt immer zu allererst die Frage “kennst Du gute Entwickler, die einen Job suchen?” – und, um ein klein wenig die Suspense gleich am Anfang zu killen, niemand kennt gute Entwickler, die gerade einen Job suchen. Es gibt schlichtweg keine Entwickler auf dem Markt. Jedenfalls nicht in den Zentren der Kreativbranche. Der Markt ist leergefegt, und das nicht erst seit gestern.
Wer hat da eigentlich in den letzten 10 Jahren so massiv gepennt? Wenn man sich anguckt, wie gerade in New York City ein neuer Tech Campus am Entstehen ist, dann fragt man sich doch, was unsere Unis hierzulande eigentlich so treiben, oder? Woran liegt es, daß wir in Deutschland so dünn besetzt sind mit Entwicklern? Noch dazu mit welchen, die ein Interesse an Internet-Technologien haben? Weil Polen, Rußland und die Ukraine so dicht sind und man lieber outsourcen will, damit man schneller Businessmodelle kopieren kann und sowieso kein Interesse an Technologie hat? Weil das Wort “Informatiker” ungefähr so spannend klingt wie Sanitätsbedarffachverkäufer oder Pförtner? Weil in der Schule Technologie nicht den Stellenwert hat?
Ich weiß es nicht. Ich frage ja nur. Aber wenn ich in einer Pressemeldung von Otto lesen kann, daß massiv Stellen zu besetzen sind:
Insgesamt werden weit über 500 Stellen neu besetzt. Vor allem in der IT und im Bereich E-Commerce besteht ein hoher Bedarf.
und dazu im Hinterkopf habe, daß allein in Hamburg Goodgamestudios 150 offene Stellen hat, Bigpoint in derselben Größenordnung Entwickler sucht und jeder, den ich kenne, verzweifelt nach Entwicklern Ausschau hält, dann ist da doch ein massiver Fehler im System vorhanden. Diese Vakanzen sind ja nicht über Nacht entstanden, sondern Folge einer langjährigen Entwicklung. Die Firmen kommen da mit Auszubilden nicht hinterher, abgesehen davon bekommen die auch nicht unbedingt das beigebracht in der Berufsschule, was hilfreich wäre für einen Job als Programmierer in der heutigen Zeit.
Ach ja, wir suchen auch gerade: Interaction Designer, Javascript Developer, Web Backend Developer, Web Operations Engineer. Ja, alles neumodischer Krams, das hat es früher so nicht gegeben, wird aber gerade massiv benötigt.
Ich habe neulich mal erläutert, warum Kinder programmieren lernen sollten und warum Schüler eine Programmiersprache als zweite Fremdsprache haben müssten. Ich glaube, wir müssen hier als Gesellschaft kollektiv umdenken und junge Menschen für Themen sensibilisieren, die auf sie zukommen, nicht die hinter ihnen liegen. Der Internetsektor wächst massiv und ist die treibende Kraft hinter einer Umwälzung der gesamten Kreativbranche, aber es fehlen Leute an jeder Ecke. Gute Entwickler entstehen nicht über Nacht, hier muß dringend investiert werden in die Köpfe der Zukunft. Aber so lange wir als Gesellschaft immer noch darauf aus sind, die Bedrohung durch neue Dinge zu thematisieren, anstatt sie zu umarmen und das Beste daraus zu machen, so lange gucken wir dann eben zu, wie andere Länder einfach mal den Markt aufteilen, bevor wir begreifen, was da für interessante Arbeitsplätze entstehen könnten, die ein Land ohne natürliche Ressourcen wie Deutschland dringend benötigt.
Ich glaube, wir brauchen eine neue Kultur der Technologie.
Es gab früher, als das Privatfernsehen noch jung war, eine Zeit lang immer die Monkees nachmittags auf Sat1 zu sehen. Ich habe diese Serie geliebt. Ja, ich weiß, die Monkees gelten als die erste fürs TV gecastete Band der Popgeschichte und waren in erster Linie Schauspieler, aber dennoch fand ich die Serie immer herrlich bekloppt und die Beat-Musik der 60er mit einer Prise Surfer-Style mag ich sowieso. Daydream Believer ist immer noch eines meiner Lieblingslieder, schnulzig, aber schön.










