Seit Ende August schmückt ein schwarzer Armreif mein linkes Handgelenk und damit gehöre ich zur steigenden Zahl der praktizierenden Quantified Self Nutzer, die irgendwelche Gadgets nutzen, um Statistiken über sich selber erstellen zu können. Lange Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich handschriftlich in einer Kladde seine Trainingsfortschritte notierte, mittlerweile gibt es eine Fülle von Tools, die Bewegungen aufzeichnen, Kalorienverbrauch berechnen und das alles schön mit den Aktivitäten der Freunde vergleichen.
Das Fuelband misst drei Dinge: NikeFuel, Schritte und verbrauchte Kalorien, außerdem kann es die Uhrzeit anzeigen. NikeFuel sind die universellen Gummipunkte, die Nike für Aktivitäten vergibt. Nike hat bereits seit Jahren mit Nike+ eine Plattform, die Sportler in die Lage versetzt, Trainingseinheiten zu speichern und mit anderen zu teilen. NikeFuel soll quasi die Währung für Bewegung sein, damit nicht nur Läufer sich mit einander messen können, sondern auch andere Aktivitäten miteinander verglichen werden können.
Ich nutze das Fuelband, um mein tägliches Ziel an Fuelgummipunkten zu erreichen. Das klappt ehrlich gesagt recht gut und ich stelle fest, dass ich öfter mal zu Fuß gehe, anstatt in den Bus zu steigen oder die Treppe nehme anstatt die Rolltreppe oder den Fahrstuhl. Das Fuelband ist also quasi meine selbst auferlegte Erziehungsmaßnahme.
Die gezählten Fuelgummipunkte sind allerdings eher eine grobe Einschätzung von Bewegung, da nämlich von Bewegungen am Arm Rückschlüsse auf Bewegungen des ganzen Körpers gemacht werden. Fahrradfahren wird ebenso wenig getracked wie Schwimmen oder der Schlaf, was ich sehr schade finde. Dafür kann man beim abendlichen Zähneputzen noch einiges an Nikefuel generieren, wenn man mit der richtigen Hand Zähne putzt. Und ich wundere mich eigentlich auch schon länger, dass es in den USA noch keine Nikefuel-basierten Onanie-Wettbewerbe gibt, denn ohne es ausprobiert zu haben, müsste auch hier das Fuelband interessant mittracken können. Ich habe jedenfalls mal ein paar Hundert Fuelpunkte beim genervten Hand-auf-den-Lenker-hauen im Stau erzeugen können, was ich doch eher verwunderlich fand. Diese Übersicht zeigt auch, dass das Fuelband im Vergleich zu anderen Tracking-Mechanismen eher schlecht abschneidet.
Da ich allerdings bereits seit Jahren ein willenloses Opfer des Nike Marketings bin und auch diese kleinen Pönökel im Laufschuh genutzt habe und auch eine Nike Lauf-Uhr hatte, die eigentlich nichts konnte, war mir von Anfang an klar, dass das Fuelband auch nur Anhaltspunkte liefern würde, aber eben keine fundierte wissenschaftliche Auswertung meiner täglichen Bewegung erstellen können wird. Das Fuelband hat Potential, daher hat Nike jetzt den eigenen Startup Accelerator Nike+ Accelerator gestartet, um viele Firmen an den Start zu bringen, die die Nike+ API und die damit verbundenen Produkte nutzen. Das ist auch bitter nötig, denn die Nike+ App ist lädt nicht gerade zum Rumspielen ein, dafür ist sie einfach zu träge und hat zu viele Bugs.
Auf die stets gestellte Frage: “und, bringt das was?” kann ich allerdings erwidern, dass ich mehr darauf achte, mich zu bewegen und das auch dazu führt, dass ich mein Gewicht besser in den Griff bekomme. Ich habe bislang über 500.000 NikeFuel erreicht und werde das Fuelband weiter täglich am Handgelenk haben. Das Fuelband kann man in Deutschland nicht direkt bei Nike kaufen, aus welchem Grund auch immer. Wenn man allerdings in den britischen Nike Shop geht, dort das Fuelband in den Warenkorb legt und danach den Shop umstellt auf Deutschland, dann hat man weiterhin das Fuelband im Warenkorb und kann es sich für €139 kaufen.















