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Es ist selten, dass ich mal vor Plakaten stehen bleibe und denke: „wow, das ist mal eine richtig gute Idee, die Debatte ist lange überfällig!“ – aber bei der aktuellen Kampagne der IG Metall, deren Plakatmotive ich seit ein paar Wochen an den Bahnhöfen gesehen habe, ist dies der Fall.

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Ich finde, dass diese Kampagne genau die richtigen Fragen aufwirft, was die Zukunft der Arbeit angeht. Denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass noch immer nicht gesehen wird, wie sich die Arbeit gerade verändert. Das hat mit der Automatisierung in einigen Branchen zu tun, so wie es Constanze Kurz und Frank Rieger in ihrem Buch Arbeitsfrei eindrücklich beschrieben haben, aber auch mit dem Entstehen neuer Arbeitsfelder und neuer Jobs. Wenn man sich allerdings die Debatten so anguckt, dann bekommt man den Eindruck, dass man sich eher in die Realität der 70er Jahre zurücksehnt, als zu erkennen, dass eine Veränderung der Arbeitswelt natürlich auch zur Folge haben muss, dass wir dringend Vorstellungen davon bekommen müssen, wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen. Es ist nicht mehr üblich, nach der Ausbildung vom Betrieb übernommen zu werden und dann bis zur Rente in dem Betrieb zu arbeiten. Das bedauern etliche sicherlich, aber für andere käme ein derartiges Modell nicht in Frage. Überhaupt stellt sich immer mehr die Frage, wie wir die Arbeit so verteilen wollen, dass genug für alle da ist und nicht die einen sich überarbeiten, während die anderen keine Beschäftigung finden.

Mich treibt dieses Thema seit einiger Zeit um, nicht nur, weil ich ein klein wenig am Kreativpakt mitgearbeitet habe, bei dem die SPD Bundestagsfraktion in der letzten Legislaturperiode versucht hat, die Herausforderungen für die Erwerbstätigen in der Kreativbranche zu verstehen und Lösungsansätze für die Verbesserung der Situation zu definieren. Aus eigener Erfahrung sehe ich eben auch, mit welcher Rasanz aktuell neue Jobs entstehen, während alte obsolet werden. Die Ümbrüche in der Medienbranche und die neuen Herausforderungen für die Agenturlandschaft waren dabei allerdings nur die Vorboten von Entwicklungen, die wir erst in einigen Jahren auch in anderen Branchen sehen werden. Die disruptive Kraft der Digitalisierung ist enorm. Sie sorgt für neue Arbeitsfelder, von denen Leute wie ich profitieren, sie sorgt allerdings auch für den Abbau von Arbeitsplätzen, für die es kaum adäquaten Ersatz geben wird. Wir müssen Szenarien entwickeln, wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen.

Daher finde ich es super, dass die IG Metall anfängt, die richtigen Fragen zu stellen und damit eine lange überfällige Debatte anschiebt. Bislang sind die Gewerkschaften allerdings in meiner Wahrnehmung auch nicht dadurch aufgefallen, dass sie an vorderster Front versucht haben, Veränderungen zu antizipieren und ihre Mitglieder darauf vorzubereiten, sondern sorgten mit ihren Ritualen für die Einbetonierung des Status Quo. Überhaupt ist mir dabei aufgefallen, wie wenig wichtig in meinem bisherigen Arbeitsleben Gewerkschaften sind. Meine Eltern waren natürlich in der Gewerkschaft, in der GEW und der ÖTV, wie sich das gehört und meine Mutter war auch zeitweilig im Betriebsrat. Für mich stellte sich die Frage noch nie, ob ich in eine Gewerkschaft eintreten sollte. Ich habe allerdings auch noch nie in einem Unternehmen gearbeitet, das einen Betriebsrat hat. Das ist mir neulich aufgefallen, als ich einen Workshop mit Betriebsräten gemacht habe, damit diese Online-Tools effektiver für Betriebsratswahlen einsetzen können. Da konnte ich in einige irritierte Gesichter blicken, als ich meinte, dass ich noch nie in einer Firma mit Betriebsrat gearbeitet habe. Wobei ich natürlich generell eine Interessenvertretung der Arbeitnehmer für unterstützungswert halte, nur boten sich die Gewerkschaften in den letzten Jahren in meiner Wahrnehmung eher nicht an.

