Archives For friedrich

Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche will Innenminister eine besonders sichere Cloud einrichten, die für für Daten aus Ämtern und Behörden nutzbar ist. Diese Cloud soll nicht wie sonst üblich weltweit verteilt funktionieren, sondern nur in Deutschland, also eine Bundes-Cloud:

Die Regierung, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und die Deutsche Telekom hätten in den vergangenen Wochen bereits miteinander gesprochen, heißt es aus Kreisen von T-Systems, der IT-Sparte der Telekom. Ergebnis sei, dass das BSI nun exakte Schutzprofile erstellen solle. Davon sollen auch Unternehmen profitieren. Denn mithilfe der Profile kann das BSI IT-Dienstleister sowie deren Cloud-Lösungen prüfen und Sicherheitszertifikate vergeben. Solch geprüfte Anbieter sollen dann auch Unternehmen schneller in die Cloud locken.

Das klingt ja erst einmal alles sehr erbaulich, denn natürlich schwingt bei der Cloud immer eine gewisse Rechtsunsicherheit mit, da niemand genau weiß, in welchem Datacenter die Daten gerade liegen und welcher Rechtsrahmen dafür gerade in Frage kommt. Aber es kommt noch besser:

Auch T-Systems-Chef Reinhard Clemens macht sich für mehr Patriotismus in der IT-Industrie stark und fordert eine „deutsche Cloud“, betrieben von einem nationalen Dienstleister. Nach dem Vorbild der staatlich geförderten Nationalen Plattform Elektromobilität könnte seiner Ansicht nach schon im kommenden Jahr eine „Nationale Plattform sichere Cloud“ entstehen. T-Systems wäre als größter deutscher Cloud-Anbieter auch größter Profiteur.

Also ganz uneigennützig will die Telekom-Tochter T-Systems eine Bundescloud einrichten und damit ordentliches Business für sich generieren. Wenn man schon meint, eine Wagenburg bauen zu wollen in einem weltumspannenden Netzwerk, dann sollte man es vielleicht etwas geschickter anstellen und die eigenen Geschäftsinteressen nicht gleich in den Vordergrund stellen. Eine Bundescloud halte ich übrigens in Zeiten einer Europäischen Union für völligen Blödsinn. Ich halte es aber durchaus für sinnvoll, Sicherheitsaspekte in den Vordergrund zu stellen, die von einer unabhängigen Einrichtung geprüft und zertifiziert werden, damit Unternehmen ohne Bedenken Cloud-basierte Dienste nutzen können.

Ich bin gespannt, wie die Bundes-Cloud konzipiert wird. Ich vermute, daß dort ein großes monolithisches System entstehen soll, daß weitesgehend ohne Schnittstellen auskommen wird, anstatt wirklich die Vorteile der Cloud zu nutzen. Aber man nennt es dann Bundescloud, macht einen Haken dran und sagt, daß man sich auch um dieses wichtige Politikfeld gekümmert hat. Auch wenn es nur T-Systems dienen wird und für Unternehmen kaum Vorteile bringen dürfte. Man könnte ja auch einfach basierend auf Open Stack oder anderer frei verfügbarer Software eine wirkliche Cloud mit europäischen Sicherheitsstandards aufbauen, aber das wäre vermutlich nicht im Interesse von T-Systems-Chef Reinhard Clemens.

Die Bundescloud wirkt wie ein magentafarbenes Großprojekt für die Förderung der deutschen IT-Konzerne, die mal wieder eine wichtige Entwicklung verschlafen haben und jetzt Zuflucht in der nationalen Wagenburg suchen wollen.

Ach Herr Friedich, wir haben 2011 und sie kommen mit derartigen Kamellen daher? Nach Norwegen-Attentaten: Innenminister Friedrich fordert Ende der Anonymität im Netz – muss das denn schon wieder sein? Sie appellieren hier an die Vorurteile, die in ihrer Wählerschaft vorherrschen, das ist Stammtisch par excellence und führt nicht nur nicht zu einer sinnvollen Debatte, sondern geht auch am Thema vorbei.

Wir haben immer mehr Menschen, die sich von ihrer sozialen Umgebung isolieren und allein in eine Welt im Netz eintauchen.

Wen meinen Sie damit konkret? Die Hausfrau in Franken, die eBay nutzt, um Dinge aus ihrem Haushalt zu versteigern? Oder den Schüler im Sauerland, der für einen Aufsatz im Internet recherchiert? Online und Offline verschmelzen immer mehr und sie kommen mit dem Bild des online-süchtigen Computerfreaks, wie es in den Zeiten der Mailboxen gerne dargestellt wurde? Haben Sie mal einen Realitätscheck vor, oder wollen Sie weiterhin derartigen Stumpfsinn verbreiten?

Wir haben Anonymität im Netz, aber das ist sehr eingeschränkt. Ich geniesse auch im normalen Leben Anonymität und darf beispielsweise Einkaufen gehen oder an Demos teilnehmen, ohne mich vorher auszuweisen. Das finde ich auch ziemlich praktisch, Sie nicht? Gucken Sie sich mal die populären Plattformen wie Facebook oder Google+ an, sehen Sie da Anonymität?

Schon jetzt können Sie allerdings mal eben den Paragrafen 130 StGB angucken und dementsprechend gegen Volksverhetzung im Netz vorgehen. Der Staat ist in der Lage, zu handeln. Alles kontrollieren wird er nicht können!

Ich fordere hiermit die Abschaffung der Stumpfheit in der Politik! Forderungen nach der Abschaffung der Anonymität im Netz sind kompletter Unsinn, spiegeln die Lebensrealität der Menschen nicht wider!