Eine Frage der Begrifflichkeit: Social Media

Jochen Krisch kürt gerade das Unwort des Jahres: Social Media:

Kein Begriff ist so irreführend und verharmlost die Entwicklungen im Bereich der Online-Netzwerke ähnlich stark wie der Begriff “Social Media”. Deshalb ist “Social Media” unser Unwort des Jahres.

Social Networks verändern die (Medien-)Welt. Doch indem der Netzwerk-Begriff durch den zwar sehr griffigen, aber in diesem Zusammenhang komplett unsinnigen Medienbegriff ersetzt wird, möchte uns die Medien-, PR- und Marketingindustrie vorgaukeln, dass man im Netzwerkkontext mit der klassischen Mediendenke (= Aufbau und Monetarisierung von Reichweite) weiterkäme.

Nichts widerspräche dem Netzwerkgedanken mehr, wie wir spätestens seit dem Cluetrain-Manifest wissen sollten. Netzwerke sind keine Fortführung, sondern eine Alternative zu traditionellen Medienstrukturen.

Da auf meiner Visitenkarte Direktor Social Media steht, fühle ich mich durchaus ein klein wenig angesprochen von Jochens Ausführungen. Ich habe ehrlich gesagt auch ein paar Minuten lang darüber nachgedacht, welcher Begriff am Besten umschreibt, was gemeinhin als Social Media bezeichnet wird. Social Networks wäre ebenfalls ein guter Begriff, ähnlich wie Digital Conversations oder Social Web.

Letztendlich ist es wie mit dem Begriff Web 2.0 – man wird nicht komplett glücklich damit, muß aber nicht mehr so viel erklären, was sich hinter dem Begriff verbirgt. Das war bei mir der Hauptgrund, warum ich als Begriff Social Media gewählt habe. Ich muß gerade permanent erklären, was ein Direktor Social Media so treibt, da finde ich es hilfreich, daß ich nicht auch noch den Begriff Social Media erläutern muß, sondern dieser eben mittlerweile schon recht bekannt ist.