Aber die Fragestellungen, mit denen wir es in Zukunft zu tun haben werden, sind ja enorm weitreichend. Wenn immer mehr junge Menschen nur befristete Verträge bekommen, wird das Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft und vor allem auf die Familienplanung haben. Wenn immer mehr Erwerbsbiographien Lücken aufweisen, die durch Arbeitslosigkeit aufgefüllt werden oder durch Zeiten der Selbständigkeit ergänzt werden, denn werden wir nicht darum herumkommen, unsere Sozialsysteme anzupassen. Wenn gleichzeitig ein beträchtlicher Teil der Arbeitnehmer in Frührente gehen will oder muss, weil die Arbeit kaum noch zu schaffen ist, physisch oder psychisch, während viele andere Arbeitnehmer gerne noch länger arbeiten würden, weil sie noch fit sind und die Arbeit Spaß bringt, dann müssen wir uns über flexiblere Renteneinstiegsmodelle unterhalten als wir es bislang tun. Wir werden auch nicht um die Frage herumkommen, wie wir damit umgehen wollen, dass die anstehende Automatisierungswelle, die Huckepack mit Industrie 4.0 kommen wird, substanziell viele Arbeitsplätze vernichten wird. Gleichzeitig haben immer mehr Menschen keine Lust mehr, in Vollzeit zu arbeiten und halten die bisherigen Arbeitszeitmodelle und vor allem die Präsenzpflicht am Arbeitsplatz für überholt. Das hat dann wiederum Auswirkungen auf die Karrieremöglichkeiten, Jobsicherheit und und und.

Kurzum, ich bin der IG Metall dankbar, dass sie diese Kampagne gerade gestartet hat und ich hoffe sehr, dass dadurch eine längst überfällige Debatte um die Zukunft der Arbeit entsteht. Bei D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt haben wir daher für dieses Jahr einen Themenschwerpunkt Digitale Arbeit festgelegt.

Ein immer wieder beliebtes Thema unter deutschen Politikern jeglicher Coleur ist das Internet deutscher Prägung. Schon länger führt bei vielen Protagonisten die Erkenntnis, dass Deutschland es im internationalen Vergleich eher schwer hat und das Silicon Valley oftmals den Ton angibt, zu einer merkwürdigen Diskussion. Unter der munteren Prämisse “nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich” werden Ideen in die Diskussion gebracht, die man bestenfalls als völlig undurchdacht oder naive Träumerei auslegen könnte, um nicht zu sagen, dass diese Ideen komplett bescheuert sind. Durch den Überwachungsskandal und das Nichtstun der Bundesregierung werden jetzt die Ideen nahezu im Tagesrhythmus lanciert, eine bekloppter als die nächste.

Die Kanzlerin fordert eine gemeinsame europäische Initiative, um amerikanischen Internet-Konzernen Paroli zu bieten. Sie führt dabei Airbus als Beispiel an, was als Gegenpol zu Boeing ja ganz gut funktioniert habe. Gerne wird bei der Diskussion auch angeführt, es sei Zeit für ein deutsches Microsoft. Da will dann ein Überwachungsfanatiker wie Dieter Wiefelspütz (SPD) eine europäische Alternative zu amerikanischen sozialen Netzwerken und sein Pendant von der CSU, Hans-Peter Uhl, will einen dreistelligen Millionenbetrag in IT-Sicherheit Made in Germany investieren. Niedlich. Und herrlich weltfremd. Erinnert sich noch jemand an das Projekt THESEUS, mit dem vor 5 Jahren versucht werden sollte, eine Antwort auf Google zu finden? Hat toll geklappt und nur ein paar Hundert Millionen Euro gekostet.

Daraus könnte man lernen, oder einfach den nächsten Blödsinn fordern, wie jüngst SPD Chef Sigmar Gabriel. Gabriel will Verschlüsselung per Gesetz durchsetzen und dann Datenschutz zum deutschen Export-Schlager machen. Da werden Milliarden versickern bei der Telekom, Bertelsmann, SAP und Siemens, um dann einen zentralen Nachschlüssel zu besitzen, mit dem der Staat dann doch Zugriff auf die Daten haben kann. Schöne neue Welt.

Liebe Politiker, und auch liebe Politikerinnen, bitte notiert Euch mal etwas: Digital ist anders. Digitale Wirtschaft sowieso. Und die Nutzer, die nutzen das Netz auch anders als ihr denkt und als ihr es wollt. Es ist ein Irrwitz, dass nun immer öfter die Rufe nach einem deutschen Internet lauter werden, denn Kleinstaaterei wird nur dazu führen, dass sich das Internet ohne deutsche Beteiligung weiterentwickelt. Nur, um es mal ganz deutlich zu machen, die Fördermilliarden für das Projekt “Am deutschen Internetwesen soll die Welt genesen” werden ohne Ereignis verpuffen. Die Nutzer entscheiden und nicht die Politiker. Für die Nutzer ist Convenience genauso wichtig wie Usability und natürlich eine gewisse, in der Popkultur verankerte Anziehungskraft der Produkte. So etwas kann man nicht staatlich sanktionieren. Ebenso wenig kann sich ein freies Land mit einer großen vaterländischen Firewall vom Rest der Welt abschotten. Das Internet ist global und man kann nicht erwarten, dass ein verhältnismässig kleines Land wie Deutschland eine ähnliche Entwicklung wie China oder Russland forcieren kann. Dort gibt es die Pendants zu großen amerikanischen Firmen, die Politiker hierzulande gerne fordern. Aber dort sind auch genügend Nutzer, die eine finanzielle Ausstattung der Firmen ermöglichen, die dafür sorgen kann, dass die Plattformen technologisch halbwegs in einer Liga mit den Anbietern aus den USA mitspielen können.

Ich finde es richtig, zu wollen, dass Deutschland in der digitalen Welt eine größere Rolle spielt. Ich finde es auch richtig, dass Datenschutz dabei eine wichtige Rolle einnimmt. Aber das kann und wird nicht per Verordnung und Fördermilliarden passieren, sondern es bedarf mehr Anstrengungen, um so etwas zu erreichen. So lange wir immer noch darüber diskutieren müssen, dass Schulen Whiteboards bekommen sollten, oder dass Tablets in die Schulranzen gehören, oder dass digitale Lernmittelfreiheit dazu gehört, oder dass das Erlernen einer Programmiersprache dabei hilft, die zukünftige Entwicklung der Gesellschaft zu verstehen, oder dass freie WLAN ohne Störerhaftung zu nutzen sind, oder dass Breitband wirklich flächendeckend verfügbar ist, oder dass Open Data die Grundeinstellung für Inhalte von Behörden sein sollte, oder dass die Kreativwirtschaft das Zukunftsfeld für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes darstellt, oder dass wir schneller werden müssen, dass wir wieder mehr Neugierde haben müssen, um das Neue zu begreifen, das durch die Digitalisierung tagtäglich entsteht, so lange können die Politikerinnen und Politiker aller Parteien fröhlich irgendetwas postulieren, Fördermilliarden an deutsche Großkonzerne verteilen, Milliönchen an Startups unter Wahrung hoher bürokratischer Hürden mit spitzen Fingern rüberreichen und ansonsten auf einen latenten Anti-Amerikanismus in der Gesellschaft hoffen. Aber es wird nicht helfen, den technologischen Vorsprung der Anbieter aus den USA aufzuholen und es wird nicht dazu beitragen, eine europäischere Vorstellung von Datenschutz und Verbraucherschutz in der digitalen Gesellschaft durchzusetzen.

An den digitalfremden Forderungen vieler Politikerinnen und Politiker sieht man deutlich, wie bislang die bundesdeutschen Eliten bei der Digitalisierung der Gesellschaft versagt haben. Eigentlich können alle über 50 einpacken und gehen, denn sie haben dazu beigetragen, dass diesen Land nun in einer Rolle ist, aus der es ohne weiteres nicht wieder herauskommt. Die Spielregeln in der digitalisierten Welt werden von Anderen definiert, Deutschland ist da eher Zaungast. Viel zu lange wurde das Netz belächelt, viel zu lange wurde von einer Datenautobahn gefaselt, viel zu spät wurde endlich einmal erkannt, was für eine Sprengkraft hinter der Digitalisierung steckt. Viel zu lange wird sich geweigert, alte Zöpfe abzuschneiden und überkommende Denkmodelle über Bord zu werfen. Es geht schon lange nicht mehr nur eine veränderte Medienlandschaft oder ein neues Konsumverhalten, sondern die Digitalisierung erfasst alle Lebensbereiche und immer weniger besitzt die deutsche Politik einen Gestaltungsspielraum, weil sie sich 20 Jahre zu spät mit dem Thema auseinandersetzt und noch dazu immer noch mit Rezepten aus der analogen Welt agiert. Die digitale Wirtschaft kann ein grandioser Jobmotor in Deutschland werden, aber gleichzeitig werden so viele Jobs in anderen Bereichen vernichtet werden, dass in Retrospektive die Rationalisierungswellen der 80er und 90er Jahre wie ein Kindergeburtstag aussehen. Das können wir nicht dauerhaft durch Fördermilliarden auffangen, sondern müssen dafür sorgen, dass jetzt schon die Perspektiven für die Menschen entstehen.

Investiert wirklich mal in Bildung, in Infrastruktur, in Verwaltung, denkt digitaler und nutzt die Chancen, anstatt einfach plump Milliarden in digitale Kleinstaaterei zu pumpen. Definiert eine Vision für das digitale Deutschland in 10 Jahren und macht dieses Thema zu einer breit angelegten Herzensangelegenheit für alle in diesem Land. Findet die richtigen Symbole, sorgt für den digitalen Ruck und blickt auf 2013 zurück als das Jahr, in dem Deutschland damit angefangen hat, sich selber zu erfinden. Ein alternativloses “weiter so” kann es bei der Digitalisierung der Gesellschaft nicht geben.

Ego und ich

Nico —  2.03.2013 — 5 Comments

Ego von Frank SchirrmacherAllein schon weil das Buch Ego: Das Spiel des Lebens von Frank Schirrmacher von der Kritik noch vor Erscheinen verrissen wurde, wollte ich es lesen und mir mein eigenes Bild davon versuchen zu bilden. Ich hatte Payback bereits nicht gelesen, aber des Öfteren gehört, dass Schirrmacher sich sehr mit den Auswirkungen von digitaler Technologie auf Wirtschaft und Gesellschaft auseinandersetzt.

Ich habe Ego gerne gelesen, vor allem, weil es mich leicht verwirrt zurücklässt und mich zum Nachdenken angeregt hat.

Verwirrt hat das Buch mich vor allem, weil so eine arg weit ausholende Verschwörungstheorie entwickelt wird, die mich nicht so überzeugt hat. Beim Lesen hatte ich oftmals den Gedanken “ist fefe jetzt unter die Ghostwriter gegangen?” im Kopf, denn Schirrmacher zeichnet eine breit angelegte Verschwörung des militärisch-wissenschaftlichen Komplexes zusammen mit der Finanzbranche, die uns alle zu purem Fleisch degradieren wollen, oder es schon lange getan haben, damit wir willenlos in diesem Spiel unseren Part übernehmen. Matrix lässt grüßen, aber auch der Science-Fiction Roman Interface von Stephen Bury, ein Pseudonym für Neal Stephenson und George Jewsbury, zeichnete ein ähnlich düsteres Bild der Zukunft. Bei Interface geht es um einen amerikanischen Präsidentschaftskandidaten, dem ein Biochip eingepflanzt wird und der dann quasi von einem Konglomerat des Bösen ferngesteuert wird. Ich hatte bei der Lektüre von Ego ganz oft die Hoffnung, dass auf der nächsten Seite endlich die Auflösung kommt, wer denn der Hauptverantwortliche bei dieser internationalen, aber vor allem amerikanischen, Verschwörung des bösesten Kapitalismus sein könnte. Ich habe eigentlich immer ein Bild von einem dicken Typ mit Glatze und Katze auf dem Schoß erwartet, aber vielleicht habe ich einfach auch zu viele James Bond Filme geguckt.

Andererseits hat mir Schirrmacher doch sehr oft den Spiegel vorgehalten und hat bei einigen Themen durchaus Zweifel geweckt oder bestärkt. Ich laufe gerne sehr frohen Mutes durch die Gegend und glaube fest daran, daß das Internet und die digitale Gesellschaft ein enormes Potential mit sich bringen, das wir unbedingt heben sollten. Aber ab und zu lohnt es sich, mal innezuhalten und zu hinterfragen, ob wirklich alles das, was gerade möglich ist, auch sinnvoll ist oder ob wir nur ansatzweise abschätzen können, was dies für Auswirkungen mit sich bringen würde. Schon nach einigen Seiten des Buches kam mir dann der Gedanke “ich würde gerne mal eine Diskussion zwischen Kevin Kelly und Frank Schirrmacher moderieren, das dürfte spannend werden” und schwupps, nur einige hundert weitere Clicks auf dem Kindle wurde Kelly und die kalifornische Ideologie ebenfalls von Schirrmacher thematisiert, natürlich mit dem Ausgangspunkt des Free Speech Movements in Berkeley in den frühen Sechzigern. Da ich ebenfalls in Berkeley studiert habe, wenn auch 30 Jahre später, habe ich durchaus in meiner Denke Parallelen zu den von Schirrmacher kritisierten Herangehensweisen gesehen, die in der Bay Area sehr präsent sind.

Schirrmacher drückt dies so aus:

Wenn heute Kritik an technologischen Innovationen mit “Maschinenstürmerei” abgetan wird, ist das von atemberaubender Naivität. Kritik an Technologien ist immer eine an den sozialen und kognitiven Zwängen, die sie produzieren, indem sie von der Ökonomie als Erklärungsmodell gebraucht und missbraucht werden.

Zack, das saß, zumal ich gerne Leute als Ludditen bezeichne und mich heimlich daran erfreue, wenn der Begriff nicht bekannt ist.

Nach der Lektüre von Ego: Das Spiel des Lebens bin ich mehr als je zuvor sicher, dass wir als Gesellschaft größere Anstrengungen unternehmen müssen, zu verstehen, was die digitale Gesellschaft wirklich an Herausforderungen mit sich bringt. Um im Schirrmacherschen Duktus zu bleiben: wir müssen lernen, wie das Monster programmiert wurde. Oder um es mit Douglas Rushkoff auszudrücken: Program or be programmed. Oder mit Lumma: Eine Programmiersprache als zweite Fremdsprache! – wir haben in der Tat etwas geschaffen, was so komplex geworden ist, dass wir Schwierigkeiten bekommen, die Abläufe zu begreifen. Allerdings hat die Menschheit schon des Öfteren Komplexitätssprünge bewältigt, warum sollten wir das nicht wieder schaffen? Schirrmacher hat jetzt kein Buch geschrieben, bei dem ich permanent “Recht hat er, guter Mann!” in meinen nicht vorhandenen Bart murmeln muss, aber er gibt wie zu erwarten wichtige Impulse für eine längst überfällige Debatte in Deutschland.

Diesen Vortrag habe ich am 30.11.2012 beim Vorwärts Medienkongress Kommunikation der Zukunft in Frankfurt gehalten.

Vortrag beim Vorwärts Medienkongress Kommunikation der ZukunftSehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Kommunikation der Zukunft, und, auch das muss an dieser Stelle erlaubt sein, liebe Freunde der Zukunft der Kommunikation,

als ich gefragt wurde, ob ich auf dieser Konferenz mit dem gefälligen Allerweltstitel “Kommunikation der Zukunft” eine Keynote halten möchte, da habe ich kurz gezuckt und mir überlegt, ob ich, und wenn ja was, etwas zu diesem Thema beisteuern kann, das für Sie von Belang ist.

Normalerweise findet man bei derartigen Veranstaltungen seit Jahren vor allem alte Männer im Publikum vor, die sich ebenfalls seit Jahren wundern, warum die Welt sich gerade so rasend verändert und sich fragen, wie man die Veränderung so lange blockieren kann, bis die Rente erreicht wird. Natürlich bin ich mir sehr sicher, dass dies heute nicht der Fall sein wird und daher war dann die Verlockung dann doch zu groß und ich freue mich sehr, heute zu Ihnen sprechen zu können.

Interessanter Weise rede ich bei einer Veranstaltung zum Thema Kommunikation der Zukunft ganz ohne irgendwelche technischen Hilfsmittel und lese mehr oder weniger stumpf meine Rede vom iPad ab. Es gibt keine visuellen Hinweise für Sie, es gilt das gesprochene Wort, wie es immer so schön heisst. Von mir aus können wir daran festmachen wollen, dass es auch wieder Raum für Entschleunigung und auch für Reduktion oder die Konzentration auf das Wesentliche geben muss, der Veranstalter macht quasi unbewusst einen stark inhaltlichen Punkt.

Nach dieser Vorbemerkung möchte ich gleich noch weiter ausholen und die Zeit nutzen, darauf hinzuweisen, dass die Kommunikation der Zukunft ja schon längst stattfindet und wir mitten drin sind.
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Der schwedische Ericsson Konzern hat mal eine Vision der zukünftigen technologischen Ausstattung im Haushalt in einen kurzen Film gegossen.

Irgendwie haben all diese Visionen immer gemein, daß alles aalglatt ist und es keine Überraschungen mehr geben wird, alles läuft ohne jegliche Friktion. In diesem Fall wird dann auch der Störfaktor Freundin einfach weggeclickt.

Andererseit fände ich es schon cool, wenn sich die Geräte im Haushalt besser mit einander abstimmen würden. Mit mehr als einer Person im Haushalt könnte es aber mit den unterschiedlichen Präferenzen der Nutzer doch zu Unstimmigkeiten kommen und da bezweifle ich, dass der richtige Algorithmus gefunden wird, der auf Anhieb alle glücklich macht.

[ via Devices Have Feelings, Social Network: The Future Of Homes? – DesignTAXI.com ]